Schmachten

Tatsächlich arbeiteten Viper und Natascha schon wenige Augenblicke später wie besessen an diesem Modellauto. Benjamin gab schliesslich das Kommando an Jana und Kim, die Beiden sollten sich mit ihm zusammen weiter um das richtige Auto kümmern, während Mario und Waldemar prüfen sollten, ob es da beim Generator nicht noch was zu holen gab.

Bei all der Action gab es dann aber doch Leute, die Probleme mit der Sache hatten. Katja, Maia, Elena und Janine. Letztere war für einen kurzen Besuch vorbei gekommen und mal wieder einfach geblieben. So wie es immer mal wieder mit den Mädels aus Neunburg passierte. Seit die eine Wohnung in dem Haus hatten, blieben sie gerne mal hängen, auch wenn sie eigentlich nur kurz bleiben wollten.

Die Mädels hockten bei AAA und der Unmut war ihnen anzumerken. Besonders bei Katja.

»Sagt mal, fühle nur ich mich irgendwie verarscht?«

»Wenn du dich jetzt auf die Jungs beziehst, nein Katja! Da geht es mir nicht besser.«

»Schön zu wissen Elena. Was ist nur los mit denen?«

Maia hatte sich auf eines der Sofas gelümmelt und schaute zur Decke.

»Die Kombination ist für mich besonders irritierend. Otto und Waldi. Ergibt das für irgendwen einen Sinn?«

Janine stand am Fenster und schaute mit leerem Blick nach draussen.

»Genauso wenig wie, dass Mario auch jeden Tag verschwindet. Den bekommt man sonst nur selten von seinen Computern weg, sei es im Büro, oder in der Halle. Aber auf einmal ist er über Stunden nicht aufzufinden.«

»Moment!«

Mischte sich Maia ein.

»Das würde ja bedeuten, unter Umständen, die sind zusammen. Waldi, Ben und Mario. Ich habe da ein ganz mieses Gefühl!«

»Du denkst aber nicht an so etwas wie dieser Berg mit dem Rückschlag, oder wie der hiess?«

»Der Gedanke drängt sich irgendwie auf Katja.«

Die schüttelte den Kopf.

»Nie und nimmer! Otto ist so ein harter Rammler und hat so eine pervers harte Latte dabei, der kann nicht schwul sein!«

»Von schwul hat auch niemand gesprochen Katja. Aber von Bi!«

»Nie und nimmer!«

Janine drehte sich um.

»Du weisst aber schon, dass ich mit ihm eine Wette laufen habe? Wenn er es schafft, mit mir und Mario zusammen einen Dreier zu starten, dann heirate ich ihn?«

Katja schwieg. Dafür wurde Elena aktiv.

»Okay, von mir aus. Dann Otto und Mario. Aber nie im Leben mein Waldi!«

Maia stiess sofort ins selbe Horn.

»Der Meinung bin ich auch! Waldi ist ja kaum davon zu überzeugen, mit einer Frau Sex zu haben. Dann schon gar nicht mit einem, geschweige denn zwei Männern!«

Claudia, die ihren Laptop auf dem Schoss hatte und eigentlich arbeitete, mischte sich nun ebenfalls ein, ohne dabei aber gross vom Bildschirm aufzuschauen.

»Leute. Lenkt nur weiter brav von eurem eigentlichen Thema ab. Es ist euch doch total egal, wenn die Drei miteinander rummachen. Euch geht es nur darum, dass ihr in der Zeit nicht in die Nähe von den Schwänzen kommt!«

Janine lachte.

»Ei klar. Weil ich ja schon so oft mit Mario in der Kiste war!«

Claudia blieb weiter mit dem Blick im Bildschirm.

»Nein, um Mario geht es auch gar nicht. Du vermisst Otto genauso wie Katja. Nur ist es bei Katja der Schwanz, bei dir das Herz!«

Und wieder lachte sie, während der Reist stumm da sass und sich langsam aber sicher fragte, ob Claudia damit nicht sogar Recht haben könnte.

»Ich? Herz? Das gehört Amy und nur Amy!«

Claudia hob die Hand. An ihrem Finge prangte ein ziemlich dicker Ring. Der war offensichtlich die ganze Zeit nicht wirklich aufgefallen, denn sofort eilten sämtliche Blicke auf den Finger.

»Dann macht es dir ja auch nichts, dass wir verlobt sind, oder?«

Katjas Kopf schnellte herum, um Janines Blick zu sehen und der machte es definitiv etwas aus. Mit Elan stürzte sie auf Claudia zu, die einen panischen Gesichtsausdruck auflegte. In letzter Sekunde gelang es Katja, die heranstürmende Janine zu packen und mit ihr auf das Sofa zu stürzen. Maia hatte gerade noch genug Zeit, sich aufzurichten.

»Seit ihr bescheuert? Ist ja nett, dass du Claudi retten willst Katja, aber mich dafür opfern finde ich irgendwie uncool!«

Katja schaute zu Boden, hielt aber Janine noch fest im Griff.

»Tut mir leid Maia. Aber aus meiner Position konnte ich kein anderes Ziel erreichen!«

Claudia schaute wieder unbeeindruckt in den Bildschirm.

»Dachte ich es mir doch. Nebenbei, ich hab seit Tagen nicht mit Otto gesprochen und wenn überhaupt, dann heirate ich mein Entchen. Den Ring habe ich schon ewig. Ich versuche meinem Entchen damit nur einen Wink zu geben. Der hat keine wirkliche Bedeutung.«

»Du Arsch!«

Protestierte Janine.

»Wenn Katja nicht gewesen wäre, hätte ich dir jetzt den Pony nach Süden geföhnt!«

»Zugegeben, so weit habe ich gar nicht gedacht. War mein Fehler. Aber, du willst uns jetzt nicht wirklich weiter erzählen, dass du keine Gefühle für Otto hast!«

»Würdest du mich mal los lassen Katja? Ist ja nicht so, als fände ich deine Nähe nicht doch irgendwie heiss, aber ich weiss ja genau, wie lange ich baggern müsste, bis du mitmachst und darauf habe ich im Moment so gar keine Lust. Siehe Frisur!«

Claudia schielte sofort zu Janine, sah aber nur offene Haare. Bei Janine eine Seltenheit.

»Willst du etwa, dass ich nicht geil auf dich werde Janine?«

»Korrekt Claudi. Mir gehen gerade andere Dinge durch den Kopf.«

Claudia lachte.

»Ihr seit echt nicht zu fassen! Gestern habt ihr noch Munter mit den Kerlen auf der Veranstaltung gefickt, du hast danach garantiert mit deinem Schnabeltier Spass gehabt, Elena du mit deinem Waldi und so weiter. Wollt ihr mir jetzt allen Ernstes erklären, dass ihr Probleme damit habt, wenn Otto und Waldi mal nicht greifbar sind? Oder wenn die es untereinander treiben?«

Katja liess Janine los und setzte sich normal hin.

»Das klingt wirklich ein bisschen bescheuert. Aber trotzdem. Ihr wisst alle, ich liebe mein Schnabeltier über Alles und nichts in der Welt könnte mich von ihm trennen. Ich liebe es auch, Donalds Eigentum zu sein. Aber irgendwie, wenn Otto mich fickt, mit diesem übermächtigen Teil, ich bei jeder Nummer spüre, wie seine Erfahrung steigt, es ist einfach der Hammer!«

Janine schaute beschämt zu Boden.

»Und ich muss zugeben, am Anfang war es ja nur eine Wette, aber jedes Mal, wenn ich Ben sehe, kribbelt es in mir und ich ertappe mich auch immer öfters, dass ich wirklich seine Frau sein will. Ob das jetzt Liebe ist weiss ich nicht. Bei Amy fühlt sich das anders an. Bei Ben fühle ich mich irgendwie so wohl. Es wirkt so, als müsste es einfach so sein. Ich meine, bei Kincaid habe ich auch etwas gespürt, keine Frage, aber bei Ben?«

Claudia klappte den Laptop zu.

»Das muss man sich mal vorstellen. Wir. Gerade wir quatschen hier so, als wäre Ottos Schwanz der Geilste, oder man müsse sich einfach in ihn verlieben und das er im Moment nicht so greifbar ist, scheint bei euch ja richtige Verluste zu verursachen. Noch schlimmer! Ich sitze hier und arbeite. Um die Uhrzeit! Ich hab seit Tagen nicht gekifft und meine letzte Bahn ist Wochen her. Was geht hier ab? Werden wir alt?«

Katja runzelte die Stirn.

»Jetzt, wo du es sagst, ich hab auch schon ewig kein Tütchen mehr gebaut.«

Beide schauten zu Elena. Die hob die Schultern und schüttelte den Kopf.

»Okay, okay. Ich teile jetzt nicht zwingend euren Hang zu Drogen. Aber irgendwas stimmt hier ganz sicher nicht! In ein paar Tagen gibt es wieder Rennen und ich bin seit letztem Wochenende nicht einen Meter mit Lori gefahren.«

Maia stand auf.

»So geht das nicht! Mädels, wenn die Kerle denken, dass wir hier sitzen und nach ihnen schmachten …«

»Was wir auch tun!«

Fügte Katja ein.

»Dann sollen sie mal sehen, mit wem sie sich angelegt haben. Ich wette! Heute Abend habe ich einen Kerl, da werden die mal blöd schauen! Wer macht mit?«

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