Viper und Perry

Die Freizeitaktivitäten waren in vollem Gange. Perry hingegen hatte derzeit keine wirkliche Lust, daran teilzunehmen. Er ging zum Stand, stellte sich direkt ans Wasser und schaute sich den See und die Berge an.

»Ja, die Natur kann, wenn sie will!«

Perry erschrak. Das sich Viper genähert hatte und nun neben ihm stand, hatte er gar nicht mitbekommen. Er war in Gedanken versunken, hatte aber keine Ahnung, welche Gedanken das eigentlich waren.

»Definitiv. Wenn ich da an Heinzfort denke. Überall Häuser. In der Innenstadt eines höher als das andere. Hier scheint alles so ruhig zu sein. Während zuhause alles nur schnell, schnell, schnell sein muss, scheint es hier noch Zeit im Überfluss zu geben.«

»Das liegt aber am Urlaub, nicht am Ort. Ich weiss aber, was du meinst.«

»Du musst mir mal etwas erklären. Du lebst in Brücken. Du hast deine eigene Firma, Freunde, den Rennsport und das alles. Wo nimmst du die Zeit her, auch noch in Neunburg so aktiv sein zu können und immer wieder bei Amy abzuhängen? Geschweige denn was Ausflüge nach Amerika, Ägypten und so angeht?«

Viper lachte.

»Perry, ich bin fest der Überzeugung, in naher Zukunft verstehst du das von selbst. Ich meine, Zeit ist so eine Sache. Die Meisten Menschen haben nur deshalb keine Zeit, weil sie Geld verdienen müssen und was weiss ich. Geld ist aber immer so eine Sache bei dem Thema. Ja, ich habe meine Firma. Aber ganz ehrlich? Wenn ich nicht dort bin, passiert auch nichts schlimmes. Braucht Thomas eben etwas länger, um alle abzufertigen. Die Kohle kommt trotzdem. Ausserdem kann ich durch die Rennen genug verdienen und nicht zuletzt, ich hab eine fette Summe auf dem Konto stehen. Geld ist also nicht mein Problem und wenn ich nach Neunburg will, dann gebe ich nur den notwendigen Leuten Bescheid und mache mich auf den Weg. So einfach ist das.«

»Alles das Geld, oder wie?«

»Klar. Guck dir doch deine Frau an. Die macht was sie will, weil ihr das Geld egal ist. Gut, sie bekommt es von Papi, oder jetzt von dir, aber sie muss sich darum keine Gedanken machen, also lebt sie so, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Oder wie man das sagt.«

Da hatte Viper Recht, von der Seite hatte es Perry noch nie betrachtet.

»Aber lustig, wie uns das Schicksal zusammengewürfelt hat.«

»Irgendwie schon, ja. Sei mir nicht böse, aber unter normalen Umständen hätte ich wohl nie eine Freundschaft mit dir erwogen. Zu viel Nerd.«

»Hättest mich wohl eher verkloppt.«

»Das nun auch wieder nicht. Ganz ehrlich, wenn man mich so sieht, wie ich immer wieder versuche Janine zu verhauen und so, denkt man bestimmt falsch von mir. Ja, wenn mir jemand dumm kommt, dann endet das oft mit Schmerz. Aber bei den Mädels ist das anders. Bei denen kann ich voll meine Wut raus lassen, ich weiss ja schliesslich genau, ich kann denen nicht wehtun. Wenn dann umgekehrt. Aber normalerweise mag ich körperliche Gewalt nicht.«

»Und ich bin auch eigentlich gar nicht so der Nerd. Klar, doch schon, aber nicht nur. Als wir Paintball gespielt haben, da hab ich mich eher gefühlt wie ein Kämpfer. Strategie, Einsatz, Gefahr. Ich fand das total toll.«

»Du warst Paintball spielen?«

»Klar. Claudis Vater hat ein Grundstück, da geht das super!«

»Und warum sagt das keiner?«

»Keine Ahnung. Warum, spielst du auch?«

»Aber absolut! Nur schon ewig nicht mehr gemacht. Also das müssen wir dringend nachholen!«

»Bin ich dabei, definitiv!«

»Cool. Du bist eigentlich schon ein ganz cooler, du Schnabeltier.«

»Danke. Du irgendwo auch ein ganz sanfter!«

Viper drehte sich zu Perry.

»Willst du jetzt Stress?«

Perry schaute sich um.

»Nee du. Nicht bis meine Frau wieder da ist.«

Beide fingen herzhaft an zu lachen.

»Aber sag mal, was Pascal da vorhat, was hältst du davon?«

»Schwere Frage du Schnabeltier. Wenn ich an die Insel zurückdenke, so cool fand ich das eigentlich nicht. Überall bewaffnete Leute um dich rum und wenn du einmal falsch schaust, ballern die dir Kugeln in den Kopf. Nein, nicht wirklich meine Welt.«

»Denkst du etwa, da wird es auch so?«

»Ich denke, Pascal hat da was mit zu tun. Das ist immer ein Garant für Probleme. Der macht keinen Kindergarten. Also denke ich durchaus, dass da mehr hinter steckt, als der feine Herr uns das so erzählt. Aber, er ist mit von der Partie. Da mache ich mir also um unsere Gesundheit weniger Gedanken.«

»Wegen dieser Dämon-Geschichte?«

Viper lachte.

»Nein, sicher nicht. Aber, wenn er mit dabei ist, dann wird es nicht so gefährlich sein. Er hängt am Leben, da bin ich mir absolut sicher!«

Einen Moment lang fragte sich Perry, ob er Viper die Wahrheit sagen sollte. Das er tatsächlich der Meinung war, Pascal wäre übernatürlich. Doch irgendwie fühlte sich das falsch an.

»Wenn ich mir aber überlege, in einigen unserer Spiele begibt man sich auch in ein mysteriöses Gebiet, um dort etwas aufzuklären. Das ich das mal real machen würde, ist irgendwie schon heftig!«

»Ach Schnabeltier. Als ich damals noch auf der Uni war, hatte ich auch so viele Dinge im Kopf. Zeugs, was man im Kino sah. Alles so aufregende Sachen, die aber so unwirklich erscheinen. Bis ich dann durch meinen Vater gezwungen wurde, illegalen Aktivitäten nachzugehen. Auf einmal war ich der, der einem anderen Typ ein Rohr über den Schädel gezogen hat. Der illegale Autorennen durch Modifikationen unterstützt hat und dann irgendwann selbst im Auto sass. Drogen, Gewalt, Rennen, dann diese Geschichte mit der Insel und das alles. Da könnte man ganze Bücher mit füllen.«

»Nur mit dem Unterschied, wenn ein Held im Film stirbt, taucht er in einem anderen Film wieder auf.«

»Das ist richtig. Wenn ich überlege, Amy, Janine und Rebekka haben sich, kurz bevor wir dann endlich den Vogel in der Luft hatten, mit bewaffneten Militärs angelegt. Die mit Waffen, die Mädels mit nichts. Da hätte es schon gereicht, wenn jemand versehentlich abgedrückt hätte. Das war definitiv kein Spiel! Oder dann später. Ich gegen die andere Maschine. Klar, fliegen konnte ich das Ding, aber ich hatte doch keinen Plan von Luftkampf. Schon gar nicht mit so einer Maschine! Mein Gegner hingegen war ausgebildet, hatte schon unzählige Stunden auf dem Vogel und war mir in jeder Hinsicht überlegen.«

»Wie hast du den eigentlich abgeschossen?«

»Ich? Überhaupt nicht! Ich kam eigentlich nie wirklich in Schussreichweite. Der kannte das Flugzeug in und auswendig. Egal was ich gemacht hatte, er konnte es besser. Wir hatten das Ding aber schon auf dem Boden sabotiert. Es hat nur viel länger gedauert, bis die Sabotage gegriffen hatte. Ich für meinen Teil habe einfach nur versucht, uns am Leben zu halten. Hat ja dann auch geklappt.«

»Könntest du es heute besser?«

»Kein Stück. Wieso auch? Ich hab keinen Grund Luftkampf zu trainieren. Ausser dem Gegenstück von unserem Vogel gibt es nichts, was sich nennenswert mit der Kiste anlegen kann. Viel zu schnell, viel zu wendig. Selbst wenn dir im Landeanflug jemand mit einer Rakete auf dich feuert, beschleunigt das Flugzeug so schnell, dass die Rakete nicht mitkommt. Von daher, warum sollte ich mich da verbessern? Ich kann in jeder Situation ganz Schnell das Weite suchen.«

Perry schüttelte den Kopf.

»Hör mal, von was wir da reden! Vor nicht allzu langer Zeit habe ich nichts anderes gemacht, als programmiert, gezockt und Filme geschaut. Jetzt reden ich davon, wie du ein Mach 5 fähiges Superflugzeug fliegst. Ich komme da immer noch nicht drauf klar.«

»Tja, mein Junge. Warum denkst du, nennen viele so ein Leben einen Traum? Du lebst diesen Traum, also kann es ja gar nicht real erscheinen, oder?«

»Philosoph?«

»Aber Hallo! Unter diesem heissen Aussehen, steckt ein grosser Intellekt!«

Perry machte.

»Ich hab noch nie gehört, dass jemand seinen Schwanz Intellekt genannt hat.«

Auch Viper lachte.

»Mach nur so weiter, dann muss ich diesen Intellekt mal wieder in deine Frau stecken!«

Sofort wurde Perry geil.

»Mach doch! Fick ich Amy.«

Nun lachten wieder beide.

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