Claudias Gewissensbisse

Derrick hatte alles abgefeuert und hockte sich erschöpft aufs Bett. Die Mädels schauten sich noch einen Moment an, bevor sie sich auf den Weg ins Bad machten, um die Gesichter zu waschen.

Claudia stand am Waschbecken und hatte schon Wasser im Gesicht. Katja machte ein Selfie und schickte es an Perry. Tatsächlich spürte sie in dem Moment, wie sehr sie ihr Schnabeltier eigentlich liebte. Der Gedanke, dass sie jetzt nicht zu ihm ins Bett krabbeln, ihm alles erzählen und dann mit ihm schlafen konnte, gefiel ihr überhaupt nicht. Aber, seine Reaktionen auf das Bild fand sie toll. Sie durfte einfach eine Bitch sein und machte ihren Freund damit sogar glücklich. Doch wenn sie ganz ehrlich war, die Tatsache, dass sie keinen Ring von ihm trug, gefiel ihr immer weniger.

Als Katja ans Waschbecken kam, sah sie Claudias Blick. Die schien total fertig mit der Welt.

»Alles klar mit dir?«

»Nein! Was bin ich nur für eine Arschloch-Freundin? Ich habe mein Versprechen nicht einen Tag gehalten! Kann doch nicht wahr sein!«

»Jetzt mach dich doch nicht fertig! Ich hab doch gesehen, dass du dich verweigern wolltest. Wahrscheinlich haben die Mädels wirklich damit Recht und Derrick hat die Fähigkeit, jede Frau rum zu kriegen.«

»Und das macht es besser?«

»Denke schon. Keine Ahnung! Ist jetzt aber eh nicht mehr zu ändern. Ich glaube auch nicht, dass dir Donald deshalb böse sein wird.«

»Nee, sicher nicht. Aber ich bin mir böse! Ich wollte das wirklich durchziehen und ihm beweisen, dass ich das für ihn tun kann.«

»Ach Claudi. Du hast da jetzt zwei Möglichkeiten. Entweder, du machst dich selbst fertig, oder du akzeptierst es. Aus Erfahrung kann ich dir sagen, dich selbst fertig machen bringt dir gar nichts! Sag es Donald, schau wie er reagiert und dann siehst du weiter.«

Nachdem auch Katja wieder sauber war, gingen sie zurück in Derricks Schlafzimmer. Der schnarchte jedoch schon. So nahmen sie sich ihre Klamotten und gingen ins Gästezimmer. Dort gab es zwar nur ein Bett, aber für die Mädels stellte das kein Problem dar.

Der Abend war damit jedoch noch nicht beendet. Katja schrieb weiter mit Perry und das nicht gerade harmlos. Das wurde so wild, dass sowohl Perry in Heinzfort Hand an sich legte, wie auch Katja in Neunburg.

Auch Claudia schrieb mit Donald. Doch nach Selbstbefriedigung war ihr nicht zumute. Ihre Finger zitterten, nachdem sie Donald alles gestanden hatte und die Nachricht abschickte. Seine Antwort war jedoch ganz anders, als sie erwartet hatte. Er schrieb gang ruhig und machte ihr keine Vorwürfe. Er schien sogar gut drauf, denn er meinte auch, als Ausgleich sollte sie ein paar Bilder machen, wenn sie mit Amy zugange war. Sie hatte die Wette ja verloren und das war eben der Einsatz.

Tatsächlich beruhigte es Claudia ein wenig und verschaffte ihr Vorfreude auf das Abenteuer mit Amy. Donald machte es ihr auch wirklich einfach. Er meinte, vielleicht hätte dieser Derrick ja wirklich was an sich, weshalb ihm Frauen nicht widerstehen konnten. Insofern, solange sie mit keinem Anderen ins Bett ging, auch wenn die wollten, würde er das Versprechen weiterhin als gehalten ansehen. Claudia war sehr glücklich darüber und auch sie merkte, dass sie mittlerweile sehr viele Gefühle für Donald hatte.

Der nächste Morgen begann dramatisch. Zu einer unchristlichen Uhrzeit flog die Tür zum Gästezimmer auf. Claudia und Katja lagen noch schlafend auf dem Bett, wobei sich Claudia an Katja gekuschelt hatte. Beide waren immer noch nackt.

»Raus aus den Federn! Neuer Tag, Zeit produktiv zu sein!«

Claudia und Katja erwachten fast gleichzeitig und Beide waren der Meinung, so gute Stimmung so früh am Morgen war ein Kapitalverbrechen. Als sie die Augen öffneten, sahen sie Janine vor dem Bett stehen. Sie sah umwerfend aus und strahlte, als hätte sie die Nacht in einem Kernkraftwerk verbracht. Von Elena keine Spur.

»Boah, wie kann man um die Uhrzeit nur schon so munter sein?«

»Um die Uhrzeit? Katja, ich hab schon mit Manfred gevögelt! Also hopp, schafft eure müden Knochen unter die Dusche, wir müssen ins Büro!«

Eine Sache stimmte die Mädels sofort positiv. Zum Einen, Janine schien ebenfalls ein Nimmersatt zu sein, wenn sie schon so früh die erste Nummer geschoben hatte. Dazu kam noch, sie lagen nackt und kuschelnd im Bett, was Janine, die sie ja erst am Vortag kennengelernt hatte, überhaupt nicht störte. So ein Umfeld war definitiv toll.

»Welche Drogen nimmst du, dass du schon so fit bist?«

»Drogen? Ich nehm keine Drogen Claudia. Es ist ein neuer Tag, Wetter ist super, wir gehen gleich arbeiten und alles ist einfach toll. Da muss man doch munter sein!«

Das sah Claudia anders. Janine entfernte sich und gab den Mädels die Chance, richtig aufzuwachen und sich fertig zu machen.

Eines stimmte. Das Wetter war super! Strahlender Sonnenschein, angenehme Temperaturen, so war der Start in den Tag in der Tat etwas angenehmer. Die Mädels gingen noch schnell gemeinsam duschen, dann war anziehen angesagt. Doch während Katja nur ein Bandeau, einen Rock und Turnschuhe anzog, nahm Claudia eine lange Hose, darunter Stiefel, die über die Hose gingen und ein weites Shirt. Sie wollte so gut es geht verhindern, dass irgendwer auf dumme Gedanken kam.

Kurz darauf ging wieder die Wohnungstür. Neben der fröhlichen Janine, war da auch noch eine putzmuntere Rebekka. Lediglich Amy sah ähnlich zerknautscht aus wie die Mädels. Weiterhin keine Elena. Die war wohl noch bei Viper. Die glückliche, dachte Katja.

»Seit ihr fertig? Wir müssten langsam los!«

»Japp. Sind wir. Auch wenn es so gar nicht unserer Gewohnheit entspricht, um die Uhrzeit das Haus, geschweige denn das Bett zu verlassen.«

Amy grinste.

»Kenn ich. Seit Jahren versuche ich den Damen zu erklären, dass wir es lockerer angehen lassen sollten. Aber nee, die müssen ja immer zeitig los. Als gäbe es da ein Chef, der uns sonst schimpfen würde.«

Ein paar Minuten später sassen alle bei Mario im Auto. Nicht ganz legal, denn eigentlich hatte das Auto nur fünf Sitze und es waren sechs Personen. Katja nahm deshalb einfach auf Claudia platz, die Fahrt wäre nicht lange.

Als sie das Büro erreichten, fielen Katja sofort zwei Dinge auf. Einmal, im Erdgeschoss des Bürogebäudes gab es einen Lieferservice. Das wäre auch was für ihre Wohnung gewesen. Dann sah sie den Eingang zu einer Kneipe. Dem Arsch. Der Name war super cool, wie Katja fand. Wenn man gefragt wurde, wo man sei, konnte man schliesslich sagen: »Ich bin im Arsch!«. Genial!

Das Büro selbst war nicht sonderlich spektakulär. Eine grosse, elektronische Tafel, ein paar Computer und ein Platz, wo die Mädels offensichtlich ihre Videos herstellten. Dazu gab es noch ein grosses Sofa und einen Konferenzraum.

»So Mädels, hier sind wir im Herz unseres Kanals. Die meisten Videos machen wir hier, wenn wir nicht draussen irgendwo drehen.«

»Hatte ich mir irgendwie aufregender vorgestellt.«

»Glaub ich dir sofort Claudia. Die wahre Magie kommt letzten Endes auch aus meinem Computer. Die Mädels machen nur das Rohmaterial, ich mache daraus etwas tolles.«

»Da hat unser Mario absolut Recht. Was wir drehen ist oft primitiv. Erst mit seinen ganzen Effekten und seinem Schnitt wird es ein Highlight.«

Da hatte Claudia ein Gedanken.

»Amy, mal kurz zu unserer Wette …«

Amy lachte.

»Ich weiss schon. Hast verloren. War mir aber klar und die Wette war auch nicht fair. Deshalb, wenn du das nicht willst ist das okay.«

»Was? Niemals! Wettschulden sind Ehrenschulden! Aber ja, ich hab verloren. Vielleicht könnten wir das aber ein bisschen, na ja, aufpeppen. Mein Freund würde die Nummer gerne sehen. So als Ausgleich dafür, dass ich mein Versprechen nicht gehalten habe. Wäre das okay für dich, wenn wir die Nummer filmen, damit ich ihm das schicken kann?«

Wieder lachte Amy.

»Mario? Hast du schon einmal einen Porno zusammengeschnitten?«

»Klar. Frag Luigi.«

Nun, darauf verzichtete Amy dann doch lieber. Sie liebte Mario und Luigi und war glücklich, dass es bei denen so gut lief. Sie aber beim Liebesspiel zu sehen, war nicht ihr Ding.

»Na prima. Dann stellen wir nachher hier am Sofa eine Ladung Kameras auf und wenn du bereit bist haben wir Spass. Mario kann das dann zusammenschneiden und du schickst es deinem Schatz. Wie klingt das?«

Katja schüttelte den Kopf.

»Genial! Dir macht das nichts aus?«

»Nö. Lasse mich ja auch beim Autofahren und kämpfen filmen.«

Print Friendly, PDF & Email

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.