Perry und Phillip

In der Zwischenzeit ging das Leben für die anderen Freunde ganz normal weiter. Wie gewohnt waren Donald und Perry beim Training, als sie bei der Rückkehr ein bekanntes Gesicht im Eingangsbereich sahen, welches anscheinend nach einem Schlüssel suchte. Donald ging sofort hin und gab diesem Mann einen Klapps auf die Schulter.

»Phillip, was geht ab? Lange nicht gesehen!«

Phillip, der anscheinend das Näherkommen seiner Freunde nicht bemerkt hatte, zuckte heftig zusammen.

»Donald, Perry! Boah hab ich mich erschreckt!«

Perry lachte.

»Schlechtes Gewissen?«

»Nein. Aber, wenn ich dich schon sehe, kann ich dich sprechen?«

Donald runzelte die Stirn.

»Ihn? Ihn alleine?«

Phillip nickte, Donald warf Perry einen abschätzenden Blick zu.

»Also, irgendwie verstehe ich das nicht. Früher wollten immer alle mit mir alleine reden und die Frauen, na du weisst schon. Mittlerweile glaube ich aber, ich bin voll ins Hintertreffen geraten!«

Perry lachte.

»Na hör mal Alter! Um ins Hintertreffen zu geraten, müssen noch sehr viele solcher Momente passieren! Also ruhig Blut.«

»Ich mein ja nur.«

Perry sperrte die Tür auf, die drei Männer bestiegen den Fahrstuhl und es ging auf die Etage, wo die Neunburger ihre Wohnung hatten. Perry stieg zusammen mit Phillip aus, Donald fuhr weiter nach oben. In der Wohnung fläzte sich Phillip direkt auf das Sofa.

»Perry, ich habe da ein riesiges Problem!«

»Schon Krass! Dabei könnte man meinen, bei euch da drüben wäre das Wort Problem ausgestorben.«

»Dachte ich eigentlich auch. Seit Amy damals diese Geschichte mit Pascal hatte und bei mir nicht mehr feucht wurde, dachte ich eigentlich wirklich, Probleme bei uns wären nicht mehr existent. Gut, so ist es ja noch immer. Ich habe ein andere Problem.«

Perry setzte sich auf einen der Sessel und nahm eine Haltung ein, wie man sie aus Filmen von Psychiatern her kannte.

»Dann erzähl.«

»Das ist eigentlich schnell erzählt. Ich habe eine sehr gute Freundin. Die kennt auch Amy und die anderen und untereinander verstehen die sich auch alles super. Sie hat zwar nichts mit Autos am Hut und so, so dass wir eigentlich immer nur Zeit bei ihr miteinander verbringen, aber spielt ja keine wirkliche Rolle.«

Phillip sog tief Luft ein.

»Wir sind über einen Punkt hinaus gekommen, wo wir von Freunden zu besten Freunden wurden. Mir ist dann aber aufgefallen, für mich ist sie mehr als eine beste Freundin. Kein Ersatz für Amy und auch nicht so wie Markus bei ihr. Trotzdem habe ich Gefühle. Verdammt, ich habe extrem starke Gefühle!«

Perry redete dazwischen.

»Aber sie nicht.«

Phillip schaute zu ihm.

»Wie ich erfahren habe, hat sie die doch. Die Gleichen wie ich. Wir haben uns auch schon gesagt, dass wir uns lieben. Aber wir sind auch Beide auf dem Stand, dass es nicht die gleiche Liebe wie zu einem Lebensgefährten ist und meine Gefühle zu Amy haben sich auch kein Stück verändert.«

Perry kratzte sich am Kopf.

»Und wo liegt da jetzt das Problem? Amy hat ja auch zwei, eigentlich ja sogar drei Beziehungen gleichzeitig. Dann wirst du ja wohl auch eine zweite Frau haben dürfen.«

»Perry, Amy ist hier überhaupt nicht das Problem. Mit der habe ich da auch schon drüber gesprochen. Das Problem ist sie. Sie ist da auch in so etwas ähnlichem wie einer Beziehung. Zwar sieht sie sich selbst nicht in einer, aber der Alltag sieht eben so aus. Da spricht sie aber auch nicht von Liebe. Aber, von etwas anderem.«

Perry beugte sich neugierig nach vorne.

»Es gibt da folgendes Problem. Sie weiss, dass ich sie will. Sie will mich auch. Aber, sie will nicht zweigleisig fahren, wegen dem Typ. Ausserdem ist sie der Meinung, sie könnte Amy nicht mehr in die Augen schauen, wenn wir intim werden würden.«

Perry fing an zu lachen.

»Dein Ernst?«

Phillip nickte und Perry sah ganz genau, wie ernst ihm das war.

»Also, ich verstehe dich da richtig. Die hat eine Beziehung, oder eine angehende, oder wie auch immer, sie ist aber in dich verliebt und will mit dir auch intim sein. Aber. Auch wenn Amy mit so etwas ja überhaupt keine Probleme hat, hätte sie dann ihr gegenüber ein schlechtes Gewissen. Also diese Frau gegenüber Amy. Ausserdem, auch wenn sie diesen Beziehungstyp anscheinend nicht wirklich liebt, will sie ihm auch nicht fremdgehen.«

Wieder nickte Phillip.

»Also, so eine Geschichte habe ich noch nie gehört. Okay, sage ich bei euch ziemlich oft, aber ist trotzdem so.«

»Was glaubst du denn, warum ich mit dir darüber reden will?«

»Um ganz ehrlich zu sein, dass weiss ich nicht. Ich war noch nie in einer solchen Situation. Im Moment kann ich mir auch gar nicht vorstellen, noch Gefühle für jemand zu entwickeln. Katja hat mich so im Beschlag.«

»Ich hab schon gehört. Das hat irgendwas mit diesem Wifesharing zu tun.«

Perry nickte.

»Wie dem auch sei. Ich habe das Gefühl, ich muss dich das fragen. Das du der Mann bist, der mir einen Rat geben kann.«

Perry hatte allerdings keine Ahnung, was er da raten sollte. Er fing an zu improvisieren.

»Na ja. Okay. Erzähl mal, auf welchem Level ihr euch befindet.«

»Ich darf sie berühren, also obenrum. Wir umarmen uns und es gibt auch ein Kuss auf den Mund.«

Wieder legte sich Perrys Stirn in Falten.

»Hast du nicht eben gesagt, sie will nicht zweigleisig fahren?«

»Ja, tut sie ja auch nicht, sagt sie.«

Perry fing an zu lachen.

»Okay. Was denkst du was passiert, wenn du zu dem Typ gehst und sagst, du darfst seiner Freundin an die Möpse und ihr knutscht euch.«

»Das hab ich ihr auch schon gesagt. Es war auch mal so, dass ein Kuss auf den Mund nicht in Frage kam.«

»Und wieso dann doch?«

»Na ja. Weil ich es einfach gemacht habe.«

Perry rieb sich sein Kinn.

»Weil du es einfach gemacht hast. Okay. Wie könnte man das jetzt werten?«

»Das ich ein Egoist bin?«

Fragte Phillip und das klang auch ziemlich ernst gemeint.

»Nein, würde ich so nicht sagen. Es gibt eben Frauen, die so erzogen wurden, dass der Mann den ersten Schritt zu machen hat. Vielleicht ist es auch für ihr Unterbewusstsein nur ein Trick, um kein schlechtes Gewissen zu bekommen?«

Das machte Phillip neugierig.

»Du meinst also, wenn ich anfange und sie nur mitmacht, dann ist es okay? So nach dem Motto, dass Kind liegt eh im Brunnen?«

Perry nickte.

»Aber ohne Gewähr! Ich würde es aber auch als möglich erachten.«

»Super. Dann muss ich sie also quasi nur einmal flachlegen und habe gewonnen?«

»Phillip. Ich glaube nicht, dass du sie flachlegen willst. So wie du erzählst, willst du mit ihr schlafen und das geht nicht so nebenbei. Aber soweit müssten wir uns ja einig sein.«

»Ja, sind wir wohl. Dumm ist nur, sie verbringt natürlich viel Zeit mit dem, was ganz logisch ist. Mir macht das auch eigentlich nichts aus. Bis auf die Tatsache, so hat sie eigentlich keine Zeit für mich und das heisst dann wieder, ich kann quasi nichts machen, um sie weiter zu erobern.«

Perry nickte.

»Ich verstehe das Dilemma. Ich weiss aber nicht, was ich dir da raten soll. Ich meine, ausser du musst dir die Zeit nehmen. Aber da weiss ich schon, was du darauf antworten wirst. Dir die Zeit zu nehmen hat den Beigeschmack, dass sie dir die Zeit eigentlich nicht geben will und es nur tut, weil du es möchtest.«

Phillip nickte.

»Tut mir leid Kumpel. Aber dann weiss ich nicht, was ich dir raten kann. Ausser, hab Geduld. Wenn sie dich wirklich liebt, dann wird sie einen Weg finden und wenn nicht, dann solltest du einfach loslassen. Ich meine, es ist ja jetzt nicht so, als wenn du niemand zum trösten finden würdest.«

»Weh würde es trotzdem tun. Ich hab mir auch schon überlegt, den Typ einfach verschwinden zu lassen. Hab ich dann aber verworfen. So einer bin ich dann doch nicht!«

»Nein, ganz sicher nicht Phillip. Trotzdem. Irgendwas muss passieren. Es wäre schade, wenn du Depressionen kriegen würdest!«

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