Normalität?

All die Vorkommnisse, die seit dem Einzug der Mädels stattgefunden hatten, brachten Katja dazu, sich Gedanken über Normalität zu machen. Was war denn eigentlich normal?

Normal schien zu sein, dass man aufwächst, die Schule besucht, nach der Schule einer Arbeit nachgeht, eine Familie gründet, Kinder in die Welt setzt und so weiter. Dazu zählte auch zu Normal, dass man mindestens einmal im Jahr Urlaub machte, für zwei bis drei Wochen. Für Normal wurde aber auch erachtet, dass man treu war. Eigentlich auch so ein Punkt, über den man sich mal Gedanken hätte machen müssen, denn nach der Definition waren sich die meisten Paare eigentlich untreu.

Wenn Katja den Begriff richtig verstand, dann war man dann treu, wenn man immer zu jemand, oder auch zu etwas stand. Katja war also Perry treu, denn sie stand immer und in allen Situationen zu ihm und hinter ihm. Eigentlich sprach sie hinter seinem Rücken nie schlecht über ihn, beschwerte sich, oder ähnliches. Das kannte sie aber von anderen Paaren, die sich vorne herum ja so sehr liebten, aber wehe man traf einen der Beiden alleine. Dann wurde mal grosszügig über den Partner hergezogen. Die waren sich also per Definition untreu.

Normal war jedoch, dass, da die sich zwar hintenherum richtig runter machten, aber sexuell nie einen anderen Partner hatten, treu. Katja hingegen, die nie etwas schlechtes auf ihren Mann kommen liess und immer zu ihm stand, war untreu, weil sie immer mal wieder Kontakt mit fremden Schwänzen hatte.

Normalität schien irgendwie merkwürdig zu sein. Da wurde dann einfach mal die Bedeutung eines Wortes verdreht und da das jeder machte, war es normal. Menschen wie Katja und ihre Freunde schwammen so gesehen gegen den Strom und waren unnormal.

Aber ja nicht nur in dieser Hinsicht. Katja, Elena und Claudia lebten sehr lange auf grossem Fuss, da sie die Kreditkarten von Papa benutzen durften. Wirklich hart arbeiten kam für die Drei eigentlich so nicht in Frage, wodurch sie wieder gegen die Normalität verstiessen. Lustigerweise war es bei den Jungs genauso, auch wenn sie quasi genau andersherum liefen. Sie arbeiteten sehr hart, aber eben für sich und nicht für irgendeinen Chef. Genau genommen, da es mehr Angestellte als Chefs gab, waren sie dahingehend ebenfalls unnormal.

Das Spiel konnte Katja aber noch weiter treiben. Denn normal war ja, man lernt sich kennen, verliebt sich, kommt sich näher, kommt zusammen, zieht dann irgendwann zusammen, heiratet und so weiter. Katja hatte Perry kennengelernt, war mit ihm intim und quasi von da ab schon mit ihm zusammen, obwohl es nicht ausgesprochen worden war. Auf einmal waren sie auch noch verheiratet und den Teil, wo sie zusammengezogen waren, hatten sie einfach übersprungen. Tatsächlich war die Wohnsituation nach wie vor unverändert. Katja war in der einen Wohnung gemeldet, wo sie auch nach wie vor ihr Zimmer hatte und auch nutzte, Perry in der Wohnung gegenüber. Zwar schliefen sie Meistens bei Perry, aber auch hin und wieder bei Katja, gerade so nach Lust und Laune. Auch hier waren sie also unnormal.

Dann der Urlaub. Klar, die Freunde waren auch schon im Urlaub gewesen. Siehe Amerika, Italien und so. Der Unterschied war aber der, sie taten es aus einer Laune heraus und nicht, weil man das eben einmal im Jahr so machte. Katja kannte einige Leute, wenn die nicht jedes Jahr in Urlaub fahren konnten, wurden die krank. Bei den Freunden war kein Urlaub geplant und niemand hatte damit ein Problem. Schon wieder waren sie also unnormal.

Katja erkannte aber etwas. Normal war also nichts, was irgendwo festgeschrieben war. Es war einfach das, was die Mehrheit machte. Ihr fiel auf, auch für sie und ihre Leute gab es ein Normal. Mittlerweile normal war, dass Katja vor Perry aufstand, im Tierheim in der Küche sich um das Frühstück kümmerte und sich mit Waldemar unterhielt, der jeden Tag um die gleiche Uhrzeit aufstand, jeden Tag das gleiche tat und sich eigentlich nur die Kleidung änderte. Danach verabschiedete sie sich von ihrem Mann, der ja arbeiten musste und ging rüber nach AAA, wo sie sich fast immer vor den Fernseher im Wohnzimmer legte, döste oder sogar schlief. Perry und Donald gingen dann bald zum Training, wenn Elena und Claudia wach und aktiv waren, wurde sich Gedanken über Veranstaltungen gemacht und so lief der Tag eben. Jeden Tag aufs Neue. Also war das die Normalität für die Freunde, obwohl sie gegen die grosse Masse absolut unnormal waren.

Doch nun fing ja diese Normalität auch an zu bröckeln. Über den Tag lief ja alles noch ziemlich normal. Lustig, wie dieses Wort da einfach dazu gehörte, auch wenn man sich kaum Gedanken darum machte. Claudia war ein kleiner Ausreisser, denn sie arbeitete ja mittlerweile erfolgreich für ihr Geld.

Die Normalität änderte sich eben nach Feierabend. Früher waren die Sechs eigentlich immer zusammen, während sie mittlerweile in Gruppen getrennte Wege gingen. Waren sie also mittlerweile nach ihrer Definition unnormal?

Nun, Katja und ihre Mädels eigentlich nicht. Zwar arbeiteten sie mittlerweile an einem Auto, doch hatten sie immer noch ihre Veranstaltungen. Da blieb also quasi alles bei der Normalität. Auch das am Garzella geschraubt wurde, hatte in gewisser Hinsicht mittlerweile auch zu einer Normalität geführt. Lediglich Waldemar war hier absolut unnormal.

Katja stellte sich eine neue Frage. Ab wann änderte es sich eigentlich von normal zu unnormal? Das fragte sie sich besonders an dem einen Abend, als keiner der Freunde zu den Autos gingen, sonder alle, wie früher, nach Feierabend im Tierheim abhingen und dort alles so lief, wie es immer gelaufen war. Reichte das schon, um wieder normal zu sein? War es normal, wenn es eine liebe Gewohnheit geworden war und blieb es, solange diese Gewohnheit noch in einem steckte?

Katja entdeckte aber noch etwas, was irgendwie bescheuert anmutete. Normal für sie war mittlerweile, dass sie mit Perry verheiratet war, sie ihn über alles liebte und sie viel Sex mit ihm hatte. Absolut unnormal für sie war jedoch, dass der Sex eigentlich immer besser und nie langweilig wurde. Perry hatte diese unglaubliche Art an sich, aus ganz banalen, minimalen Dingen etwas grossartiges und geiles zu machen. Alleine schon wie verzückt er manchmal auf ihre Hände schaute, wenn sie ihre Brüste vor ihm knetete und wie sein Schwanz in ihr zuckte, sobald sein Blick auf den Ring fiel, war, nun ja, unnormal. Das machte ausser Perry niemand. Per Definition also definitiv absolut unnormal.

Während sie darüber nachdachte verstand sie dann auch, was noch total bescheuert war. Wie oft wurde denn mit unnormal etwas tituliert, was falsch und schlecht war? Das war, nach dem was sie sich da zusammengereimt hatte, aber totaler Blödsinn! Unnormal hiess ja eigentlich nichts anderes, als dass man etwas nicht so machte, wie es von der grossen Mehrheit getan wurde.

Genau hier an dem Punkt schlug dann eine Erkenntnis bei Katja ein, die genau genommen brutal offensichtlich war. Hiess es nicht immer, in Deutschland wäre alles reguliert? Besser ausgedrückt, alles genormt? So war das ja auch. Es gab für sie meisten Dinge eine Norm und warum? Damit das auch immer gleich war. Damit nicht jemand einen Dübel der Grösse Sechs verkaufte, in den aber nur Schrauben der Grösse Neun passten. Wenn da eine Sechs drauf stand, dann war das auch eine Sechs, egal ob in Dübel, Schrauben und so weiter. Es war eben genormt, also alles gleich.

Was aber, wenn man dann eine Norm aus einem anderen Land benutzte? Zum Beispiel, wenn man anstatt Meter nun auf einmal Fuss hatte? War Fuss dann falsch? Schlecht? Verachtenswert? Nein! Es war einfach eine Normal aus einem anderen Land.

Das hiess also, wie die Freunde lebten, war keines Wegs schlecht, oder musste irgendwie geändert und angepasst werden. Denn, auch wenn sie nicht der allgemeinen Norm entsprachen, entsprachen sie doch sehr wohl ihrer eigenen Norm und demzufolge waren sie ganz normal.

Mitten in den Gedanken fragte sich Katja aber etwas. Warum zur Hölle machte sie sich darüber eigentlich Gedanken? Sie lag im Bett, war eben von Perry wieder auf seine geniale Art gefickt worden und nun hatte er sie im Arm und schlief. Warum dachte sie also über so einen Käse nach? Noch nie hatte es für sie eine Rolle gespielt, ob sie normal war. Sie lebte genau so, wie sie es für richtig hielt und wo genau da jetzt dieser ganze Gedankengang her kam, war ihr Schleierhaft.

Auch verstand sie nicht genau, warum sie überhaupt nachdachte. Normalerweise legte Perry den Arm um sie und sie schlief sofort ein. Dieses Mal jedoch nicht. Nur, warum? Um sich über Normalität Gedanken zu machen? Gedanken, die schlussendlich niemandem etwas nützten?

Dann spürte sie etwas an ihrem Hintern. Da wurde etwas hart! War das immer so? Normalerweise schlief sie da ja schon. Da sie dieses Mal aber wach war, konnte sie es spüren und auch wenn sie damit ja auch wieder absolut unnormal war, war es ihr egal. Sie griff nach hinten, wenige Bewegungen später war Perry wach und es begann die nächste Runde!

Print Friendly, PDF & Email

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.