Waldemar und Mario

Spass ist, was du draus machst! Auf nichts und niemand traf diese Aussage wahrscheinlich mehr zu, als auf diese Gruppe. Alle hatten Spass, aber auf unterschiedlichen Gebieten. Während die Einen es natürlich sehr mit Sex hatten, interessierten sich die Anderen für Spiele. Wieder Andere fürs Wasser und die dortigen Aktivitäten, während Waldemar und Mario immer mehr Interesse an dem entwickelten, das Pascal da gesagt hatte.

Schon kurz nach dessen Ankündigung, die Freunde im Anschluss an den Urlaub mit auf ein Abenteuer zu nehmen, fingen die Beiden an, sich darüber Gedanken zu machen. Doch wie sollten sie da recherchieren, wenn sie eigentlich keine wirklichen Anhaltspunkte hatten?

Waldemar entschied sich schliesslich, Pascal nach weiteren Informationen zu befragen. Natürlich mit seiner direkten Art und ohne Schnörkel.

»Pascal, mein guter Freund, ich möchte weitere Details zu diesem Abenteuer in Erfahrung bringen. Bitte informiere mich doch darüber.«

Pascal schien damit gerechnet zu haben. Er griff in die Tasche seiner Badehose und nahm sich einen Zettel. Darauf waren Zahlen notiert, die wahrscheinlich niemandem etwas hätten sagen können. Waldemar hingegen erkannte sofort Koordinaten, wie man sie vom russischen Navigationssystem abgreifen konnte.

Eigentlich waren das keine wirklichen Informationen. Keinen Namen eines Ortes, keine Hintergrundgeschichte, aber, Waldemar war augenblicklich zufrieden. Geradezu begeistert! Diese Begeisterung stammte ganz einfach aus der Tatsache, hier gab es etwas zu entschlüsseln und das war Waldemars Welt. Er eilte zu Mario, der Wie gewohnt auf seinem Stuhl sass und mit Luigi Händchen hielt.

»Mein Freund, ich habe Informationen von Pascal erhalten. Hier, schau es dir an!«

Waldemar gab Mario den Zettel. Auch der wusste augenblicklich, um was es sich dabei handelte.

»GLONASS Koordinaten? Echt jetzt?«

»In der Tat! Ich werde mich gleich an die Entschlüsslung machen. Offensichtlich handelt es sich dabei um die hoch präzisen, militärischen Daten!«

Mario grinste.

»Da musst du nichts entschlüsseln Waldi. Ich hab einen Decoder dafür. Schatz, ich geh mal mit ihm in unser Wohnmobil!«

Luigi guckte grimmig. Auch er war ein Mann, der Waldemar fachgerecht in alle Einzelteile hätte zerlegen können. Doch war ihm auch klar, Mario machte da keinen Mist. Er liess ihn los und schaute den Beiden noch hinterher, wie sie im Wohnmobil verschwanden.

Keine fünf Minuten später hatten die beiden Forscher eine Ortschaft auf dem Bildschirm. Diese hatte keinen Namen, auch wenn sie gross gewesen sein musste. Strassen führten dorthin und wenn die Beiden es richtig deuteten, schien es da auch ein Krankenhaus mit Hubschrauberlandeplatz zu geben. Es war also höchst eigenartig, dass dieses Dorf keinen Namen hatte.

Während sich Mario weiter mit der Karte beschäftigte, suchte Waldemar im Netz nach Informationen. Es war ja kaum zu glauben, dass eine solche Ortschaft nie irgendwo Erwähnung fand. Mario unterstützte ihn, indem er weitere Ortschaften mit Namen in der Gegend fand, die Distanzen weitergab und so die Suche eingrenzte.

»Hier, mein lieber Mario. Ich habe etwas gefunden.«

»Einen Namen?«

»Nein. Aber wenn ich mir die Geschichte so durchlese, dann muss es der Ort sein. Die genannten Punkte kann ich in der Karte wiederfinden.«

»Cool. Um was geht es?«

»Das ist wohl eher ein Fall für die Mythologie. Ein junger Mann wurde anscheinend befragt, da man seine Herkunft und seinen Zustand nicht nachvollziehen konnte. Er sagte, er käme aus einer Stadt, in der das Unheil Einzug gehalten hat. Menschen seien spurlos verschwunden, wieder andere hätten sich in eine Art Zombies verwandelt, oder wären besessen gewesen. Er selbst hätte sich auf dem Dachboden seines Hauses auf Anraten seiner Eltern versteckt. Es wären Schüsse gefallen, er hätte wirklich gruselige Geräusche gehört und dann wäre es still gewesen. Erst, als ihn der Durst dazu genötigt hatte, ging er nach unten. Zu sehen war niemand. Der ganze Ort sei verlassen gewesen. Er hatte aber Kampfspuren entdeckt und so etwas, was aussah wie die Spuren mächtiger Krallen. Dann sei er los gelaufen.«

Mario lehnte sich zurück.

»In der ganzen Erzählung wir nie der Name des Ortes genannt?«

»Nein. Worauf bezieht sich deine Frage, mein Freund?«

»Sagt dir Cleannet etwas?«

Waldemar musste aufgrund seines hervorragenden Gedächtnisses nicht überlegen.

»Aber natürlich. Dieser Mythos besagt, Cleannet sei ein System, welches von den Eliten dazu genutzt werden kann, bestimmte Informationen aus dem kompletten Internet zu löschen. Binnen Sekunden.«

Mario lachte.

»Ja, so in der Art. Nein, Cleannet ist keines Wegs ein Mythos, wird aber nicht von den Eliten eingesetzt. Ursprünglich kommt das aus den asiatischen Regionen. Die dortige Regierung wollte einfach, dass ihr Volk nur das lesen kann, was die Regierung genehmigte. Einer der dortigen Entwickler, der einen Filter schreiben sollte, hatte den Auftrag falsch verstanden und ein Tool entwickelt, welches eben einfach das ganze Internet nach bestimmten Kriterien durchsuchen und diese löschen kann. Das ist bewiesen! Mittlerweile, so sagen es zumindest einige Leute, wird es von jeder Regierung eingesetzt. Von den Einen mal mehr und von den Anderen weniger zur Zensur.«

Waldemar verstand, akzeptierte die Aussage aber nicht vollends. Schliesslich hatte er andere Informationen. Doch interessierte ihn mehr der vorliegende Fall, als dieser Mythos.

»Mein Freund, du gehst also davon aus, diese Ortschaft und ihre Bewohner wurden aus dem Internet gelöscht?«

»Möglich. Wenn dieser Bericht keinen Namen und so enthält, könnte er der Zensur entkommen sein.«

Waldemar reflektierte kurz über die Tragweite dieses Umstandes.

»Mein Freund, wenn dieser Gedanke korrekt sein sollte, ist die Tragweite kaum abzuschätzen! Es läge im Bereich des Möglichen, dass die Regierung dort einen Einsatz durchgeführt hat. Vielleicht Experimente, wie es in den USA ja auch schon geschehen ist. Vielleicht gibt es dort auch ein Labor, welches Probleme verursacht haben könnte, die nun vertuscht werden sollen.«

Mario zoomte in die Satellitenaufnahme hinein, auf ein ziemlich grosses Gebäude.

»Genau diesen Gedanken hatte ich auch schon. Dieses Gebäude könnte auch eine entsprechende Einrichtung sein. Darüber findet man anscheinend auch keine Informationen.«

»Einen Moment, ich intensiviere meine Suche nach diesem Bauwerk, mein Freund.«

»Das erinnert mich alles so ein bisschen an eine Geschichte, die ich gelesen habe. In einem Labor in Australien muss ein seltsamer Nebel entstanden sein, der die Leute verätzt haben und riesige Kreaturen erschaffen haben soll.«

Ohne den Blick von seinem Bildschirm abzuwenden, gab Waldemar Antwort.

»Ach ja, diese Geschichte um diesen Dominik. Ich erinnere mich, darüber ein paar Artikel gelesen zu haben. Doch, mein Freund, die Quellen zählen in meinen Augen zu den grössten Verschwörungstheoretiker, die man finden kann. Menschen, die aus allem, was in irgendeiner Weise geheimnisvoll aussieht und zu dem es nur wenige, bis gar keine Informationen gibt, eine Verschwörung der Regierung machen. Ich habe dem keinen Glauben beigemessen. Genauso wenig, wie von diesem Verschwörungstheoretiker Hawkeye, der die geheimen Machenschaften um HAARP aufgedeckt haben will. In meinen Augen sind das alles nichts weiter, als gescheiterte Autoren, die nun auf diese Weise ihre Geschichten an den Mann bringen wollen.«

Mario schaute abschätzend zu seinem Freund. Er verzichtete auf eine Gegendarstellung, um eine unsinnige Diskussion zu vermeiden. Denn, Mario wusste sehr genau, dass die Erzählungen aus Australien korrekt gewesen waren.

»Es bliebe nur die Frage, mein guter Freund, was genau will unser Freund Pascal dort erreichen? Warum er?«

»Es ist Pascal! Vielleicht hat er irgendwo etwas aufgeschnappt, oder jemand hat es ihm erzählt. Wenn du anfängst das zu hinterfragen, tut mir ja leid, aber dann wirst du bekloppt. Er wird dir nie eine echte Antwort geben und was er dir sagt, na, du weisst schon.«

»Dies zu akzeptieren, stellt mich auf eine äusserst harte Probe, mein Freund. Lediglich das Vertrauen, welches ich in dich habe, hält mich von Nachforschungen in dieser Hinsicht ab!«

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