Die Passage

Die Megaclite hatte bei den Koordinaten angehalten, welche angeblich den Beginn der Passage durch das Band darstellte. Krieger war aufgestanden und schaute sich die Umgebung auf dem Hauptschirm an.

»Also ganz ehrlich, ich traue der ganzen Geschichte nicht. Hier ist nichts!«

»Ich muss dir zustimmen Krieger! Auch die Sensoren erkenne überhaupt nichts!«

»Kapitän Krieger Casper!«

»Wie auch immer. Laut den Sensoren unterscheidet sich der komplette Raum um uns herum nicht von allen anderen Regionen, durch die wir bislang geflogen sind.«

Krieger hörte zwar die Worte, doch hatte er andere Fragen im Kopf. Wann genau war es eigentlich dazu gekommen, dass jeder du zu ihm sagte? Verzweifelt versuchte er sich daran zu erinnern, ob er dieses Zugeständnis irgendwo im Zuge der Umorientierung gemacht hatte. Doch wollte ihm einfach nichts einfallen.

»Steuermann, wie lange brauchen wir, wenn wir diese Passage nehmen und wie lange würde es dauern, bis wir bei direktem Kurs unser Ziel erreichen?«

Pamela rechnete kurz.

»Also die Passage, da wir uns da treiben lassen sollen, dauert gut eine Woche, wenn nicht sogar länger. Bei direktem Kurs haben wir das Ende dieses ominösen Bandes in weniger als einem Tag erreicht.«

»Nur eine Woche? Das ist doch ein ziemliches Stück!«

»Richtig. Man darf aber nicht vergessen, diese ganzen Schwerefelder werden uns immer weiter beschleunigen.«

»Okay. Trotzdem ist eine Woche schon eine Zeit. Das würde ich gerne vermeiden. Barry, ich hätte gerne einen Torpedo ohne Ladung. Direkter Kurs in dieses Band. Dann sehen wir ja, was passiert!«

Das liess sich Barry nicht zweimal sagen. Er durfte ballern! Was jedoch geschah, als der Torpedo die Megaclite verlassen hatte, verschlug allen die Sprache. Das Geschoss flog nicht einmal 100 Meter weit und zerlegte sich dann von der Spitze ab in seine Elementarteilchen. Tiffany sprang auf.

»Heilige Scheisse! Sind wir so nah?«

Auch Krieger war schockiert. Damit hatte er nicht gerechnet.

»Es scheint so. Deckt sich das mit der Karte?«

Casper prüfte es schnell.

»Positiv. Laut der Karte hätte der Beginn des Bandes sogar ein kleines bisschen näher sein müssen. Aber nur vielleicht einen Meter.«

»Grosses Kino. Das heisst also, wir müssen doch die Woche in Kauf nehmen. Steuermann, Kurs setzen. Casper, eine Meldung an alle Stationen. Wenn sich irgendwo was tut, will ich sofort darüber informiert werden!«

Tiffany fühlte sich an ihre Mission erinnert, wo sie den Zwe-Kristall gesucht hatte. Da gab es ja auch diese Anomalien, welche einen Teil des Schiffes auflösten. Ob es das gleiche Phänomen war?

»Alle Stationen melden Bereitschaft Krieger!«

»Kapitän Krieger! Steuermann, Beschleunigen! Genau nach Plan!«

Pamela hatte den Kurs schon gesetzt, gab genug Schub, dass das erste Schwerefeld die Megaclite einfangen konnte und deaktiviert den Antrieb. Das Schiff war unterwegs.

Zwei Tage war die Megaclite nun schon unterwegs in der Passage. Sie hatte kleinere Planeten gekreuzt, so etwas wie einen verirrten Mond, oder Kleinplaneten, sonst geschah nichts aufregendes. Es machte jedoch irgendwie so den Eindruck, als hätte irgendwer diese Objekte auf diesem Weg platziert. Ansonsten gab es keine rationale Erklärung, warum diese sich auf ihren Positionen befanden. Als das Schiff einen erdähnlichen Planeten ansteuerte, der einen deutlichen Geschwindigkeitszuwachs bedeuten würde, hatte Casper etwas auf seinen Sensoren.

»Krieger! Ich orte starte Energien auf dem Planeten! Sehr lokal begrenzt!«

»Es heisst Kapitän Krieger!«

»Wie auch immer! Da muss irgendetwas technisches sein.«

»Dann sollten wir uns das anschauen. Steuermann, in einen Orbit bitte!«

Hier mischte sich Ruug ein, der in letzter Zeit eher still gewesen war.

»Kapitän, ich würde davon abraten! Die Passage wird durch die Schwerefelder erzeugt. Halten wir hier an, wird uns der Planet nicht mehr in der richtigen Bahn mit der richtigen Geschwindigkeit bewegen können. Es ist zu befürchten, dass wir in das Band geraten!«

»Danke Ruug. Dann Befehl zurück. Wir bleiben auf Kurs. Casper, ich will so viele Daten wie möglich von dieser lokalen Erscheinung!«

Tiffany dachte nach. Diese Energie war für sie doch sehr interessant. Vielleicht gab es da ja etwas, was diese Objekte auf ihre Positionen zwang? Was ihr bislang aufgefallen war, egal wie klein das Objekt war, welches vor Megaclite beeinflusst hatte, die Megaclite hatte darauf nie einen Einfluss gehabt. Das war aber physikalisch Inkorrekt.

»Casper, wie lange ist der Planet in Transporterreichweite?«

»Schwer zu sagen Tiff. Bislang haben wir von den Objekten nie die Kursänderung und den Geschwindigkeitszuwachs bekommen, den wir eigentlich erwartet hatten. Ich würde mal schätzen, so drei bis vier Stunden.«

»Warum habe ich so das Gefühl, dass mein erster Offizier Bedarf daran hat, mal wieder in Schwierigkeiten zu geraten?«

»Ich habe keinen Bedarf an Schwierigkeiten Krieger. Ich halte es nur für einen sehr seltsamen Zufall, dass alle Objekte bisher sich nicht an die Gesetze der Physik halten und wir dann auf so eine Energie stolpern.«

»Nun gut Nummer Eins! Geh und nimm Raschniposa mit!«

»Tiffany!«

»Wie auch immer!«

Langsam entwickelte sich diese Nummer zu einem Runninggag!

30 Minuten später erschienen Tiffany und Raschniposa in Raumanzügen auf dem Planeten. Unweit der georteten Energiequelle. Was sie sahen, war nicht ganz logisch. Überall war alles nur nackter Fels mit viel Staub. So, wie man es von solchen Planeten ohne nennenswerte Atmosphäre eben kannte. Dort, wo die Energie jedoch sein musste, war ein Bereich mit einem kleinen Wald bewachsen, es gab eine grüne Wiese, sogar blauer Himmel und Sonnenlicht. Alles Dinge, die es hier gar nicht hätte geben dürfen. In der Mitte dieser Anomalie befand sich ein eckiges Gebäude mit Fenster.

»Also, so etwas habe ich noch nicht gesehen!«

»Ich auch nicht Raschni. Kannst du irgendwas orten? Gibt es da vielleicht so etwas wie einen Schutzschild, oder so?«

Raschniposa benutzte seinen Scanner.

»Nein. Da gibt es nichts. Ich orte jedoch eine Atmosphäre, welche für uns geeignet ist.«

»Dann lass uns mal da rüber gehen und anklopfen. Vielleicht ist ja jemand zuhause?«

Die Beiden setzten sich in Bewegung. Es gab tatsächlich nichts, was die Grenze zu dieser Anomalie irgendwie schützte. Eben standen die Beiden noch im Staub des Planeten, einen Schritt weiter standen sie auf einer Wiese und die Anzeigen der Anzüge signalisierten, dass hier einem geeignete Atmosphäre herrschte. Als die Beiden sich dem Gebäude näherten, sahen sie an einem Eck davon jemand auf der Erde knien, der ihnen den Rücken zugekehrt hatte und irgendetwas am Boden arbeitete. Tiffany ging genau auf dieses Wesen zu.

»Hallo?«

Rief sie, nachdem sie ihren Helm zurückgeklappt hatte. Das Wesen hielt inne, stand auf und drehte sich um. Tiffany erstarrte. Das war ein Mensch! Graue Haare, schon einige Falten im Gesicht, aber prinzipiell sah er gesund aus. Auch er staunte nicht schlecht.

»Besucher! Was für ein freudiges Ereignis! Tretet näher! Ich habe so lange niemanden mehr gesehen!«

Nun war Tiffany vollends erschüttert. Der sprach ja sogar deutsch!

»Ja, also, wer sind sie, warum sehen sie aus wie ein Mensch und warum sprechen sie meine Sprache?«

Er fing herzhaft an zu lachen.

»Es könnte daran liegen, dass ich ein Mensch bin! Geboren und aufgewachsen auf einem sehr fernen Planeten namens Erde! Mein Name ist …«

Er hielt inne und schien nachzudenken.

»Ich heisse …«

Versuchte es erneut. Doch anscheinend fiel ihm sein Name nicht mehr ein. Nach einigen Sekunden schien er zu resignieren.

»Ich weiss es nicht mehr. Es ist so lange her, dass ich meinen Namen genannt habe, er ist mir entfallen. Ich bin der Wächter der Passage. Vor vielen tausend Jahren habe ich mich entschieden, hier auf diesem Planeten dafür zu sorgen, dass ein sicherer Korridor durch das Band für alle Zeiten offen sein wird!«

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