Zufall?

»Das heisst, dir gehört der Campingplatz?«

»Si! Aber eigentlich, nur Teil.«

»Und da dachtest du, du kommst mal her und angelst? Um die Uhrzeit?«

»Si! Sagen warum kann ich aber nicht. Nur ich wissen, so ganz starkes Gefühl, dass ich jetzt her muss. Aber was ein Glück, so ich dich gefunden. Wieder!«

»Ja, ist schon irre! Ich hab heute Mittag viel an dich gedacht. Wir sind mit dem Boot raus gefahren und da habe ich die Anlage gesehen und da musste ich sofort an dich denken.«

»Du doch hoffentlich meinst, wie ich mit dir habe den See zum schaukeln gebracht!«

»Ja, genau meine ich. War irre Zeit. Denken ich viel dran! Aber sag, wie ist dir ergangen, die ganzen Jahre?«

»Mir? Ich kann mich echt nicht beschweren. Ich lebe mittlerweile mit meinen besten Freundinnen zusammen in einer Wohngemeinschaft. Direkt uns gegenüber ist noch eine solche WG nur mit Jungs. Einen von denen habe ich sogar geheiratet!«

Stolz hielt Katja ihre Hand nach oben, um Fabrizio den Ring zu zeigen.

»Verzeih, meine liebe, doch sehen ist zu dunkel gerade!«

Noch bevor Fabrizio es gesagt hatte, war es Katja auch aufgefallen. Aber, es war ja nicht gerade ein kleiner, unscheinbarer Ring. Sie legte einfach ihre Hand auf seine nackte Brust und strich nach unten. Fabrizio zuckte, als er ihn spürte. Panisch zog Katja ihre Hand wieder weg.

»Tut mir leid, ich wollte dir jetzt nicht wehtun!«

Fabrizio lachte leise.

»Wehtun? Aber doch niemals! Ein sehr erregendes Gefühl!«

Geistig schickte Katja ganze Horden an Danksagungen an ihren Mann. Perry war einfach das Beste, was ihr je hatte passieren können. Denn, sie war nun in dieser Situation. Da war ein Mann, der sie vor vielen, vielen Jahren gefickt hatte und was sie bis heute als eine ihrer schönsten Erinnerungen gespeichert hatte. Jeder andere Mann wäre eifersüchtig und böse geworden, wenn sie zu ihm zurückgekommen und von diesem unglaublichen Zufall berichtet hätte. Perry würde nur geil werden und auch bei dem, was nun folgen würde, konnte Katja wie mit ihrer besten Freundin mit ihm reden und im schlimmsten Fall würde er spritzen, bevor sie etwas von seiner harten Latte hatte.

Katja griff also bei Fabrizio dort zu, wo man normalerweise die Erregung beim Mann messen konnte. Diese zuckte sofort wieder zusammen. Katja war aber auch etwas enttäuscht. Da war zwar mehr, als sie in Erinnerung hatte, aber irgendwie war es nicht mal ansatzweise so hart, wie sie erwartet hatte.

»Was ist das denn? So erregend kann unser Wiedersehen ja nicht sein.«

»Verzeih mir, meine Gedanken aber gerade wo anders.«

»Ja? Wo denn?«

Fabrizio nahm ihre Hand und liess ihren Ehering ein wenig wackeln.

»Du gesagt, du verheiratet. Dein Mann wohl nicht weit von hier. Verzeih, aber ich nicht fischen in fremden Gewässern!«

Katja lachte.

»Mach dir mal keine Sorgen. Dieses Gewässer ist allgemein fischbar. Mein Mann liebt es, wenn ich was mit anderen Kerlen habe.«

»Er ist ein Mann mit wenig eigenes Vertrauen? Ja?«

»Perry? Na, am Anfang vielleicht. Mittlerweile spielt er oft genug den Platzhirsch. Warum?«

»Seniorina, ich bin Italiener! Für uns Familie ist heilig! Ich niemals würde anfassen Frau von anderen Mann!«

»Mensch Fabrizio! Du tust meinem Mann damit sogar einen Gefallen, so viel ist sicher! Der liebt es einfach!«

»Du nicht glauben, ich dir nicht glauben. Aber wenn Frau haben will Sex, sie erzählt alles, um zu bekommen!«

»Menno. Gut. Kannst du ein Schlauchboot organisieren? Dann gehe ich meinen Mann holen und der bestätigt es dir!«

Katja konnte es zwar nicht sehen, aber Fabrizio schaute wie ein altes Auto. Vielleicht nicht ganz so schnell. Eigentlich wollte er es ablehnen, aber die Aussicht, noch einmal so ein Abenteuer mit der Frau zu haben, an die er die ganzen letzten Jahre immer wieder gedacht hatte, war sehr verlockend. Doch da gab es ein Problem.

»Eigentlich, ich würde gerne. Aber, wir Feier haben auf Platz. Ich mich nur heraus geschlichen weil ich gerade Pause. Gleich ich muss zurück. Ausserdem, ich kein Boot haben!«

Katja war enttäuscht. Doch sie hatte schon einen Plan.

»Hast du morgen Abend Zeit?«

Fabrizio überlegte kurz.

»Si! Um 20 Uhr ich etwa 30 Minuten Zeit haben. Dann erst wieder nach Mitternacht.«

Passte ja perfekt in Katjas Gedanken.

»Prima. Dann lasse ich meinen Mann um 20 Uhr her rudern. Der soll unser Boot hier irgendwo fest machen, kann dann mit dir alles klären und danach zurück laufen. Ich bin dann kurz nach Mitternacht hier. Was denkst du?«

Das wollte Katja gar nicht wirklich wissen. Denn Fabrizio hatte viele Szenerien im Kopf. Da war zum Beispiel, dass Katja einen Fake schicken würde, der ihm alles bestätigen würde und ihr Mann nichts davon wusste. Dann gab es aber auch noch die Möglichkeit, dass ihr Mann kommen und ihn zusammen treten würde. Ein Mann, der Katja hatte zur Frau nehmen können, musste einfach ein echtes Tier sein. Oder aber auch, es war nur ein Test. Sie würde ihm alles erzählen und wenn er dann einwilligte, würde sie lachend weggehen, weil sie hatte was sie wollte. Alles keine positiven Szenarien.

Aber! Was wäre denn, wenn sie es ernst meinen würden? Wenn es wirklich ihr Mann war, der alles bestätigen würde und er sie dann wirklich wieder in einem Boot ficken konnte? Fabrizio machte sich da keine Illusionen. Über die Jahre war die Erinnerung so zu einem Mythos angewachsen, dass Katja unmöglich der Katja gerecht werden konnte, die er in seinen Gedanken hatte. Spielte das aber eine Rolle? Vielleicht konnte er dann in den kommenden Jahren mehr Erinnerungen an andere Eroberungen haben, die nicht gleich von dem Abenteuer mit Katja verdrängt wurden. Fabrizio konnte sich nicht erinnern, wann er jemals in solch einer verzwickten Lage gewesen war.

»Ich bin okay mit dem Plan! 20 Uhr ich kläre mit deinem Mann, Nach Mitternacht wir fahren auf See und schauen, was uns einfällt!«

Katja griff wieder bei ihm zu.

»Also, wenn der da so bleibt, fällt mir persönlich nicht viel ein! Ich bin härteres gewohnt!«

Da war sich Fabrizio sicher. Ihr Mann hatte wahrscheinlich einen Riemen, der jeden Hengst vor Neid die Flucht ergreifen liess. Wahrscheinlich musste sie ihren Mann nur anschauen und sein Anhängsel verwandelte sich in Stahl.

»Da habe keine Sorgen. Wenn alles klappt, dann Morgen du ihn wieder erleben in voller Härte!«

»Das will ich hoffen! Bin mittlerweile viel erfahrener als damals! Da wirst du dich anstrengen müssen!«

In dem Moment kam ein Ruf von dem Campingplatz. Fabrizio antwortete, drücke Katja noch einmal fest an sich und verschwand. Zurück blieb eine Katja, die diesen Zufall einfach nicht glauben konnte. Okay. Im Prinzip standen die Chancen wohl gar nicht so schlecht, dass so etwas passierte. Der Campingplatz war jetzt keine tausende von Kilometer von der Ferienanlage entfernt. Das waren vielleicht 20 Kilometer gewesen. Durchaus eine Distanz, die man überbrücken konnte. Fabrizio liebte diesen See ja ohnehin abgöttisch. Hier weg ziehen war wohl keine Option für ihn, weshalb er sein Glück natürlich irgendwo am See suchte. Also war rein rechnerisch dieser Zufall gar nicht so merkwürdig.

Aber, wieso war er ausgerechnet da angeln gewesen, obwohl es gar nicht seine Art war? Warum war Katja den Fluss entlang gegangen, wenn ihre Erinnerung sich doch nur auf den See bezog? Warum hatte sie sein Schatten so an Fabrizio erinnert und warum war sie deshalb so deprimiert geworden, obwohl es dafür gar keinen Grund gab? Das waren schon einige Punkte, die äusserst merkwürdig waren. Als hätte da doch einer …

Katja, die schon fast wieder beim Campingplatz war, blieb stehen.

»PASCAL!«

Schrie sie laut. Der hörte das und grinste. Die anderen, die immer noch da sassen und geredet hatten, verstummten und schauten ihn an.

»Was hast du gemacht?«

Fragte Phillip.

»Ich? Gar nichts! Ich war die ganze Zeit hier, ihr alle seit meine Zeugen!«

»Und warum ruft dann meine Frau vom See aus nach dir und das auch noch in einem Ton, der ziemlich wütend klingt?«

»Woher soll ich das wissen? Bin ich ein Dämon, oder was?«

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