Waldemar in Schwierigkeiten

»Also? Wie sieht es aus?«

»Du lässt mir keine Wahl, Pascal.«

»So ist es. Aber ich garantiere dir, wenn du dich darauf einlässt wirst du schöne Dinge erfahren, an die du derzeit nicht einmal denkst!«

Nun fühlte sich Waldemar wieder stark, denn ihm war natürlich klar, worauf Pascal da anspielte.

»Da werde ich dir schon im Vorfeld sagen können, ich habe schon diverse Erfahrungen gemacht und tatsächlich Dinge entdeckt, die zu meiner Verwunderung wirklich angenehme Gefühle hervorriefen. Doch kann ich aus wissenschaftlicher Sicht behaupten, es sind nur Hormone, welche im Kopf ein gewisses Suchtverhalten hervorrufen und deshalb immer wieder zum Vorschein kommen. Ich für meinen Teil werde mich jedoch davon nicht beeindrucken lassen!«

Pascal lächelte wie ein Vater, der den Eifer seines Kindes mit Freude sieht und dennoch weiss, wie falsch es damit liegt.

»Wir werden sehen mein Freund. Was mich nun aber doch interessieren würde, ich habe dir etwas gezeigt, was ausser dir noch niemand gesehen hat. Warum stört es dich nicht?«

»Stören. Nun, warum sollte es mich stören? Aus wissenschaftlicher Sicht bin ich mir sicher, du hast mit irgendeinem harmlosen Trick gearbeitet. In den menschlichen Augen gibt es nichts, was ein Leuchten hervorrufen könnte. Folglich musst du irgendeine körperfremde Quelle benutzt haben, um diesen Effekt hervorzurufen. Ich weiss nicht wie du es getan hast und meine Zeit ist auch definitiv zu begrenzt, um mir darüber grosse Gedanken zu machen, aber ich bin mir absolut sicher, da steckt nichts übernatürliches dahinter!«

Wieder lächelte Pascal.

»Und wenn es nichts übernatürliches ist, warum hast du deinen Standpunkt dann doch geändert?«

»Weil nie die Rede davon war, dass unmögliche müsste übernatürlich sein! Du hast mir etwas gezeigt, was für mich unmöglich ist. Fertig!«

»Okay, cool. Du bist echt anders als die Anderen!«

Waldemar würdigte diese Aussage gar keiner Reaktion, da es für ihn absolut klar war, dass er anders, besser war.

Katja hingegen beobachtete Amy. Nun waren sie in Amerika und folglich war Markus ihr Freund und nicht Phillip. Auch wenn das Wiedersehen grosse Freude in Amy ausgelöst hatte, ihr Verhalten war tatsächlich anders, als in Deutschland. Also Phillip gegenüber. Es war tatsächlich mehr so, als wenn die Viper in Deutschland begrüsste. Vielleicht noch etwas herzlicher, aber davon abgesehen stand sie an Markus Seite und nicht an Phillips. Wie sie das alles koordinieren und für sich vereinbaren konnte, wollte Katja nicht in den Kopf. Sie hatte schon Schwierigkeiten, Perry und Donald unter einen Hut zu bekommen und dabei war Donald nur ihr Besitzer und nicht ihr Freund. Nun ja, Amy war eben eine ganz besondere Marke.

Was Perry dann nicht verstand war das mit der Kirche. Auch er hatte schon Hochzeiten beigewohnt und die liefen alle ganz banal ab. Eigentlich war die Kirche in Deutschland ja eh nur Show, da sie keine Auswirkung auf den Status des Ehepaares hatte. Das geschah ja alles zuvor auf dem Standesamt. Aber eben, in Deutschland ging man ganz normal in die Kirche. Hier, in Amerika, wurde die Kirche vorher ausgewählt und wie die Freunde nun erleben durften, für den Festakt auch noch geschmückt. Für Perry war das definitiv übertrieben.

Nun, nicht nur für Perry. Auch die anderen Jungs schienen sich zu langweilen und gar nicht wirklich zu wissen, was sie hier eigentlich sollten. Die Mädels hingegen hatten voll ihren Spass. Auch Katja, Claudia und Elena. Wobei, man merkte Elena an, dass mit ihr nicht so ganz alles in Ordnung war. Aber sie war genug in Aktion, dass sie niemand danach fragen konnte.

Wie dem auch sei, nach einigen Stunden war die Arbeit getan. Wie Donald für sich bemerkte, die Kirche triefte quasi vor Kitsch. Als wäre Alexis zuvor durch die Stadt gezogen und hätte alles, was maximalen Kitsch-Faktor hatte gekauft, um es hier rein zustopfen. Nie und nimmer hätte Donald in so einer Kirche geheiratet und er war sich auch gar nicht so sicher, ob er überhaupt als Gast hier sein wollte. Beziehungsweise, ob er es in diesem Moment überhaupt in dieser Kitsch-Bude aushalten konnte. Sein Körper schrie auf jeden Fall deutlich nach Flucht.

Glücklicherweise, nachdem Alexis ihr Werk verrichtet und alle anwesenden Mädels bestätigt hatten, es sei traumhaft, konnte dieser Tagesordnungspunkt abgeschlossen werden.

Doch auch wenn Donald in gewisser Hinsicht schon wirklich glücklich war, dass er diesen Ort verlassen konnte, nun kam etwas, was ihn nicht minder schockiert. Darüber informiert wurde er und seine Freunde draussen am Party-Bus.

»Donald, Perry, Waldemar, ich hoffe ihr seit gut drauf!«

Die Jungs schauten entsprechend fragend zu Markus.

»Gut drauf für?«

»Nun, eine Schnupperrunde mit ein paar wichtigen Leuten aus meinem Vorstand!«

Den Jungs wurde schlagartig kalt.

»So ohne Vorbereitung?«

»Darum geht es Perry! Das sind nicht viele, aber sie haben den meisten Einfluss und sie bestehen auf Authentizität! Das heisst, sie wollen das sehen, was ihr wirklich im Kopf habt zu dem Thema und nicht, was ihr vorher einstudiert habt. Aber, es zwingt euch niemand dazu. Wir können es jetzt durchziehen, oder seinlassen. Das ist eure Entscheidung!«

»Was heisst, es seinlassen? Wenn wir jetzt nicht dahingehen, ist die Sache vom Tisch, oder wie?«

»Aber nein Donald. Ich kann euch aber gleich sagen, diese Männer werden am Ende als Erste ihre Stimme abgeben. Auch wenn ihr einige überzeugt haben solltet, stimmen die für nein, ist die Chance sehr gross, dass auch alle Anderen für nein stimmen. Du verstehst?«

»Ja, ich verstehe. Aber gut finde ich das persönlich jetzt nicht!«

»Ich auch nicht Donald. Ich finde es auch nicht gut, dass ich in der Firma, die ich ganz alleine hochgezogen habe, jetzt einen Vorstand habe, vor dem ich mich rechtfertigen muss!«

»Punkt für dich, würde ich sagen.«

»Okay. Also? Seit ihr einsatzbereit? Dann soll Morgen uns zu meiner Firma bringen und der Rest macht Party, oder was weiss ich.«

Donald schaute zu Perry. Der zog die Schultern hoch und nickte. Sein nächste Blick ging zu Waldemar. Der schien unentschlossen und wägte anscheinend die Situation sorgfältig ab. Schliesslich nickte jedoch auch er.

»Na prima Jungs! Morgen, ins Büro bitte. Anschliessend hat Amy das Kommando. In Ordnung?«

Morgen hob den Daumen. Katja fand die ganze Situation nicht so gut. Ihr Freund wurde quasi von Markus einfach überfahren und sie der Möglichkeit beraubt, ihn zu unterstützen. Würde er mit der Situation fertig werden? Eine gute Frage! Katja musste kurz nachdenken.

War Perry fit für so etwas? Nun, wenn man ihn sich so anschaute, dann hatte er in der Tat einen Wandel vollzogen. Einst war er schüchtern, ängstlich und verschlossen. Sie hatte ihn erst betrunken machen müssen, damit er mit ihr ins Bett ist. Doch seither hatte sich viel verändert! Er hatte einiges abgenommen und stattdessen Muskeln aufgebaut. Das verlieh ihm neues Selbstvertrauen, was man ihm ansah. Er war mutiger geworden, hatte tatsächlich mehr Selbstvertrauen und nicht mehr so viel Scheu vor allem. Ausserdem hatte er mittlerweile schon einige Präsentationen überstanden und etwas Routine. Zudem kannte er das Programm sehr gut und mit Waldi und Donald im Rücken war es eigentlich kein Problem. Dennoch, sie hätte ihn gern dabei gesehen und auch etwas heiss gemacht.

Dennoch, als Perry aus dem Bus ausstieg, hatte Katja ein komisches Gefühl. So, als würde sie ihren Freund im Stich lassen. Der hatte sich allerdings während der Fahrt nicht beschwert, oder etwas ähnliches. Er schien aufgeregt, aber auch zuversichtlich. Nichts hatte er getan um in ihr das Gefühl auszulösen, sie würde ihn irgendwie nicht genug unterstützen. Dennoch hatte sie dieses seltsame Gefühl.

Aber, sie hatte auch eine gute Möglichkeit, dieses Gefühl zu verdrängen. Sie setzte sich neben Pascal.

»So. Jetzt hab ich dich erwischt! Also, erzähl mal Kollege. Warum muss ich mir wegen dem da keine Sorgen machen?«

Sie zeigte auf ihren Bauch.

»Nun, du hast dir mittlerweile sicherlich viele Fragen gestellt. Wie das sein kann, wie du als Mutter leben würdest, wie sich das mit Perry und deinem Sexualleben verhalten wird usw. Korrekt?«

Katja nickte.

»Hast du dir aber schon einmal Gedanken darum gemacht, was es wird? Wie die Entwicklung verläuft, ob alles in Ordnung ist, ob es eins sind, oder mehrere? Gab es auch nur einen Moment in dir das Gefühl, dass du Mutter wirst?«

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