Janine in ernsten Schwierigkeiten

Von alle dem bekam Janine natürlich nichts mit. Sie merkte nur eines und das ziemlich deutlich! Lange hatte sie sich nicht mehr so toll beim essen amüsiert, wie mit Kincaid. Die Beiden lachten unglaublich viel, Kincaid liess sich durch nicht eine Geschichte von Janine verunsichern und dabei schaute er sie dauernd mit einem Blick an, der einfach nur Wahnsinn war. Auch wenn Janine sich mit aller Macht dagegenstemmte, sie bekam ein immer wärmeres Gefühl in die Brust mit jeder Minute, die sie in Kincaids Nähe war.

Der Rest des Rückwegs war weniger spektakulär, zumindest im Sinne von nicht ganz legalen Strassenrennen. Janine blieb wieder bei der Geschwindigkeitsbegrenzung und erklärte Kincaid dabei, was der Lion alles drauf hatte. Nun, eigentlich erklärte sie nicht so viel, sondern liess den Lion für sich selbst sprechen.

Kincaid war sichtlich beeindruckt. Das war kein Auto, es war ein Raumschiff, was sich auf die Strasse verirrt hatte. Für jeden kleinen Mist hatte das Auto eine Funktion zu bieten. Selbst die Geschwindigkeit stellte kein Problem dar. Obwohl das Auto wirklich mehr als viel Leistung hatte, auch an eine 30 Km/h Beschränkung konnte sich Janine spielend halten. Wohl auch, weil das Auto die Strassenschilder las und selbst wusste, wie schnell man sein durfte. Im Anschluss sorgte der Lion dafür, dass diese Geschwindigkeit nicht überschritten werden konnte, selbst wenn Janine Vollgas gab.

Aber auch ansonsten wusste der Lion zu überzeugen. Als er Kincaid erklärte, wie er selbst durch intelligente Einstellungen den Treibstoffverbrauch bei solchen Fahrten extrem reduzieren konnte, war das für Kincaid hoch bemerkenswert! Boliden mit solcher Power verheizten normalerweise schon tonnenweise Treibstoff, wenn man nur an das Anlassen dachte. Der Lion hingegen schien auch in dieser Hinsicht ein Prachtstück zu sein. Dabei wäre es für Janine ja eigentlich egal gewesen, wie viel Sprit durch den Motor gejagt wurde. Geld hatte sie ja genug.

Bei ihrer Rückkehr war sich Kincaid nicht mehr ganz sicher, wie er das Verhalten von Janine werten sollte. Es war noch nicht sonderlich spät und dennoch drängte Janine ihn fast dazu, schnell auszusteigen. Er bekam zwar zum Abschied noch einen leidenschaftlichen Kuss, doch irgendwie fand er es viel zu früh, diesen wundervollen Tag schon zu beenden.

Hinter ihrem Verhalten steckte natürlich auch ein Grund. Kaum war er ausgestiegen, heizte Janine schon wieder los. Kincaid überlegte kurz. Laut der Gruppe war Veronika wieder in der Kommune und ein paar der Jungs. An Sex dachte er zwar nicht, aber zumindest einen Plausch hätte er noch halten können. Doch nein. Janines überstürzter Abgang hing in seinen Gedanken und er trat den Heimweg an.

In der Werkstatt, dass Tor stand natürlich offen, hörten die Leute bald das typische Geräusch des Lion. Der schien dieses Mal jedoch deutlich schneller unterwegs zu sein. Dann veränderte sich das Geräusch deutlich. Die Reifen quietschten, dann sah man einen sich um 180 Grad drehenden Lion vor die Garage rutschen und perfekt vor dem Bordstein stehenbleiben. Janine kam herausgesprungen.

»Rebekka? Trab mal an! Schnell!«

Amy schaute verwirrt zu Rebekka, doch die hob nur unwissend die Schultern. Doch wenn ihre Freundin so drauf war, hatte das auch was zu bedeuten und natürlich machte sie sich sofort auf den Weg. Janine nahm sie bei der Hand und zog sie ein Stück die Strasse runter.

»Ich hab Probleme Rebekka!«

Die Worte beunruhigten Rebekka zutiefst. Normalerweise war Janine eine, die man durch nichts aus der Ruhe bringen konnte. Überall sah sie  nur das Positive und jede noch so beschissene Situation nahm sie mit Humor. Sie nun so zu sehen konnte nur bedeuten, etwas wirklich dramatisches war passiert.

»Dann erzähl mal! Hellsehen kann ich noch nicht!«

»Ich war doch heute mit Kincaid unterwegs. Ich hab ihm das Flugzeug gezeigt und …«

»Sag mir bitte nicht, der gehört zur Regierung und die wissen jetzt, dass unsere Maschine nicht einfach eine Serienversion ist!«

»Darf ich vielleicht erst einmal ausreden? Nein! Natürlich ist er nicht von der Regierung! Es geht auch gar nicht um die Maschine. Wir sind gefahren und haben uns die ganze Zeit echt gut unterhalten. Ich hab ihm dauernd versucht zu demonstrieren, dass ich keine gute Wahl als Freundin bin, aber er lässt einfach nicht locker! Im Flieger haben wir dann gevögelt und er ist in etwa 40 Minuten zwei Mal gekommen und dann auch klein geworden. Dann die Rückfahrt. Ich hab einen Bürzel zerlegt und danach haben wir dann auf dem Beifahrersitz rumgemacht. Wir waren essen und …«

»Janine! Willst du mir jetzt etwa sagen, dass du dich verliebt hast?«

»Das weiss ich doch nicht Rebekka! Das ist aber alles total komisch! Wenn er mich so anschaut hab ich Feuer in der Brust. Wenn ich ihm wieder was erzähle, um ihn von mir weg zu drängen und er schaut mich dann so verzückt an, hab ich Ameisen im Bauch. Auch beim Abschiedskuss eben. Was ist das und wie kriege ich das wieder weg?«

Rebekka blieb stehen und stemmte die Fäuste in die Hüfte.

»Dein Ernst? Du willst also nur das ich dir sage, dass du keine Gefühle für ihn hast? Wie alt bist du? Du weisst ganz genau wie es sich anfühlt, wenn man sich verliebt! Also erzähl mir jetzt nicht, du wüsstest nicht was du hast!«

Janine schaute beschämt zu Boden.

»Aber das geht doch nicht! Wir wohnen 50 Kilometer auseinander. Ich hab mein Leben! Ausserdem hab ich ja Amy und mit Claudia fängt da auch was an. Wie kann ich da noch einen Kerl ins Boot holen?«

»Du bist echt lustig! Zwischen Amy und Markus liegen fast 5.000 Kilometer und es funktioniert! Also mit dem Argument kannst du nicht kommen! Auch das du was mit Amy hast zieht nicht, die hat schliesslich auch was mit Phillip und Markus! Claudia? Na ja. Die hat Donald.«

»Mahan! Ich hab dich gerufen, damit du mir hilfst und nicht um mich zu belehren!«

»Ja, aber wie soll ich dir denn helfen? Ich kann weder Gefühle herbeizaubern, noch abschalten! Da solltest du vielleicht eher Pascal fragen!«

»Dem kann ich das doch nicht erzählen! Der hält mich für …«

In dem Moment klingelte ihr Handy. Sie schaute drauf und war entsetzt.

»Wie zur Hölle macht der das immer?«

Sie nahm den Anruf an und hielt sich das Handy ans Ohr.

»Ja! Woher weisst du … Ja, schon klar! Aber trotzdem ich … ach denkst du? Bist du dir da auch ganz … ja, ja, ich weiss schon. Dank dir!«

Sie beendete das Gespräch und steckte das Handy wieder in die Hose.

»Sag mal, könnte da vielleicht doch was dran sein, dass er ein Dämon ist?«

»Bei Pascal ist alles möglich! Was hat er denn gesagt?«

»Ganz einfach. Was mit Kincaid passiert wäre ganz allein meine Entscheidung. Gebe ich mich meinen Gefühlen hin, wird nichts schlimmes passieren, auch nicht mit Amy und Claudia. Tue ich es nicht, passiert genauso wenig. Ich könne mich entscheiden und muss keine Konsequenzen fürchten.«

»Konsequenzen gibt es immer!«

»Klar, aber ich muss sie nicht fürchten. Hab ich doch gesagt!«

»Und wie entscheidest du dich jetzt?«

»Wenn ich das nur wüsste! Rebekka, du weisst so gut wie ich, ich und Männer das war bislang immer nur eine sexuelle Kiste. Ich weiss gar nicht, wann ich das letzte Mal in einen Kerl verliebt war, oder ob ich es überhaupt schon war. Das macht mich gerade total fertig!«

»Wo liegt eigentlich dein Problem? Versuch es einfach und vielleicht funktioniert es ja? Wenn nicht, Herzschmerz geht vorbei! Oder lass es einfach bleiben! In vier bis sechs Monaten verschwinden die Gefühle wieder. Das ist ganz normal!«

»Du hast gut reden! Dir ist so etwas ja auch noch nicht passiert!«

»Ach nein? Ich war ja noch nie verliebt in meinem Leben!«

»Und wie lange ist das her?«

»Ein paar Jahre.«

»Echt jetzt? Wer war es?«

»Na wer wohl!«

»Hallo? Sag schon!«

»Na Derrick! Das war damals fast Liebe auf den ersten Blick, obwohl er weder mein Typ ist, noch ich seine Art gut fand. Gefunkt hat es trotzdem sofort und was glaubst du wie mir das Herz geschmerzt hat, als er da mit seiner Fähigkeit ankam und die auch noch bei anderen Frauen eingesetzt hat. Überleg mal, damals war ich ja noch nicht so wie heute. Damals stand ich noch auf Treue, Liebe bis in den Tod und so romantischer Kram. Denkst du, es war damals leicht für mich? Aber ich hatte dann ja bald Amy und von da an wurde alles besser. Schau wie es mir heute geht! Egal was kommt, du hast uns. Das kann dir niemand mehr nehmen!«

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