Ein ungeahntes Wochenende (Teil 12)

Zurück am Start war Perry natürlich über seinen Sieg hoch erfreut. Wie gewöhnlich strömten auch sofort die Zuschauer zu den Fahrzeugen, um gerade den Sieger zu beglückwünschen. Katja, die ihren Einsatz etwas verpasst hatte, musste sich erst den Weg zu ihrem Mann bahnen.

Perry stand da, hatte die Arme in die Höhe gestreckt und freute sich wie ein Schnitzel über seinen Sieg. Nicht, dass sein Gegner jetzt eine bekannte, kaum zu schlagende Grösse war. Nein. Er freute sich erneut darüber, dass es unter anderem auch seiner Arbeit geschuldet war, diesen Sieg zu erringen. Wer sein Gegner war, spielte in dem Fall keine Rolle. Es war seine Fähigkeit als Mechaniker, die Fähigkeit seiner Freunde und schlussendlich auch sein fahrerisches Können, weshalb er nun da stand und jubeln konnte.

Einer hingegen verspürte keine Freude. Perrys unterlegener Gegner. In ihm stieg die Wut und entsprechend geladen versuchte er Perry zu erreichen. Seine Aggression stieg mit jedem Schritt, denn der Jubel wollte nicht enden.

Schliesslich hatte er Perry erreicht. Er tippte ihm auf die Schulter, da dieser halb von ihm weg gedreht war und kaum schaute Perry in seine Richtung, kam schon die Faust geflogen, welche der Typ seit Beginn seines Marsches geballt hatte, bis seine Knöchel weiss hervortraten.

Perry sah die Faust in Richtung seines Gesichtes kommen und war wie erstarrt. Tausend Gedanken schossen ihm gleichzeitig durch den Kopf. Wie er getroffen wurde, wie wahrscheinlich seine Nase bluten, vielleicht auch brechen würde. Er sah sich schon in einem Krankenhaus liegen, wo seine Nase gerichtet wurde und er die nächste Zeit Schwierigkeiten haben würde. Er schloss die Augen.

Doch der erwartete Schlag kam nicht. Auch wenn es für ihn eine gefühlte Ewigkeit war, so öffnete er bereits kurz darauf wieder vorsichtig die Augen.

Was er sah war nur schwer zu begreifen. Die Faust war noch da und zielte auch immer noch in sein Gesicht. Doch wurde sie blockiert. Da war eine Hand und daran ein anscheinend ausgestreckter Arm. Wem die Hand gehörte, war für Perry sofort klar. Es war Katjas Hand, denn er erkannte sofort den Ring.

Zögernd schaute er den Arm entlang. Ja, da stand Katja, dicht hinter ihm. Sie hatte ihren Arm komplett ausgestreckt und damit den Schlag aufgehalten. Doch war da noch mehr. Etwas in Katjas Blick. Dieser war so finster, aggressiv und diabolisch, dass selbst Perry Angst vor seiner Frau bekam.

Alles dauerte vielleicht zwei, oder drei Sekunden, auch wenn es für Perry eine gemütliche Ewigkeit schien. Katjas rechte Hand legte sich auf Perrys Brust und schob ihn ans Auto, so dass sie an ihm vorbei konnte.

»Du bist nicht nur ein Verlierer, sondern auch ein schlechter Verlierer. Alle Achtung!«

Der Typ wusste jedoch sofort zu kontern.

»Ich bin ein Verlierer? Wenn dieser Kartoffelsack sich von einer Frau verteidigen lassen muss?«

»Verteidigen lassen kann, mein Freund! Denn wie kann er denn ein Verlierer sein, wenn es nichts auf der Welt gibt, was mich glücklicher macht, als mit ihm verheiratet zu sein?«

Mittlerweile erkannten auch die Zuschauer, dass sie sich besser ein wenig von den Kontrahenten entfernen sollten. So entstand ein fast kreisrunder Bereich um die Beiden, Perry und sein Auto. Amy, Janine und Rebekka, aber auch Viper und seine Freunde schauten sich das Spektakel mit etwas Abstand an. Zwar wollten sie keine Handgreiflichkeiten auf dem Platz, doch in dem Fall wollten sie Katja ihren Spass lassen. Ausserdem konnte es auch eine lehrreiche Aktion für diese Schwachköpfe werden.

Der Typ fing an zu lachen.

»Mach dich doch nicht unglücklich Kleine. Schiess den Typ in den Wind und ich zeige dir, wie ein echter Mann es dir besorgt.«

Immer noch standen die Beiden in ihrer Ausgangsposition. Er also nach wie vor seine Faust in ihrer Hand.

»Du? Jede Wette, bei dir müsste ich erst einmal ein Studium in Archäologie absolvieren, bis ich dein Ding endlich finde.«

Das gefiel ihm natürlich gar nicht. Seine Augen verengten sich.

»Du solltest vorsichtig mit deinen Worten sein Weib! Du sprichst mit einem Mann!«

»Tue ich das? Bei deinem femininen Auftreten ist das nicht zweifelsfrei zu erkennen!«

Das war für den Kerl genug. Ihn mit einer Frau zu vergleichen, liess ihm die Sicherungen durchbrennen. So ballte er auch seine linke Faust, holte aus und zielte damit genau auf Katja.

Die fand das irgendwie belustigend. Sie hatte mittlerweile gegen echte Monster aus fernen Welten gekämpft, dagegen war er nicht einmal ein Frühstück. So kam seine Faust, Katja liess seine rechte Faust los, griff sich noch in der Attacke sein Handgelenk und zog daran. Der Kerl hatte aber auch so ziemlich alles falsch gemacht, was man schon in den Grundkursen der Selbstverteidigung beigebracht bekam. Mieser Stand, zu viel Kraft im Schlag und so weiter. Schon ein wenig Zug auf sein Handgelenk reichte also aus, ihn voll aus dem Gleichgewicht zu bringen. Katja huschte etwas zur Seite, damit er Platz für seinen Landeanflug hatte und weil es sich gerade anbot, stellte sie ihm auch noch ein Bein.

Amy musste lachen, als sie das Spektakel beobachtete und auch Viper wusste sich zu amüsieren. Er gab sogar eine Wertung ab, als der Kerl auf dem Boden aufschlug.

»Eine Zehn für den Flug, aber nur eine Drei für den Aufschlag. Das hätte mit einer Rolle besser ausgesehen.«

Da lag er nun. Er und sein übergrosses Ego. Die Nase auf dem Asphalt und die Wut jenseits der Skala. Er drehte sich auf den Rücken und wie sich andeutete, wollte er sich mit Schwung auf die Beine zurück bringen.

Dagegen hatte jedoch Katja etwas. Sie stand neben ihm und genau in dem Moment, wo er sich zu seinem coolen Move anschicken wollte, zeigte da der hohe, breite Absatz von Katjas Gogo-Boots genau auf seine Nase.

»Ne, ne. Bevor du aufstehst, will ich erst noch etwas von dir wissen. Wenn ich dich aufstehen lasse, bist du dann ein braver Bub und eilst schnell zu deinen Freunden, um dort ein bisschen zu weinen? Oder gönnst du mir den Spass und versuchst es nochmal? Aber, in dem Fall sollte ich die Warnung vorausschicken, dieses Mal wehre ich mich!«

»Du dumme Schlampe! Verpiss dich, oder ich zeige dir, wie man mit Frauen umgeht!«

Katja legte den Kopf ein wenig zur Seite.

»Hmm. Falsche Antwort!«

Nachdem sie das gesagt hatte, drückte sie ihren Absatz auf seine Nase. Nicht zu fest. Einfach nur um ihm zu zeigen, dass er für solche Sprüche in der völlig falschen Position war. Sie drückte etwas zu und drehte dann ihren Fuss hin und her, als würde sie eine Zigarette austreten.

Natürlich tat das weh, auch wenn Katja darauf achtete, keinen Schaden bei ihm zu verursachen. Doch fühlte er sich genötigt, sich zur Wehr zu setzen. Das geschah, in dem er den Versuch unternahm, Katja mit einem Schlag gegen ihr Standbein zu Boden zu bringen.

Da Katja darauf aber achtete, ging sein Schlag ins Leere. Sie drückte sich einfach mit ihrem Standbein ab, sprang so etwas in die Luft und landete auf dem Bein, mit welchem sie zuvor noch seine Nase planiert hatte. Jedoch neben seinem Kopf.

»Ja, spring du nur! Gleich versohle ich dir den Arsch!«

Katja drückte wieder mit ihrem Absatz zu. Doch dieses Mal mit dem anderen Fuss. Erst nun, da der Kerl einen unangenehmen Druck an seinem besten Stück spürte, erfasste er seine Situation. Er hatte sie nicht abgewehrt. Sie hatte lediglich die Stellung gewechselt und nun hatte sie ihn buchstäblich an den Eiern.

Ein schriller Pfiff ertönte. Katja schaute in die Richtung und sah den Anführer dieser drei Hinterweltler. Offensichtlich pfiff er seinen Kollegen zurück. Also gab Katja ihn frei. Etwas umständlich und gar nicht cool brachte der sich wieder auf die Beine, hielt sich die Nase und eilte davon.

Egal was er sich von der ganzen Aktion versprochen hatte, sein Ziel konnte er offensichtlich nicht erreichen. Denn wieder brach Jubel aus. Dieses Mal galt er jedoch Katja und dieses Mal war es Perry, der vor Stolz fast geplatzt wäre. Niemand anderes als seine Frau hatte mich Leichtigkeit so einen schmierigen Möchtegern in die Schranken gewiesen und das auch noch so locker und so cool. Ach, wie sehr wünschte er sich in dem Moment ihr Schlafzimmer, wo er sie aufs Bett werfen und anständig hätte ficken können. Damit musste er jedoch noch warten.

Kurz darauf erreichten auch Viper und Amy ihre Freundin.

»Das hast du aber nicht bei unserem Trainer gelernt!«

»Nee Amy. Selbstverteidigung. Nur durch das ganze Training und vielleicht auch unserem Abenteuer. Bin ich anscheinen viel, viel schneller geworden. Das war ja schon fast langweilig. Eigentlich hätte ich mir dabei noch die Nägel machen können.«

Und es wurde gelacht. Wie so oft an diesen Wochenenden.

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