Kriegers Idee

Nach der Besprechung musste Krieger viel nachdenken. Der Thori hatte natürlich absolut Recht. Dieser Gegner war so stark, dass selbst die Megaclite ihn nicht einmal beeindrucken konnte. Wenn selbst das übermächtige Schiff nichts gegen diesen Gegner ausrichten konnte, während die Flotten der Thori nichts gegen dieses Schiff ausrichten konnte, dann war die Geschichte eigentlich eine echte Totgeburt. Ihm musste irgendetwas einfallen.

Wenig später erreichte Pamela das Quartier des Thori und bat um Einlass. Als sie drin war schaute der Mann nicht schlecht, denn mit Pamela hatte er nicht gerechnet.

»Was wollen sie?«

»Ganz ruhig! Ich will mich nur mit ihnen unterhalten!«

»Ach ja? Über was denn?«

»Haben sie Familie?«

Der Thori fing an zu lachen.

»Guter Versuch! Nein, ich habe keine Familie! Mitglieder der Regierung dürften keine Bindungen haben, um dadurch nicht angreifbar zu sein!«

»Ich habe auch niemanden. Wir sind ewig weit von unserer Heimat entfernt und wenn ich ehrlich bin, fehlt sie mir überhaupt nicht. Ich habe niemanden zurückgelassen, nicht einmal ein Haustier.«

»Wollen sie jetzt Mitleid von mir?«

»Keines Wegs. Ich habe nur niemand, mit dem ich mich darüber unterhalten könnte. Die Leute auf dem Schiff hier sind befangen, von denen bekomme ich keine echten Antworten. Ruug ist auf Tiffany fixiert und Baki samt Raschniposa, obwohl ich den an Board gebracht habe, sind viel zu beschäftigt.«

»Aha. Aber anstatt zum Ältesten zu gehen, kommen sie dann zu mir?«

»Klar. Der Älteste ist mir zu esoterisch. Egal was man den fragt, man bekommt immer eine spirituelle Antwort aus der man dann etwas interpretieren muss.«

»Komisch. Vor nicht allzu langer Zeit haben sie noch gegen mein Volk gekämpft. Jetzt wollen sie mich als Seelsorger.«

»Man kann sich irren, oder? Der Verlust ihrer vielen Soldaten tut mir wirklich leid! Wir hätten zuerst in Kontakt mit ihnen treten müssen.«

»Stimmt. Dann wäre einiges so nicht passiert. Aber ich verstehe auch nicht so genau, warum überhaupt diese Nummer? Ihr Schiff ist so stark, sie hätten einfach so durch unser Gebiet fliegen können und niemand hätte was gegen sie ausrichten können!«

»Das wussten wir aber damals nicht! Bei uns zuhause war die Megaclite zwar nicht schwach, aber wir haben stärkere Schiffe. Warum hier, wo die Technologie doch schon deutlich fortgeschritten ist, Angriffswaffen und Verteidigungssysteme derart unterentwickelt sind, verstehe ich nicht.«

»Wenn sie noch einmal handeln könnten, was würden sie tun?«

»Mit Vollgas durch den Raum der Brass fliegen und keinen Kontakt aufkommen lassen!«

»Okay. Warum? Sind wir ihnen nicht gut genug?«

»Drehen sie mir hier nicht die Worte im Mund herum! So etwas habe ich nie gesagt! Hören sie. Die Brass sind ein wirklich tolles Volk. Sie haben ihre Schwächen, keine Frage, aber auch jede Menge Probleme. Aber auch ihr Volk ist nicht besonders toll! Ja, wir haben einen ihrer Planeten erobert. Der war aber von strategischer Bedeutung und laut Nachrichtendienst der Brass auch frei von Zivilisten. Sie hingegen haben Unschuldige ermordet und zwar nicht gerade wenige!«

»Wir haben nur Rache geübt!«

»Ja? Was denn für Rache? Wir haben gegen Soldaten gekämpft. Personen, die sich für den Dienst entschieden haben und genau wussten, worauf sie sich einlassen. Sie haben auf Zivilisten gefeuert! Auf Frauen und Kinder, die für den ganzen Krieg überhaupt nichts können!«

»Aber es sind alles Kannibalen!«

»Und selbst wenn es so ist! Das verschafft ihnen nicht das Recht, sie einfach abzuschlachten!«

»Doch, tut es! Ich nehme mir das Recht raus, denn wir sind die herrschende Rasse in dieser Region und wir bestimmen, was richtig ist und was nicht!«

Pamela lehnte sich zurück und verschränkte die Arme.

»Ach, so wird das hier gehandhabt. Vielleicht sollte ich meinem Kapitän vorschlagen, ihre Heimatwelt zu erobern und die Thori zur Kapitulation zu zwingen? Dann wären wir die Macht hier in dieser Region und wir würden die Gesetze machen!«

Der Thori riss die Augen auf.

»Das können sie vergessen! Wir würden uns gegen sie auflehnen und …«

Er verstummte, lehnte sich dann zurück und verschränkte ebenfalls die Arme.

»Sehr gut! Ausgezeichnet! Sie haben mir gerade deutlich vor Augen geführt, dass auch wir nicht frei von Schuld sind. Genauso wie die Brass ihre Fehler machen, so tun wir es ihnen gleich. Ich bin beeindruckt, wie sie das zu Wege gebracht haben!«

»Ich? Ich habe nur einen Gesprächspartner gesucht! Das sie mir so kommen war überhaupt nicht geplant!«

»Wie auch immer. Ich bin beeindruckt! Sie haben mir etwas zum nachdenken gegeben und ich glaube, die Gespräche mit ihrem Kapitän werden ab jetzt etwas anders verlaufen.«

»Dann hatte das Ganze vielleicht ja einen Nutzen.«

»Werden wir sehen. Sie sind allein, sagen sie. Wie kommen sie damit klar?«

»Meistens ganz gut sogar. Es gibt aber auch immer wieder Moment, da sehne ich mich nach einer Familie. Menschen und einen Ort, wo ich nach der Arbeit hin kann. So gehe ich immer nur alleine in meine Kabine, oder habe noch etwas Spass mit Raschniposa, bevor ich dann doch alleine ins Bett gehe. Manchmal ist es einsam.«

»Ja, manchmal ist es einsam. Ich lebe seit über 90 Jahren alleine. Wenn ich jetzt aber sagen würde, ich habe mich daran gewöhnt, dann wäre es glatt gelogen. Tatsächlich gewöhnt man sich wahrscheinlich nie an die Einsamkeit.«

»Wie jetzt, seit 90 Jahren? Wie alt sind sie?«

Der Thori richtete sich auf und schien etwas stolz zu sein.

»Erst 123 Jahre und damit der jüngst und zugleich erfolgreichste Regent meines Volkes!«

»123 Jahre? Wollen sie mich verarschen?«

»Keines Wegs! Wie alte würden sie mich denn schätzen? Viel älter?«

»Älter? Ich würde ihnen 40, oder 45 Jahre geben. Nicht mehr!«

Der Thori lehnte sich wieder zurück.

»Sagen sie doch gleich, sie trauen meinem Urteilsvermögen nicht! Beleidigend müssen sie jetzt nicht werden!«

Pamela verstand nicht.

»Wie beleidigend?«

»Na wenn sie andeuten, ich wäre noch im Grundschulalter, dann finde ich das nicht gerade erbauend!«

»Grundschulalter? Ich verstehe nicht!«

»Na, wie alt sind sie denn?«

Nachdem Pamela ihr Alter genannt hatte, hatte der Thori grosse Augen.

»So jung und sie sitzen am Steuer eines Raumschiffs?«

»Ja. Ist ein normales Alter bei uns.«

»Unglaublich. In dem Alter tobt man sich bei uns noch aus, bevor die Lehre in der Grundschule losgeht. Wie lange dauert eine Ausbildung bei ihnen? Sagen wir zum Piloten?«

»Zwei bis drei Jahre, warum?«

»Unglaublich! In der Zeit haben unsere Piloten noch nicht einmal ein Schiff von innen gesehen. 15 Jahre ist bei uns rein der theoretische Teil!«

»Boah, wie lange dauert bei euch eine Ausbildung?«

»Minimum 30 Jahre!«

Pamela war schockiert. Eine Ausbildung von 30 Jahren? Was in dieser Zeit für ein Wissen vermittelt und verinnerlicht werden konnte war brutal! Wie kam es dann, dass die Thori so schlecht gegen die Menschen abschnitten? Ausser von den Waffen her waren die Thori doch haushoch überlegen!

»Beeindruckend. Nein, bei uns würde man dann schon an Rente denken.«

»Rente?«

»Erkläre ich ihnen ein anderes Mal. Ich bin jetzt leider gleich verabredet, aber das Gespräch würde ich gerne fortsetzen, wenn sie möchten.«

»Ja, warum nicht? Sie haben mich ein paar Dinge in einem anderen Licht sehen lassen. Vielleicht ist es gar nicht falsch, mir auch andere Perspektiven anzuhören. Also wenn sie wollen, ich würde mich über eine weitere Unterhaltung freuen!«

Pamela stand auf.

»Dann besuche ich sie morgen wieder, nach meiner Schicht. Das mit der Ausbildung interessiert mich wirklich brennend!«

Print Friendly, PDF & Email

2 Kommentare

    1. Doch, doch, die geht weiter! Ich bin nur im Moment das ganze Wochenende über unterwegs und habe kaum Zeit zu schreiben. Unter der Woche bin ich froh, wenn ich die 3 Folgen von Wohngemeinschaften zusammen kriege. Ist echt brutal im Moment und deshalb kommen derzeit keine neuen Folgen von Raumschiff auf Abwegen. Aber ich garantiere dir, beendet ist die Serie auf keinen Fall!

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Zur Werkzeugleiste springen