Der Urlaub geht zu Ende

Es gibt da einen Unterschied, ob man Urlaub macht, um neue Kräfte zu tanken, oder ob man einfach Urlaub macht, um Urlaub zu machen. Die Meisten Menschen machen wahrscheinlich Urlaub, um Kräfte zu Tanken, dem Alltag zu entfliehen, oder einfach wieder den Sinn zu finden, warum sie eigentlich jeden Tag aufstehen, arbeiten usw. Bei den Freunden war das jedoch anders. Sie machten Urlaub, weil sie Urlaub machen wollten. Niemand fühlte sich ausgelaugt, niemand hatte Probleme damit, Morgens aus dem Bett zu kommen. Das heisst, doch, damit hatten viele ihre Probleme, aber nicht wegen der Arbeit! Nein. Sie wollten nur eben nicht aufstehen. Ob nun Arbeit anstand, oder nicht.

Das führte nach weiteren Tagen zu einem Problem. So schön es hier ja auch war, langsam aber sicher wurde es langweilig. Amy vermisste ihren Lion, Janine ihren Lori. Die Mädels aus der AAA-WG vermissten ihre Gruppe und auch das Tierheim konnte sich nicht der Tatsache erwehren, dass sie gerne wieder an ihrem Programm und an dem Auto arbeiten würden.

Einer hatte natürlich ganz andere Gedanken, warum er am liebsten sofort den Urlaub abgebrochen hätte. Aber niemand wusste eben das, was Pascal wusste und er machte sich unglaubliche Gedanken darum, was da wohl passieren würde, wenn die Schatten sich aus der Ortschaft wegbewegen konnten. Bislang bestand da wohl keine Gefahr, da sich ja eigentlich niemand in den Ort verirrte, aber was, wenn es doch jemand tun würde? Umso mehr erfreute es ihn, dass seine Freunde langsam Lagerkoller bekamen. Er nutzte seine Gelegenheit, während alle mal wieder zwischen den Wohnmobilen sassen.

»Sagt mal, wird es auch auch langsam langweilig?«

»Langweilig nicht direkt, mein lieber Freund Pascal. Doch muss ich zugeben, in mir erwacht der Tatendrang und ich bin der Meinung, wir haben unsere Arbeit nun lange genug schleifen lassen.«

»Ja, da geb ich Waldi Recht. Was wir hier an Videos produzieren, wird die Fans nicht ewig zufriedenstellen. Langsam haben sie wahrscheinlich so ziemlich jeden Bikini schon gesehen.«

»Was soll ich sagen? Mario und Waldi bringen es ja auf den Punkt. Auch wenn ich nicht gedacht hätte, dass ich es mal sagen würde, ich habe Lust auf Arbeit.«

»Du? Donald, so eine Aussage hätte ich jetzt nie von dir erwartet!«

»Warum nicht Perry? Ich hab das Projekt ja mit euch begonnen, warum sollte ich es nicht weiterführen wollen?«

»Weil du so ziemlich der Einzige aus dem Tierheim bist, den man nie wirklich arbeiten sieht!«

»Sehr komisch Elena!«

»Wieso Entchen? Ist doch so. Das Schnabeltier und Waldi sitzen an ihren Computern und du hörst es die ganze Zeit klappern. Du sitzt an deinem, guckst dir irgendwas an und nur ganz selten bewegst du dich mal.«

»Hallo? Das nennt sich Kunst! Das würdest du nicht verstehen, wenn es dich in den Arsch beissen würde!«

»Hört mal auf zu streiten! Ich bin auch der Meinung, wir könnten langsam die Zelt zusammenpacken. Mein Lion hat sicher schon Sehnsucht!«

Es ging noch etwas hin und etwas her, dann kam Rebekka.

»Maia, können wir hier auschecken wann wir wollen?«

»Klar. Ich kann hier machen was ich will!«

«Super. Dann mache ich euch einen Vorschlag. Morgen noch, dann packen wir zusammen und fahren los, wenn es dunkel wird. Einverstanden?«

Diese Frage war etwas mehr als 24 Stunden später beantwortet. Schon bei Sonnenuntergang war alles verstaut und die Fahrzeuge bereit für die Rückreise. Die Sonne war weg, die Fahrt begann.

Natürlich wurde es wieder eine Fahrt mit viel Intimität. Davon bekam Pascal jedoch nicht wirklich etwas mit. Er hatte viel grössere Probleme. Besonders die Tatsache, dass ihm bei allem immer irgendwie doch die Hände gebunden waren, machte ihn insgeheim fertig. Er hatte diese Macht, dieses Wissen. Trotzdem. Da kam dann eine Lisa, dachte sie wäre besonders schlau und setzte damit Ereignisse in Gang, die noch heftigste Probleme verursachen konnten. Er hatte sofort gewusst, was da passieren würde, doch konnte er einfach nichts dagegen machen. Nun lag es an ihm, die Probleme zu beseitigen.

Kurzfristig dachte er daran, seinen Onkel zu fragen, ober er ihn nicht unterstützen könnte. Dessen Macht überstieg die Seine ja noch um Längen. Doch der war da ja eigenwillig. Schon damals, als dieses Monster seinen Weg in die Menschenwelt suchte, war er auf sich gestellt. Aber, genauso wie damals, würde er es auch dieses Mal wieder regeln können. Klar, denn dieses Mal hatte er echte Monster auf seiner Seite. Wohl menschliche Monster, aber wenn er daran dachte, welche Power Amy, Rebekka und Janine hatten und wo es Katja schon hingebracht hatte, ja, dieses Mal würde es nicht so eng werden.

Er sass auf dem Beifahrersitz und schaute zu, wie Rebekka das Wohnmobil steuerte. Die schien jedoch mehr Interesse an dem zu haben, was über ihr passierte. Sie war unruhig und das kam mit Sicherheit davon, dass Claudia stöhnte. Janine hatte es wieder nicht lassen können, sich die Haare geflochten und so Claudias Aufmerksamkeit errungen.

400 Jahre war Pascal nun schon auf der Erde. So viele Menschen hatte er kennengelernt, doch keine waren so wie dieser bekloppte Haufen. Diese Unbedarftheit. Sie haben sich einfach nicht diesen Zwängen hin, wie es die übrigen Menschen taten. Das war zwar allgemein alles viel besser geworden, doch dieser Haufen war einfach noch viel, viel besser drauf. Er hatte schon so viele Menschen seine Freunde genannt, sie bis zu ihrem Lebensende begleitet. Doch keine waren so wie diese. Kein Wunder, dass er sie auserwählt hatte, dieses Mal seinen, quasi unsterblichen Weg mit ihm zu gehen.

Perry hatte mit der ganzen Sache jedoch so seine Probleme. Die waren intensiv genug, um nur beiläufig von der Tatsache erregt zu werden, dass Katja gerade von Donald als sein Eigentum benutzt wurde. Aufs heftigste. Perry wurde dadurch zwar geil, aber lange nicht so, wie man es von ihm gewohnt war. Seine Gedanken kreisten eher um das, was vor ihnen lag.

Zabrovst. Alles war schon schaurig genug, was Mario und Waldemar da ausgegraben hatten. Doch das noch kombiniert mit der Tatsache, dass Pascal da etwas zu erledigen hatte, liess Perry irgendwie erschaudern. Auch wenn er sagte, es sei nicht so dramatisch und die Angewohnheit hatte, nicht zu lügen, konnte er dennoch über einen Trick die Wahrheit verdreht haben. Er konnte einfach den Massstab verändert haben. Für seinesgleichen war es vielleicht alles ganz harmlos. Er hatte also die Wahrheit gesagt. Das hiess aber nicht, dass es für Menschen tödlich sein konnte.

Was ihm an der ganzen Sache aber am wenigsten gefiel, Katja gehörte ja mittlerweile zu den Kämpfern. Sie würde also mit Amy und den anderen vorne mit dabei sein. Dort, wo wahrscheinlich die grösste Gefahr herrschte. Er verwünschte sich, dass er nicht auch die Kampfkunst erlernt hatte. Dann wäre er vorne mit dabei gewesen, aber so?

Er musste lachen. Bei alle dem war es schon irgendwie witzig, dass bullige Gestalten wie ein Viper und ein Donald in seinen Gedanken nicht wirklich weit an der Fron vorkamen. Sondern die zierliche, sexy Frauen. Wie irre war das eigentlich? Er war mit einer Frau verheiratet, die ihm einfach so die Zehen hätte ausrupfen können. Die auch einem Viper einfach den Arsch hauen konnte. Genau die wurde aber gerade von Donald benutzt und gab sich jedem Befehl hin. Wie er ja wusste, konnte Donald ihr auch wirklich wehtun und trotzdem war sie ihm zu Diensten. Das war alles schon irre.

Was dabei nicht einmal ein Pascal wusste, Mario hatte schon viel deutlichere Informationen über Zabrovst gefunden. Dort ging etwas vor sich und zwar etwas gefährliches. So gefährlich, dass die Regierung lieber den Ort tilgte, als einzugreifen. Die Frage war nur, warum hatte man den Ort nicht dem Erboden gleich gemacht?

Aus dem ganzen Kontext konnte er sich etwas zusammenreimen, was ihm so gar nicht gefiel. Er wusste, dass es dort einen massiven Militäreinsatz gegeben hatte. Doch waren alle Ergebnisse nicht mehr auffindbar. Auf den Satellitenbildern hatte er aber gesehen, dass da mehrere Hubschrauber standen. Wenn die noch dort waren hiess das, die Besatzungen waren nicht zurückgekehrt. Das man daraufhin keine Bomber losgeschickt hatte, konnte eigentlich nur eines bedeuten. Dort gab es etwas, was man mit Bomben nicht auslöschen konnte. Oder, man würde es dadurch vielleicht noch schlimmer machen? Vielleicht gab es dort ja ein Labor, welches massiven Schaden anrichten konnte, wenn man seinen Inhalt an die Luft lassen würde?

Wie dem auch sei. Dort war die Kacke so richtig am Dampfen und Pascal wollte sie genau dort hinführen. Was eine Scheisse.

Das Mario diese Informationen jedoch für sich behielt, lag keines Wegs daran, dass er die Anderen nicht beunruhigen wollte. Doch, eigentlich war genau das der Grund. Die sollten nicht den Schwanz einziehen, denn er wollte dorthin! Aus irgendeinem Grund hatte er ein solches Verlangen, dass er am liebsten direkt hingelaufen wäre. Das musste ja aber niemand wissen!

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