Junggesellenabschied (Teil 6)

Währenddessen am anderen Ende der USA, ging ein superschnelles Verkehrsflugzeug in den Landeanflug. Perry war mittlerweile weiter nach hinten gegangen und fand es äusserst aufregend, mit einer Maschine, welche zwei Triebwerke verloren hatte, zur Landung anzusetzen. Katja gegenüber blieb er jedoch ganz cool und liess sich nichts anmerken. Allerdings gelang ihm das auch nur dann, wenn er schnell zu Derrick rüber schielte. Der war über die Situation natürlich auch informiert worden und blieb trotzdem ganz locker. Da schien soweit also wirklich alles im Lot zu sein.

Als der Vogel schliesslich aufsetzte, konnte Perry keinen Unterschied erkennen. Es war einfach so, als wären die beiden Triebwerke vollkommen überflüssig. Als die Anspannung von ihm abfiel drehte Katja den Kopf zu ihm.

»Na? Hose jetzt voll?«

Perry schaute erschrocken zu seiner Freundin.

»Was meinst du?«

»Ach Schatz, du kannst ja den coolen spielen, kein Problem. Wenn du mir dabei aber die Knöchel brichst, dann spricht das schon Bände!«

Perry schaute zu der Armlehne zwischen sich und seiner Freundin. Ja, die Beiden hatten Händchen gehalten, aber hatte er wirklich so fest zugedrückt?

»Hab ich dir wehgetan?«

»Nein, aber du hast schon ziemlich gedrückt. Da fällt mir das schon auf, dass du dir fast in die Hose machst.«

»Du hast dir keine Gedanken gemacht?«

»Nö. Viper hat das alles ausführlich erklärt. Ein Triebwerk ist ausgefallen und Aisha hat das zweite abgeschaltet, damit beide Seiten gleich viel Vortrieb haben. Also genau genommen sind noch drei Triebwerke in Ordnung. Die Maschine kann aber mit einem Triebwerk alleine fliegen. Erreicht dann zwar nicht die Geschwindigkeit, aber laut Viper ist das überhaupt kein Problem. Deshalb mache ich mir auch keine Sorgen.«

Perry fand das gar nicht komisch, dass seine Freundin so viel cooler war als er. Es war aber auch an der Zeit, die Maschine zu verlassen. Sie war auf eine freie Fläche gerollt und als Morgen die Tür öffnete, war bereits eine Leiter herangefahren worden und ein Mann mit gelber Weste kam voller Staunen herein.

»Willkommen in Las Vargas! Entschuldigt, dass ich hier so rein platze, aber den Vogel musste ich mir einfach aus der Nähe anschauen!«

»Ist lange her, dass so ein Vogel hier gelandet ist, nicht wahr?«

Derrick grinste.

»Ich habe das noch nie erlebt! Mein Vater hat auch hier gearbeitet und er muss wohl mal dabei gewesen sein, als eine Concorde hier gelandet ist. Aber soweit ich weiss ist dieser Typ noch nie hier gewesen!«

In dem Moment kam Mario aus dem Cockpit. Ihm folgten Viper und Aisha.

»Doch. Einmal waren wir schon hier!«

»Da muss ich dich korrigieren Viper, wir waren schon dreimal hier! Erinnere dich mal. Einmal, als wir einfach wild durch die Gegend geflogen sind, einmal, als wir nach Hawaii wollten und uns dann doch der Sprit ausgegangen ist und einmal, weil Derrick unbedingt zur Area51 wollte.«

Viper schien kurz nachzudenken.

»Stimmt! Boah, wir waren mit dem Ding schon so viel unterwegs, ich kann mir das alles nicht merken!«

»Hier drin sieht das aber alles doch eher gewöhnlich aus!«

»Tja, wir lassen uns ja auch nicht in die Karten gucken. Aber mal eine Frage. Wir hatten auf dem Weg hier hier ein paar Probleme mit einem Triebwerk. Können wir uns das anschauen, also bekommen wir dafür Hilfsmittel zur Verfügung gestellt?«

»Das lässt sich sicher machen! Wann wollen sie das denn in Angriff nehmen?«

Aisha schaute sich die Jungs an.

»Nicht vor morgen. Die Herrschaften haben einen Junggesellenabschied zu feiern. Wir sind also auf jeden Fall heute und morgen hier und ich denke mal, vor übermorgen fliegen wir nicht ab. Also morgen, im Laufe des Tages?«

»Okay meine Dame, ich werde mich darum kümmern!«

»Wir hatten ein Auto bestellt, wissen sie da was?«

»Ich? Nö. Gehen sie rein zum Terminal, da kann man ihnen sicher helfen!«

Viper nickte. Der Kerl schaute sich noch kurz um, dann ging er nach draussen. Aisha verliess als Letzte die Maschine und sorgte dafür, dass die Tür geschlossen war. Donald fand es wirklich faszinierend. Egal wo die Kiste ankam, sie machte höllischen Eindruck und war sofort Blickfang sämtlicher Kameras. Während sie sich davon entfernten, drehte sich Donald noch einmal um. Irgendwie war es ja verständlich. So ein Flugzeug sah man nicht alle Tage und auch wenn es für die Anderen ganz normal schien, mit so etwas unterwegs zu sein, es war einfach etwas besonderes. Wenn man dazu noch bedachte, dass die Kiste unglaublich schnell war, dann machte es die Sache noch spektakulärer.

Diese Tatsache war aber bald vergessen. Das bestellte Fahrzeug stand samt Fahrer vor der Tür bereit und wartete darauf, den Trupp in ihr Hotel zu bringen. Das ging natürlich nicht, ohne über den Strip zu fahren, was real irgendwie noch spektakulärer wirkte, als man es vom Fernsehn her kannte. Wie Figuren mit Saugnäpfen klebten die Freunde an den Scheiben und bewunderten die ganzen Kasinos, die hier aufgereiht standen und von denen eines spektakulärer war, als das andere. Was hier Geld für Bauwerke ausgegeben wurde ging echt auf keine Kuhhaut. Wenn man dazu bedachte, dass diese ganze Stadt einfach mitten in die Wüste gebaut worden war, war das alles irgendwie noch spektakulärer.

Waldemar, der sich zwar auch alles anschaute, aber nicht die gleiche Ehrfurcht dafür verspüren konnte, dachte an etwas, was noch im Flugzeug gesagt wurde. Die berühmte Area51 war hier ganz in der Nähe! Waldemar liebte den Mythos und wäre zu gerne der gewesen, der als erster Zivilist diese Basis hätte betreten dürfen. Doch das war natürlich ausgeschlossen. Niemand, der nicht die höchsten Freigaben überhaupt hatte, durfte sich diesem Gelände auch nur nähern.

Dabei fiel ihm etwas ein. Vor nicht allzu langer Zeit gab es mal ein Event. Es ging darum, wenn nur ausreichend viele Menschen gleichzeitig die Area51 stürmen würden, müsste jemand durchkommen. Schliesslich könnte man sie nicht alle aufhalten. Waldemar hatte sich damals mit der Thematik beschäftigt. Gab es tatsächlich eine ausreichend hohe Chance, durch schiere Masse die Area51 stürmen zu können? Seine Antwort war ernüchternd. Das Gebiet war einfach zu gross. Selbst bei den 2.000.000.000 Menschen, die sich dafür angemeldet hatten, wäre das Militär dennoch in der Lage gewesen, alle aufzuhalten. Sie hatten schliesslich Hubschrauber, Panzer, bewaffnetes Personal und ähnliches. Dabei war das Gebiet einfach so riesig, dass man sich mit dem eliminieren der Stürmenden sogar Zeit hätte lassen können. Selbst wenn es dann jemand zu den Gebäuden geschafft hätte, spätestens beim Versuch, eines der Gebäude zu betreten, wäre die Sache vorbei gewesen. Denn, im Gegensatz zu dem Gelände an sich, in so ein Gebäude kam man schlicht nur dann, wenn irgendwo ein Zugang offen war. Da die Zugänge bekannt und mit Sicherheit verriegelt waren, musste man sich also nur dort auf die Lauer legen und hatte leichtes Spiel.

Nun, glücklicherweise kam es dann nicht dazu. Die Menschen hatten verstanden, dass es ein unsinniges und tödliches Unterfangen gewesen wäre und demzufolge kamen nur geschätzte 1000 Personen zu dem Event und die verhielten sich auch noch friedlich. Eigentlich schade, wie Waldemar fand. Es gab eine Wette, wie viele der Stürmer die Nummer überleben würden. Waldemar hatte auch 100% Verluste getippt und sein Geld nun logischerweise verloren.

Katja war hingegen total begeistert. Las Vargas. Hier waren schon Menschen überraschend zum Millionären herangewachsen, während andere Haus und Hof verloren. Aber hier wurden auch schon total spontane Ehen geschlossen, die aber genauso schnell wieder annulliert, oder geschieden wurden. Es gab aber etwas, was Katja nach Möglichkeit unbedingt sehen wollte. Es gab eine Fernsehserie über ein Pfandhaus in dieser Stadt und genau da wollte sie hin.

Markus musste lachen, nachdem er auf sein Handy geschaut hatte.

»Jerry hat mir gerade geschrieben. Er findet es total beschissen, dass er mit seiner alten Gurke genau neben unseren Vogel geparkt wurde. Jetzt käme er sich klein und unbedeutend vor.«

»Was fliegt er?«

»Er hat eine alte GolfSteam Aisha. Ist ein wirklich tolles Flugzeug und er hält es auch perfekt in Schuss. Damit ist er schon einige Male um die Welt geflogen. Aber eben, gegen so einen Vogel sieht das Ding natürlich aus wie ein Spielzeug.«

»Kannst ihm ja sagen, er soll mal in Neunburg vorbeischauen. Oder noch besser auf unserem Flugfeld. Ich kriege das Ding mit Sicherheit noch aufgebohrt. Nicht wie mein Baby, aber etwas mehr Power geht bestimmt!«

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