Benjamins Mission

Nachdem Janine ihr Experiment erfolgreich zum Abschluss gebracht hatte und nun Klarheit über ihre Gefühle und Interessen bestand, ging es doch zur Halle und quasi sofort nach dem parken auch mit ihrem normalen Auto zurück zu ihrem Haus. Für Benjamin ging das alles zu schnell. Wie gerne hätte er sich etwas in der Halle umgeschaut, die er in den Videos schon so oft gesehen hatte. Ausserdem war Janine so verworren gefahren und er konnte kein Strassenschild ausmachen, so dass er nach wie vor nicht wusste, wo dieses Heiligtum eigentlich lag. Eigentlich musste es ja aufspürbar sein, aber viele hatten es schon versucht und waren jedes Mal gescheitert.

Nachdem die Gruppe wieder komplett war, fing es an richtig lustig zu werden. Ungeplant allerdings. Es schien sich einfach so zu ergeben. Diese Menschen schienen einfach von Grund auf Spass zu haben. Für Benjamin fühlte es sich an, als wäre hier einfach alles nur eine grosse Party. Zumindest so, wie er es in den Filmen und Serien gesehen hatte.

Das Haus fand er jedoch irgendwie verwirrend. Ein grosser, viereckiger Klotz mit Innenhof. Wer da jetzt wo wohnte, konnte er irgendwie nicht einordnen. Amy und Phillip hatten hier ihre Wohnung, Janine, Rebekka und ein Derrick. Von letzterem hatte Benjamin schon einiges gehört, der war jedoch nicht zugegen. Arbeiten musste er, zusammen mit Phillip.

Was Benjamin sehr interessant fand, die Leute konnten mit dem Geld quasi heizen, aber danach sah zumindest diese Wohnung nicht aus. Das Teuerste an der Einrichtung war wahrscheinlich der Fernseher. Wobei, bei der Grösse musste man dieses Ding wahrscheinlich eher Kinoleinwand nennen. Seine prüfenden Blicke fielen natürlich auf.

»Und? Was interessantes entdeckt?«

Benjamin schaute ertappt zu Amy.

»Interessant, ja. Ich hätte erwartete, bei euren finanziellen Mitteln, wäre hier die super luxuriöse Einrichtung.«

Amy lachte.

»Na ja. Die ganzen Sachen waren jetzt nicht zwingend billig. Allein meine Küche hat um die 60.000 Euro gekostet. Das Sofa hatte auch seinen Preis. Alles Alcantara. Oder der Tisch. Musst überlegen. Bei mir muss alles funktional sein.«

Rebekka lachte.

»Funktional? Du musst überall drauf ficken können und egal wie teuer deine Küche war, du hast da noch nie drin gekocht!«

»Klar! Mein Begriff von funktional eben. Auch wenn ich in meiner Küche noch nicht gekocht habe, Manfred tobt sich da im Winter ja immer ganz gut aus!«

Benjamin machte grosse Augen.

»&0.000 Euro für eine Küche?«

»Klar. Nur das Beste vom Besten. Nicht das Teuerste, aber eben das Beste. Ausserdem alles so robust, dass ich auch mit dem Hochdruckreiniger drüber gehen kann.«

»Was sie auch schon gemacht hat!«

Sagte Mario und fing an zu lachen.

»Ja und? Hat doch funktioniert, oder?«

»Aber nur, weil wir alle hier gestanden und das Wasser nach draussen gewischt haben.«

»Aber, es hat funktioniert!«

Mario schüttelte den Kopf.

»Danach war neuer Laminat fällig, oder?«

Fragte Benjamin total ernst. Amy schaute ihn abschätzend an.

»Laminat? Wo ist hier Laminat?«

Benjamin schaute auf den Boden. Er kannte diese schwarze Granit Optik sehr gut. Also er dann jedoch genauer hinschaute sah er, dass es eigentlich keine Ränder gab. Das schien alles aus einem Stück zu sein. Da riss er die Augen auf und schaute Amy an.

»Ist das etwa echter Granit?«

Amy nickte, als wäre es etwas ganz normales.

»Klar. Finde mal was pflegeleichteres! Da kann man auch mit dem Hochdruck …«

Sie wurde von Rebekka und Janine unterbrochen.

»Hat sie auch schon gemacht!«

Erklang es wie mit einer Stimme.

»Das ist echter Granit?«

»Boah Otto. Die Frage habe ich schon beantwortet.«

»Was hat das gekostet?«

Amy schaute etwas hilflos zu Rebekka.

»Ähm, Rebekka?«

»Mit Einbau und allem so 100.000 Euro. Ist aber auch mit spezieller Fussbodenheizung und dem ganzen Kram.«

»Ich flieg weg. Dabei kommt man hier rein und denkt, man ist in einer gehobenen 0815 Wohnung.«

Amy grinste.

»So war der Plan. Funktional muss es sein, man soll sich wohlfühlen, aber eben nur aus den besten Materialien.«

Benjamin hatte genau in dem Moment einen Gedanken.

»Ich, Wahnsinn. Glaub ich alles … ich … hat jemand ein Schluck Wasser?«

Amy lachte.

»Wasser? Da kacken die Fische rein! Cola kannst du haben. Oder andere Softgetränke.«

»Egal, mir klebt der Mund!«

Amy stand auf und ging zu dem Ding, was sie Kühlschrank nannte. Benjamin fragte sich unwillkürlich, ob dieser Kühlschrank sein eigenes Satellitennavigationssystem hatte, so gross war der. Dann schien aber sein Gedanke Form anzunehmen.

»Ist mit dir alles in Ordnung?«

Mario war näher gerückt und schien sich um Benjamin echte Sorgen zu machen.

»Ja, Mario, ich, weisst du, Preise, also die Preise die hier, also wo die da nennen, alles mehr Geld, als ich je verdienen werden.«

Mario kam noch näher und Benjamin konnte sie Sorge in seinen Augen sehen.

»Kann ich irgendwas für dich machen?«

Benjamin hörte seine Worte, war überrascht, dass sein Plan derart gut funktionierte, sagte dann aber nichts, sondern schaute nur auf seine Hand. Mario folgte seinem Blick und schon hielten die beiden Händchen.

»Otto, wenn du deine vollmundigen Versprechen einhalten kannst, dann wird Geld für dich bald auch kein Problem mehr sein.«

Benjamin, der tatsächlich das Gefühl von Marios Hand geniessen konnte, schaute verwundert zu Katja.

»Warum denn das?«

»Weil wir doch keine Arschlöcher sind! Du hilfst uns bei unserem Auto und dafür kriegst du natürlich auch einen Anteil vom Gewinn. Ausserdem, ein Nerd wie du, da können unsere Jungs garantiert auch etwas mit anfangen.«

Claudia mischte sich sein.

»Warum denn unsere Jungs? Ich kann für meinen Blog auch jemand gebrauchen, der mir da zur Verfügung steht. Donald kennt sich ja nur mit Design aus und dein Schnabeltier vergisst auch oft, dass er mir helfen wollte. Waldi zu fragen ist da auch wenig hilfreich.«

»Bietet ihr mir da etwa jetzt gerade Arbeit an?«

Da gab Elena Antwort.

»Otto. Es gibt eine Sache, die bei uns, also uns drei und denen da mehr oder wenige komplett egal ist und das ist Geld. Weil wir eben aus diversen Gründen mehr als genug davon haben. Waldi hat mir mal vorgerechnet. Er selbst verdient in einer Sekunde das Geld, womit er ein ganzes Jahr seinen Lebensstil finanzieren kann. Sprich, wir haben alles so viel Geld, da kannst du garantiert genug von abbekommen.«

Janine lachte.

»Ausserdem, wenn ich deine Frau bin gehört dir eh die Hälfte von meinem Besitz.«

Benjamin erstarrte. Erstarrte dann gleich noch einmal. Erst erstarrte er, weil Janine das so locker sagte, als wären sie schon verlobt. Dann erstarrte er, weil anscheinend niemand wirklich Anstoss daran nahm. Selbst Mario drückte seine Hand so, als als wolle er ihm Glück wünschen.

»Ausserdem, so ein süsser Nerd kann auch mir zur Hand gehen. Ich würde dich direkt einstellen!«

Benjamin schaute Mario entsetzt an.

»Dir zur Hand gehen?«

Fragte er entsetzt.

»Ja. Du hast doch Ahnung von Computern. Ich hab oft so viel Arbeit, da könnte ich dir von abgeben.«

Amy kullerte vor lachen auf die Seite.

»Mario! Du kannst doch nicht sagen, er soll dir zur Hand gehen. Der denkt doch er soll dir einen runter holen!«

Mario grinste böse.

»Ach Amy. Also ob ich Ben verpflichten würde, mir in der Art zur Hand zu gehen. Das soll er machen, wenn er es will!«

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