Unglaubliche Hilfe

»Ich, ähm …«

Benjamin war total von der Rolle. Klar, er brauchte Hilfe und das Lori ihm unter die Arme griff, war absolut super. Doch das da so ein Hubschrauber angeflogen kam, besetzt mit Frauen die ganz locker mit Katja und Amy mithalten konnten, damit hatte er beim besten Willen nicht gerechnet.

Jana schüttelte den Kopf.

»Ja, ja. Das ist ein Hubschrauber. Ja, es ist ein Kampfhubschrauber. Nein, er hat keine Hoheitszeichen. Nein, er hat keine Kennung. Nein, eigentlich ist es nicht legal. Ja, er ist auch aktuell voll bewaffnet. Nein, wir wollen keinen Krieg beginnen. Ja, wir sind alles Frauen. Ja, ich fliege das Ding. Ja, wir haben den von Grund auf selbst aufgebaut. Hab ich eine Frage vergessen?«

Benjamin schüttelte den Kopf.

»Na Prima. Dürfen wir dann rein kommen, oder bleiben wir hier draussen stehen?«

Benjamin schaute zu dem Hubschrauber und sprach kein Wort. Wieder schüttelte Jana den Kopf.

»Kim, Tarnnetz bitte.«

Die Blondine drückte irgendetwas auf ihrem linken Unterarm, schon schoss aus der Nabe des Hauptrotors ein riesiges Netz nach oben, welches sich wie ein Schleier um den Hubschrauber legte. Ungläubig bestaunte Benjamin, dass selbst er, der diesen Helikopter die ganze Zeit im Auge gehabt hatte, nun Schwierigkeiten mit der Identifizierung hatte.

»Ja, aber wie? Wie bekommt ihr das Ding wieder runter?«

Erneutes Kopfschütteln von Jana und ein Blick zu Kim. Die drückte wieder etwas auf ihrem Unterarm und schon spannte sich das Netz hoch in die Luft und sah aus wie ein Trichter. Der wand sich um sich selbst, wurde immer dünner und verschwand wieder in der Nabe. Das liess Kim ein paar Sekunden auf Benjamin wirken, dann kam das Tarnnetz wieder geflogen und verschleierte den Hubschrauber erneut.

»Können wir jetzt?«

Ohne den Blick von der kaum noch zu erkennenden Maschine abzuwenden, machte Benjamin eine einladende Geste und die Frauen betraten den einstigen Shop. Erst nach einigen Sekunden konnte sich Benjamin seinen Blick abwenden und ihnen folgen.

»Okay. Gibt es noch etwas, was dich zum stottern bring? Damit wir das ausräumen können? Man mag es kaum glauben, aber wir haben unsere Zeit nicht gestohlen und würden gerne loslegen.«

»Ich, also, na ja, wer oder was seit ihr?«

»Okay. Also. Du siehst aus wie ein Nerd, also denke ich mal, du schaust auch viel in die Flimmerkiste. Ja?«

Benjamin nickte.

»Dann kennst du doch sicher auch Filme oder Serien, wo dauernd irgendwas auf der Welt schief läuft und es eine Person, oder ein Team gibt, was sich damit befasst. Mir Spezialausrüstung und dergleichen.«

Wieder nickte Benjamin.

»Wir sind genau das. Wenn es auf der Welt irgendwo brennt und keiner zuständig ist, oder keiner damit zurecht kommt, dann treten wir auf den Plan und retten den Tag. Nein, wir sind nicht staatlich. Wir sind tatsächlich privat, fliegen aber so unter dem Radar, dass wir nicht auffallen. Zudem haben wir mächtige Verbündete, die uns immer wieder den Rücken freihalten. Noch etwas?«

Benjamin schüttelte den Kopf. Daraufhin schaute Jana zu Kim, die nun das Wort übernahm.

»Also. Lori meinte, ihr hättet da eine bahnbrechende Entdeckung gemacht, die aber erst noch zur Serienreife gebracht werden muss. Richtig?«

Benjamin nickte.

»Dabei soll es sich um eine Form der Energieerzeugung geben, die eigentlich gegen das Energieerhaltungsgesetz verstösst. Auch richtig?«

Und ein weiteres nicken.

»Das ist schon eine sehr einseitige Konversation, muss ich mal feststellen. Reden kannst du aber schon?«

Und erneut nur ein nicken.

»Das wird auf Dauer anstrengend. Aber okay, warum nicht. So quatschst du mir wenigstens nicht dazwischen. Lori hat uns ein Berg von Berechnungen vorgelegt, die ich selbst mehrfach durcharbeiten musste, bis ich sie halbwegs verstanden habe. Demnach wollt ihr einen Generator entwickeln, der seine Rotation durch seine eigene Energieproduktion aufrecht erhalten und gleichzeitig noch Nutzspannung erzeugt. Also so gesehen Energie aus dem Nichts erschafft.«

»Nein. Nicht aus dem Nichts. Technisch gesehen musst ja erst einmal eine ganze Menge an Energie aufgewendet werden, um einen entsprechend starken Magneten zu erschaffen.«

»Trotzdem mutet es mir an, wie ein Perpetuum Mobile.«

»Ging mir nicht anders. Aber schau dir die Formeln doch an. Die sagen eindeutig, dass es funktioniert. Je nach Skalierung kommt da sogar eine Unmenge an nutzbarer Energie zustande.«

»Ich weiss, ich habe es gelesen. Wenn auch nicht komplett verstanden. Soll aber auch egal sein. Lori meinte, damit du Waldi und Mario als Helfer gewinnen kannst, brauchst du eine Werkstatt, ein Auto und Hilfskräfte. Werkstatt hast du ja und ich finde, die ist echt perfekt. Schreit gerade zu nach Geheimlabor. Ein Auto hast du ja offensichtlich auch und wir sind deine Hilfskräfte. Glaub mir, unser Hubschrauber war einst nur ein Haufen Schrott. Heute ist er das wohl gefährlichste Flugobjekt der Welt. Dagegen kann man die Varianten aus Film und Fernsehn verbrennen. Er fliegt zwar kein Überschall, kann dafür sonst alles, was man da so sieht. Alleine die Sensortechnik ist so hoch entwickelt …«

Jana hob eine Hand und unterbrach Kim, die zu plappern begonnen hatte.

»Okay, hier unser Angebot. Wir helfen dir, diese Kiste hier fahrtüchtig zu machen, deinen Generator zu bauen usw. Im Gegenzug dazu wollen wir natürlich einen, oder zwei davon haben. So stolz Kim auch auf unseren Hubschrauber ist, er hat nach wie vor das Manko, dass man ihn betanken muss. Sollte es nun aber möglich sein, mit deinen Generatoren die Maschine auf Elektroantrieb umzurüsten und dabei dann noch quasi eine unbegrenzte Reichweite zu erreichen, wäre es für unsere Arbeit natürlich von riesigem Vorteil. Man muss bedenken, die Lastwechsel bei einem elektrischen Antrieb gehen ja viel schneller vonstatten und man hat immer maximales Drehmoment. Das würde unseren Vogel deutlich agiler machen, wodurch er noch gefährlicher werden würde.«

Benjamin verstand, schien aber nicht ganz einverstanden zu sein.

»Unsere Entdeckung soll also dazu genutzt werden, dass ihr einen noch gefährlicheren Hubschrauber bekommt? Wer sagt mir denn, dass ihr damit auch wirklich auf der richtigen Seite steht?«

Nun sprach zum ersten Mal Natascha.

»Frag Katja, Amy, Claudia, Janine, Elena, Rebekka, Perry, Donald und wie sie alles heissen. Frag sie, auf welcher Seite wir stehen. Wenn sie etwas sagen, was unsere Glaubwürdigkeit untergräbt, helfen wir dir ohne Gegenleistung. Abgemacht?«

Benjamin hatte in seinem Leben eines gelernt. Wenn jemand ein solches Angebot auf den Tisch legte, war ihm der Erfolg gewiss. Demnach war es unsinnig, seine Freunde zu fragen. Er würde es zwar noch tun, aber aktuell war er bereit, die angebotene Hilfe anzunehmen.«

»Alles klar, dann willkommen an Board.«

Nun sprach wieder Jana.

»Perfekt! Okay, wie sehen deine finanziellen Mittel aus?«

Benjamin schob seine Hand in die Hosentasche und zog eine nicht limitierte Kreditkarte hervor.

»Ausgezeichnet. Auch wenn hier alles schon ganz gut aussieht, werden wir noch Ausrüstung brauchen. Zudem brauchen wir auch ein Fahrzeug, da wir ja schlecht mit dem Hubschrauber einkaufen gehen können. Also würde ich vorschlagen, wir besorgen uns zuerst einen Van. Dann haben wir auch Transportmöglichkeiten. Derweil klärst du mit deinen Freunden, dass du alle Punkte erfüllt hast, damit wir eine Temporunde einlegen können. Einverstanden?«

Da war wieder dieses Nicken. Aber von da an ging es sofort los. Die Mädels bestiegen mit Benjamin dessen Auto, doch mit Jana am Steuer. Sie bestand darauf, damit Benjamin mit Mario und Waldemar telefonieren konnte. Bereits am Abend war ein Van mit ausreichend Ladefläche organisiert und zugelassen und alle waren in der Werkstatt versammelt. Benjamin war erneut erstaunt darüber, wie reibungslos doch alles funktionierte, wenn Geld keine Rolle spielte. So standen die Mädels, Waldemar und Mario nebst Benjamin neben dem neuen Auto.

»Ich bin beeindruckt Ben! Du hast echt alle Voraussetzungen erfüllt. Aber sagt mal, wie seit ihr denn auf den Plan gekommen?«

Kim grinste.

»Mario, du kennst uns doch. Wir haben unsere Augen und Ohren überall! Wir haben Wind von dem Vorhaben bekommen. Reicht doch!«

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