Bewegen sich die Fronten?

»Wie sollte das gehen? Dir Brass sind genetisch das gleiche Volk wie die Thori. Wie können sie dann bitte so etwas freiwillig tun? Sie müssen auch einen Erhaltungstrieb haben und den kann man nicht einfach abschalten!«

»Da gebe ich ihnen auch sofort Recht! Aber überlegen sie mal. Dieses Volk macht diese Dinge seit unglaublich langer Zeit. Das Volk lebt auf diese Weise! Es ist ein Teil von ihnen. Kinder bekommen es wahrscheinlich schon in der Schule erklärt, man spricht drüber, dankt vielleicht vor dem Essen dafür, dass sich Frauen dafür geopfert haben, was weiss denn ich. Das Problem ist das Gehirn. Es legt Bahnen an, die man nur schwer wieder brechen kann und die massgeblich davon beeinträchtigt werden, was man oft gesagt bekommt. Ja, der Selbsterhaltungstrieb wird auch bei den Frauen vorhanden sein, doch sehen sie in dem, was sie da tun, mehr gutes, als schlechtes.«

»Und das macht die Sache besser, oder wie?«

»Für mich nicht! Wie ich ja sagte, sobald mein Versprechen erfüllt wurde, ist die Megaclite weg.«

Der Thori schien kurz nachzudenken.

»Hören sie Ältester. Es gibt in meinen Augen nur einen einzigen Weg, wie ich mein Volk dazu bringen kann, sich den Brass anzunähern. SchlaHa muss dicht gemacht werden. Sofort und für immer!«

»Mein lieber Kollege, haben sie mir nicht zugehört? Ich kann das nicht tun, ohne einen Bürgerkrieg zu riskieren!«

»Kapitän, dann können sie uns zurückbringen. Die Verhandlungen werden fruchtlos verlaufen. Bringen sie uns zurück und tun sie, was sie tun müssen. Ich habe Bereitschaft zum entgegenkommen gezeigt, aber mein Kollege bleibt unbeweglich!«

»Nun, ich kann ihn schon verstehen. Ich bin mir auch absolut sicher, wenn er eine Wahl hätte, wäre das schon gar kein Thema mehr, ob sie nun verhandeln wollen, oder nicht. Aber eben, wie sollte er dieser Forderung nachkommen, wenn dann sein Volk in einen Bürgerkrieg fällt?«

»Tja, wäre ihr Raumschiff nicht, wäre das sehr einfach. Dann könnte sein Volk sich aussuchen, ob es einen Bürgerkrieg will, oder einen Krieg mit uns.«

»Mein lieber Kollege, das Grenzt an Erpressung!«

Krieger lehnte sich zurück.

»Nein. Es klingt nach einer Möglichkeit!«

Der Älteste schaute schockiert zu Krieger.

»Kapitän, sie wollen doch nicht etwa ernsthaft so einem Vorgehen zustimmen?«

»Das will ich in der Tat nicht, denn damit würde ich mein Versprechen brechen und mein Wort ist mir heilig. Nein. Aber sagen sie mir doch mal, die Vorhersehung weiss doch alles. Wie gehen diese Verhandlungen aus?«

Da schaute der Thori interessiert.

»Die Götter gehen Wege, die unergründlich sind. Sieht es aus, als wenden sie sich ab, stehen sie dennoch zu ihren Aufgaben!«

Nun setzte der Thori ein Gesichtsausdruck auf, der blankes Entsetzen zeigte.

»Das haben sie gerade erfunden!«

Der Brass steckte seine Hand in seinen Umhang, was in Krieger eine Abwehrhaltung hervorrief. Doch zum Vorschein brachte er nur ein kleines Buch. Brauner Ledereinband ohne jegliche Beschriftung oder Verzierung. Er wickelte das Lederband ab, fing an zu blättern und schob es seinem Kollegen schliesslich hin.

»Vierter Absatz, Rechte Seite!«

Der Thori las und mit jedem Wort schien seine Erschütterung grösser. Er las aber auch deutlich mehr, als nur das, was er eigentlich lesen sollte.

»Unglaublich! Das steht ja wirklich alles hier!«

»Ich sagte es doch. Die Vorhersehung zeigt uns den richtigen Weg!«

»Mag ja alles sein. Doch was hier steht ist auch wieder Interpretationssache.«

»Da mögen sie Recht haben und ich bin auch nicht hier, um einer Interpretation zu folgen. Ich will hier wirkliche Ergebnisse!«

»Nun, dann weiss der Älteste ja, was er tun muss!«

So ging das noch einige Zeit hin und her, bis Krieger schliesslich keine Lust mehr hatte. Er unterbrach die Zusammenkunft, liess die Männer in ihre Unterkunft bringen und ging zurück auf die Brücke.

»Und? Haben die Beiden sich den Kopf eingeschlagen?«

»Nicht ganz Tiffany. Sie haben immerhin miteinander geredet. Mehr, als ich bislang erhofft hatte. Es könnte auch ganz einfach sein. Die Brass müssten nur die Opferungen aufgeben, dann wären die Thori bereit für Verhandlungen.«

»Das wird nie passieren Kapitän!«

»Was macht sie da so sicher Baki?«

»Na stellen sie sich vor, jemand käme zu ihrem Volk und würde bestimmen, ihr werdet unterdrückt, oder verzichtet in Zukunft auf Kleidung.«

»Warum sollte das jemand tun?«

»Weiss ich nicht Kapitän, aber unmöglich ist es nicht. Wir verstehen auch nicht, warum sie kommen und denken, die Opferungen seien falsch. Für uns sind sie ganz normal.«

»Das kann man doch wohl nicht vergleichen Baki!«

»Ja, okay. Dann ein anderes Beispiel. Sagen wir ein übermächtiges Volk käme, würde mit Unterdrückung drohen, wenn ihr Menschen nicht eure Kinder sofort nach der Geburt abgebt.«

»Baki, sie vergleichen Äpfel mit Ananas!«

»Tut er nicht Krieger! Ich verstehe schon, worauf er hinaus will. Es geht nicht um Opferungen, oder was auch immer. Es geht darum, was ist normal? Für uns ist normal nichts anderes, als was der Regel entspricht. Wir gehen bekleidet vor die Tür, ziehen unsere Kinder selbst auf und ähnliches. Kommt da ein anderes Volk, die es eben anders machen und würden uns ihren Willen aufzwingen, würden wir auch meutern.«

Krieger verstand, was Tiffany da meinte.

»Bliebe die Frage, wie das weiter geht. Ob die Thori auch etwas anderes akzeptieren können.«

»Das Problem dürfte sein, Kapitän, einzig die Megaclite zwingt die Thori dazu, irgendetwas einzugestehen. In aller Regel würden sie kommen, uns in die Steinzeit zurück sprengen und wieder gehen. Wir sind den Thori absolut ausgeliefert, wenn die Megaclite nicht da ist.«

»Das verstehe ich schon Baki. Ein einziges Schiff zwingt die Thori nun zu Zugeständnissen, wenn sie keinen Krieg mit uns wollen. Das kratzt natürlich an ihrem Ego.«

»Nicht nur das. Ginge es nur um das Oberhaupt der Thori und unserem Ältesten, könnte wahrscheinlich heute noch eine Einigung erzielt werden. Es geht jedoch um zwei ganze Völker! Die Beiden können hier nun die dicksten Freunde werden, sich in die Arme fallen und nie wieder ohne einander leben wollen. Kommen sie zurück und fangen an Gesetzte zu erlassen, die dem Volk vor den Kopf schlagen, kommt es im schlimmsten Fall irgendwann zu einer Revolte. Dann wurden vielleicht die richtigen Dinge in die Wege geleitet, doch eine neue Regierung wird alles wieder stürzen. Was dann?«

»Mal eine andere Frage, falls ich auch was sagen darf. Was würde denn passieren, wenn ein neuer, mächtiger Feind nun Thori und Brass gleichzeitig bedrohen würde?«

Krieger schaute zu Pamela und er verstand! In der Menschheitsgeschichte hiess es einst, die Menschheit würde nur dann geeint werden, wenn sie von ausserhalb der Erde bedroht werden würde. Gut, korrekt war das nicht, aber auch da war man eben dieser Meinung. Gäbe es nun einen Feind, welcher beide Völker bedrohen würde, könnte das zum Vorteil gereichen.

»Ruug, auf die Brücke bitte!«

Krieger hatte den Knopf an seinem Stuhl gedrückt und wartete nun, bis Ruug hereinkam. Mit seinem unnachahmlichen Gang kam er durch die Tür und glitt auf Krieger zu.

»Womit kann ich ihnen helfen Kapitän?«

»Ruug, sie sprachen doch von diesem Gegner, der Andromeda erobert?«

»Ja Kapitän, vor dem ich geflohen bin.«

»Okay. Sagen sie mal, könnten wir dem mit unserem Antrieb entkommen?«

»Davon gehe ich aus Kapitän.«

»Gut. Wo finden wir diesen Gegner?«

»Warum wollen sie das wissen?«

»Weil ich einen starken Gegner brauche, der Thori und Brass gleichzeitig bedroht!«

»Sie wollen diesen Gegner hier her locken?«

»Nein. Das müssen die Beiden aber nicht wissen, oder? Mir reicht es wenn die wissen, dass es diesen Gegner gibt und das er sie vernichten kann. Vielleicht raufen die sich dann ja zusammen?«

»Ich verstehe Kapitän! Lassen sie mich schauen, ob ich eine Spur des Gegners finde. Aber seien sie gewarnt, es ist gefährlich!«

Print Friendly, PDF & Email

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.