Die Superhelden-Theorie

»Gar nicht so dumm, mein lieber Perry. Ja, es seinlassen wäre wirklich ein grösserer Verlust, als jemanden teilen zu müssen. Danke!«

»Ach du, nichts zu danken! Wir sind ja Kollegen, könnte man sagen.«

Markus grinste.

Unaufhaltsam schritt die Zeit voran. Mit der Zeit kamen und gingen die Getränke und der Alkoholspiegel stieg sichtlich. Bis schliesslich Zeit für den Aufbruch war.

Natürlich bestanden Alexis und Amy darauf, ins McFly zu laufen. Das war nicht weit weg und ein Ritual der Beiden. Eigentlich nur, wenn sie gearbeitet hatten, aber auch heute wollte es Amy unbedingt. Waldemar fand die Idee sogar grossartig, denn ihn quälte massiv der Hunger und ausserdem war sein Tagesplan komplett aus dem Ruder geraten. Tatsächlich interessierte ihn das jedoch wenig, denn wie auch er es erkannt hatte, sie waren in so einer Art Urlaub.

Der Weg zum McFly war auch nicht besonders lang und Perry bewunderte die Stadt. Alles war ja so unglaublich gross! Jedes Haus schien einfach nach oben nicht mehr aufhören zu wollen und das beeindruckte ihn. Auch Heinzfort hatte hohe Häuser und nicht gerade wenig davon, aber das hier war echt heftig.

Doch noch etwas war in New Apple grösser als in Heinzfort. Die Kriminalität! Keine fünf Minuten, nachdem die Gruppe das Hot-Shots verlassen hatte, stellten sich ihnen sechs junge Männer in den Weg, von denen zwei mit Messern spielten.

»So, so. Lustiger Abend gehabt?«

Viper, Derrick und Markus standen vor den Anderen.

»Genau und jetzt haben wir Hunger. Also bitte aus dem Weg!«

»Klar, aber gerne. Wenn ihr eure Brieftaschen nehmt und uns das Geld gebt, dann sind wir schon verschwunden!«

»Tolle Idee! Dann kriegen wir aber nichts mehr zu essen!«

»Mag sein, aber wir können dann was essen gehen!«

Amy drückte sich zwischen Viper und Derrick nach vorne, was Rebekka und Janine ihr nachmachten.

»Was wird das denn? Wir wollen Geld und keine Schlampen!«

»Hör mal Kleiner! Ich hab einen Ratschlag für dich. Nimm deine Jungs und geh woanders spielen. Ich bin zu besoffen und zu hungrig, um jetzt lange mit euch zu diskutieren!«

Nun zückte auch der Typ, der ganz vorne stand, ein Messer und liess es aufschnappen. Fast schon hektisch brachte er es direkt vor Amys Gesicht. Perry und seine Leute bekamen Panik.

»Ach und wenn nicht? Was machst du dann? Eine Trillerpfeife auspacken und um Hilfe rufen?«

Bevor der Kerl die Lage richtig erkannt hatte, hatte Amy schon seinen Arm gepackt und so verdreht, dass er das Messer fallen liess. Ein herannahender Kumpane des Typen verarztete Amy mit einem hohen Tritt an seinen Kopf. Aber auch Rebekka und Janine blieben nicht untätig. Rebekka stürmte auf einen der Typen zu und rammte ihm ihr Knie in den Bauch. Der keuchte und klappte zusammen. Noch ein Ellenbogen an den Hinterkopf und er ging schlafen. Dann eine Drehung von Rebekka mit ausgestrecktem Bein, wobei ihr Fuss genau das Kinn ihres Gegners traf und auch der ging schlafen. Janine hingegen sprang auf ihren Gegner zu, umklammerte seinen Hals mit ihren Beinen und fing an sich zu drehen. Er machte in hohem Bogen einen Abflug und der Kerl, der auf die am Boden liegenden Janine losgehen wollte, sah sich kurz darauf schon neben ihr. Ja, so ein Tritt in die Kniekehlen war schon effektiv. Noch ein Ellenbogen auf die Nase und die Jungs waren ausser Gefecht. Nur der, den Amy im Griff hatte, stand noch.

»Oh Mann, zum Glück habt ihr nichts drauf. Ich merk, ich bin dichter als ich dachte!«

»Frag mich mal! Das ich den Boden küsse war eigentlich nicht der Plan!«

»Boah seit ihr Weicheier! Ich merk es zwar auch, aber so schlimm ist nicht! Können wir gehen?«

»Ja, von mir aus. Hab immer noch super viel Hunger!«

»Amy, den solltest du aber hier lassen!«

Amy schaute Alexis Finger nach und bemerkte, dass sie immer noch das Handgelenk von dem Kerl verdreht hatte.

»Oha. Du sag mal Kumpel, wenn ich dich jetzt loslasse, bist du dann brav, oder muss ich dann noch deutlicher werden?«

»Nein, nein! Ich bin ganz brav, versprochen!«

Amy liess seinen Arm los und er ging in die Knie. Die Gruppe hingegen ging einfach unbeeindruckt weiter.

Während es für Perry, Donald, Katja, Claudia und Elena ein deutlich übertriebenes Erlebnis war, auf welches sie gerne verzichtet hätten, war Waldemar einfach nur beeindruckt und erweiterte seine Formel.

Person + Proportion + Outfit + Superheld + Normalität = gesteigerte Erregung. Ja, so schien die Sache zu passen! Es musste also eine Person sein, die Waldemar sympathisch fand. Da passten eigentlich alle Frauen der Gruppe. Selbst Alexis fand er durch ihre quirlige, offene Art irgendwie ansprechend. Die Proportionen mussten stimmen. Da fielen dann Janine, Rebekka und Claudia raus. Katja blieb nur gerade so dabei. Beim Outfit nahmen die Damen sich nichts. Jede hatte ihren Stil und der passte auch sehr gut zu ihnen. Beim Superheld flogen dann alle raus, ausser Amy, Rebekka und Janine. Nun kam aber die Normalität dazu. Sprich, Amy hatte gerade zwei Typen zerlegt, die ihr wirklich mit Gewalt gedroht hatten und blieb total normal. Sie grinste, lachte und hatte ihren Spass. Viper zum Beispiel war eine bedrohliche Person. Breites Kreuz, dicke Arme, bedrohlicher Blick. Bei ihm war es eher normal, dass man ihn als gefährlich ansah. Aber Amy? So zierlich und frech? Das war schon eine ganz andere Geschichte. Vorher war sie frech, hinterher war sie frech. Aber in dem Moment, wo sie die beiden Kerle auseinandergenommen hatte, war sie ernst und wirkte wirklich gefährlich. Ja, da war der Punkt erreicht, der den Ausschlag zu geben schien.

Das musste natürlich einer Kontrolle unterzogen werden. Nahm er die ganze Formal zusammen und wandte sie auf Rebekka an, war keine Erregung zu erzielen. Da schienen die Zeichen bei Proportionen und Normalität nicht zu stimmen. Bei Janine schon eher, denn die war ebenfalls vor und nach einem Einsatz absolut locker drauf. Aber da waren die Proportionen einfach zu falsch. Aisha und Alexis fielen irgendwie völlig raus. Da war das mit dem Superheld, was ja überhaupt nicht stimmte und auch alle anderen Punkte waren zwar nur relativ leicht daneben, aber eben daneben.

Auch Claudia konnte null Punkte einstreichen. Ausser bei Person und Outfit passte gar nichts in die Formel. Katja hingegen, die hatte auch so eine Art an sich und die Proportionen waren zumindest halbwegs gut. Sie war aber kein Superheld, hatte aber gelegentlich auch so diese Art, dass sie von dem einen auf den anderen Moment ernst sein konnte, dann aber wieder ausgeflippt war.

Elena punktete hingegen bei allem. Sie mochte Waldemar ohnehin am Meisten, die Proportionen waren perfekt, ihr Aussehen in der Regel sexy, aber nicht nuttig und was ihre Natürlichkeit anging, auch sie konnte radikal umschalten. Von lustig auf verbissen und zurück. Nur eben, sie war kein Superheld. Oder?

Waldemar dachte angestrengt nach. Elena hätte zwar gegen diese sechs Figuren locker den Kürzeren gezogen, doch war sie in anderer Hinsicht echt super! Sie konnte ihren Verstand einschalten. In dem einen Moment war sie eine Schlampe, die nur ficken im Kopf hatte, im nächsten Moment konnte sie Waldemar mit ihrem Verstand und ihrer Kombinationsgabe so überzeugen, dass er in ihr einen verwandten Intellekt erkannte. Ja, genau genommen war das auch eine Art Superkraft. Es gab ja viele Helden, die in ihrer alternativen Persönlichkeit tollpatschig, oder sonst wie negativ auffielen, in ihrer echten Haut dann aber total selbstbewusst und stark waren. Das konnte man auf Elena übertragen und vielleicht war sie ja kein Superheld an sich, aber wenn man die Definition ein wenig weiter auslegte, passt es dennoch und dummerweise spürte das Waldemar in seiner Hose. Sehr deutlich sogar!

Doch da sein eigentliches Anliegen damit eigentlich befriedigt war, hakte er das Thema ab und widmete sich im McFly dem Essen. Wie gewohnt musste jede einzelne Speise auf eine besondere Weise für ihn zubereitet werden. Alle sassen schon an den Tischen verteilt und futterten, während Waldemar noch auf sein Essen wartete.

Es war auf jeden Fall beeindruckend. Obwohl sie um die 5.000 Kilometer von ihrer Heimart entfernt waren, schien es im McFly nicht so zu sein. Da hätte es auch durchaus sein können, dass die Gruppe den Laden verliess und mitten in Heinzfort stand. Wohl auch aus dem Grund wirkte Amys Vertrautheit auch nicht so merkwürdig, wie zum Beispiel im Hot-Shots, oder ihrer Wohnung.

Katja fragte sich unwillkürlich, ob sie das auch können würde. In zwei Städten zwei Leben führen. Amy wirkte, als würde sie immer hier leben. Das McFly kannte sie sehr gut und auch beim Kauf des Essens hatte der Typ sie erkannt. Katja hätte mit der Situation so ihre Schwierigkeiten. Sie konnte nicht gut loslassen und immer ein Wechsel, für sie wäre das wohl nicht gegangen!

Print Friendly, PDF & Email

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.