Super süss und super gefährlich

Einer war offensichtlich nicht ganz so begeistert von Amys Sieg. Der Sorraia kam heran, blieb stehen, ein vor Wut schnaubender Muskelberg kam heraus und stürmte auf Amy zu. Dämliche Idee, da konnte jeder sagen was er wollte. Selbst wenn man nicht wusste, wer Amy und ihre Freundinnen waren, alleine Morgen und Viper waren schon bedrohlich genug, um sich besser nicht mit der Gruppe anzulegen. Das schien den Typ, aber auch seine Freunde nicht wirklich zu stören. Entsprechend positionierte er sich vor Amy.

»Du miese Schlampe hast mich abgedrängt!«

»Also erst einmal heisst es Miss miese Schlampe für dich und dann bliebe die Frage, habe ich irgendwas gemacht, was man nicht darf? Man hat mir nur gesagt, ich muss zu dem Parkplatz fahren, dieses Tuch holen und zurückkommen. Wer als Erster auf dem Parkplatz hier ist hat gewonnen. Guck, hier das Tuch!«

Amy wedelte es direkt vor seiner Nase hin und her. Der Kerl verlor die Beherrschung und versuchte Amy eine zu knallen. Für Amy kam die ausgestreckte Hand jedoch so langsam heran, dass sie sich sogar seine Fingernägel flüchtig anschauen konnte. Getroffen hatte er natürlich nicht. Von Amys Leuten mischte sich auch niemand ein, doch Viper und Morgen positionierten sich so, dass seine Freunde da nicht eingreifen konnten. Auch Rebekka und Janine waren einsatzbereit, um nicht willkommene Gäste von der Party fernzuhalten. Der Rest zog sich ein bisschen zurück. Waldemar, der Mutige, versuchte sich sogar hinter Elena zu verstecken, was die irgendwie so gar nicht toll fand.

»Sag mal, lackierst du dir die Fingernägel?«

»Du findest dich auch noch lustig, oder?«

Amy schaute sich ihre Fingernägel an. Die mussten zwar mal wieder neu gemacht werden, aber sahen soweit immer noch gut und dezent aus.

»Nein, aber vielleicht kann ich dir ja ein paar Tipps geben, wie der Lack länger hält!«

Der Spott war für ihn zu viel. Er ballte die Faust und versuchte sie genau in Amys Gesicht zu parken. Doch viel, viel zu langsam für Amys Reflexe. Sie wiche einfach aus und sah, wie die Faust neben ihrem Kopf ins leere ging.

»Was bist du denn so aggressiv? Willst du ernsthaft, dass ich dich hier vor deinen Kumpels auf die Matte lege?«

Und wieder ein Schlag. Wieder wich Amy aus und wieder fand sie das irgendwie lustig.

»Machst du da Schattenboxen oder wie?«

Als der nächste Schlag kam, war es Amy zu Dumm. Er schlug mit der Rechten, also wich Amy leicht nach Rechts, aus ihrer Sicht aus, griff nach seinem Handgelenk und fuhr den Ellenbogen aus. Wie erwartet traf sie damit genau seine Nase und die knackte hörbar. Nach einer Schrecksekunde hielt er beide Hände davor und fing an zu winseln. Blut trat hervor und Amy grinste.

»So mein Freund. Lass uns jetzt einfach mal Klartext reden. Wenn ich will, breche ich dir jeden Knochen einzeln, ohne dass du auch nur den Hauch einer Chance hast, mich überhaupt zu treffen. Aber, ich will mal nicht so sein. Gib meinem Freund sein Geld, dann kannst du dich ins Krankenhaus verziehen. Deine Schuld mit dem nackt ins McFly erlasse ich dir!«

Hinter seinen vorgehaltenen Händen war seine Stimme entsprechend dumpf, doch in seinem Blick war nur Hass.

»Packt sie!«

Amy schüttelte den Kopf. Es gab immer wieder Leute, die einfach nicht zu belehren waren. Sie schaute ihn an, während sie im Augenwinkel sah, dass einer, der auf sie zu wollte, unschöne Bekanntschaft mit Vipers Faust machte. Ein weiterer wurde irgendwie von Morgen in die Schulter gezwickt und brach wimmernd zusammen, während auch Janine und Rebekka mit den übrigen zwei Figuren so etwas wie einen Quickie machten. Es klatsche vier Mal und das kein Beifall. Mit blutender Nase schaute der Kerl sich um. Da lagen vier von seinen Kumpels neben ihm auf dem Boden, während der Rest offensichtlich keinen Bedarf daran hatte, sich ebenfalls blutige Nasen zu holen.

»Hör mal Kleiner. Ich bin nicht hergekommen, um euch zu verkloppen. Ich wollte einfach nur das Auto fahren, was mein Freund für mich aufgebaut hat. Aber ich bin nicht der einzige Rennfahrer hier. Die beiden Mädels und Katja da drüben sind ebenfalls total heiss auf ein Rennen.«

Viper räusperte sich.

»Ach ja, der versucht es auch manchmal. Warum also der Stress? Vorschlag von mir. Du lässt dich von einem deiner Mädels ins Krankenhaus bringen, der Rest bleibt hier und wir machen das, wofür wir eigentlich da sind. Ohne diesen Kindergarten. Was denkst du?«

»Das du eine elende Schlampe bist und ich dir jetzt …«

Wieder kam da eine Hand angeflogen. Der Typ war definitiv resistent gegen jede Art des lernen. Natürlich war es auch dieses Mal für Amy kein Problem, dem Schlag auszuweichen, doch dieses Mal brachte sie auch ihr Bein ins Spiel. Das kam mit einem Roundhousekick aus dem Stand bis an seinen Kopf und blieb dicht neben seinem Ohr stehen.

»So, jetzt sag das noch einmal! Junge ich schwöre dir, wenn du jetzt nicht die Bremse ziehst, müssen sie dich mit einem Krankenwagen abholen, ich hab langsam die Schnauze voll!«

Amy sah, wie der Typ sich das Bein an seinem Kopf anschaute, dann ihren Stand begutachtete und schliesslich wohl der Meinung war, nun hätte er seine Chance. Seine Schulter zuckte, Amy sah es und wertete es als den Beginn eines Schlages. Bevor der jedoch auch nur ansatzweise spruchreif war, krachte Amys Faust mit einer Wucht in seinen Brustkorb, dass er zu röcheln begann.

Amy hatte sich etwas zu Nutze gemacht, wodurch sie mit ihrer Kraft auch solche einen Muskelberg spielend in die Knie zwingen konnte. Der achtete nur auf ihre Beine. Da das Eine ja noch neben seinem Kopf war, konnte sie das Andere nicht einsetzen und er rechnete mit allem, nur nicht mit einem Schlag. Da bekanntlich aber die Schläge, die man nicht kommen sieht, am effektivsten sind und der von Amy auch noch so unglaublich schnell kam, hatte sein Körper keine Chance, auch nur einen Muskel anzuspannen. Noch einmal keuchte er, dann ging er zu Boden.

Amy schaute einmal durch die Runde, dann zog sie ihr Bein wieder ein und stellte sich sexy vor den Typ.

»Könnte den jetzt mal jemand in ein Krankenhaus bringen? Auf die Art tue ich dem nur noch mehr weh!«

Zwei seiner Kollegen, die eben auch auf dem Boden gekauert hatten, kamen heran, halfen ihm auf die Beine und brachten ihn zu einem der Autos. Als das losfuhr und sich auf dem Parkplatz zwei Fronten gebildet hatten, trat Amy hervor.

»Was ist? Machen wir jetzt weiter mit dem Scheiss, oder fahren wir noch ein paar Rennen? Aus meiner Sicht ist das Thema durch und wir haben keinen Grund uns zu streiten!«

Nun, einen Moment dauere es, dann lockerte sich die Situation. Gespräche wurden begonnen und alles deutete daraufhin, dass es noch ein schöner Abend werden würde. Markus hingegen hatte ein Funkeln in den Augen. Er schaute zu seiner Freundin und konnte gar nicht glauben, was er da für ein Glück hatte. Sie war echt ein Traum. Süss, sexy, schlagfertig, frech, konnte aber auch solche Kerle vermöbeln, ohne selbst in Bedrängnis zu geraten. Das war echt heiss zumal er ja wusste, im Spielzimmer konnte er sie verhauen, bis sie ohnmächtig war und sie liess es zu, obwohl sie ihn in wahrscheinlich nahezu jeder Situation auch problemlos den Arsch hätte verhauen können.

Es gab da aber noch jemand, der nicht nur wegen der ganzen Aufregung hohen Puls hatte. Der gute Waldemar, der die Aktion hinter dem Schutz von Elena beobachtet hatte, war unglaublich erregt. Amy bestätigte seine Formel so heftig, dass er sogar anfing schwer zu atmen. Nicht nur, dass Amy auf eine unglaubliche Art dieses Auto gefahren hatte, nein, sie zeigte auch diesem Kerl noch, wo der Hase langlief und war hinterher sofort wieder frech und goldig. Genauso, wie das sein musste und der Effekt stellte sich auch umgehend ein.

Natürlich registrierte Elena, dass Waldemar da hinter ihr schwer atmete. Sie hielt es aber für Angst, oder eine sonstige Art der Aufregung und nicht für Erregung. Ein Glück, denn es hätte ihr zum Einen das Herz gebrochen und zum Anderen wäre sie unglaublich sauer geworden. Es wäre gar nicht so unwahrscheinlich gewesen, wenn sie ihrerseits Waldemar die Nase verbogen hätte. Doch da sie es bei ihm ja eher für Angst hielt, war alles gut.

Da gab es aber noch zwei Personen, die dicht nebeneinander standen, die Situation verfolgt hatten und nun das Gleiche dachten. Beide waren der Meinung, so kämpfen zu können wäre doch eigentlich gar nicht schlecht und beide schrieben auf ihre ToDo-Liste, dass sie ihre neuen Freundinnen mal fragen würden, wie man das lernen konnte.

Donald hingegen war nur froh, dass der Mist vorbei war. Ihm reichte es völlig zu wissen, dass mit den Leuten um sich herum er keine Sorge haben musste. Auch nicht in der Nacht mit solchen Gestalten. Für ihn ein absolutes Plus!

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