Die neue Viper

Was hat denn die neue Viper mit Janine, Maia, Mario und Pascal zu tun? Eine gute Frage, diese sich allerdings nur in dem Fall stellt, wo jemand die Entstehungsgeschichte dieses Fahrzeugs miterlebt hat. Also im Prinzip eine Frage, die nur Viper sich stellte, auch wenn er die Antwort darauf natürlich wusste.

Alles fing an, wie bei seiner ersten Viper. Auch die hatte er von Grund auf selbst zusammengebaut, nach Plänen, die er während seiner Zeit im Gefängnis bis zur letzten, kleinen Schraube ausgearbeitet hatte. Diese neue Viper hatte dabei nur relativ kleine Unterschiede zu ihrem Vorgänger. Der grösste Unterschied bestand darin, dass nur am Heck zwei Radnarbenmotoren eingebaut wurden, während das Original gleich vier davon hatte. Ausserdem war der Heckspoiler verstellbar. Auf Knopfdruck konnte Viper ihn voll öffnen, oder eben schliessen. Zudem verbaute er die Akkus allesamt in der Front, während er sie bei dem Original möglichst gleichmässig verteilt hatte.

Aber gut. Es begann wie damals. In seiner Halle lagen plötzlich Unmengen an Rohren herum, die zu einem Rahmen geschweisst werden wollten. Er fühlte sich in der Zeit zurück versetzt. Eigentlich ging er davon aus, nach dem ersten Bau würde es ihm bei seinem neuen Projekt einfacher fallen, alles zusammenzusetzen, doch dem war nicht so. Tatsächlich fühlte er sich oft wie beim Bau des Originals. Einige Male hatte er sogar das Gefühl, diese Arbeit nicht beenden zu können. Doch im Vergleich zu damals musste er dieses Mal nur sein Baby anschauen, welches er ja in der Tat fertiggestellt und in unzähligen Einsätzen auch schon genutzt hatte und schon lief es wieder.

Doch was hatte das jetzt mit Janine, Maia, Mario und Pascal zu tun? Ganz einfach. Als er die erste Viper baute, gab es da niemand, den er damit in Verbindung bringen konnte. Nun sah die Geschichte jedoch anders aus. Da gab es einige Punkte, die mit diesem Fahrzeug endlich zu bereinigen waren, so zumindest seine Hoffnung.

Janine war da selbstredend ein gravierende Punkt. Das sie ihn immer wieder mit dem Lori besiegen konnte, ging Viper wirklich an die Nieren. Er hatte da aber eine Vermutung, denn eigentlich war es unmöglich, dass Janine die Rennen gewann. Ihr Auto war deutlich schwerer und nicht ganz so gut motorisiert wie die Viper. Der Windwiderstand mochte etwas besser sein, aber eigentlich war es kein Gegner für sein Monster. Das er dennoch Rennen um Rennen gegen sie verlor, egal wie weit er seine Viper noch verbesserte, musste einen anderen Grund haben. Womöglich einen Psychologischen!

Das hiess, wenn er Janine fortan bei den neuen Rennen besiegen konnte, würde er sie auch im Drag-Rennen wieder besiegen können. Für ihn war ganz klar, der Lori konnte einfach nicht gut genug sein, um beim driften wirklich was zu reissen. Sein ganzer Aufbau begünstigte eher das Untersteuern, nicht das Übersteuern. Das war sehr kontraproduktiv und schlussendlich würde Janine schon deshalb ins Hintertreffen geraten.

Gut. In dieser Hinsicht würde die neue Viper also so etwas wie ein Eisbrecher werden. Er würde mit ihr gegen Janine gewinnen, in seinem Kopf würde sich die Barrikade lösen und schon war die Sache geritzt. So seine Hoffnung.

Da war aber auch Mario. Auch wenn er definitiv einer seiner besten Freunde war, hatte er auch ein schwerwiegendes Problem mit diesem Mann. Er selbst war studierter Ingenieur, der selbst seinem Freund Rodney zu einem Platz auf dem Mars verholfen hatte. Tatsächlich war sogar in diesem Moment ein Teil seiner eigenen Ideen auf dem roten Planeten im Einsatz. Ausserdem hatte er schon vielfach Erfolge mit seinem Wissen erzielen können. Eigentlich war er sogar deshalb zu den Rennen gekommen. Das aber da nun Mario war, der kein Studium in dieser Hinsicht hatte und dennoch ein ums andere Mal bewies, dass seine Leistung der von Viper selbst nicht nachstand, war Viper ein Dorn im Auge. Auch wenn die Mädels viel am Lori und dem Lion geschraubt hatten, dass Genie dahinter war einfach Mario. Nur ihm war es zu verdanken, dass diese Fahrzeuge solche Monster geworden waren. Alleine die künstliche Intelligenz dahinter, welche die Autos stellenweise sogar alleine fahren liess, war unglaublich.

Nun ging es aber um eine Rennart, die eigentlich das komplette Gegenteil von dem war, was bisher gefahren wurde. Wo eben noch maximaler Anpressdruck gefordert war, wollte man nun das genaue Gegenteil, aber auch nur auf der Hinterachse. Mario war sich sicher, durch ein neues Programm sollte sich das so regeln lassen, dass sowohl Lori, wie auch Lion für die neue Rennart gerüstet waren. Da würde der Gute ganz schöne Augen machen, wenn er damit voll Baden gehen würde.

Dann war das Pascal. Ein Mann, vor dem Viper genau genommen sogar Angst hatte. Er bezeichnete ihn zwar ebenfalls als einen seiner engsten und besten Freunde, aber da war so etwas bei diesem Kerl, was ihm tatsächlich Angst machte. Vielleicht seine ruhige Art. Während die Mädels vollmundig verkündeten, dass sie die Viper auch in diesem Modus das Fürchten lehren würden und Mario immer wieder so kleine Anspielungen brachte, womit er die Autos vorbereiten konnte, kam von Pascal nichts. Der sagte nur, er würde auch hier starten. Doch womit? Neues Auto? Sein Strandbuggy? Der vielleicht modifiziert? Von Pascal gab es keine Reaktion.

Dann war da aber noch Maia. An sie dachte Viper unglaublich viel, auch wenn er das gar nicht so wirklich verstand. Klar, sie war eine sehr attraktive Frau mit einer nicht so grossen Klappe wie die Mädels. Sie war im Bett jetzt auch nicht der Überbrüller gewesen, dennoch dachte Viper immer und immer wieder daran. Es war einfach etwas anders mit ihr. Nicht so, wie sie es schon beschrieben hatte, dass sie aus jedem Fick einen Liebesakt machen würde. Nein, aber dennoch war da was im Busch. Nur was?

Er hatte ja jetzt auch nicht besonders viel Kontakt mit ihr. Eigentlich immer nur dann, wenn er in Neunburg war und sie die Bauarbeiten begutachteten. Vielleicht war es aber auch das? Normalerweise, wenn Viper etwas mit einer Frau hatte, war diese hinterher total erpicht, viel Kontakt mit ihm zu haben. Von Maia kam gar nichts.

War es vielleicht seine Eitelkeit? Das da jetzt eine Frau war, die ihn wohl nur benutzt hatte, aber ansonsten kein Interesse zeigte? War er vielleicht einfach in seinem Stolz verletzt?

Da musste er mal nachforschen. Wenn er eins von sich wusste, dann wie er im Falle von Gefühlen reagierte. So war es damals bei seiner Samantha gewesen. Die Gefühle taten schon fast weh. Seither hatte er das nur noch bei Jasmin verspürt, doch die war verheiratet und von gelegentliche Wochenenden abgesehen, war da nichts zu holen. Sarah gegenüber hatte er Gefühle, aber die waren im Vergleich zu Samantha und Jasmin reizlos. Bei Maia hingegen konnte er in dieser Hinsicht gar nichts spüren.

Als er die Sitze in sein Auto einbaute, war da wieder so ein Gefühl. Er dachte daran, wie Maia auf dem Beifahrersitz sitzen würde und aufgrund der Kurven ihre Brüste immer hin und her bewegt wurden. Ein äusserst untypisches Verhalten für ihn. Klar dachte er auch immer wieder an so etwas, aber beim Bau? Das war ziemlich unwahrscheinlich. Da konzentrierte er sich normalerweise auf seine Arbeit und liess sich auch sexuell nur schwer ablenken. Maia hingegen wollte quasi gar nicht aus seinem Kopf!

Es war aber auch anders. Ja, er dachte an sie und ihre Brüste. Aber dennoch erregte ihn das nicht. Zumindest nicht so, wie es hätte sein sollen. Woran lag das? War es, weil er Maia nur einmal hatte und noch nicht wirklich einschätzen konnte, wie sie in dem Fall war? Oder dachte er vielleicht nur an sie, als Beifahrer? Wollte er vielleicht, dass sie bei den Rennen neben ihm sass? Als Glücksbringer, oder so? Vielleicht mit einem Plan in der Hand, welcher Tipps für ihn bereithielt, die sie ihm während der Fahrt sagen konnte?

Auch das wäre eine erstaunliche Wendung in seinem Leben gewesen. Viper war eine Ein-Mann-Armee. Klar, er hatte seine Freunde und bat die auch gerne mal um Hilfe, aber allgemein, wenn es hart auf hart kam, verliess er sich nur auf sich. Alleine schon, um Andere nicht in irgendeiner Weise in Gefahr zu bringen. Wieso sollte er nun eine Frau neben sich haben wollen, wenn es um Rennen ging?

Gefährdet wäre Maia da eher weniger gewesen. Viper legte schon immer grösstmöglichen Wert auf Sicherheit bei seinen Konstruktionen. Dennoch, von ihr während der Fahrt Tipps zu bekommen passte einfach nicht ins Konzept. Denn sollte er verlieren, weil sie ihm einen nicht so guten Tipp gegeben hatte, wäre er automatisch sauer auf sie gewesen. Das war auch etwas, wovor er seine Freunde schützen wollte.

Nun, bei den Testfahrten zeigte sich dann, warum er so ein Gefühl bei Maia hatte. Sie war ihm in diesen Rennen ungewollte haushoch überlegen! Irgendwie schien er das vorher schon gespürt zu haben. Wobei, ging das eigentlich? Konnte er ein Gefühl in dieser Hinsicht haben, ohne sie jemals in einem Auto gesehen zu haben? Eigentlich war das doch unmöglich, oder? War da vielleicht wieder ein Pascal im Spiel? Viper wusste zwar nicht warum, aber immer, wenn der seine Finger im Spiel hatte, war da irgendwas unglaubliches.

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