Überraschender Angriff

Weitere Tage verstrichen. Auf der Megaclite war nur Ray und sein Team wirklich am arbeiten. Diese Energiekupplungen sollten getauscht werden und von denen gab es einfach unglaublich viele. Ray musste dabei darauf achten, dass Systeme nie lange ausfielen. Immer war mit einem Angriff zu rechnen und in der Zeit, zwischen dem ersten Erscheinen der Thori und der Verteidigung durch die Megaclite musste alles einsatzbereit sein.

Barry hatte etwas auf dem Herzen und wollte mit Tiffany darüber sprechen. Er kam zu ihrem Quartier und drückte den Knopf. Sein Blick war nicht schlecht, als Ruug ihm öffnete. Er schien erschöpft und schlaff, aber irgendwie schien sein Gesicht auch Zufriedenheit auszudrücken. Wobei man bei ihm nie ganz sicher sein konnte, da seine Mimik einfach ganz anders war, als die der Menschen.

»Barry, ich freue mich sie zu sehen. Sie wollen zu Tiffany?«

»Ja Ruug. Auch schön sie zu sehen.«

»Sie ist gerade unter der Dusche. Kommen sie doch rein, ich muss in mein Quartier, mich regenerieren.«

Barry gab den Weg frei. Ruug glitt an ihm vorbei, schien aber unkoordiniert zu sein. Eine gerade Bahn konnte er nicht einhalten und glitt stellenweise auch auf dem Boden und der Wand entlang. Sehr merkwürdig. Barry trat ein und wartete.

Etwa zehn Minuten später tauchte Tiffany auf. Sie hatte sich ein Handtuch angelegt und ihre Haare waren noch feucht.

»Barry, was machst du denn hier?«

»Was ich hier mache? Was hat Ruug hier gemacht?«

Tiffany grinste diabolisch.

»Was? Wieso? War da nicht die Rede von Paarungszeit? Müsste die nicht schon beendet sein?«

»Ist sie. Wir haben aber herausgefunden, dass Ruug trotzdem Sex haben kann. Dann kommt eben nur kein Samen.«

»Ich verstehe nicht!«

»Macht nichts. Also, was bedrückt dich?«

Tiffany setzte sich. Barry wurde von ihrem Anblick erregt, kämpfte das Verlangen jedoch nieder.

»Tiff, ich will hier bleiben!«

»Was? Wieso? Dein Quartier dürfte nicht anders aussehen als meins und falls du denkst, zwischen uns könnte sich was anbahnen, vergiss das schnell wieder!«

»Hä? Quatscht! In Andromeda, nicht in deinem Quartier.«

»Ach so. Sorry, bin nicht ganz da. Wenn Ruug …

»Stopp! Es gibt Dinge, die will ich gar nicht wissen!«

»Von mir aus. Falls dir das was nützt, ich habe irgendwie auch kein Verlangen nach der Milchstrasse. Dort sind wir nur ein Schiff der GemSpa. Hier sind wir was besonderes. In der Milchstrasse untersuchen wir Nebel, oder fliegen in Bereichen herum, wo es eigentlich sowieso nichts zu entdecken gibt. Hier fliegen wir in ein System und haben sofort Erstkontakte. Jeder Meter ist Neuland.«

»Das meine ich. Klar, ich will schon mal zurück zur Erde und denen zeigen, was wir hier geleistet haben. Aber allgemein fände ich es cooler hierzubleiben.«

»Und du fragst dich jetzt, ob wir die Anderen und Krieger davon überzeugen können.«

»Ja. Ich weiss, dass einige der Crew auf der Erde Familie haben. Aber keine Kinder, wenn die Akten korrekt sind. Die werden trotzdem zurück wollen.«

»Soll ich dir etwas sagen?«

»Mach mal.«

»Die Chance, in absehbarer Zeit zurückzukommen ist gleich Null. Ich hab schon mit Ray gesprochen. Der hat schon zusammen mit Ruug unseren Hinflug genau analysiert und weiss, wie es passiert ist. Es musste eine spezifische Konstellation von Sternen vorhanden sein, dass wir genau diesen Weg geflogen sind. Ein Stern hat uns beschleunigt, ein anderer die Bahn verändert. Doch all diese Sterne haben sich mittlerweile weiterbewegt. Es gibt diesen Rückweg nicht mehr!«

»Also gibt es gar keinen Rückweg?«

»Doch, den gibt es. Der Higgs-Antrieb kann es möglich machen. Aber nicht mehr in so kurzer Zeit. Ausserdem müssen wir ihn voll unter Kontrolle haben. Um die Rückreise zu schaffen, muss die Megaclite massiv verändert werden. Da geht es um Monate! Eine Zeit, die wir autark durchhalten müssen und selbst wenn wir jeden freien Fleck des Schiffes mit Lebensmittel vollstopfen, es wird nicht reichen. Zwischen den Galaxien gibt es aber auch nichts, wo wir die Vorräte ergänzen könnten und jeder Stopp würde die Reise wieder um ein paar Monate verlängern. Du kannst dir also sicher sein, wir werden noch sehr lange hier bleiben!«

»Das klingt gut!«

»Gell! Also mach dir …«

Der Alarm ging los und die Sprechanlage meldete sich.

»Alles auf Station!«

Barry sprang sofort auf.

»Zieh dich an, ich sag Krieger Bescheid, warum du zu spät kommst!«

Tiffany nickte und eilte zu ihren Sachen. Barry auf die Brücke. Als er dort ankam waren alle bis auf Tiffany schon da. Auch Ruug. Barry eilte an seine Station.

»Wo ist Nummer eins?«

»Die kommt sofort Krieger.«

»Von mir aus. Pamela, Kurs gesetzt?«

»Japp.«

»Gut. Starten! Sofort!«

Pamela hätte gerne auf die Bestätigung von Tiffany gewartet. Sie wusste zwar, dass Kriegers Anweisung korrekt war, doch war die Megaclite voll besetzt. Sollten sie erst das überflüssige Personal aussteigen lassen? Sie entschied dagegen und brachte die Megaclite in die Luft und ins All. Da kam Tiffany.

»Status?«

»Ach, seit wann haben sie denn hier das Kommando?«

»Jetzt erzählen sie schon Krieger!«

»Kapitän Krieger.«

»Ja, von mir aus. Was ist jetzt?«

»Unsere Sonde hat einen Verband der Thori entdeckt. Sie flogen ganz am Rand des Erfassungsgebietes vorbei. Allerdings nicht nach Brassika. Sie haben es auf ein anderes, ziviles Ziel abgesehen und das müssen wir verhindern?«

»Wie bitte? Die wollen Zivilisten angreifen?«

Ruug glitt heran.

»Tiffany, nach allem, was ich über die Thori bislang in Erfahrung gebracht habe, passt ihr Verhalten. Sie gehen davon aus, dass die Brass neue Technologie entwickelt haben und nun stärker sind als sie. Wenn sie militärisch nicht punkten können, verbreiten sie unter der Bevölkerung Angst und Schrecken.«

»Sind auf Kurs Krieger.«

»Kapitän Krieger! Dann geben sie Gas, alles was vertretbar ist!«

»Krieger, ich habe die Daten gesichtet. Was da an Schiffen kommt übersteigt beide Wellen unseres letzten Kampfes und die Brass werden uns keine Hilfe stellen können! Wir sind alleine!«

»Kapitän Krieger, verdammt nochmal! Dann sind wir eben alleine! Ich werde aber nicht zulassen, dass Zivilisten für unser Werk den Preis zahlen. Ray?«

Krieger hatte den Knopf der Sprechanlage gedrückt.

»Ja Kapitän?«

»Ich hoffe, ihre Simulationen lassen uns nicht im Stich!«

»Nein Kapitän! Ich habe die Systeme einem Stresstest unterzogen und die Simulationen scheinen sogar noch zu harmlos.«

»Sehr gut. Also, wenn wir dort ankommen müssen wir irgendwie deren Kommunikation stören. Deren Heimatwelt darf nicht erfahren, dass nur die Megaclite angekommen ist. Ab dann geht es los! Pamela, gleiche Taktik. In Reichweite springen, sobald die in Reichweite kommen sofort Sprung zu einem anderen Ziel. Warten sie nicht auf einen Befehl! Tiffany, wenn sie wieder so ein Bauchgefühl haben, sofort Bescheid sagen. Barry, sie zeigen uns, was die Modifikationen drauf haben! Casper, machen sie ihre Leute bereit, es wird wahrscheinlich Verletzte geben!«

Jeder bestätigte. Die Megaclite war unterwegs und wenn Krieger alle Daten korrekt erfasst hatte, waren die Thori gute 20 Minuten vor ihnen in dem System. 20 Minuten in einer Schlacht war eine unglaublich lange Zeit. Ihm wurde schlecht bei dem Gedanken, welchen Schaden die Thori in der Zeit anrichten konnten. Das System war nicht nennenswert verteidigt. Die Verteidiger hatten den Thori nichts entgegenzusetzen und wenn die anfingen, die Planeten vom All aus zu bombardieren, war die Opferzahl unglaublich hoch. Die vollständige Vernichtung allen Lebens in diesem System konnte einzig von der Megaclite abgewendet werden. Wenn doch nur der verdammte Antrieb schon voll funktionsfähig gewesen wäre. Die Megaclite wäre weit vor den Thori angekommen und hätte die Flotte schon schlagen können, bevor auch nur ein Zivilist zu Schaden kam. Doch leider funktionierte das nicht. Auch die Aussicht, dass es in naher Zukunft funktionieren würde, machte die Sache nicht besser.

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