Vipers Entscheidung

Viper fing an hin und her zu gehen, wie ein Tiger im Käfig. Es war ihm anzusehen, dass zwei gewaltige Mächte in ihm kämpften. Die eine Seite war der rationale Ingenieur. Diese schien nicht zulassen zu können, dass Energie quasi aus dem Nichts funktionieren kann. Doch sah er auch immer wieder zum Hangar. Da stand schliesslich ein Flugzeug drin, welches man ebenfalls als kaum zu glauben ansah. Bei Bedarf zu 100 Prozent unsichtbar vor jeglicher Art der Ortung, unglaublich schnell, ohne sich nennenswert aufzuheizen. Dazu noch, bei übertriebener Leistung hatte es auch den geringsten ihm bekannten Triebstoffbedarf.

Es dauerte lange, bis er schliesslich vor Benjamin stehen blieb.

»Okay Kleiner. Ich sag es mal direkt heraus. Deine Idee ist in meinen Augen nur Spinnerei. Es mag rechnerisch machbar sein, aber in der Realität werden wir nie etwas bauen können, was so geringe Verluste hat, dass es sich selbst antreiben kann. Noch weniger werden wir etwas bauen können, was zudem auch noch Energie freisetzt, die man nutzen kann. Mit richtig viel gutem Willen würde ich noch akzeptieren, dass man mit so etwas für eine begrenzte Zeit vielleicht eine kleine LED zum leuchten bringt, aber eben, nur eine begrenzte Zeit.«

Benjamin schaute zum Boden.

»Wir können also nicht auf dich zählen?«

Viper lachte.

»Das hab ich nicht gesagt! Im Gegenteil, ich bin dabei! Aber nicht, weil ich von eurem Konzept überzeugt bin. Nein! Ich will Mario einfach mal vor Augen führen, dass theoretische Konzepte funktionieren können, ohne in der Realität auch nur den Hauch eine Chance zu haben.«

Benjamin schaute auf und lächelte.

»Aber, du sabotierst das Projekt nicht? Du arbeitest mit, um es zum laufen zu bringen?«

»Klar! Ich mag schmutzige Tricks nicht. In den ganzen Rennen, die ich gegen Janine verloren habe, hätte ich oft das Ruder mit ein bisschen Trickserei herumreissen können. Aber, so etwas mache ich einfach nicht! Ich gewinne ehrlich, oder gar nicht!«

Genau in dem Moment hörte man einen mächtigen Sound näher kommen. Viper fing sofort an sich umzuschauen. Er suchte etwas und schon kurz darauf hatte er es entdeckt.

»Ist ja ein Ding! Was machen die denn hier?«

»Du kennst die?«

Fragte Benjamin neugierig. Viper ignorierte ihn und schaute zu Mario, der mit Waldemar etwas abseits stand.

»Mario! Hast du damit was zu tun?«

Benjamin erschrak. Vipers Stimme war brutal laut und hatte mächtig Druck. Mario gab keine Antwort. Er grinste nur und hob die Schultern.

»Eigentlich hätte ich es mir denken können, dass da irgendwo noch ein dicker Hund begraben liegt. Lass mich raten. Die sind an eurem Projekt auch interessiert?«

Benjamin nickte eingeschüchtert.

»Und warum kommen die jetzt erst? Das wäre doch mit ein Argument gewesen.«

Benjamin blieb kleinlaut.

»Eigentlich will Jana nur mit Perry ficken.«

Viper fing an laut zu lachen.

»Es ist witzig, auch wenn es eigentlich sehr traurig ist. Wenn dieses kleine Würmchen nicht unter dem Schutz seiner Frau, Amy und den anderen stehen würde, hätte ich dem schon lang eine geschossen.«

Benjamin zog die Augenbraue hoch.

»Warum denn?«

»Wegen seiner Art! Bevor er aufgetaucht ist, war ich so ziemlich der Platzhirsch. Allgemein haben sich die Mädels darum gerissen, von mir gefickt zu werden. Ausser Derrick hat eine gerufen, aber das ist eine andere Geschichte. Dann kam das Schnabeltier. Früher war er ja auch noch fett, absolut unselbstständig mit einem Selbstvertrauen, was ein negatives Vorzeichen hatte. Aber dann. Nach und nach hat er eines der Mädels nach dem anderen flach gelegt und seither ist er der Schwarm von allen. Dabei lasse ich mir nur ungern den Rang ablaufen.«

Benjamin schwieg. Er dachte an seinen mächtigen Dödel und wie Vipers Mädels, wie er sie nannte, total darauf abfuhren. Janine ihm ja sogar die Ehe angeboten hatte. Ihm war klar, wenn Viper einmal zu fest Luft ziehen würde, würde er in einem Nasenloch verschwinden. Der Gedanke, von Viper eins aufs Auge zu kriegen, machte ihm ernsthaft Angst.

Der Hubschrauber kam mit einem kaum zu fassenden Tempo in weniger als zehn Meter Höhe angeschossen. Benjamin war sich sicher, der würde über den Flugplatz knattern, eine Schleife fliegen und landen. Aber nein. Kaum hatte die Maschine den Rand des Flugplatzes erreicht, hob sich seine Nase weit nach oben, Benjamin sah das Fahrwerk ausfahren und die riesige Kiste setzte butterweich unweit der Autos auf. Benjamin war stark beeindruckt. Natascha schien ein aussergewöhnlicher Pilot zu sein.

»Viper, du bist ja hier der Pilot. Finde nur ich Nataschas Leistung da so beeindruckend?«

Viper schielte zu Benjamin. Er hatte die Arme verschränkt und den Landevorgang beobachtet.

»Natascha? Jana fliegt den Vogel!«

Nun schaute Benjamin zu Viper.

»Jana? Die sitzt doch ganz vorne.«

»Richtig. Da, wo bei diesem Vogel der Pilot sitzt.«

»Ne, ne, mein Lieber. Das ist ein russischer Kampfhubschrauber und da sitzt der Pilot hinten!«

Viper äffte Benjamin mit spöttischem Tonfall nach.

»Das ist ein russischer Kampfhubschrauber! Ich hab mein ganzes Wissen im Internet gefunden! Bla bla bla.«

Auch wenn Benjamin nach wie vor eingeschüchtert war, Vipers Verhalten fand er nicht toll.

»Du musst mich jetzt nicht gleich verarschen! Ich weiss aber, dass bei solchen Hubschraubern immer der Pilot hinten sitzt!«

»Soweit gebe ich dir ja auch Recht. Aber! Vielleicht kenne ich die Mädels, vielleicht bin ich schon mit dem Ding geflogen? Vielleicht weiss ich, dass Jana ganz vorne sitzt und fliegt, während Natascha dahinter die Waffen kontrolliert und Kim ganz hinten die Sensoren und alles überwacht?«

Benjamin fühlte sich ertappt und wollte gerade etwas entgegnen, als die drei Frauen aus dem Hubschrauber stiegen. Jana ging sofort auf Perry zu und selbst auf diese Distanz konnte Benjamin erkennen, dass sie errötet und nervös war.

»Natascha! Kim! Kommt mal rüber!«

Wieder dieses brutale Organ. Die beiden Frauen folgten jedoch Vipers Ruf, begrüssten ihn sehr herzlich und nickten auch Benjamin zu.

»Hört, was ich zu sagen habe! Der Ungläubige hier neben mir zweifelt an meinem Wort, der Pilot eures Hubschraubers würde ganz vorne sitzen!«

Beide Mädels schauten Viper total irritiert an.

»Hast du wieder an der Batterie von deinem Auto geleckt, oder ist es nur ein handelsüblicher Schlaganfall?«

Benjamin musste lachen.

»Gebt doch einfach Antwort!«

Die Beiden schauten sich an, hoben verständnislos die Schultern und blickten zu Benjamin.

»Er hat Recht! Jana sitzt vorne und die fliegt. Ich sitze dahinter und ballere, während Kim an ihren ganzen Bildschirmen und Schalter und was weiss ich sitzt und prüft, welche Ameise im Umkreis von 100 Kilometer Durchfall hat.«

Benjamin zog wieder seine Augenbraue hoch.

»Aber normalerweise sitzt bei so einem Teil der Pilot doch hinten!«

»Richtig! Normalerweise! Das ist aber unser Hubschrauber. Sieht zwar aus, wie ein Fliessband Modell, aber ausser der Form haben wir nicht wirklich was original gelassen. Jana sitzt im kleinsten Platz, weil sie die wenigsten Instrumente braucht. Ich brauche schon deutlich mehr Platz.«

Da mischte sich Kim ein.

»Ja und ich brauche den meisten Platz, da ich auch die meisten Systeme verwalte. Ausserdem übertreibt Natascha gerne. Ich kann nicht aus 100 Kilometer ermitteln, ob eine Ameise den flotten Otto hat. Aber 50 Kilometer sind machbar.«

Benjamin schaute irritiert, was die Mädels wieder zum schmunzeln brachte. Natascha wendete sich an Viper.

»Was ist? Bist du dabei?«

»Ja, bin ich! Aber nur, weil ich Mario mal scheitern sehen will!«

»Na, da musst du dich aber anstrengen! Ich habe die ganze Arbeit von Benjamin auf dem Flug hier her überprüft. Wenn du nur halbwegs so gut als Ingenieur bist, wie man dir nachsagt, dann kann es absolut funktionieren! Ich war auch skeptisch, aber die Zahlen sprechen für sich!«

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