Vom See und Sehenswürdigkeiten

Da Atmosphäre, Unterhaltung und generell einfach alles super war, verweilten die Freunde länger als geplant im Restaurant. Natürlich war es Waldemar, der dagegen etwas zu sagen hatte.

»Meine Freunde. Wenn ich über den Tagesplan korrekt informiert bin, dann wollen wir uns noch den See von der Wasserseite aus anschauen. Die Zeit ist dabei jedoch unser Gegner und sie zwingt uns, entweder jetzt aufzubrechen, oder unser Vorhaben zu verschieben.«

Gleichzeitig schauten die restlichen Freunde an die Wand mit der Uhr.

»Schon so spät? Dann sollten wir wirklich los!«

»Das sage ich doch, liebe Katja!«

Schnell war der Kellner, oder Besitzer, oder was auch immer diese Gestalt hier für Funktionen hatte, gerufen und die Rechnung bestellt. Amy fragte da gar nicht. Wie zog ihre Kreditkarte aus dem BH, oder Bikini, oder was auch immer, zog diese durch den Schlitz und unterschrieb. 20 Minuten später hatten die Freunde das Boot bestiegen. Viper setzte sich ans Steuer, als wäre das so abgesprochen, legte sich die Schlaufe des Sicherungsschalters um das Handgelenk, während Derrick und Pascal die Leinen lösten.

Erst ging es gemächlich voran. Hier lagen noch jede Menge anderer Boote, Menschen schwammen umher und einige ruderten mit einem Schlauchboot durch die Gegend. Die Leute verteilten sich auf die verschiedenen Sitzgelegenheiten. Amy und Katja gingen dabei ganz nach vorne, noch vor die Windschutzscheibe und legten sich dort auf die beiden Liegesitze. Kühlende Seeluft zusammen mit der unnachgiebig brennenden Sonne am Himmel. Konnte es noch schöner sein?

Als Viper eine imaginäre Grenze überschritten hatte, drückte er den Gashebel ganz nach vorne. Die Beschleunigung war dabei nun nicht einmal im Ansatz so, wie die Freunde es von den Autos kannten. Aber, bei denen hob sich die Nase nicht so weit nach oben, wie bei so einem Boot. Unvermittelt schauten Amy und Katja in den Himmel.

Bevor sie jedoch etwas sagen konnten, senkte sich die Nase wieder und eine recht wilde Fahrt begann. Die Mädels waren es schliesslich nicht gewohnt, so direkt im Fahrtwind zu sitzen und die immer wieder auftauchenden Wellen, welche das Boot zum springen brachten, waren auch nicht gerade das, was die Freunde gewohnt waren. Besonders Donald hatte damit seine Schwierigkeiten, wie sich nach wenigen Minuten zeigte.

»Fahr mal langsamer!«

Bat er mit einer seltsam gebrochenen Stimme. Viper nahm das Gas zurück, die Nussschale wurde langsamer und dann hing ein Donald über dem Rand des Bootes. Die Geräusche waren eindeutig. Er fütterte gerade die Fische.

»Alles okay Schatz?«

»Alles okay Claudi. Nur dieses auf und ab bin ich nicht gewohnt. Ich denke auch mal, ich hab vorhin zu viel gegessen, um so etwas heil zu überstehen.«

»Guck mal an, wer da den Mädchen-Magen eingepackt hat! Donald, ich hätte mehr von dir erwartet!«

Donald war in dem Fall nicht der Einzige, der finster schaute. Auch die Mädels schienen Pascal den Spruch krumm zu nehmen.

»Dir ist schon bewusst, dass ausser Donald hier niemand kotzt? Was heisst hier also Mädchen-Magen?«

»Ganz Ruhig Elena. Ist nur so ein Spruch. Aber Viper, für eine Rundfahrt bist du für meinen Geschmack auch ein bisschen zu wild. Lass mal ruhig angehen!«

Viper schaute noch einmal zu Donald, der schien sich soweit aber wieder gefangen zu haben und schien es auch toll zu finden, dass seine Freundin ihn zu sich geholt hatte, um ihm den Bauch zu streicheln. Er gab wieder Gas, aber nicht so heftig wie zuvor.

Schnell war klar, dieser See war einfach Traumhaft. Sie kamen an einem grossen Fluss vorbei, welcher unter anderem den See mit Gletscherwasser speiste. Sie sahen den Hafen der nächsten Ortschaft. Ein Tragflächenboot düste in einigem Abstand an ihnen vorbei, und auch die malerischen Berge waren einfach sagenhaft.

Amy musste sich eingestehen, sie waren, seit sie dieses Flugzeug hatten, schon in wirklich krassen Regionen gewesen. Ja, einige davon hatten auch deutlich mehr schönes zu bieten, wie dieser See. Aber wenn man mal daran dachte, dass dieser See gerade mal sechs Autostunden entfernt lag, man kein Visum brauchte und es sogar die gleiche Währung gab, dann war das schon beachtlich.

Auch Katja schaute sich um. Sie konnte sich des Verdachts nicht erwehren, schon einmal hier gewesen zu sein. Ihr Vater hatte bei einem Unternehmen sogenannte Punkte für eine Ferienwohnung gekauft. Dieses Unternehmen hatte solche Häuser quer durch Europa und je nach Menge der Punkte konnte man sich dann eine Wohnung für den Sommer aussuchen. Egal wo. Katja wusste, dass sie mit ihren Eltern auch schon in Italien war und sie konnte schwören, dass es dieser See war.

Bald fuhr das Boot um eine Landzunge und dahinter schob sich dann etwas ins Bild. Erst eine kleine Insel, auf der anscheinend ein einzelner Baum sich angesiedelt hatte. Doch dann schob sich eine gewaltige Wasserburg ins Bild. Teilweise verfallen, aber teilweise wohl auch gerade in Restauration befindlich. Schliesslich wieder etwas Wasser und dann erneut eine kleine Insel mit einem verfallenen Turm.

»Da ist ja wirklich eine Burg!«

Rief Elena.

»Ist ja irre! Das sieht ja irgendwie richtig geil aus! Kann man da hin?«

Da war sich Viper nicht ganz sicher. Aber, wenn Janine es schon fragte, konnte man der Sache ja auf den Grund gehen. An der Burg selbst wurde gearbeitet, aber der Turm schien unberührt. Also Steuerte Viper diesen an und dort zeigte sich auch ein Steg.

Als sie sich Burg und Turm näherten zeigte sich schnell, diese beiden Inseln waren miteinander verbunden. Sah man zuvor nur dunkles Wasser um das Boot herum, sah man nun wieder Boden und der war auch nicht besonders tief. Beeindruckend sah auch aus, die Burg hatte auf dieser Seite eine Stahltür und eine Treppe. Die Treppe war definitiv alt und gehörte wohl zu dem Bau. Nutzten die einstigen Bewohner diesen Bereich vielleicht als Lagune? Denn hier war auch ein Stück Standstrand und darauf wuchsen Bäume. Es sah echt einzigartig aus.

Doch kaum war das Boot in diesen Bereich eingefahren, signalisierten die dort arbeitenden Leute schon, dass sie weiterfahren sollte. Pascal machte sich bereit, die Lage zu klären, doch Perry schüttelte den Kopf.

»Lass Stecken Kumpel. Die Tage können wir das mal in Angriff nehmen. Heute wollen wir uns ja nur den See anschauen.«

Pascal setzte sich wieder und Viper nahm Kurs um die Inseln herum. Quasi im letzten Moment. Doch dadurch brachte er die Nase in Richtung Ufer und Katja sah, was sie gesucht hatte. Eine U-Förmige Wohnanlage, die keinen Innenhof, dafür aber einen Hafen hatte. Mit einem Mal knallten die ganzen Flashbacks bei ihr rein. Ja, sie war hier schon im Urlaub gewesen und sie hatte da jetzt auch etwas, was sie ihrem Mann erzählen musste.

»Schatz, komm mal her!«

Es war eigentlich hinten wegen dem Fahrtwind kaum zu hören, doch Perry schien zu spüren, dass seine Frau etwas von ihm wollte. Er ging nach vorne. Katja sass auf dem Liegesitz und schaute zum Ufer.

»Guck mal, da hab ich schon Urlaub gemacht mit meinem Papa. Der hat da irgendwie Punkte.«

»Bist du dir da sicher?«

Katja fing an zu grinsen.

»Aber voll und ganz! Guck mal da!«

Sie zeigte auf eine Stelle am Ufer.

»Und da und dann dort.«

Noch zwei Stellen.

»Da an der ersten Stelle hab ich Morgens meinen ersten Italiener gefickt. Da hinten Mittags den Zweiten und Abends dann dort den Dritten.«

Perry bekam so schnell ein Rohr in die Hose, dass Amy es aus dem Augenwinkel erkennen konnte. Frech griff sie dran.

»Echt jetzt? Du erzählst deinem Mann, wo du vor Jahren gefickt wurdest und der kriegt ein Rohr aus Edelstahl?«

Katja grinste.

»Japp. Schatz, ich kann dir nur eins sagen. Italiener sind feurige Liebhaber. Der eine hat mich dann später noch da hinten, wo man so abgeschieden ins Wasser gehen kann, ein paar mal eben im Wasser gefickt. Sei mal froh, dass der mich nicht um meine Hand gebeten hat!«

Amy konnte es nicht glauben, wie hart Perry noch wurde.

»Warum?«

Keuchte er nur.

»Weil der mich echt besinnungslos gefickt hat. Ich hatte zwar keine Gefühle für den, aber in dem Moment hätte ich ja gesagt.«

Genau in dem Moment spürte Amy, dass die Badehose nass wurde.

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3 Kommentare

  1. Wie jedes Mal lese ich den Blog mit großer Spannung und steigender Begeisterung den wie damals so auch auch heute ist es ein wahrer Genuss für mich was aus der Gemeinschaft heraus gewachsen ist, ich persönlich möchte es nicht so schnell mehr missen, vielen lieben Dank, das es dich und die Wohngemeinschaft gibt, da hängt auch mein Herz mit dran.

    LG
    Maia

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