Glücksritter?

Zurück im Hotel bestand Katja darauf, alleine mit Aisha nach oben zu gehen. Perry verstand das zwar nicht, aber auf die Art konnte er sich mit den Anderen ins Getümmel stürzen. Pascal suchte sich dabei direkt einen Tisch mit Karten, bestellte Chips für einen unglaublichen Betrag und fing an zu spielen. Die Anderen hatten derweil ganz andere Sorgen.

»Du bist echt ein Jagdhund! Chance gesehen und sofort zugeschlagen!«

»Danke Viper. Aber ist es schlimm, wenn ich das wirklich nur deshalb gestartet habe, weil Katja mich so dumm hat dastehen lassen?«

»Nö, ist nicht schlimm. Du hast es durchgezogen, darauf kommt es an!«

Perry knuffte Donald mit dem Ellenbogen.

»Schon klar! Dann bist du jetzt der Nächste, oder wie?«

»Ja nee du, lass mal. Wenn wir anfangen daraus ein Rennen zu machen, besiegt mich am Ende noch Waldi mit Elena.«

»Einen Moment, mein lieber Freund. Ich kann dir versichern, dass zwischen mir und der lieben Elena sich nichts in dieser Hinsicht abspielt!«

»Ach, ist das so? Ihr schlaft nicht im selben Bett und fummelt dauernd aneinander?«

»Auch wenn ich deine Worte nicht gewählt hätte, in Prinzip tun wir das, mein lieber Phillip. Doch wie gesagt, da ist nichts in dieser Richtung zu befürchten!«

Die Jungs lachten.

»Aber schon bisschen schade. Konnte nie sagen, ich sei mit Katja verlobt.«

Vipers Blick wurde unsagbar traurig und wanderte zu Boden.

»Du kannst wenigstens etwas sagen. Ich hatte nie eine Chance. Gefragt habe ich sie, sie hat es angenommen und war so glücklich. Dann dieser Knall, dass durchsacken der Maschine. Ich sehe es noch direkt vor mir, wie meine Sam vor meinen Augen zur Decke geschleudert wurde und dort einschlug.«

»Das ist inkorrekt! Die Decke schlug in den Kopf deiner Verlobten ein, nicht sie in die Decke!«

Auf einmal ging alles ganz schnell. Vom Ballen der Faust bis zum Schlag verging nicht einmal ein Blinzeln. Dennoch stoppte Vipers Faust so dicht vor Waldemars Nase, dass kaum ein Blatt Papier dazwischen gepasst hätte.

Viper schaute sich verdutzt um. Er hatte eigentlich nicht vor zu bremsen. Wie er sah, hielt seinen Arm etwas fest. Pascal war anscheinend lautlos herangekommen und stoppte seinen Schlag, bevor er Waldemar verletzen konnte.

»Beruhige dich Viper! Was auch immer Waldemar gerade gesagt hat, es ist es nicht wert etwas zu tun, was du direkt danach bereust!«

Die Wut verflog aus Vipers Augen und er schaute Waldemar an.

»Tut mir leid. Das ist ein ganz schlechtes Thema für mich!«

»Dann habe ich mich zu entschuldigen. Ich wollte lediglich eine Aussage korrigieren, dir damit jedoch kein Leid zufügen. Nimm bitte meine Entschuldigung an, sie ist sehr ernst gemeint!«

»Geht klar Bruder. Vergeben und … Ja leck mich am Arsch!«

Natürlich fragten sich alle, was diese fast schon schockierte Aussage von Viper, so mitten in seiner Rede, zu bedeuten hatte. Die Jungs folgten seinem Blick und sahen Katja herankommen.

Perry hatte sie im Laufe der Monate schon in vielen Outfits gesehen, doch dieses schlug alles. Ein schwarzes Kleid ohne Schultern und dezentem, aber deutlichem Ausschnitt. Es ging bis zu den Knien und bewegte sich mit jedem Schritt mit. Dazu noch schwarze Schuhe mit breitem, hohem Absatz und sowohl ihr Finger, als auch ihre Handgelenk und ihr Hals funkelten um die Wette. Perry wusste gar nicht, ob er umkippen, spritzen, heulen, oder auf sie zurennen sollte. Er wusste nur eins. So einen Anblick hatte er selbst von Katja noch nie zu Gesicht bekommen.

»Alter, geh sterben, damit diese Schnitte wieder zu haben ist!«

»Vergiss es Derrick! Die gehört mir und da wird sich nichts mehr dran ändern!«

Katja kam heran, legte ihre Arme um Perrys Hals und fing an ihn zu küssen. Selbst dabei sah sie so unglaublich gut aus, dass fast die ganzen Jungs mit offener Kinnlade dastanden. Alle ausser Pascal, Mario und Waldemar natürlich. Aisha fand das süss und ging zu jedem Einzelnen und drückte den Unterkiefer wieder in Position.

»Na? Kannst du dich so mit deiner Frau sehen lassen?«

»Ich könnte so eine Bank überfallen. Auf mich würde niemand achten!«

Katja musste lächeln.

»Gut dann, jetzt gehen wir Geld ausgeben! Da mir für mein Bruder nichts zu Teuer ist, hier hab ich Spielgeld!«

Es wusste zwar niemand, wo Markus auf einmal die kleinen Holzschachteln, in denen sicherlich Chips drin waren herhatte, aber er hatte sie neben sich auf einem Stehtisch abgestellt und seine Hand darauf gelegt. Nach und Nach gingen die Leute, ausser Pascal, zu ihm und nahmen sich so eine Schachtel. Donald bekam weiche Knie als er sah, dass da 10.000 Dollar drauf geschrieben stand.

»10.000 Dollar? Bist du total bescheuert?«

»Ja, vielleicht, wer weiss das schon Derrick. Ich weiss nur eins. Mein Bruder geht heiraten und das lasse ich mir etwas kosten! Davon aber mal ganz abgesehen, wenn er was gewinnt bezahlt er damit ganz bestimmte die Schulden bei mir zurück, da bin ich mir sicher!«

»Ich hab noch nie im Kasino gewonnen, da kannst du also mal schön drauf warten!«

»Nicht quatschen, spielen!«

Das war eindeutig. Was niemand ahnen konnte, Waldemar sah da schon etwas vor seinem geistigen Auge. Er wollte unbedingt ans Roulette, da er sich im sogenannten Kesselgucken ganz gut verstand und sich sicher war, da einen fetten Reibach zu machen. Wenn ihm das gelingen würde, so hatte er mit dem Geld schon grosse Pläne. Das hatte etwas mit einem Flugzeug und Aishas Know-How zu tun, aber so weit war er ja noch nicht.

Da er sich an den ersten Roulettetisch zwängte, steuerte Perry mit Katja zusammen einen Black-Jack-Tisch an. Sie nahmen Platz und das Spiel konnte beginnen.

Bald zeigte sich aber, schlussendlich war es dann doch das Kasino, was hier deutlich die Nase vorne hatte. Die schienen auch das Glück beeinflussen zu können, denn immer wenn Perry sich mit dem Rest seiner Chips an ein anderes Spiel begeben wollte, fing er wieder an zu gewinnen.

Er fand es besonders lustig, dass Katja ihr Geld quasi aus dem Fenster warf, aber dennoch länger spielte als er. So viel länger, dass er sich umschauen konnte. Gut zu sehen waren seine Freund zwar nicht aber die, die er erkennen konnte, schienen ähnlich wenig Glück zu haben wie er. Nur Pascal stand in der Nähe des Eingangs und schien zu warten. Hatte er schon alles verloren? Wenn ja, wie viel war dieses alles, denn er hatte ja mit eigenem Geld gespielt?

Auch Katja wurde von dem restlichen bisschen Glück verlassen und da waren auch ihre 10.000 Dollar dahin. Nicht schlecht wenn man überlegte, in welcher Zeit man hier die fette Kohle verlieren konnte. Kein Wunder, dass diese Kasinos sich solche Bauten leisten konnten.

Die Beiden versuchten sich zu Pascal durchzuschlagen, was bei dem Andrang gar nicht so leicht war. Als sie schliesslich Pascal erreicht hatten, kam es Perry vor, als hätte er einen Sprint hingelegt.

»Was geht ab, schon alles verzockt?«

»Ich? Nö. Aber ich darf nicht zu viel gewinnen, sonst flieg ich wieder raus!«

»Ja, ja. Kein Cent hast du gewonnen!«

Pascal grinste Katja an, griff dann in die Innentasche seines Jacketts und zeigte vier rechteckige Chips. Die hatten die banale Aufschrift 50.000 Dollar. Nun wussten Perry und Katja natürlich nicht, wie viel er eingesetzt hatte, aber er hatte 200.000 Dollar in der Tasche und das war auf jeden Fall eine Menge Geld!

Nun grinste Katja.

»Was denkst du? Die vier gegen einen meiner berühmten Blowjobs?«

Pascals Grinsen verschwand. Als er dann ansetzte, die Chips in Richtung Katja zu bewegen, sprang Perry dazwischen.

»Veto! Nach unserer Hochzeitsnacht kannst du so ein Spielchen gerne machen, aber bis dahin gehört die Dame einzig und alleine mir!«

Katja fand es zwar nicht komisch, dass ihr da gerade 200.000 Dollar durch die Lappen gegangen waren, wobei sie auf blasen echt Lust gehabt hätte, aber so bestimmend zu hören, dass sie im Moment nur Perry gehörte, war schon toll.

»Schon gut mein Freund! Ich geb dir einen Tipp! Da der Tisch. Leg alles auf die 18!«

»Damit kommst du jetzt? Ich hab nichts mehr und komm nicht auf blöde Ideen, von dir nehme ich auch nichts an!«

»Mensch Perry! Du hast noch was! Hochzeit und so, weisst du noch?«

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