Testreihe

Was die nächsten Tage folgte, war gerade für Viper eigentlich nicht zu akzeptieren. Dieser eigentlich total banale kleine Generator lief und lief und lief. Also bastelte Viper an das Gerät noch eine Anschlussmöglichkeit für verschiedene Geräte. Sowohl Gleichstrom, wie auch Wechselstrom. Sinn dahinter war, verschiedene Verbraucher anzuhängen um zu ermitteln, wie viel Saft wirklich aus dem Ding kam.

Die Antwort war schockierend. Viper und Kim hingen nach und nach verschiedene Verbraucher dran, die immer mehr Ampere von dem kleinen Ding forderten. Selbstverständlich brach der Strom relativ schnell zusammen, doch kam tatsächlich mehr Strom aus dem Gerät heraus, als man zuvor hinein gesteckt hatte. Es war also erwiesen, dieser Generator war wirklich ein Generator und generierte sogenannte freie Energie. Also Energie, die keinen Brennstoff, oder ähnliches benötigte.

Viper war sichtlich schockiert.

»Ben, ich glaub das nicht! Ich sehe es vor mir, teste und teste, sehe die Ergebnisse und kann dir nur sagen, ich glaube es nicht!«

Benjamin, der zufrieden grinsend neben Viper stand, machte auf cool.

»Ja? Warum denn nicht?«

»Ben, weil es unmöglich ist! Ich habe da neu Volt zugefügt mit bestenfalls ein paar Milliampere. Wir holen aber zum Beispiel zwölf Volt mit 200 Milliampere pro Stunde da raus. Das ist Energie aus dem nichts!«

Benjamin schüttelte den Kopf, wollte gerade anfangen zu erklären, als Waldemar dazwischen sprang.

»Mein lieber Detlef. Deine Ausgabe ist nicht korrekt! Vergiss bitte nicht die beiden starken Permanentmagnete! Es bedurfte einer grossen Menge an Energie, um diese Magneten zu erschaffen. Insofern ist in ihnen Energie gespeichert, die nun zur Rotation beiträgt und dadurch neue Energie erzeugt. Wobei das natürlich eine haarsträubend falsche Erklärung ist, da man Energie weder erschaffen, noch zerstören kann. Hier wird einfach die Energie, welche in den Magneten gespeichert ist, zur Erzeugung einer Rotation verwendet, welche wiederum Energie über die beiden kleinen Generatoren erzeugt. Wir wandeln faktisch nur Energie in Energie.«

»Da hat Waldi Recht Viper. Wir erzeugen keine Energie auf mystische Art und Weise. Da steckt Energie in den Magneten und ohne die würde es nicht funktionieren.«

»Trotzdem Mario. Dann müsste die Energie in den Magneten ja irgendwann weniger werden.«

»Müsste sie, da gebe ich dir Recht. Aber wann und wie kann ich dir nicht sagen. Oder ob überhaupt.«

»Boah Leute! Das ist die selbe Diskussion, als wenn man im Internet ein Regal von einem Meter 45 kauft, es daheim aufstellt, es zwei Meter gross ist und man behauptet, es wäre nur ein Meter 45, weil es im Internet steht. Es ist total egal, wo die Energie her kommt. Wir sehen es ja hier direkt vor uns. Es funktioniert! Warum? Keine Ahnung. Müssen die Physikbücher neu geschrieben werden? Woher soll ich das wissen? Ist das nur eine physikalische Gegebenheit, die wir noch nicht erforscht und beschrieben haben? Möglich! Sicher ist aber eines. Das Ding steht da, wir können es sehen, anfassen, messen und es läuft!«

Nun bekam Kim dann doch ein paar Worte raus.

»Ben liegt da völlig richtig. Es ist egal wie unmöglich es scheint. Es ist egal, ob es gegen unsere Erfahrung spricht. Es funktioniert! Anstatt hier jetzt dumm zu überlegen, warum es funktioniert, obwohl es das überhaupt nicht darf, spielt doch gar keine Rolle! Lasst uns sehen, wie wir es nutzen können.«

Ihre Worte zeigten sofort Effekt. Es wurden fieberhaft Dinge gesucht, die man damit betreiben konnte. Doch schon nach runden 30 Minuten war die Ernüchterung gross und Viper fand die passenden Worte dafür.

»Okay. Wir haben hier einen Generator, der rund fünf Kilogramm wiegt. Wie bekommen damit aber gerade einmal einen Motor zum laufen, der nicht einmal ein Kilogramm bewegen kann. So cool das Ding auch ist, wirklich nutzbringend ist es nicht wirklich. Klar, wir können grosse Exemplare an die Strecke und in die Hallen bauen und damit die Autos aufladen, aber wirklich weiter sind wir deshalb nicht. Ich meine, die Viper wird fast immer über Solar geladen. Ich hätte also keinen nennenswerten Vorteil. Gut, ich könnte so ein Ding in einen Anhängerbauen und dann immer mit zu den Rennen ziehen, aber davon abgesehen, scheinen wir auf dem Holzweg zu sein.«

Mario sah das anders.

»Du vergisst aber, dass wir bald die Nanoröhrchen einsetzen können. Das reduziert sehr viel Gewicht und sollte die Leistung zudem noch erhöhen.«

»Ist okay Mario, aber du müsstest das Gewicht so weit senken und die Leistung so weit erhöhen, dass wir einen Motor damit betreiben können, der zumindest das gleiche Gewicht bewegen kann, wie der Generator schwer ist!«

Kim hatte sich an die Wand gelehnt, ein Fuss an die Wand gestellt und tippte sich die ganze Zeit mit dem Finger an die Nase. Für Jana und Natascha ein klares Zeichen, dass in ihrem Kopf gerade Magie vor sich ging.

»Was wäre denn, wenn wir den Generator dafür nutzen, einen Kondensator zu laden? Also ein richtig fetter Brummer, mit dem wir das gewünschte Objekt dann bewegen können?«

»Du bist lustig Kim. Der ist dann auch irgendwann leer und der Generator schafft in dem Fall auch nur, die Entleerung etwas hinauszuzögern. Dauerbetrieb wäre da nicht machbar.«

»Das sehe ich ein bisschen anders Viper. Vor ein paar Monaten hatten wir ein Einsatz in einem Labor. Da gab es Superkondensatoren. Sehr leicht, aber unglaubliche stabil und leistungsstark. Die haben aber das kleine Problem, denen muss man unentwegt Energie zuführen. Dann liefern die quasi ewig ihre Spannung.«

Das liess Viper, aber auch Benjamin aufhorchen.

»Und die Dinger sind einsatzbereit? Ich meine, es ist nicht so ein Teil was es nur einmal gibt und was Millionen kostet, um noch eines zu bauen weil es noch ein Prototyp ist?«

»Nee Ben. Die gibt es definitiv schon. Die werden schon in Raketen eingesetzt. Ihr würdet zwar aktuell niemals da dran kommen, aber wir haben ja noch so den ein oder anderen Gefallen bei denen offen. Ohne uns wäre dort, wo diese Forschungseinrichtung ist, jetzt nur ein riesiges Loch im Boden.«

»Meine Freunde, ich möchte nicht der Spielverderber der Runde sein. Aber auch mit diesen Kondensatoren werden wir bestenfalls die Reichweite des Antriebs erhöhen können. Das von uns angestrebte Ziel wird sich damit nicht erreichen lassen.«

Natascha lachte.

»Was bin ich so froh, dass nicht nur wir so eine Spassbremse im Team haben!«

»Mit Verlaub meine liebe Natascha. Ich würde mich als Realist, vielleicht noch als Person mit Affinität zum Pessimismus bezeichnet. Keines Wegs würde ich sagen, dass ich eine Spassbremse bin! In dem hier vorliegenden Fall sehe ich es insofern realistisch, als dass ich der Meinung bin, nach aktuellen Gegebenheiten ist es kaum möglich, mit diesem Plan eine wirklich nutzbringende Verbesserung zu etablieren. Doch bin ich auch der Meinung, wir stehen am Anfang! Wir haben hier ein Gerät vor uns, welches nach Viper und der lieben Kim gar nicht möglich ist und es ist dennoch existent! Doch haben wir keinerlei empirische Daten vorliegen. Die wenigen Tests, die wir bislang durchgeführt haben, sind nicht aussagekräftig. Deshalb stehe ich an dem Standpunkt, wir stehen ganz am Anfang der Forschung und zu diesem Zeitpunkt ist es nichts weiter, als eine, nach wissenschaftlichen Massstäben, unmögliche Spielerei. Doch verhält es sich sich, dass auch die Kernforschung einst eine mathematische Idee war, die erst nach und nach zur Reife gebracht wurde. Wir werden Geduld haben müssen und mit vielen Fehlschlägen rechnen. Schlussendlich, doch handelt es sich damit lediglich um meine Meinung, können wir damit das Ziel erreichen, weswegen wir hier sind.«

Waldemars Rede beeindruckte sogar Kim und Viper. Doch es war Benjamin, der weitere Worte fand.

»Ich bin da ganz bei Waldi. Wir stehen am Anfang und wissen noch gar nicht, welches Potential hier überhaupt vorhanden ist! Sicher ist aber eines. Es funktioniert und wir haben hier die krassesten Köpfe zusammen, die ich mir vorstellen kann. Mario und Waldi sind brutale Theoretiker. Ich habe meine Visionen und bin auch nicht dumm. Unser Viper hier ist ein grandioser Ingenieur und Kims Fähigkeiten stehen da draussen und haben sich bewährt. Dazu noch Natascha und Jana. Also wenn ihr mich fragt, es kann nur ein Erfolg werden!«

Mit den Worten kam Jana zu Benjamin.

»Alles klar Ben! An dem Tag, wo Kim zu mir kommt und sagt, wie sollten den Klumbatsch in unseren Hubschrauber einbauen, zerre ich dich irgendwo hin, wo wir ungestört sind und du benutzt dieses übergrosse Teil da bei mir!«

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