Bauende

Die Zeit verstrich immer weiter. Alles blieb beim Alten, nur dass Maia nun gar nicht mehr nachhause ging, da sie mittlerweile in der WG der Mädels zuhause war. Sie belegte einfach eines der freien Zimmer und hatte sich dabei auf alle Schränke verteilt. Weder gab es Startschwierigkeiten, noch irgendwelche Reibereien, nachdem etwas Zeit ins Land gegangen war. Maia war einfach dabei und schien so dazuzugehören, wie jedes der anderen Mädels. Einzig die Neunburger hatten mit der Situation zu schaffen, denn auf einmal waren die Heinzforter ein Mädel im Vorteil.

Doch auch wenn man es kaum glauben konnte, die Arbeiten an der neuen Rennstrecke wurden abgeschlossen. Pünktlich zwei Wochen nach Saisonende, was natürlich mit gewissem Wehmut von den Leuten aufgenommen wurde. Das Wetter war schon denkbar schleckt, so dass selbst ein Draufgänger wie Viper keinen Bedarf daran hatte, sein Auto über die Piste zu scheuchen. Aber, eines war jetzt schon klar. Die ganze Szenerie war an Atmosphäre nicht zu übertreffen. Alleine wenn man die Strecke entlang ging, die tatsächlich aussah wie eine ganz normale Strasse, spürte man diesen Hauch des illegalen.

Derzeit waren alle Gebäude noch leer, doch würde sich das bald ändern. Der Tuning-Händler stand schon in den Startlöchern, genauso wie die ganzen Fresstempel. Nur die Läden für Klamotten zierten sich. Gemietet hatten alle, nur schien sich die Geschäftsleitung noch nicht sicher zu sein, ob die Geschäfte neben der Saison auch laufen würden.

Bei einem Spaziergang aller Beteiligten über die Strecke stellten Mario und Waldemar quasi im Gleichklang fest, wie genial die Hindernisse gestaltet worden waren. Hier war es eine Baustelle, die umfahren werden musste, dort ein liegengebliebenes Auto. Es gab sogar eine Stelle, da fuhr man auf das eigentliche Ende des Geländes zu, wobei auf einmal Blaulicht aktiviert wurde. Nun hiess es stehenbleiben, rückwärts fahren und mit einer Fluchtwende entkommen. Ja, an so ziemlich alles wurde dabei gedacht. Selbst das heizen durch eine kleine Gasse, die kaum breiter war, als ein Auto selbst. Genau dort hatte auch der Tuner seinen Laden gemietet, denn genau dort würde es mit Sicherheit auch zu den Meisten Schäden kommen. Abgefahrene Spiegel und ähnliches. Die ganze Szenerie war definitiv einmalig!

Viper fand auch ein paar Worte, als die Gruppe wieder in Richtung Ziel lief, was einfach von der alten, noch existenten Strecke übernommen worden war.

»Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich nicht ein wenig voreilig war, ein neues Auto zu bauen.«

»Warum denn das, mein Freund Viper?«

»Ganz einfach Waldi. Mit der Viper könnte ich den Kurs eigentlich auch bestreiten. Es gibt zwar einige Stellen, da bin ich aufgrund der Auslegung etwas im Hintertreffen, dafür gibt es auch immer wieder ein paar Geraden, wo ich die verlorene Zeit locker wieder gutmachen könnte.«

»Du willst doch nur nicht mit der Viper antreten, weil die dann mal wieder gegen den Lori unterliegen würde.«

»Janine! Du sollst das lassen!«

Unbemerkt zwängte sich Katja zwischen Viper und Janine.

»Was denn? Ich kann doch auch nichts dafür, dass deine Gurke den Lori nicht besiegen kann. Zumindest wenn ich fahre!«

»Janine!«

»Komm schon Viper! Heul jetzt mal nicht rum. Gegen mich hast du ja schliesslich auch in Pascals Karre verloren!«

»Fang du jetzt nicht auch noch an Katja!«

»Nein? Warum nicht?«

»Weil du nicht Janine bist! Die kann ich den Hintern versohlen, wenn du dich nicht bremst!«

Katja blieb stehen, woraufhin auch der Rest der Bande stehenblieb.

»Ach. Bei mir machst du auf dicke Hose? Vor Janine hast du Schiss?«

»Ich? Schiss? Ganz sicher nicht! Ich weiss aber dummerweise, dass sie mich jederzeit aufs Kreuz legen kann!«

»Dann komm doch her? Sei mal mutig! Dann kannst du wenigstens hier gegen eine Frau gewinnen, was du in deinem roten Bremsklotz ja nicht kannst!«

Rebekka und Amy sorgten derweil dafür, dass der Rest der Gruppe ein wenig auf Abstand ging. Perry war leicht panisch, da es hier um seine Frau ging und er Viper so gar nichts entgegenzusetzen hatte. Maia hingegen fand es aufregend und beängstigend zugleich. Sie hatte bislang noch nicht erlebt, dass die Gemüter in dieser Gruppe derart hochkochten.

»Katja! Ich gebe dir jetzt einen guten Rat! Provozier mich nicht weiter, wenn dir deine Gesundheit was wert ist!«

»Warum nicht? Kommst du dann etwa beim nächsten Rennen wieder erst als Zweiter ins Ziel?«

Auch wenn es Viper eigentlich nicht wollte, bei solchen Streitereien wurde es immer handgreiflich und entsprechend liess er auch dieses Mal eine Faust fliegen. Doch in der Bewegung erkannte er, dass weder Janine, noch Rebekka und schon gar keine Amy vor ihm stand. Doch wie das ja leider so war, wenn mal eine Masse in Bewegung gebracht wurde, konnte man die nicht mehr einfach so stoppen.

Die Gruppe schrak zusammen, als Katja blitzschnell auswich, Vipers Arm griff, einen kaum zu erkennenden Sprung ausführte und schon Vipers Hals zwischen den Beinen hatte. Sie drehte sich und riss dieses Monster an Mann einfach mit sich. Als sie zum liegen kamen hatte sie ihn in einem derart bösen Griff, dass Viper fast schon blau anlief und schliesslich abklopfte, um seine Aufgabe zu demonstrieren.

Grinsend, aber heftig schnaufend liess Katja los und stand auf. Perry konnte seinen Augen nicht trauen. Er hatte so etwas schon bei Frauen gesehen. Eben bei Amy, Rebekka und Janine. Doch das Katja das tat, schockierte ihn zutiefst. Viper stand auf und schaute Katja ungläubig an.

»Was genau war das?«

»Ach, ich hab entdeckt, dass ich gerne springe und meine Beine benutze.«

»Nein! Wieso kannst du das?«

Die Mädels aus Neunburg grinsten.

»Wenn ich bei uns nicht nur an Sex denken würdet, hättet ihr schon mitbekommen, dass Katja unter der Woche immer ein paar Stunden weg ist. Sie wollte trainiert werden und wir haben dafür gesorgt. Hat ja auch gut funktioniert, oder?«

Perry ging auf Katja zu.

»Und du hast es nicht für nötig gehalten, mir etwas zu sagen?«

Katja machte einen Schritt auf Perry zu, dass dieser und auch Viper einen Schritt zurückwichen.

»Warum hätte ich denn sollen? Du hast mir auch nicht gesagt, dass du mit Donald trainieren gehst, oder? Ausserdem, ich hatte die letzten Monate immer irgendwo Macken, blaue Flecken und so. Hättest ja mal fragen können, was da passiert ist!«

»Das habe ich! Aber du hast immer nur gesagt, da hat dich jemand ungünstig …«

Perry verstummte, denn ihm fiel es wie Schuppen von den Augen. Was war da gerade gesagt worden? Genau! Man hätte nicht immer an Sex denken sollen! Denn in der Tat hatte Perry Katjas Worte so interpretiert, dass da wohl eine etwas gewagte Stellung abgegangen war.

»Soll heissen, du bist jetzt auch so eine kaum zu besiegende Kampfmaschine?«

»Na, so weit würde ich nicht gehen Viper. Katja kann viel einstecken, ähnlich wie ich. Sie ist aber auch schnell und besonnen wie Rebekka und hier und da genauso unberechenbar wie Janine. Ich denke aber, ohne den Überraschungseffekt wäre die Sache nicht ganz so klar ausgegangen.«

»Auf jeden Fall Respekt Katja! So hat mich noch keine flach gelegt!«

Katja grinste.

»Ist das so? Na, dann warte mal nachher, wenn du willst, kannst du dich revanchieren!«

Nun grinste Viper.

»Das könnte dich die Klamotten kosten!«

Katja ging auf Viper zu.

»Das Risiko ist es mir Wert!«

Perry krümmte sich ein wenig. Sein kleiner Freund hatte eine ungünstige Lage eingenommen und nun, da er hart wurde, war das sehr unangenehm für Perry. Es war einer der Momente, in denen er es verfluchte, dass er derart auf Katjas fremdgehen reagierte.

Maia hingegen entdeckte erneut, wie eigentlich jeden Tag in den letzten Monaten, in was für einen krassen Haufen sie da geraten war. Hier war alles möglich. Diese Menschen hatten das nötige Geld, um sich alle Träume erfüllen zu können, waren sich untereinander so treu, wie man es sich nur wünschen konnte und gleichzeitig so offen, dass jeder seinen Spass haben konnte. Einfach irre!

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