Mission Magnet beginnt

Bereits kurz darauf landete das Team auf dem Flugplatz der Freunde. Benjamin war aufgeregt wie ein Kind, bei dem Weihnachten, Ostern und sein Geburtstag auf den gleichen Tag fällt und es trotzdem für jeden Anlass Geschenke bekommt. So viel hatte er sich schon über den Vogel anhören dürfen und jetzt konnte er es endlich selbst erleben.

Es dauerte auch nicht lange, da waren die Tore geöffnet und Viper ging mit Mario und Jana die Checkliste durch. Da Mario natürlich genau wusste, wie abgefahren das alles für Benjamin sein würde, bot er ihm den vierten Platz im Cockpit an.

Benjamin konnte die Gänsehaut gar nicht in Worte fassen, die über ihm kam, als diese mächtigen Triebwerke gestartet wurden. Dabei man ihm aber auch ein Gedanke. Wenn sein Projekt wirklich zu einem produktiven Abschluss führen würde, woran er keinen Zweifel hatte, dann würde dieser beeindruckende Teil der Maschine wegfallen. Dann waren da keine Triebwerke mehr, die mit diesem Getöse gestartet werden mussten. Sie würden durch Elektroantriebe ersetzt werden, die mit dem vorschieben der Schubkraftregler ganz von selbst anlaufen würden.

Es kam dieser eine Moment, welcher dieses Flugzeug so einzigartig machte. Mario kam zu dem Punkt, wo die Nase abgesenkt werden sollte. Jana brachte den Hebel in Position und Benjamin fing fast an zu zittern, als er sah, wie sich die Frontscheibe absenkte. Das Absenken der Nase konnte er, aus seiner Position, leider nicht sehen.

»Checkliste komplett! Ich programmiere jetzt den Autopilot.«

Sagte Mario voll routiniert. Viper schaute zu Jana.

»Erklär mir mal was. Soweit ich weiss, bist du den Vogel noch nie geflogen. Trotzdem gehst du die Checkliste genauso schnell und routiniert durch, wie Derrick. Erklär mir das mal.«

Jana schaute zu Viper und Benjamin konnte ein kleines, diabolisches Grinsen erkennen.

»Ich bin eben vorbereitet!«

»Ach. Sag mir jetzt nicht, du hast für so einen Fall trainiert.«

»Nein, tue ich nicht.«

»Und worauf wolltest du dann vorbereitet sein?«

Janas Augen verengten sich.

»Ganz einfach. Wie hatten uns überlegt, nach unserem Abenteuer da, dass wir doch das Ding klauen und für uns einsetzen.«

Vipers Augen wurde gross.

»Dein Ernst?«

Keine Antwort.

»Und wie genau wolltet ihr das anstellen? Meine Sicherheitsvorkehrungen hier sind viel zu brutal. Die hättet ihr nie überwunden!«

Jana drehte sich etwas weiter, um Mario anschauen zu können, der irgendwie leicht panisch wirkte.

»Nicht hier. Wir wollten euch zu einem Einsatz locken und das Ding dort entführen. Kannst dich aber entspannen. Wir haben den Plan verworfen.«

Nun fing Viper an zu grinsen.

»Angst gehabt, dass wir euch ansonsten in den Arsch treten?«

»Nö. Aber es gibt etwas an Board, für was wir keine Lösung finden konnten. Oder Lady?«

Lady? Benjamin verstand nicht. Doch das Flugzeug gab Antwort.

»Korrekt! Ich starte nicht, wenn meine Freunde nicht an Board sind. Auch nicht, wenn sie mit Waffengewalt zur Kooperation gezwungen werden!«

Benjamin verstand. Die von Mario installierte KI hätte es niemals zugelassen, dass unbefugte mit der Maschine hätten abheben können. Mario streichelte dabei über seine Instrumente.

»Du bist ein gutes Mädchen!«

Der Stolz in seiner Stimme war deutlich zu hören.

»Wie jetzt? Wegen der KI seit ihr von dem Plan abgerückt?«

»Genau! Mario ist ja sehr redselig und hat uns schön viel Infos gegeben, die wir zur Entführung brauchen konnten. Dann kam aber das mit der KI und wo er wie überall eingebaut hat. Abschalten ist da nicht.«

Vipers Blick wurde grimmig.

»Über die Nummer müssen wir uns aber mal noch unterhalten junge Dame.«

»Nicht nötig. Ihr seit mittlerweile unsere Freunde und da machen wir das bestimmt nicht. Ausserdem wäre dann bestimmt Perry sauer und das will ich nicht riskieren.«

Viper schaute nach unten und legte seine Hand auf sein Gesicht.

»Flugzeug gerettet wegen KI und Perrys Schwanz. Muss man sich mal überlegen.«

Die KI meldete sich wieder.

»Und du solltest dir überlegen, dass wir gerade jede Menge Treibstoff in die Rückwand meines Hangars blasen und das auch noch völlig umsonst. Mach mal was dagegen!«

»Aye!«

Antwortete Viper in einem etwas ungehaltenem Ton. Offensichtlich gefiel es ihm nicht, von einem Computer Anweisungen zu erhalten. Er legte seine Hand auf die Schubkraftregler und schob diese langsam nach vorne. In Benjamin tobte ein Orkan, so aufgeregt war er. Die Maschine setzte sich in Bewegung und schon kurz darauf trat sie aus dem Hangar. Auch dauerte es nicht lange, bis Viper eine Kurve fuhr und so das Flugzeug in Richtung Startbahn steuerte.

Das war ja alles so aufregend! Auch wenn Benjamin im Cockpit sass, spürte er dennoch, wie majestätisch dieses Flugzeug sich bewegte. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals, als Viper schliesslich auf die Startbahn einschwenkte und die Nase der Maschine schon einen Augenblick später in Position war.

»Alles bereit Mario?«

»Selbstverständlich! Die Lady ist in Topform!«

Viper schaute zu Benjamin und grinste.

»Jetzt halt dich Fest kleiner!«

Die Worte waren kaum ausgesprochen, da drückte Viper die Hebel komplett nach vorne. Trotzdem bewegte sich das Flugzeug nicht. Benjamin fing sofort an zu überlegen. Diese extreme Schubkraft und die Reibung der zehn Reifen reichte trotzdem aus, um sie auf Position zu halten? Das war beeindruckend.

»Drei, zwei, eins, jetzt!«

Zählte Jana runter und bei jetzt löste Viper die Bremsen. Benjamin wurde mit unglaublicher Kraft in seinen Sitz gepresst und sah, wie Mario vier Schalter hinter den Schubkraftreglern umlegte. Erst die Beiden in der Mitte, dann die Äusseren. Sofort wurde Benjamin mit noch viel grösserer Kraft förmlich in seine Rückenlehne gequetscht. Das mussten die Nachbrenner gewesen sein. Schade eigentlich, dass auch sie bald ausgedient haben würden.

Eigentlich hatte Benjamin erwartet, dass Jana zuerst V1 und dann erst rotieren sagen würde. Doch nein. Entweder hatte sie das V1 vergessen, oder die Kiste konnte wirklich so schnell beschleunigen, dass bei der Geschwindigkeit zum abheben noch genug Bahn übrig blieb, um den Startvorgang abzubrechen.

»Rotieren!«

Sagte Jana ganz cool. Viper hingegen blieb keines Wegs cool. Er zerrte förmlich an dem für diese Maschine typisch geformten Steuerhorn und sofort wirkten fast unmenschliche Kräfte auf Benjamin ein. Die Nase der Maschine hob sich und schien sofort senkrecht in den Himmel zu zeigen.

»Fahrwerk rein, Nase auf eins.«

Jana legte den Hebel für das Fahrwerk um und brachte jenen für die Nase auf Position eins.

»Fahrwerk kommt.«

Es folgte eine kurze Pause und als die vier Anzeigen, welche zu Beginn grün waren und dann gelb wurden schliesslich rot leuchteten ging es weiter.

»Fahrwerk ist drin. Vier rot. Nase auf eins.«

»Viper, auch wenn Pascal ja schon von Zukunftsvisionen gesprochen hat, noch ist die Lady kein Raumschiff!«

»Du bist ein Spielverderber Mario!«

Knurrte Viper und senkte die Nase wieder. Als Benjamin schliesslich wieder den Horizont sehen konnte, traute er seinen Augen nicht. Da war ja schon die Erdkrümmung zu sehen! Er musste lachen.

»Ach, wo sind die Flacherdler, wenn man sie braucht?«

Jana, die von allem total unbeeindruckt schien, schaute nach draussen.

»Sag was an Mario? Ist der Kurs gesetzt?«

»Jupp, alles fertig!«

»Schalt an Jana. Setzt die Höhe auf 69.000 Fuss. Mario, bei Mach zwei schaltest du die Nachbrenner aus.«

Mach zwei? Benjamin suchte die Instrumente ab und fand den Machmeter. Er konnte seinen Augen nicht trauen. Obwohl die Kiste senkrecht in den Himmel geschossen war, war die Geschwindigkeit schon höher als die Schallgeschwindigkeit und nur wenige Sekunden später schaltete Mario die Nachbrenner schon ab.

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