Tote Welt

Die Megaclite glitt vorsichtig immer näher ran, an den Planeten. Immer mehr Details wurden sichtbar, immer mehr Strukturen im Orbit. Trotzdem. Signale gab es keine.

»Casper, langsam müsste aber irgendwas zu empfangen sein!«

»Richtig Krieger und trotzdem ist da nichts!«

»Kapitän Krieger!«

»Von mir aus. Auf jeden Fall, da ist nichts! Ja, nichts! Irgendeine Energiesignatur müsste mittlerweile zu messen sein, aber nein, da ist nichts!«

»Und warum sehen wir nichts auf dem Planeten?«

»Das ist eine gute Frage. Der ganze Planet ist von einer seltsamen Schicht umhüllt. Bestimmte Strahlen kommen durch, aber kommen nicht mehr zurück. Ich schätze mal, die haben sich nach aussen hin abgeschirmt, weil so spezifisch kann ich mir die Natur da nicht vorstellen.«

»Also gut, dann eben anders. Pamela, sie achten weiterhin auf diese Abwehrsysteme. Sobald da etwas zuckt, sind wir weg. Barry, Hände weg von den Waffen! Casper, schiessen sie eine Sonde durch die Atmosphäre. Aber so, dass sie auf jeden Fall diese Schicht auch wieder verlässt. Für den Fall, dass sie uns von drinnen keine Daten senden kann.«

»Geht klar Krieger!«

Kam von Pamela.

»Warum sind sie eigentlich so gemein zu mir Krieger?«

Fragte Barry.

»Sonde gestartet Krieger!«

Meldete Casper.

»Boah. Es heisst Kapitän Krieger!«

»Von mir aus!«

Sagten die Drei gleichzeitig.

Die Sonde zeigte ihre Daten auf dem Hauptschirm. Als sie die Schicht erreichte, war die Übertragung sofort unterbrochen. Es dauerte einige Minuten, dann tauchte die Sonde wieder auf und übermittelte sofort ihre Daten. Casper legte sie auf den Hauptschirm.

»Ja schau sich einer das an! Die ganze Landmasse ist von einer Stadt bedeckt!«

»Zumindest was wir sehen Krieger!«

»Nicht spitzfindig werden Casper!«

»Kann irgendwer Aktivität verzeichnen?«

Tiffanys Frage blieb unbeantwortet. Das hatte sie sich gedacht.

»Krieger, ich gehe da runter und schaue mir das mal aus der Nähe an.«

»In Ordnung Nummer eins. Nehmen sie Casper und Raschniposa mit.«

»Tiffany!«

»Von mir aus!«

»Warum Raschniposa? Falls ich was weg sprengen muss?«

»Wohl eher, weil er sich als Ingenieur verdient gemacht hat und ich ungern Ray auf diesen Ausflug schicken würde.«

Sicherheitshalber, verzichtete das Aussenteam auf den Transporter und flog stattdessen mit dem Pendler. Die Schicht zu durchdringen stellte keine Herausforderung dar und schon zeigte sich diese riesige Stadt Live und in Farbe. Je näher der Pendler kam, desto mehr Details waren zu erkennen. Hier gab es auch Strassen, die Rechts und Links zugeparkt waren mit so etwas wie Autos. Auf den Häuser standen Fahrzeuge, die sich wahrscheinlich durch die Luft bewegen konnten. Auch hier war fast alles komplett zugestellt.

»Was fällt euch denn auf, wenn ihr das da draussen seht?«

»Das die einen riesigen Bedarf an Fahrzeugen haben Casper?«

»Nein Tiffany. Ich denke, Casper spielt darauf an, dass hier alles nagelneu aussieht!«

»Ganz genau Raschni. Alles hier ist in einem perfekten Zustand. Bis hin zu dem, was man Lack bezeichnen würde. Aber, es scheint trotzdem uralt zu sein!«

»Wie kommst du darauf?«

»Na, schau mal auf den Monitor!«

Casper legte eine heftige Vergrösserung auf Tiffanys Bildschirm. Unverkennbar waren die Objekte unter einer beachtlichen Schicht Staub vergraben.

»Ist das Staub?«

»Stark anzunehmen. Das bedeutet zwei Dinge. Erstens, hier steht alles schon ewig einfach nur so rum und zum anderen, hier dürfte es keine nennenswerte Luftströmung geben, die den Staub wieder wegbläst.«

»Okay. Das will ich mir jetzt aus der Nähe ansehen. Hast du einen Eck gefunden, wo wir landen können?«

»Ja, klar. Dreh Backboard und dann ein paar hundert Meter geradeaus. Da ist ein Dach mit jede Menge Platz.«

»Super. Dann parken wir dort und schauen uns um.«

»Einverstanden. Aber Tiff. Raumanzug und der bleibt geschlossen! Hier ist so viel Staub, ich kann dir nicht sagen, was da alles drin steckt. Das ist zu gefährlich!«

»Ja, ja, ist ja schon gut. Dann eben mit Anzug und allem.«

Der Pendler landete und das Aussenteam stieg aus. Wirklich alles war schon Staub bedeckt. Richtig viel Staub. Raschniposa ging sofort zu einem dieser tropfenförmigen Gebilde, welche wohl als Luftfahrzeug dienten und wischte den Staub weg, um sich das näher anzuschauen. Casper hingegen bohrte ein kleines Loch in das Dach des Gebäudes.

»Wenn du nach Öl bohrst, wirst du hier aber schlechte Karten haben!«

»Sehr witzig Tiff. Ich will wissen, was das für ein Material ist, dass es so dick mit Staub bedeckt sein kann, aber nagelneu aussieht.«

Die Analyse dauerte nur wenige Sekunden.

»Interessant. Das ist Plastik!«

Tiffany schaute zu ihren Füssen und stampfte dann einige Male fest auf.

»Wirklich? Ich hätte das jetzt tatsächlich für so etwas wie Beton gehalten.«

»Ja, ich auch. Aber nein. Es ist eine Art von Plastik. Aber da sind Materialien drin, die ich überhaupt nicht kenne. Das Zeug ist viel Stabiler als Beton und haltbarer. Theoretisch könnten die Gebäude hier seit einem Tag stehen, oder seit einer Milliarde Jahren.«

»Gab es da nicht auch mal auf der Erde die Diskussion mit Plastik? Weil das freiwillig nicht verrottet?«

»Ja, im Prinzip ja Tiff. Aber hier ist das anders. In der Struktur ist so etwas wie eine Selbstzerstörung eingebaut. Wenn man das Material einer bestimmten Substanz mit einer bestimmten Umgebung aussetzt, müsste sich das Zeug komplett in seine Bestandteile auflösen.«

»Okay. Wir müssen uns also keine Sorgen machen, dass uns die Hütte hier unter den Füssen zusammenbricht?«

»Ganz bestimmt nicht!«

»Gut. Raschni? Komm, wir gehen da mal rein.«

Es bliebe nur die Frage, wo rein. Egal wo das Aussenteam hinschaute, hier gab es keine Tür, keine Treppe, oder ähnliches.

»Ich habe etwas gefunden!«

Rief Raschniposa von einer Ecke des Dachs. Tiffany und Casper gingen zu ihm und sahen ein Loch im Boden. Es war gross und schien ganz hinab zuführen.

»Warum baut jemand so eine Falle in ein Dach? Wenn man sich das Leben nehmen will, kann man auch aussen runter springen!«

Raschniposa nahm sein Multitool vom Gürtel, hielt es genau über das Loch und lies es los. Tiffany wollte protestieren, schliesslich wollten sie keine Spuren auf dem Planeten zurücklassen, doch als sie sah, dass dieses Ding nicht viel, blieb sie stumm.

»Keine Schwerkraft!«

Sagte Casper ehrfürchtig

»Ja toll. Jetzt mach mal nicht so, dass können wir auch!«

»Nein, können wir nicht! Wir benötigen dafür Technologie. Aber hier ist nichts aktiv. Selbst hier kann ich nichts messen und dennoch ist hier Antischwerkraft. Das ist bemerkenswert!«

Tiffany machte einen Schritt vor und schwebte augenblicklich neben dem Multitool. Mit den Händen ruderte sie nach oben und tatsächlich, ihr Körper sank butterweich nach unten. Casper und Raschniposa folgten ihr, hielten aber ein wenig Abstand, um nicht gegen sie zu prallen, falls sie abbremsen würde.

Das tat sie ein paar Stockwerke tiefer. Es war kein Problem anzuhalten und in den Flur zu treten. Dabei fiel ihr etwas auf.

»Runde zwei Meter fünfzig Deckenhöhe. Türrahmen von zwei Meter Höhe. Offensichtlich sind die Bewohner ähnlich gross wie wir.«

»Die Hütte ist aber verlassen. Schau. Keine Spuren auf dem Boden. Hier war schon ewig niemand mehr!«

»Dann sollte ja niemand was dagegen haben, wenn wir da mal reinschauen!«

Sagte Tiffany und zeigte auf eine Tür. Diese schien verschlossen, doch Raschniposa machte sich sofort ans Werk.

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