Zwei gelbe Sterne

Einige Wochen vergingen, in denen das Weltall sich von seiner langweiligsten Seite zeigte. Hier und da kam die Megaclite an Sternensystemen vorbei, hielt an deren Rand kurz an und suchte nach Signalen intelligentem Lebens. Doch gefunden wurde nichts, also ging es weiter.

Alles wurde zwischenzeitlich so öde, dass man selbst den übereifrigen Ray gelegentlich schlafend im Maschinenraum vorfand. Sogar die eigentlich immer aktiven Brass schienen nur noch lustlos. Es uferte soweit aus, dass auch eine Tiffany und eine Pamela keinen Bedarf mehr an Sex verspürten. Einzig Krieger ging seinem Tagesablauf nach und schien von der ganzen Langeweile nicht betroffen zu sein.

Tiffany stand kurz davor, einen neuen Landurlaub zu beantragen, als Casper, der mittlerweile auch immer wieder an seiner Station einschlief, von einem Signal geweckt wurde. Tiffany, die wie gewohnt ein Bein über der Armlehne hängen hatte, schaute zu ihm. Erst schaute er fast schon genervt zu seinen Anzeigen, dann war er jedoch in voller Aufregung. Grund genug für Tiffany, ihm einen Besuch abzustatten.

»Was gefunden?«

»Ja. Am äussersten Rand der Abtastung. Zwei gelbe Sonnen!«

»Pam, alles Stopp!«

Tiffany gab diesen Befehl, ohne von Caspers Anzeigen zu schauen. Diese verrieten jedoch, dass die Megaclite mit unverminderter Geschwindigkeit weiterflog. Tiffany drehte sich um und sah eine mal wieder schlafende Pamela in ihrem Sitz hängen. Sie ging hin und zog an dem Hebel, mit dem man die Rückenlehne verstellen konnte. Diese klappte weit nach hinten und versetzte Pamela einen gehörigen Schreck.

»Was, wer, wo, wie?«

Rief sie sofort und griff nach der Stelle, wo sie normalerweise eine Waffe trug. Zumindest im Ausseneinsatz.

»Oh Pam, du bist wach! Super. Voller Stopp bitte!«

Pamela schaute total entgeistert zu Tiffany, welche augenblicklich sehr froh war, dass Pamela keine Waffe hatte.

»Man kann mich auch humaner wecken!«

»Kann man! Also, voller Stopp bitte!«

Pamela drückte auf einen Knopf und der Sitz nahm wieder seine eigentliche Stellung ein. Ein Knopfdruck und die Megaclite hielt an. Tiffany ging wieder zu Casper und kurz darauf kam Krieger aus seinem Raum.

»Bericht!«

»Casper hat ein Sternensystem entdeckt, was den Beschreibungen von Ruug entspricht Krieger!«

»Kapitän Krieger!«

»Wie auch immer. Ich denke, wir sollten uns das anschauen!«

»Denke ich auch. Die Besatzung ist ohnehin in einer sehr schlechten Verfassung. Ein bisschen frische Luft sollte nicht schaden.«

Tiffany drückte auf eine Taste auf Caspers Pult.

»Ruug, auf die Brücke bitte.«

Es dauerte nicht lange, bis die Megaclite den Rand des Systems erreicht hatte. Wie gewohnt hielt das Schiff davor an und Casper legte seine Analysen auf den Hauptschirm.

»Ruug? Ihre Meinung?«

Ruug glitt auf Kriegers Frage nach vorne und schien sich alles ganz genau anschauen zu wollen. Die Auflösung des neuen Hauptschirms war unglaublich hoch. Tatsächlich erkannte man auch viele kleine Details, je näher man kam.

»Casper, hier ist ein Gesteinsplanet?«

Ruug deutete mit einem seiner Tentakel auf einen Punkt zwischen den gelben Sternen.

»Korrekt. Etwas grösser als die Erde und exakt auf dem Fleck, wo flüssiges Wasser möglich ist.«

»Nun, es trifft sehr genau auf die Beschreibungen zu, welche ich in den alten Geschichten gesehen habe. Da eine solche Konstellation nicht weit verbreitet ist, könnte es sich um die gesuchte Welt handeln.«

»Danke Ruug. Casper, irgendwelche Signale?«

»Nein Krieger. Gar nichts!«

»Kapitän Krieger! Aber Ruug, ich dachte, da lebt eine sehr hoch entwickelte Zivilisation!«

»So sagen es die alten Geschichten. Unter Umständen ist diese Zivilisation so fortgeschritten, dass sie keine für uns erkennbaren Signale mehr aussendet?«

Tiffany musste an ihre neuen Freunde denken. Auch deren Signale konnte man von der Megaclite aus nicht aufspüren, weil sie technisch so ganz anders waren, als was die Menschen bislang kannten.

»Wir müssen also davon ausgehen, dass da auch Waffen existieren, die Kleinholz aus uns machen können.«

»Ach was Krieger! Wir haben selbst Waffensysteme, die mächtig was kaputt machen können und unsere Schilde erst!«

»Kapitän Krieger Barry!«

»Von mir aus. Ich denke mal, wir können einen Blick riskieren!«

»Da bin ich Barrys Meinung. Wir nähern uns vorsichtig an und tasten die ganze Umgebung sorgfältig ab. Falls irgendwas da auf uns feuert, soll Pam einfach Gas geben.«

»Nun gut, ich bin einverstanden. Pamela, bringen sie uns zu dem Planeten. Aber ganz vorsichtig!«

»Geht klar Krieger!«

Krieger schüttelte den Kopf. Er fragte sich, wie lange es wohl dauern würde, bis seine Leute ihn endlich mit seinem Titel ansprachen. Eigentlich war es ihm mittlerweile egal, aber er wollte es einfach herausfinden.

Der Flug dauerte sehr lange. Pamela näherte sich so, dass jeglicher Angriff seine Zeit brauchen würde, um die Megaclite zu erreichen. Wenn da wirklich eine so hochentwickelte Zivilisation war, dann konnte man gar nicht vorsichtig genug sein.

»Krieger, ich orte Objekte im Orbit des Planeten.«

»Kapitän Krieger! Kann man davon schon was sehen?«

»Nein. Die sind ziemlich klein und Signale gehen keine davon aus.«

»Okay, dann dichter ran Pamela!«

Je näher sie dem Planeten kamen, desto deutlicher wurden Caspers Daten.

»Krieger, ich kann ein Bild von den Objekten auf den Hauptschirm legen!«

»Dann bitte!«

Schon zeigte der Hauptschirm ein merkwürdiges Objekt. Es war rund und hatte an einer Stelle eine Einbuchtung.

»Okay? Was soll das sein?«

»Das kann ich nicht sagen. Aber anscheinend sehen alle so aus.«

»Ist das vielleicht so etwas wie ein Teleskop?«

Ruug war wieder nach vorne geglitten.

»Kapitän, ich würde es eher für das genannte Verteidigungssystem halten.«

Tiffany gesellte sich zu ihm.

»Wie kommst du darauf?«

»Nun, Tiffany, für Teleskope, oder sonstige Empfangseinrichtungen, scheint mir das zu klein. Ausserdem, wenn die Einbuchtung ein Empfangsschüssel wäre, wo sollte diese die eingefangenen Signale hin bündeln? Es fehlt an einem Empfänger und ich kann auch noch keine Halterung erkennen, an welcher so etwas mal befestigt gewesen sein konnte.«

»Casper, zielt irgendetwas davon auf uns?«

»Nein Krieger. Auch bewegt sich nichts. Ich bekomme keine Signale. Entweder ist das System veraltet und wird nicht mehr benutzt, oder es ist inaktiv, oder defekt.«

»Können wir was auf dem Planeten sehen?«

»Negativ. Um den ganzen Planeten befindet sich so etwa wie eine Staubschicht. Mit der Optik komme ich da nicht durch.«

»Na gut. Weiter ran Pamela. Casper, wenn auch nur eines dieser Dinger zuckt, will ich das wissen.«

»Ich kann sie auch weg ballern Krieger!«

»Kapitän Krieger und nein Barry, hier wird nichts weg geballert! Wir wollen niemanden provozieren!«

Barry schien eingeschnappt. Pamela brachte das Schiff näher an den Planeten heran.

»Ein Planet ohne Dunkelheit!«

Sagte Tiffany.

»Kann mir mal jemand erklären, wie sich da Leben entwickeln soll? Wie sind denn da die Oberflächentemperaturen?«

»Das kann ich nur vermuten. Doch sind die Sterne so weit vom Planeten weg, dass auch nach Dauerbestrahlung die Temperatur nicht sehr hoch sein dürfte. Wenn wir noch etwas näher dran sind, kann ich dir genaueres sagen.«

Tiffany setzte sich wieder in ihren Stuhl, legte das Bein über die Lehne und schaute zum Hauptschirm. Irgendwas war hier merkwürdig, dass spürte sie genau.

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