Waldemars Unaufmerksamkeit

Nachdem Perry sich wieder gefangen hatte, ging die Arbeit am Garzella weiter. Rebekka ging kontrollieren und konnte freudig vermerken, Katja bekam es auch ohne ihre Anleitung mittlerweile wirklich gut hin. Noch ein bisschen und sie konnten den zweiten Testlauf starten, auch wenn es draussen langsam dunkel wurde.

Waldemar hingegen war verbissen bei seinem Schaltplan. Microcontroller, Widerstände, Displays, Sensoren, mit jedem Bauteil wurde das Bild komplizierter und verwirrender. Dennoch behielt Elena, zu ihrer eigenen Verwunderung, den Überblick. Einmal konnte sie Waldemar sogar auf einen Fehler hinweisen. Der war zwar eher irrelevant, da er lediglich die Kabelfarben für VCC und GND vertauscht hatte, aber dennoch war es ihr aufgefallen. Waldemar zeigte sich hoch erfreut. Wie er sagte, war das kein Fehler von ihm, sondern ein Test um herauszufinden, ob Elena die Lage wirklich erfassen konnte. Bei jedem Anderen wäre diese Aussage sofort als Tarnung für den eigenen Fehler identifiziert worden, doch bei Waldemar glaubte es Elena.

Nach dem letzten Kabel begutachtete Waldemar noch einmal seine Arbeit, doch da er keinen Fehler finden konnte, was er jedoch als normal erachtete, druckte er den Plan aus und kam in die Werkstatt. Perry und die Anderen gingen davon aus, er würde nun zur Rückkehr rufen, da es schon nach 22 Uhr war und sie eigentlich bereits viel zu lange in der Werkstatt waren. Doch nein. Er bereitete die Werkbank vor, damit er löten konnte und schon war er bei der Arbeit.

Das musste Donald sich ansehen. Er hatte noch nie gesehen, dass Waldemar einen Lötkolben in der Hand hatte, doch was er zu sehen bekam verschlug ihm die Sprache. Mit absoluter Präzision ging Waldemar an die Arbeit und schon nach wenigen Minuten war ein grosser Teil seines Schaltplans Realität geworden.

Natürlich wies niemand Waldemar auf die Uhrzeit hin. Alle hatten die Hoffnung, wenn Waldemar noch weiter die Zeit unberücksichtigt lassen würde, könnten sie den Einbau der Bremse noch beenden und vielleicht auch noch den Testlauf angehen.

Auch Elena hatte das natürlich bemerkt und immer, wenn Waldemar den Anschein erweckte auf die Uhr schauen zu wollen, lenkte Elena ihn mit einer Frage ab. Für sie war das erfolgreich, denn tatsächlich schaute Waldemar nie auf die Uhr, doch für ihn wurde es immer beklemmender. Elena strahlte etwas aus, was für ihn sehr ansprechend war. Ihr Wissensdurst und die Fähigkeit, die Informationen auch gleich korrekt nutzen zu können machten sie auf eine Art attraktiv, die Waldemar bislang noch nie bei einer Frau erlebt hatte.

Als Katja die Arbeit beendet und Donald das Rad wieder angebracht hatte, eilte Rebekka zu Janine und Claudia, die nach wie vor kuschelnd auf dem Tisch lagen.

»Los ihr Turteltauben! Wir haben eine Bremsanlage zu testen!«

Beide Mädels waren erst genervt, dann jedoch neugierig. Natürlich wollten auch sie wissen, wie sich der Umbau schlagen würde. Waldemar blieb gänzlich unbeeindruckt und arbeitete unbeirrt an seiner Platine. Er bekam zwar mit, dass die Anderen das Auto raus fuhren, störte sich jedoch nicht daran.

Wieder fuhr Rebekka, während Donald und Perry die Linie markierten, an welcher sie auf die Bremse treten sollte. Mit 50 Km/h kam sie heran, erreicht die Jungs und trat wieder voll auf die Bremse. Sofort sah Perry, dass der Bremsweg deutlich geringer ausgefallen war. Katja und Claudia markierten den Punkt, wo der Wagen zum stehen gekommen war, während Janine und Elena die Vermessung übernommen hatten.

Das Ergebnis war heftig. Nie hätten die Jungs sich träumen lassen, dass die neue Bremse einen derartigen Unterschied machen würde. In der Tat waren die Mädels aus Neunburg ein Glücksgriff. Die wussten ganz genau, was man da haben musste.

Einer gefiel die Sache jedoch besonders gut. Katja. Sie hatte mit ihren Händen das Auto auf diese Weise verbessert und der Stolz war enorm. Ihr fiel dabei auch etwas auf. Gefühle dieser Art hatte sie bislang noch nie. Ein Umstand, welcher ihrer Faulheit geschuldet war. Da sie in ihrem Leben noch nie wirklich gearbeitet hatte, vor allem nicht körperlich, hatte sie auch noch nie diese Zufriedenheit in sich, etwas mit eigenen Händen geschaffen zu haben. Ein Gefühl, welches ihr überaus gut gefiel und was sie hoffentlich nicht zum letzten Mal verspürte.

Zurück in der Garage war Waldemar gerade dabei, die Lötstation zu deaktivieren. Entweder war er fertig, oder die Uhrzeit war ihm doch aufgefallen. Mittlerweile war es fast Mitternacht und Waldemar immer noch auf den Beinen. Nun war es Elena, die schliesslich doch auf die Uhrzeit hinwies. Wohl wissend, dass derzeit ohnehin nichts mehr nennenswertes am Auto gemacht werden konnte und wenn Waldemar soweit fertig war, konnten sie auch den Rückweg antreten. Sie verspürte ein Hungergefühl, aber auch Neugier. Da Amy ja immer noch nicht aufgetaucht war, konnte sie entweder nicht mehr laufen, oder Kincaid war immer noch nicht am Ende seiner Leistungsgrenze angelangt.

»Meine Güte! Warum informiert mich niemand über die Uhrzeit? Ich bin weit hinter meinem Tagesrhythmus!«

»Ach, wir dürfen also nicht so vertieft in unsere Arbeit sein, um die Uhrzeit aus den Augen zu verlieren? Das Privileg hast nur du?«

»Sei bitte nicht albern Donald. Es ist doch bekannt, dass eure Konzentrationsspanne der meinen nicht ebenbürtig ist!«

»Alter, bist du unterzuckert? Schieb jetzt nicht uns den schwarzen Peter zu, du hättest genauso auf die Uhr gucken können wie wir!«

»Ich muss nun aber dringlichst darauf bestehen, dass ich umgehend nachhause gebracht werde! Auch wenn es mir natürlich nicht gelingen wird, die verlorene Zeit wieder einzuholen, muss ich dennoch noch etwas essen und versuchen, sobald als möglich in den REM-Schlaf zu gelangen.«

»Schieb jetzt keine Panik, wir packen ja schon zusammen. Gleich geht es zurück.«

Panik schob Waldemar zwar nicht, aber es ging ihm dennoch alles viel zu langsam und das brachte er durch seine Art deutlich zum tragen.

Zurück im Haus bestand er schlussendlich darauf, dass zuerst er in die Wohnung fahren durfte und die, die nach Amy schauen wollten, anschliessend nach unten laufen sollten. So stiegen also alle auf der Etage der WG aus, währen alle, mit Ausnahme von Waldemar, sofort die Treppe nahmen, um eine Etage tiefer zu gelangen.

Vor der Gruppen-Wohnung war alles verdächtig still.

»Meint ihr, die leben noch?«

»Mach die Tür auf und guck Janine. Anders wirst du es nicht herausfinden!«

Janine öffnete die Tür und langsam bewegte sich die Gruppe in die Wohnung. Alles leer. Das war gut, denn es hiess, hier lagen auch keine zu Tode gevögelten Menschen herum. Doch, wo waren die Beiden?

Im Flur zeichnete sich schon der Aufenthaltsort ab. Die Dusche war zu hören. Wieder spielte Janine Vorreiter. Langsam öffnete sie die Tür und schaute herein. Es war jedoch nicht die Dusche, die da lief. Es war die Badewanne. Darin sah sie den Kopf von Kincaid und eine Amy, die offensichtlich Rodeo auf ihm ritt.

»Echt jetzt? Immer noch?«

Amy, die langsam erschöpft zu sein schien, stöhnte nur und nickte in ihre Richtung. Auch die Anderen betraten das Badezimmer und standen ungläubig da.

»Kann ja nicht wahr sein. Noch keine Ausfallserscheinungen?«

Kincaid drehte den Kopf.

»Nö. Ich hab ihr schon dutzende Male gesagt, solange das Ding benutzt wird, bleibt es stehen. Sie will aber nicht hören.«

»Alter, du musst doch mittlerweile wund sein!«

»Ich? Nö. Nur Amy geht langsam der Saft aus, deshalb sind wir in die Wanne. Sie will ja nicht aufgeben!«

Donald schüttelte nur den Kopf.

»Vergiss es! Ich höre erst auf, wenn der klein wird!«

Amy schien wild entschlossen, doch offensichtlich war sie schon nicht mehr so gut bei Kräften. Janine und Rebekka sahen deutlich, dass sie nicht ansatzweise so wild war, wie normalerweise.

»Der wird so aber nicht klein! Das kann ich dir garantieren! Noch nie hat es eine Frau geschafft mich so lange zu verwöhnen, dass der nicht mehr wollte. Du hast nur die Chance, dass ich irgendwann einschlafe und er dann klein wird!«

»Mir egal! Ich höre erst auf, wenn der die Spannung verliert!«

»Bringt es dir denn was Amy?«

»Ob es mir was bringt Katja? Hallo? Ich weiss gar nicht, wie oft ich mittlerweile gekommen bin. Alleine die Tatsache, dass ich nur ficke um was raus zu finden ist total geil!«

Katja hatte augenblicklich das Verlangen, Perry ins Bett zu bringen. Amy tat genau das, was sie selbst unendlich geil fand. Sex um etwas zu beweisen, oder etwas zu prüfen. Sofort hatte sie absolut weiche Knie und die würde sie gleich einsetzen. Auch um ihrem Schatz zu Beweisen, dass er für sie der Beste war.

Print Friendly, PDF & Email

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.