Girlpower

Die Jungs hatten bald alles zusammen, was sie für die Arbeit brauchen. Leicht war das nicht, aber sie konnten endlich den Rückweg antreten. Als sie endlich das schwere Gerät das Treppenhaus nach oben gewuchtet hatten und sich die Tür hinter ihnen schloss, atmeten sie im Gleichklang auf. Auch ein Viper war nicht kalt genug, von dieser Situation mitgenommen zu werden.

In der Zwischenzeit hatte sich bei den Mädels eine Art von Gleichgültigkeit eingestellt. Immer wieder trafen sie auf Häuser, die noch ganz normal bewohnt zu sein schienen. Dann waren aber auch immer wieder Kampfspuren und Blut zu finden. Sie gaben kurze Meldungen, mehr geschah jedoch nicht.

Sie erreichten schliesslich so eine Art Mehrzweckhalle. Rebekka öffnete die Tür und schaute hinein. Nichts zu sehen. Sie gingen rein und sofort hatte Amy eine Anmerkung.

»Was ist das hier? Hier eine Kneipe und da hinten eine Turnhalle?«

»Ja und? Gibt es dutzende in Heinzfort.«

»Ah. Erst macht man Sport, dann läuft man sich zu Katja?«

»So in der Art. Aber das ist wohl eigentlich für Feste, oder so gedacht. Dann werden in der Halle Tische und so aufgebaut.«

Erst sah das alles unspektakulär aus. Alles schien in Ordnung, nur eben derzeit nicht in Betrieb zu sein. Sie arbeiteten sich zur Halle vor. Rebekka machte wieder den Vorreiter und blieb schlagartig einen Schritt hinter dem Durchgang stehen.

»Stimmt was nicht?«

»Da ist jemand Janine!«

Sofort drängten die Mädels nach. Furcht und Vorsicht schienen sich in den letzten Minuten vollständig abgelegt zu haben. Alle waren einfach nur neugierig.

»Was macht der da?«

»Uns anstarren Claudi?«

»Das seh ich selbst Rebekka. Aber, warum? Dem scheint ja nichts zu fehlen!«

Pascal meldete sich über Funk.

»Werdet mir mal nicht leichtsinnig! Ihr wisst doch, was ich gesagt habe. Also, äusserste Vorsicht!«

Rebekka ging trotz Warnung noch einen Schritt vor.

»Hallo? Alles okay bei dir?«

Sie bekam keine Antwort. Also ging sie noch einen Schritt auf den zu.

»Maia? Kannst du den mal auf russisch fragen, was Sache ist?«

Maia suchte Katjas Schutz, indem sie sich halb hinter sie stellte. Das Janine noch hinter ihr war, beruhigte sie. Also fragte sie auf russisch nach, ob es dem Kerl gut ging. Natürlich kam keine Antwort.

»Pascal, der steht nur da und schaut uns ungläubig an. Was sollen wir machen?«

Amy war mittlerweile ebenfalls in die Halle vorgedrungen und versuchte irgendwelche Verletzungen an dem Mann zu finden. Da waren jedoch keine offensichtlichen.

»Was ihr machen sollt? Dreht euch um!«

Pascals Tonfall war bestimmend, auch ein bisschen warnend. Amy drehte sich um und erschrak.

»Wo kommen die denn auf einmal her?«

Erschrocken folgten die Anderen ihrem Blick. Da waren noch vier Gestalten, die Rebekka zuvor definitiv nicht gesehen hatte. Die mussten irgendwoher gekommen sein.

»Was ist los?«

»Na ja, grosser Manitu. Jetzt sind es fünf!«

»Rebekka, ich schlage einen strategischen Rückzug vor!«

»Ach was. Erst sollen wir hier suchen und wenn wir was finden, sollen wir abhauen?«

»Das sind fünf Leute, sagst du? Ja, dann auf jeden Fall!«

»Ähm, es sind sieben!«

Sagte Janine. Auf ihre Art eher belustigt, als erschrocken. Amy drehte sich wieder um und schaute zu Janine. In der Kneipe, dort wo zuvor definitiv niemand war, standen nun zwei Figuren und versperrten den Rückweg.

»Haut da ab!«

Pascal schien sehr beunruhigt.

»Ja wie denn? Ein Loch in die Wand treten?«

»Die kommen näher!«

Sagte Claudia mit verängstigtem Tonfall. Amy schnallte derweil ihren Jetpack ab.

»Sieben gegen vier. Eigentlich müssten wir denen einen Vorsprung lassen!«

»Amy, werd mir nicht übermütig! Das sind keine normalen Menschen!«

Die kamen derweil immer näher. Aber erschreckend langsam.

»Kollege. Was soll ich denn bitte machen? Die haben uns umzingelt und wenn sie dumm machen, kriegen sie aufs Auge.«

Rebekka versuchte eine Alternative zu finden. Doch da war keine. Wenn die ihnen ans Leder wollten, dann konnten sie das tun und ihnen blieb nichts anderes übrig, als sich gegen sie zur Wehr zu setzen. Sie hatte aber eine Idee.

»Mädels, alle rein hier! Claudi, Elena und Maia, ihr fliegt mit den Jetpacks zur Decke. Da solltet ihr in Sicherheit sein. Katja, bereit für deinen ersten Kampfeinsatz?«

Katja liess ihre Knöchel knacken und versuchte cool zu wirken. In Wirklichkeit ging ihr der Arsch jedoch auf Grundeis.

Erst wurden die Jetpacks abgeschnallt, während der Rest mit eben jenen ihr Heil weiter oben suchten. Die Mädels bewegten sich in die Mitte der Halle, waren angespannt und bereit für den Kampf. Katja bewunderte ihre Freundinnen. Die schienen schon voll konzentriert zu sein, während in ihr mit jedem Schritt ihrer Gegner die Panik wuchs. Sie war sich nicht sicher, ob sie nicht vielleicht doch an der Decke besser aufgehoben gewesen wäre.

»Maia, sag denen mal, wenn sie uns zu nahe kommen, gibt es haue!«

Maia übersetzte. Doch das schien die nicht zu interessieren. Sie waren schon fast in Griffweite.

»Was meint ihr? Abwarten?«

»Nichts da! Die machen wir jetzt platt!«

Als hätten die Angreifer das gehört, stürmten sie den letzten Schritt nach vorne. Von der Decke sah die Szenerie dramatisch aus. Sieben Männer stürzten sich auf nur vier eher zierliche Mädels. Doch schon nach wenigen Sekunden war klar, diese zierlichen Gestalten durfte man nicht unterschätzen!

Der Typ, der sich auf Amy stürzte, griff ins Leere. Blitzschnell hatte sich Amy seinem Griff entzogen und fing nun ihrerseits an, auf ihr Opfer einzuprügeln. Es gab harte Schläge von der Seite an seinen Kopf, während ihr Knie immer wieder dessen Magengegend traf.

Rebekka hatte den Griff ihres Angreifers abgefangen, einen Schritt hinter ihn gemacht und ihn mit einer gekonnten Bewegung zu Boden gebracht. Sie ging beben ihm in die Knie und schlug mehrfach voll in sein Gesicht.

Janine hingegen war cool geblieben. Der Typ wollte sie greifen, sie bewegte daraufhin ihren Oberkörper einfach ein Stück nach hinten. Er griff nach, sie beugte sich weiter zurück. Ab einem gewissen Punkt fiel sie zurück in eine Brücke, nahm den Schwung und machte einen Überschlag. Ihre Füsse trafen dabei nacheinander das Kinn ihres Angreifers, der dadurch fast schon zurückgeschleudert wurde.

Katjas Herz raste. Sie war sich unschlüssig, ob sie ausweichen, angreifen, oder sonst wie verhalten sollte. Das gab ihrem Angreifer die Chance, sie zu packen. Genau in dem Moment schien sich bei ihr ein Schalter umzulegen. Waren ihre Augen in dem einen Moment noch panisch aufgerissen, verengten sie sich nun zu schmalen Schlitzen und was folgte war ein Feuerwerk an Schlägen, die abwechselnd dessen Gesicht und Brustkorb trafen.

Elena konnte es nicht glauben. Es dauerte nur Sekunden, da war das Verhältnis nicht mehr sieben zu vier, sondern nur noch drei zu vier. Vier reglose Gestalten lagen herum, während die Mädels sich schon ihren nächsten Opfern zuwendeten.

Amy und Janine hatten eigene Gegner. Rebekka positionierte sich bei Katja und nahm sich der letzten Gestalt an. Der Angriff begann und während Amy kurzen Prozess machte und auch Rebekka und Katja ihren Gegner schnell ausser Gefecht gesetzt hatten, fing Janine an zu spielen.

Sie liess dessen Angriffe, die eigentlich jedes Mal nur aus zupacken bestanden, jedes Mal ins leere laufen. Nach jedem Versuch klatschte sie ihre flache Hand auf seine Stirn. Sie tänzelte quasi um ihn herum und schien richtigen Spass dabei zu haben. Nach und nach verschränkten die anderen Mädels die Arme und schüttelten den Kopf. Gelegentlich, wenn sie in günstiger Position war, folgte nach einem packen ein Tritt in den Hintern.

»Janine, mach Schluss jetzt!«

»Ihr gönnt mir auch gar keinen Spass!«

Sagte Janine grimmig und ging einen Schritt zurück. Ihr Angreifer drehte sich zu ihr, wollte sie packen und Janine sprang. Aus dem Stand so hoch, dass sie ihre Beine um seinen Hals schlingen konnte. Sie warf sich zurück, er flog ab und landete auf dem Kopf.

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