Abstrecher nach Pear Island

Die Gruppe auf Isla Oak hatte sich in die sogenannte Kommandozentrale zurückgezogen, wo Rock die Daten von Pear Island ausbreitete. Besonders interessiert waren Mario und Waldemar, als eine grosse Karte ausgerollt wurde, welche sowohl Isla Oak, als auch Pear Island zeigte. Als wäre es abgesprochen gewesen, standen Waldemar und Mario sofort auf und suchten den Ort, wo sie die Schächte gefunden hatten.

»Alles klar. Hier ist der Eingang. Der Kurs führt den Roboter genau in diese Richtung. Die zurückgelegte Strecke Luftlinie beträgt …«

Mario musste nachdenken. Waldemar, war die Strecke schon ausgerechnet hatte, suchte das lange Lineal, welches er vorhin gesehen hatte, legte es auf die Karte und setzte die Null genau an den Ausgangspunkt. Nun hiess es, die entsprechende Distanz auf den Massstab zu übertragen. Eine minimale Fingerübung für Waldemar.

»Ist es mir gestattet, auf die Karte zu zeichnen?«

Monty suchte kurz etwas und gab kurz darauf einen Stift an Waldemar.

»Hier. Die Karte ist eingeschweisst. Mal ruhig drauf, zur Not kann man es wegwischen.«

Waldemar nickte, öffnete den Stift und setzte ihn bei der Null an. Eine gerade Linie ging von dort ab und endete fast exakt mittig auf Pear Island.

»Genau da muss der Roboter das Hindernis gefunden haben!«

Mario überprüfte die Angaben. Auch er hatte die Distanz Luftlinie mittlerweile berechnet und in den Massstab der Karte übertragen. Waldemar hatte absolut Recht! Genau da musste der Roboter sein.

»Okay Freunde. In welcher Tiefe?«

Waldemar und Mario schauten Rock an.

»Schwer zu sagen. Ich würde sagen, um die 60 Meter. Was meinst du Waldi?«

»Auch ich würde diese Angabe als derzeit guten Anhaltspunkt wählen, Freund Mario. Um die genaue Tiefe zu wissen, müssten wir den exakten Ausgangspunkt im Verhältnis zur Meereshöhe wissen.«

»Das bedeutet, wir gehen auf die Insel, stellen uns genau dorthin, wo der Roboter jetzt sitzt und sind genauso schlau wie beim Moneypit. Da ist etwas unter unseren Füssen und wir wissen einfach nicht was! Mit dem Unterschied, auf Pear Island können wir schon rein logistisch nicht bohren. Da ist kein Zugang für schweres Gerät. Mal ganz davon abgesehen, dass auf Isla Oak genug Platz und auch entsprechend gerade Flächen sind. Pear Island hat eine sehr raue Oberfläche und um da Platz zu haben, müsste man sie fast komplett roden.«

»Nun, insofern ihr davon ausgeht, auf dieser Insel gibt es noch keinen Zugang, mag eure Vermutung korrekt sein. Jedoch gehe ich persönlich davon aus, dass es gerade auf der Insel den entsprechenden Zugang gibt und die Schächte, die wir gerade untersuchten, andere Gründe haben!«

»Und du glaubst, wir gehen nach Pear Island, schauen uns kurz um und haben dann einen Zugang, der 60 Meter in den Boden führt und die ganzen Geheimnisse preisgibt?«

»Nun, mein lieber Monty, davon gehe ich natürlich nicht aus. Ich denke jedoch, der Zugang wird nahe der Oberfläche sein. Ich halte es für äusserst unwahrscheinlich, dass es dort keinen geben sollte.«

Markus Handy klingelte. Er ging ran und sprach nur wenige Worte.

»Okay Leute. Gerade sind die ganzen Unterlagen gekommen. Könnt ihr ein Boot organisieren? Ich würde mir das gerne mal direkt anschauen!«

Derrick hatte sich die ganze Geschichte die ganze Zeit stillschweigend angehört. Nun hatte er etwas zu sagen.

»Eine Frage stellt hier irgendwie niemand. Hat das überhaupt etwas mit dem eigentlichen Rätsel von Isla Oka zu tun? Ich meine, ja, der Roboter ist genau in Richtung Moneypit-Gelände gefahren. Nein, er ist nirgendwo in einer Kammer angekommen. Also. Sollte wir uns nicht die Frage stellen, was haben wir da überhaupt gefunden?«

»Ich muss da Derrick Recht geben. Die Sache ist wirklich sehr ungewöhnlich! Zumal, dieser Schacht ist vollkommen intakt. Ich habe auf dem Weg nicht eine auch nur rissige Stelle gesehen. Aber sie führt auch quer durch das Moneypit-Gelände. Dort habt ihr aber so viele Löcher gebohrt, dass es von oben wohl aussieht wie ein Schweizer-Käse! Trotzdem habt ihr nicht einmal diesen Schacht getroffen? Nicht einmal auf irgendeinem Detektor auch nur vermutet? Wie ist das möglich?«

»Na ja, Viper. Ja, wir haben viele Löcher gebohrt. Aber jetzt nicht gerade dicht an dicht. Zudem haben wir auf einigen Sensorbildern auch merkwürdige Hohlräume gefunden, die aber aufgrund ihrer Grösse nie wirklich beachtet!«

Phillip hatte da etwas, was er loswerden wollte.

»Könnte mir von euch mal jemand sagen, ob die Wände des Schachtes immer aus dem gleichen Material bestehen, oder ob ich einen am Auge habe?«

Alle schauten zu Phillip. Wieso prügelte er die Aufmerksamkeit jetzt in eine ganz andere Richtung? Pascal grinste jedoch.

»Darauf habe ich gar nicht geachtet, wenn ich ehrlich bin! Einer von euch?«

Rock schien ein wenig beschämt, dass ihm, obwohl er viel Erfahrung hatte und eigentlich darauf hätte achten müssen, in der Hinsicht alles entgangen war.

»Also mir ist aufgefallen, die Wände sind in meinen Augen fast schon zu glatt und perfekt. Als hätte sich jemand die Mühe gemacht, sie zu polieren. Nach ein paar Minuten, ich schätze mal so zehn bis 20 Meter, werden die Wände auch ein wenig heller.«

»Gut, dann bin ich wenigstens nicht der Einzige, dem das aufgefallen ist Perry. Die Wandfarbe ändert sich mit einem mal. Aber nicht fliessend. Es ist, als wäre da ein neues Stück Schacht an das Alte gesetzt worden, nur mit einem unterschiedlichen Material!«

»Aufgefallen ist mir das auch. Aber vergesst bitte nicht, wir sprechen hier von Isla Oak! Da kommt so etwas tatsächlich immer wieder vor!«

»Aber nicht so präzise Monty.«

»Okay Derrick, aber was willst du damit sagen?«

»Das weiss ich noch nicht Rock. Ich sage nur, mir ist das aufgefallen!«

»In der Tat, meine lieben Freunde. Dieser Fakt war mir entgangen, aber interessant ist er dennoch! Wir können davon ausgehen, dass sich die Bodenbeschaffenheit nicht auf wenigen Metern dramatisch und scharf abgegrenzt ändert. Unter Umständen wurde der Schacht auf eine ähnliche Art hergestellt, wie ihr es im Moneypit tut. Senkkästen wurden in den Boden getrieben und das Material darin entfernt.«

»Waldi, echt jetzt? Du hast aber schon gesehen, dass die Schächte aus Erdreich bestehen und nicht aus Metall, oder etwas ähnlichem?«

»Das habe ich, Freund Donald. Doch was ich gesehen habe lässt eigentlich nur den Schluss zu, dass etwas in dieser Art passiert sein musste. Ansonsten wäre der Farbunterschied nicht. Nicht so scharf abgegrenzt!«

Das gab auf jeden Fall Grund zum nachdenken. Allerdings auch nicht mehr. Ja, da war ein farblicher Unterschied und der hatte auch eine absolut präzise Grenze. Aber es war Erdreich und nichts deutete darauf hin, dass da irgendwie Material auf irgendeine Weise eingebracht wurde. So war es auch nicht verwunderlich, dass noch einige Zeit darüber ergebnislos diskutiert wurde. So lange, bis Monty die Nachricht bekam, ein Boot sei für ihren Einsatz bereit. Schlagartig schien der Materialunterschied vergessen und die Gruppe wollte sofort los.

Auf dem Weg fragte sich Perry unwillkürlich, ob es nicht einfacher und logischer gewesen wäre, die Strecke zu schwimmen. Es dauerte deutlich länger, Isla Oak zu umrunden, als von deren Küste zur Küste von Pear Island zu fahren. Derrick witzelte, eigentlich hätte man das Boot auch zwischen den Inseln festmachen und als Brücke verwenden können. Nun, ganz so heftig war es dann doch nicht und die Fahrt von der einen zur anderen Insel dauerte immerhin wenige Minuten, aber dennoch schien es übertrieben, dafür ein grosses Boot zu rufen.

Als die Gruppe die Insel betraten, merkten sie sehr schnell, was Rock und Monty gemeint hatten. War das eigentlich wirklich eine Insel? Im Vergleich zu Isla Oak war sie eigentlich nicht nennenswert. Aber gut, irgendetwas musste hier zu finden sein und wenn die Insel klein war, war das Suchgebiet natürlich ebenfalls nicht sonderlich gross. Das konnte die Suche deutlich vereinfachen!

Es bliebe nur eine Frage. Warum zur Hölle sollte hier irgendwer was gebaut haben, wenn Isla Oak direkt daneben liegt? Das ergab doch keinen Sinn! Nur Pascal schien seit dem Moment, wo die Wände des Schachtes besprochen wurden, irgendwie amüsiert. So, als wäre man da endlich auf der richtigen Spur.

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