Rückzug

Die Jungs waren zwischenzeitlich wieder in der Zentrale von Rock und Monty eingetroffen und auch einige ihrer Freunde waren vor Ort.

»Okay. Ich denke mal, wir können nur einen Erfolg verbuchen. Wir haben das Recht, auf Pear Island zu suchen!«

»Ein teuer erkauftes Recht Rock!«

»Mag sein, war aber nicht unser Geld. Danke dafür Markus!«

»Bitte gerne. Hätte mich nur gefreut, wenn man da was gefunden hätte.«

»Tja, so ist das hier eben! Isla Oak verarscht uns auch jedes Jahr aufs neue. Eben waren wir noch auf der vielversprechendsten Spur überhaupt und hatten den Moneypit schon quasi gefunden, war alles dann doch nur eine Sackgasse, obwohl wirklich dutzende Indizien in diese Richtung zeigten.«

»Genau. Wundern sie sich nicht und lassen sie sich nicht entmutigen. Sie haben uns auf jeden Fall ein Stück Technologie gezeigt, was wir mit Sicherheit noch einmal zum Einsatz bringen wollen Mario.«

»Jeder Zeit, nur etwas Vorlaufzeit wäre nett.«

»Ja, natürlich!«

»Was kam denn jetzt bei der Untersuchung heraus?«

Ein älterer, schlanker Mann mit grauen Haaren und Brille hatte diese Frage gestellt.

»Nichts wirklich nennenswertes. Der Schacht endet einfach an einem Hindernis. Sieht aus, als hätte man da einen grossen Steinquader platziert. So ein bisschen wie in der grossen Pyramide in Ägypten.«

»Aber ohne Metall, oder?«

»Ja, ohne. Das war auch nur ein Vergleich, ich sehe da keinen Zusammenhang!«

»Du vielleicht nicht Rock. Das heisst aber nicht, dass es da keinen gibt! Ich meine. Ein langer Schacht, verschlossen auf diese Art? Das klingt doch …«

»Nach einer praktikablen und logischen Art einen Schacht zu verschliessen! Wenn er abschüssig ist auf einer Seite, dann ist es auch absolut logisch, dass der Block ein wenig grösser ist, als der Schacht.«

Waldemars Reaktion war zwar etwas grob, aber korrekt. Auch wenn die Ähnlichkeiten mit Ägypten echt gross waren, es war eine viel zu logische Angelegenheit, um da etwas draus schliessen zu können. Zumindest hielt es niemand für möglich, dass die Ägypter etwas mit dem Bau dieses Schachtes zu tun gehabt hatten. Oder wer nun auch immer die Pyramiden gebaut hatte.

»Sicher ist aber eins.«

Fuhr Rock fort.

»Der Schacht führt bis fast genau in die Mitte von Pear Island.«

»Aber dort ist nichts?«

»Nein. Wir haben uns gründlich umgesehen, dort ist nichts!«

»Ergibt nicht unbedingt Sinn, oder?«

»Nein. Wir haben aber auch festgestellt, dass ab einer gewissen Distanz die Farbe der Wände sich schlagartig ändert und anscheinend wurde da eine Technik benutzt, die unseren Senkkästen ähnlich zu sein scheint.«

»Klingt interessant, aber nur bis zu dem Punkt, wo es am Moneypit vorbeigeht. Also ich für meinen Teil werde mich an diesem Zweig der Untersuchung nicht beteiligen.«

»Wir auch nicht. Das haben wir schon beschlossen. Wenn wir den Moneypit mal gefunden haben, schauen wir uns das noch einmal an, aber bis dahin ist das uninteressant. Wobei die Jungs noch eine ihrer Freundinnen in den Schacht schicken wollen.«

»Jungs, wer auch immer mit ihr zusammen ist, ihr könnte auch einfach so die Beziehung mit ihr lösen! Ihr müsst sie nicht in den Schacht werfen!«

Das Gelächter war gross. Waldemar hingegen verschränkte die Arme und fand das gar nicht lustig.

»So war es auch nicht gemeint! Jedoch ist meine Freundin klein genug, um in den Schacht zu kriechen und sich auch noch teilweise bewegen zu können. Sie wird mehr entdecken können, als die besten Roboter der Welt zusammen und ich habe durchaus vor, sie im Anschluss wieder gesund an die Oberfläche zu holen!«

»Das sollte nur ein Scherz sein junger Mann! Nehmen sie nicht alles gleich persönlich!«

Was Donald und Perry weit mehr irritierte, hatte Waldemar wirklich von seiner Freundin gesprochen? Das war mehr als merkwürdig.

»Und wann soll die Nummer beginnen?«

»Das wissen wir noch nicht. Wird sich zeigen. In einigen Tagen, oder Wochen vielleicht.«

Und damit war das zweite Abenteuer Isla Oak beendet. Die Jungs wurden zurück zum Flughafen gebracht und es wurde schon langsam dunkel, als sie die Maschine erreichten. Aisha war ausgeruht und voller Tatendrang.

»Aisha, warum so aufgeregt?«

»Nachtflug Donald. Ich liebe nichts mehr, als nachts zu fliegen!«

»Doch. Nachts deinen Vogel fliegen!«

»Genau! Das meine ich doch natürlich. Also, geht es los?«

»Nimm Derrick mit. Ich will es mir ein bisschen gemütlich machen!«

»Ich? Ich soll auf deinen Platz?«

»Jupp. Ist das Selbe wie auf deiner Seite, nur der Schubkraftregler ist Links und nichts Rechts.«

»Du hast noch nie jemand auf deinem Platz sitzen lassen!«

»Blödsinn! Amy hat dort schon gesessen, Janine auch und ich glaub Rebekka auch schon. Ist doch auch egal, Aisha fliegt ja eh.«

»Richtig. Also, Mario, Derrick, auf. Wir wollen los!«

Dieses Mal startete die Maschine wieder mit aktiven Nachbrennern und jede Menge Beschleunigung. Dennoch, Waldemar hatte es im Griff. Beim Aufstieg der Druck in den Sitz fand er nicht so lustig, kam aber in der Tat ganz gut damit klar.

»Pascal, was ist auf Pear Island? Du weisst was und ich will jetzt wissen was!«

»Und wenn ich es dir nicht sage Viper?«

»Dann werde ich ungemütlich!«

Waldemar war sich nicht ganz sicher, aber er glaubte wirklich, wieder ein rotes Glühen in Pascals Augen gesehen zu haben.

»Ja? Verhauen wir uns dann? Du und ich? Bis einer nicht mehr aufsteht?«

»Nein, mein Freund! Aber ich kann dich dann nicht mehr als Freund ansehen. Du weisst etwas und wenn wir wirklich so dicke miteinander sind, wie du immer behauptest, dann solltest du uns das nicht vorenthalten. Ansonsten wärst du nicht der Freund, den wir in dir sehen!«

Nun schien Waldemar entsetzen in Pascals Augen zu sehen. Interessanterweise, war damit das Gespräch aber schon beendet. Viper fragte nicht mehr, Pascal sagte nichts und auch Waldemar hatte das Gefühl, endlich die Wahrheit zu kennen, auch wenn er nicht den blassesten Schimmer hatte, was das nun für eine Wahrheit war. Er war sich nur sehr sicher, dass er nicht mehr nachfragen musste.

Perry fand es komisch, dass die Zeichen zum Anschnallen wieder angingen. Er wollte fragen, ob es ein Problem gab, doch ein Blick auf die Uhr zeigte ihm, sie waren lange genug unterwegs gewesen, um die Distanz zu überbrücken und in den Landeanflug zu gehen. Er verstand das zwar nicht, da in seinen Augen gerade erst der Aufstieg abgeschlossen war, aber so etwas gab es ja. So hakte er es ab und dachte nicht mehr darüber nach.

Als die Maschine zum Stehen gekommen war und die Gruppe ausstieg, gab es ein wahres Blitzlichtgewitter. Klar, die ganzen Bilder wurden vom Flugzeug gemacht, dennoch fühlte sich gerade Perry wie ein Star. Sein Herz ging auf, als sie im Terminal waren und dort die Mädels warteten. Er schloss seine Katja in die Arme und zudem, was Pascal ihm ja schon erzählt hatte, sah er da etwas in ihren Augen, was unbedingt raus wollte. Das würde garantiert eine heftige Nacht werden und darauf freute er sich schon sehr.

Elena hingegen begrüsste alle, bis auf Waldemar. Alle bekamen Knutscher, Waldemar nur ein kurzes »Hallo«. Der verstand das natürlich nicht. Warum war sie so zu ihm? Kürzlich war sie viel herzlicher und freundlicher, jetzt aber so kalt? Natürlich brachte er das nicht eine Sekunde mit sich in Verbindung. Es konnte nur an Elena liegen und später im Zimmer würde er sie fragen, wo denn das Problem lag.

Ein Problem gab es aber in der Tat und das war auch der Grund, warum die Mädels die Jungs abholten. Rebekka war verschwunden und keiner hatte eine Ahnung, wo sie war. Pascal schälte sich dabei direkt nach vorne, verlangte nach ein paar Informationen und fing dann an zu grinsen.

»Okay. Nächstes Ziel, NAPD! Dort werden wir die Dame finden und macht euch keinen Kopf, die kriegen wir dort auch wieder raus. Wundert mich eigentlich, dass ihr so offen ans Werk gegangen seit und nur einer wurde verhaftet!«

Print Friendly, PDF & Email

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.