Waldemar, ein Garant für Überraschungen

»Elena, seit wann kannst du das?«

Elena hing gerade nur mit den Füssen kopfüber an der Stange.

»Seit Jahren. Wenn ihr mir mal zuhören würdet wüsstet ihr das!«

Die Männer im Bus konnten vor Erregung kaum atmen. Selbst Markus schien die Sache kaum verkraften zu können, obwohl Amy dicht an ihm hockte. Dann kam Waldemar.

»Elena, wenn es mir gestattet ist, würde ich auch gerne etwas dazu sagen!«

Elena wirbelte gerade mit gespreizten Beinen um die Stange.

»Jede Form von negativer Kritik ist sofort abgelehnt Waldi!«

»Meine liebe Elena. Ich wurde in meinem ganzen Leben noch nie von den Bewegungen einer Frau, oder generell eines Menschen gefesselt. Doch siehst du mich hier voller Begeisterung! Deine Körperbeherrschung, deine Anmut, alles ist für mich kaum zu glauben! Du siehst mich wirklich in einer Situation, in der ich Gefallen an deinem Körper finde!«

Obwohl sie gerade voll in einer Drehung war, schlug sich Elena entsetzt die Hände vor den Mund. Da sie dadurch natürlich den Kontakt zur Stange verlor, flog sie einwandfrei ab.

»Oh Scheisse!«

Rief sie noch und krachte mit Elan in Markus und Amy. Markus, der Hintern und Beine abbekam, registrierte es erst, als es zu spät war. Doch Amy, dank ihrer trainierten Reflexe, sah Elena anfliegen, breitete die Arme aus und fing sie sanft auf.

»Waldemar hats drauf!«

»Öhm ja! Waldi? Dein Ernst? Ich hab dich erregt?«

»Eine Gemütsregung, meine teure Freundin. Keine Erregung im sexuellen Sinne!«

Rebekka, die neben Waldemar sass, wollte das so nicht akzeptieren. Ein beherzter Griff sollte Klarheit schaffen.

»Jupp. Entweder Mini-Penis, oder da ist nichts hart geworden.«

»Meine liebste Rebekka. So sehr ich deine Anwesenheit auch schätze, es gibt einen intimen Bereich an mir, der für andere Personen unzugänglich ist!«

»Ach ja? Schön! Verklag mich doch!«

»Also, nein. So weit geht das nun nicht. Doch wäre ich hoch erfreut, wenn du zukünftig meinen Intimbereich akzeptieren würdest.«

Nachdem sie nach einer lustigen und ausgelassenen Fahrt das Ziel erreicht hatten, konnte Markus nun endlich angeben. Zwar bei Perry und Donald und nicht bei den Frauen, aber die Beiden waren total begeistert von den Autos und erst als sie in der Wohnung waren, konnten sie das alles nicht fassen und bewunderten lautstark.

»Warum sind Kerle eigentlich so?«

»Ich weiss es nicht Amy. Hat vielleicht was mit den Hormonen zu tun, oder was weiss ich. Auf jeden Fall finde ich es auch ziemlich bescheuert.«

»Waldi sag mal, könntet ihr euch denn noch nicht solche Autos und so ein Haus leisten?«

Waldemar konnte die Preise natürlich nur schätzen und dennoch hatte er schnell ein Ergebnis.

»Nein, liebe Janine. Auch wenn wir unser ganzes bisheriges Vermögen heranziehen würden und der Preis des Hauses nur halb so hoch wäre, wie in meiner Schätzung, wären wir nicht dazu in der Lage, so eine Immobilie zu erstehen.«

»Und du findest das Haus nicht schön?«

»Schönheit ist subjektiv. Es mag ästhetische und architektonische Gründe geben, dieses Haus als schön anzusehen, doch wenn ich die von mir festgelegten Parameter für eine Unterkunft heranziehe, wäre diese Behausung bestenfalls Durchschnitt. Sehr viel Platz, den man nicht effizient nutzen kann. Sehr grosse Fenster, die eine entsprechende Klimatisierung notwendig machen und keinen Nutzen haben, als nach draussen zu schauen. Dazu die Treppe mitten im Raum. Stufen von dem einen Bereich in den Anderen. Sehr viel unnutzbarer Platz. Zudem sehe ich nur wenige Steckdosen. Keine Möglichkeit, einen Flachbildschirm aufzuhängen und wenn ich nach oben schaue und das offene Treppenhaus sehe, fällt mir wieder viel Fläche auf, die einfach ungenutzt und überflüssig ist. Aus meinem Blickwinkel ist dieses Haus unserer Wohnung um Faktor drei unterlegen!«

»Alter! Du kannst doch nicht so ein Haus mit eurer Wohnung vergleichen!«

»Doch, natürlich kann ich das, liebe Amy! Ich bin auch dazu in der Lage, es mit deiner Wohnung hier in New Apple zu vergleichen!«

»Ach ja? Wie schneidet die ab?«

»Unter der Prämisse, dass die Wohnung von einer Einzelperson bewohnt wird, ist sie äusserst funktional! Der offene Grundriss spart den Platz der Wände ein und lässt die ganze Wohnung etwas grösser Erscheinen. Auch sind alle Wände nahezu voll nutzbar und ich habe eine äusserst hervorragende Stromversorgung gesehen. Darüber hinaus scheint mir die Türsteuerung gänzlich hervorragend zu sein und das ganze Paneel ist zusammen mit Heizung und Klimaanlage ebenfalls funktional und zentral zu erreichen. Ich für meinen Teil sehe einen ähnlichen Faktor wie bei unserer Wohnung!«

»So, so. Pragmatiker?«

»Korrekt, mein lieber Freund Markus!«

»Dann verrate mir mal was. Warum hast du Freunde? Warum baust du ein Auto, warum verstehst du dich mit Amy und den Anderen?«

Tja, nachdem Waldemar ohne nachzudenken die ganzen Vorteile aufgezählt hatte, guckte Markus richtig dumm.

»Leg dich nicht mit ihm an Schatz. Was das angeht, ist er einmalig. Aber du kannst ihm mal deinen Toaster zeigen, dann bricht er zusammen.«

Amy lachte.

»Meine liebe Amy. Das meine Mitbewohner mich wegen meinen Bedienschwierigkeiten mit einem neuen Haushaltsgerät aufziehen, damit habe ich mich mittlerweile arrangiert. Ich denke aber doch, dass du über solch banalen Spitzen stehst!«

»Och Waldi, ich stehe oft über Spitzen. Dann setze ich mich aber und lasse die Spitzen verschwinden!«

Es wurde gelacht. Nur Waldemar lachte nicht, denn er verstand es nicht.

»Verzeih, aber ich kann dir im Moment leider nicht folgen, teure Amy.«

»Ach Waldi. In dem Fall ist Spitze das Synonym für den Schwanz.«

Waldemar schüttelte den Kopf.

»Hab dank Elena. Amy. Gibt es denn wirklich nichts, was du nicht gleich mit Sex verbindest?«

»Zum Glück nicht Waldemar!«

»Was hat das mit Glück zu tun Markus?«

Rebekka legte Waldemar die Hand auf die Schulter. Elena sah es und wäre vor Eifersucht gerne explodiert. Doch sie sah auch Waldemars Gesichtsausdruck, der keines Wegs Spass an der Geste zu haben schien. Seine Seele und so.

»Waldi. Sex ist etwas grossartiges und auch wenn du es nicht verstehen kannst, die meisten Menschen sind bestrebt diesen auszuüben! Du bist so ein schlauer Kopf und trotzdem bist du nicht in der Lage, da deine Schlüsse zu ziehen, oder einfach mal zu sagen, du probierst es einfach! Nein, du wehrst dich mit Händen und Füssen.«

»Zurecht Rebekka! Würdest du bitte deine Hand von meiner Schulter nehmen?«

Genervt nahm Rebekka ihre Hand wieder weg.

»Das musst du mir mal erklären Waldemar. Was hast du für Probleme mit Sex?«

Sofort sprangen alle, die Waldemar schon länger kannten herbei und versuchten Markus von der Frage abzuhalten. Vergebens.

»Nun, mein lieber Markus. Sex ist ein Akt der Fortpflanzung. In unserer aufgeklärten Zeit sollte er dementsprechend nur dann ausgeführt werden, wenn Nachwuchst gewünscht ist. Würden die Menschen sich auf ihre Fähigkeiten besinnen und diese einsetzen, gäbe es deutlich weniger Streit auf der Welt, weniger Kriege und es gäbe viel mehr Produktivität. Doch nein. Nahezu jeder Erwachsene, oder jede Person über 13 Jahren denkt fast ausschliesslich an Sex. Diese Zeitverwendung ist unglaublich. Zudem es nicht einmal um den Zweck des Verkehrs geht, denn der wird möglichst unterdrückt.«

»Hmm. Okay Waldemar. Dann frag ich dich, warum führst du keine Studie, um deine These zu belegen?«

Waldemar horchte auf.

»Das ist eine überaus gute Frage Markus! Meine Damen, wärt ihr bereit mir für einige Fragen und Experimente in naher Zukunft zur Verfügung zu stehen?«

»Wenn die Experimente dich als Versuchsobjekt einschliessen ja!«

Waldemar schaute zu Elena. Dann zu Markus.

»Sehr gut Markus! Ausgezeichnet! Du hast mir eine derart gut getarnte Falle gestellt, dass ich hinein getappt  bin! Hervorragende Arbeit, meine Hochachtung!«

Amy drückte sich an Markus. Das er Waldemar so hatte auflaufen lassen, gefiel ihr unwahrscheinlich gut.

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