Das Volk ohne Namen

Einige Tage vergingen noch, bis der Kreuzer sein Ziel endlich erreichte. Zum Einen war das System doch schon ein gutes Stück entfernt, zum Anderen hatte der Kurs des Kreuzers für einen verlängerten Weg gesorgt. Doch schliesslich trat das Schiff in das System ein und fiel in den Normalraum. Tiffany und Ruug befanden sich auf der Brücke.

»Kommandant, vier Schiffe haben Kurs auf uns genommen. Sie scheinen stark bewaffnet zu sein. Laut unserer Datenbank könnte das zu einem Problem werden!«

»Ja. Könnte. Ich glaube aber nicht, dass die hier sind um uns anzugreifen. Warten sie ab, bis die Schiffe in Reichweite sind, dann funken sie mal eine nette Begrüssung.«

So geschah es. Die Schiffe kamen in Reichweite, die Begrüssung wurde abgesetzt und dann kam Antwort. Auf dem Hauptschirm, welcher im Kreuzer eigentlich nur eine Projektion in der Luft war, erschien ein Wesen, was aussah wie glibberiger Schleim in teilweise humanoider Form.

»Nennen sie ihr Anliegen!«

»Wir sind auf der Suche nach bestimmter Technologie im Navigationsbereich. Unser Anliegen ist, hier Handel zu treiben!«

»Halten sie ihre Position, wir kommen für eine Inspektion an Bord!«

»Steuermann, alles stopp! Halten sie unsere Position!«

Der Befehl wurde ausgeführt.

»Wir halten die Position. Doch würde ich gerne wissen, welche Inspektion sie durchführen wollen.«

»Sicherheitsbestimmungen. Kein Schiff mit potentiell gefährlicher Fracht darf den Planeten anfliegen!«

Damit konnte Tiffany leben und gab ihr Einverständnis. Doch dockten die Fremden nicht am Kreuzer an. Eines der Schiff kam heran, hielt seine Position so, dass eine der Luftschleusen in Reichweite war und kurz darauf kam ein Dutzend Tropfen auf den Kreuzer zu geschwebt. Sie klatschten wie Regentropfen auf die Hülle und glitten dann in die Schleuse. Tiffany stand bereit, sie zu empfangen.

Als die innere Tür geöffnet wurde, schwappten kleine Wellen in das Schiff. Sie blieben wie Pfützen auf dem Boden liegen. Pfützen aus Öl, so schien es zu sein. Dann erhoben sie sich und formten teilweise Humanoide Körper. Augen, oder sonstige Details waren jedoch nicht zu erkennen.

»Willkommen an Bord! Sagen sie uns, was sie sehen wollen. Das Schiff steht ihnen offen!«

Sofort wurden die Fremden wieder zur Pfütze und fingen an, über die Wände zu gleiten. Tiffany, Ruug und zwei weitere Besatzungsmitglieder eilten hinterher. In den meisten Sektionen hielten sich die Fremden nicht lange auf. Sie glitten einmal rückstandsfrei über alles und dann ging es schon weiter. Erst im Frachtraum schien die Inspektion intensiver zu werden. Jeder einzelne Behälter wurde von so einem Wesen umflossen, dieser verharrte einen Moment und dann ging es zum nächsten. Bis wirklich jede noch so kleine Kiste abgetastet war.

Diese Nummer dauerte in der Tat Stunden. Auch wenn Tiffany immer mal wieder eine Frage stellte, kam keine Reaktion. Wäre Ruug nicht gewesen, der immer wieder beschwichtigend auf sie einredete, hätte sie womöglich irgendwann die Geduld verloren. So wartete sie jedoch geduldig ab.

Nach wirklich vielen Stunden formierten sich wieder Körper aus den Pfützen.

»Wir konnten keine für uns gefährlichen Substanzen oder Gegenstände feststellen. Ihr Lager scheint auch mit durchaus interessanten Handelsgütern ausgestattet zu sein. Wir werden ihren Flug freigeben!«

»Vielen Dank! Haben sie auch …«

Schon waren die Wesen wieder flüssig und eilten zur Luftschleuse. Zum ersten Mal hatte Tiffany die Möglichkeit, ihr Handeln zu kontrollieren. Die Pfützen lagen in der Luftschleuse und warteten offensichtlich darauf, dass die Tür geschlossen und der Druckausgleich hergestellt wurde. Es wäre die einzige Möglichkeit gewesen, ihnen etwas zu diktieren. Doch irgendwie schien der Zeitpunkt falsch. Tiffany aktivierte die Schleuse und sah kurz darauf, wie das Öl wieder zu seinem Schiff strömte. Also, zurück auf die Brücke.

Rund eine Stunde später setzte der Kreuzer auf dem Planeten auf. Der Planet, oder viel mehr seine Architektur war komplett anders, als Tiffany es gewohnt war. Normalerweise waren künstliche Bauten immer klar von natürlichen Formationen zu erkennen. Hier jedoch war alles vollkommen organisch. Tiffany konnte nicht erkennen, ob hier etwas gebaut, oder nur für den jeweiligen Zweck in die Natur geschlagen wurde. Beeindruckend, definitiv. Auch war sich Tiffany nicht ganz sicher, wie gross hier eigentlich alles war. Sie konnte nicht erkennen, was Gebäude und was natürlich war.

Zum Glück wusste Ruug, wie man sich auf dem Planeten verhalten musste. Zusammen mit Tiffany und wieder zwei Begleiter suchte er in einem der organischen Gebäude einen Raum auf. Der schien eigentlich eine Höhle zu sein, auch wenn die Abmessungen recht definiert schienen. Allerdings war hier alles leer. Nur eine grosse Pfütze aus gelblich schimmernder Flüssigkeit lag herum. Tiffany musste schmunzeln. Das sah fast so aus, als hätte sich hier jemand erleichtert.

Doch nein. Aus dieser Pfütze formierten sich gleich mehrere Gestalten.

»Seien sie gegrüsst! Wer uns aufsucht, hat eine gute Wahl getroffen! In technischer Hinsicht werden sie auf dem ganzen Planeten keine bessere Ware finden, als hier bei uns!«

»Das klingt doch vielversprechend! Aber, wieso sprechen sie unsere Sprache?«

»Sie missverstehen die Situation! Wir sprechen unsere Sprache! Der Raum ist von einem Feld umgeben, welches aus Schallwellen eine Modulation macht, welche universell ist! Dringt sie an ihre Hörorgane, wandelt ihr Verstand diese in eine Sprache um, welche sie verstehen!«

»Das ist ja grossartig! Kann man diese Technik erwerben?«

»Gewiss! Wenn sie Interesse haben!«

»Ja, habe ich auf jeden Fall! Aber, wir suchen etwas bestimmtes. Ruug?«

Ruug kam näher und erklärte detailreich das, was sie suchten.

»Ich erinnere mich an sie! Einige ihre Waren haben unglaublichen Profit hervorgebracht! Doch lassen sie uns nachschauen, ob wir das benötigte liefern können.«

Die Wesen wurden wieder zur Pfütze und verschwanden durch einen Felsspalt der kaum gross genug war, damit Tiffany die Hand hätte hineinstecken können.

»Krasse Wesen! So eine flüssige Form hat schon Vorteile!«

»Du hättest daran keinen Spass meine Liebe!«

»Warum nicht?«

»Nun, dieser Zusammenschluss zu einer grossen Lache ist im Prinzip ihre Form von Sex!«

Tiffany verstand. Tatsächlich mutete ihr das recht langweilig an. Einige Momente später kamen die Wesen zurück.

»Wir haben in der Tat das, was ihr sucht. Nicht genau nach euren Spezifikationen, doch sollte es angepasst werden können, insofern ihr genug Technik euer Eigen nennt!«

»Das ist ja grossartig! Können wir das Zeug dann haben?«

»Nun, ja. Im Prinzip schon. Doch muss ich sagen, es ist wirklich heiss begehrte Ware. Es wäre also sicherlich nicht ganz billig! Vielleicht kann ich euch für ein neues Schiff begeistern? Es würde sicherlich Kosten sparen!«

»Danke, aber wir bleiben doch bei unserem Schiff. Was wollt ihr denn dafür haben?«

»Ein aktiver Zwe-Kristall, sollte als Bezahlung akzeptabel sein!«

»Einen Moment! Zwe-Kristalle sind nahezu kaum aufzutreiben! Schon gar keine aktiven! Wer einen hat, gibt ihn freiwillig nicht her!«

Tiffany schaute entsetzt zu Ruug.

»Ruug, was ist denn ein Zwe-Kristall?«

»Ein aktiver Zwe-Kristall ist so etwas wie eine natürliche Energiequelle. Einer in der Grösse deines Kopfes ist ausreichend, um eine ganze Stadt mehr 100.000 Bewohner mit Energie zu versorgen. Aber eben, sie sind unglaublich selten. Wenn man Glück hat findet man welche, nachdem ein Stern explodiert ist. Das heisst aber nicht, dass die dann auch aktiv sind!«

»Nun, seien sie froh, dass wir einen Ort kennen, wo es einen solchen Kristall gibt. Gehen sie ihn für uns holen, dann bekommen sie alles, was sie haben möchten!«

Bei Tiffany schellten die Alarmglocken.

»Moment! Sie wissen, wo es so ein Ding gibt, gehen es aber selbst nicht holen? Wo ist der Hacken?«

»Wie unser guter Geschäftspartner bereits sagte. Solche Kristalle findet man hauptsächlich in der Nähe explodierte Sterne!«

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