Ruhe vor dem Sturm?

Auch wenn Krieger mit einem Angriff der Thori rechnete, alles blieb ruhig. Selbst nachdem die Megaclite wieder hergestellt war und zurück nach Brassika flog, war von den Thori nichts zu sehen. Nach ihrer Ankunft wurde Krieger zum Ältestenrat gerufen. Erneut war er von der Bauweise der Olympen beeindruckt. Auch wenn er schon hier war, alles mutete einfach immer noch grossartig an. Schliesslich stand er wieder auf dem Podest und die Olympen sassen im Halbkreis um ihn herum.

»Kapitän. Eure Taten sind uns berichtet worden und unser Volk ist in Aufruhr. Die Götter scheinen zurück und haben den ersten Schritt getan, uns ins Licht zu führen. Wie man berichtet hat, ist das System gesichert und die ersten Ressourcen auf dem Weg zu unseren Werften. Ihr habt Wort gehalten und die Vorhersehung bislang erfüllt!«

»Vielen Dank. Es war nicht ganz so reibungslos, wie wir es gehofft hatten, aber es hat ja alles geklappt.«

»Wir haben erfahren, mit welchem Schäden euer Schiff zurückgekehrt ist. Als wir es hörten waren wir bereits der Meinung, die Prophezeiung könnte vielleicht doch nicht ganz der Wahrheit entsprechen. Bis wir erfahren haben, welchen Schaden ihr verursacht habt. Selbst in den Zeiten, als wir noch aktiv gegen die Thori ins Feld ziehen konnten, wurde nie eine annähernd gleiche Zahl Schiffe zerstört.«

»Ja, wir haben schon viel Schrott produziert. Die Thori sind aber wirklich harte Gegner. Sie haben sich wirklich schnell auf uns eingestellt und uns stellenweise ganz schön in Bedrängnis gebracht. Wenn ich ehrlich sein soll, die zweite Welle hat mir ernste Bauchschmerzen verursacht. Aber, wir haben es gemeistert!«

»Nun, Kapitän, sie haben wahrscheinlich mehr bewirkt, als sie sich vorstellen können. Wir sind seit einigen Jahren dabei, einen Nachrichtendienst zu den Thori zu installieren und ziehen langsam Nutzen daraus. Wie unsere Quellen uns übermittelt haben, herrscht Panik in vielen Bereichen der Thori. Seit Äonen mussten sie keine Niederlage mehr einstecken. Nun haben sie einen Teil ihrer Flotte verloren und verstehen nicht, wie es dazu kommen konnte.«

»Diese Aussage halte ich für vielversprechend. Ist etwas von ihren Plänen bekannt?«

»Leider nein. So tief sind unsere Informanten noch nicht vorgedrungen. Sicher ist jedoch eins. Die Thori haben Angst und das ist ein Zustand, den sie nicht gewohnt sind.«

»Das ist sehr gut! Es wird sie von vorschnellen Handlungen abhalten.«

»Wir hoffen es! Es ist nicht abzusehen, wie eine neue Streitmacht in unserem neu eroberten System sich auswirken würde. Auch ihr Schiff braucht eine Zeit, bis es dort ankommt und in der Zeit könnten die Thori uns schlagen und sehen, dass wir nicht so mächtig sind, wie sie derzeit glauben.«

»Vielleicht sollten wir, in naher Zukunft, auch Präsenz in anderen Systemen zeigen. Kommt es zu einem Gefecht, nutzen wir die selbe Taktik wie dieses Mal. Die Megaclite bleibt ausser Sensorenreichweite und falls die Thori wirklich angreifen, werden wir sie einfach vernichten und weiterziehen.«

»Tatsächlich haben wir ebenfalls an ein solches Vorgehen gedacht. Doch wir kennen die Thori. Drängen wir sie an die Wand, werden sie zurückschlagen, ob es aussichtslos erscheint, oder nicht. Mir ist in dem Fall nicht ganz klar, wie es uns dabei ergehen würde. Sie haben nur ein Schiff und das kann nicht überall sein!«

»Das ist korrekt! Nun, hätten wir volle Kontrolle über unseren Antrieb, könnten wir tatsächlich dieses Wunder vollbringen. Doch ohne eine entsprechende Navigation ist das leider nicht möglich.«

»Auch darüber haben wir diskutiert. Wie man uns sagte, ist ihr Antrieb bahnbrechend. Geschwindigkeiten jenseits allem Vorstellbarem. Uns ist jedoch nicht ganz klar, wieso ihr diesen Antrieb verwendet, obwohl ihr ihn nicht beherrschen könnt.«

»Hier haben wir unser grundlegendes Problem! Wir wurden losgeschickt, obwohl unser Schiff dafür eigentlich nicht tauglich war. Dadurch sind wir hier her gelangt. Aber vielleicht musste das auch alles genauso passieren. Nun sind wir hier und können euch zur Seite stehen.«

Der Älteste stand auf.

»Lassen sie mich ein paar offene Worte an sie richten. Lange haben wir darüber gesprochen, ob euer Eintreffen nun wirklich die Vorhersagen erfüllt, oder ob alles nur ein Zufall ist. Wahrlich, viele Punkte stimmen einfach sehr genau überein und lassen die Vorhersehung eine gewisse Erfüllung erfahren. Aber, dennoch sehen wir auch einige Dinge, die nicht passen wollen. So wie man uns berichtet hat, ist eure Technik in vielen Belangen der unseren weit unterlegen. Ausser Waffen und Antrieb sehen einige unserer Experten euch als rückständig an. Computer, die nicht einmal einen Bruchteil der Leistung aufweisen, wie unsere es tun. Medizin, die man bei uns seit Jahrzehnten nicht mehr verwendet. Wie kann das sein? Wie könnt ihr zu unseren Göttern gehören, auch wenn wir euch überlegen sind?«

Krieger bekam einen Schreck, als er diese Worte hörte. Okay, sie hatten einen Teil der Vorhersehung bereits erfüllt, aber der Älteste sprach genau das an, was auch Krieger schon im Kopf hatte. Doch da war ja noch Ruug.

»Auch wir haben uns mit eurer Mythologie auseinandergesetzt. Dort wird von den Göttern gesprochen. Meines Wissens nach wird aber an keiner Stelle etwas von den Göttern selbst gesagt. Nur, dass sie von eurer einstigen Herkunft kommen. Dieser Punkt ist bereits bestätigt. Ferner heisst es, sie werden euch aus dem Schatten ins Licht führen. Noch seit ihr im Schatten, doch der Weg ins Licht ist bereits geebnet. Daraus ergibt sich, vielleicht sind wir keine Götter im mythologischen Sinne. Aber, wir scheinen dennoch die zu sein, die euch ins Licht führen.«

Der Älteste setzte sich wieder, schaute zu einem Mann, der etwas weiter Rechts von ihm sass und nun stand der auf.

»Nie werden die Götter von sich selbst sagen, sie seien Götter. Sie verweisen auf ihre Herkunft, ihre Taten. Ihre Taten sprechen die Wahrheit und zeigen, dass die Prophezeiung sich erfüllt. Seit gewarnt vor falschen Göttern, die euch als Götter gegenübertreten und vertraut nur auf jene, deren Taten für sie sprechen!«

Krieger verstand nicht und schaute verwirrt zum Ältesten.

»Es gibt zwei Mythologien bei uns. Die Eine ist für das Volk, die Andere für die Ältesten. Was sie gehört haben gehört zu der vorherrschenden Prophezeiung und ist für die Ältesten bestimmt. Wie sie gehört haben, sollen wir uns vor Göttern in Acht nehmen, die uns von ihrer göttlichen Abstammung zu überzeugen versuchen und nur jenen glauben, die Taten sprechen lassen.«

Krieger verstand immer noch nicht und war kurz davor etwas zu sagen, als der Älteste wieder sprach.

»Wir haben lange beraten. Seit ihr die, von denen in der Prophezeiung gesprochen wurde, oder Scharlatane? Wie sollen wir das in Erfahrung bringen? So haben wir entschlossen euch auf die Probe zu stellen. Eure Taten sprechen bereits für euch, doch seit ihr falsche Götter? Jene, die uns von ihrer göttlichen Abstammung zu überzeugen versuchen, oder gebt ihr offen zu, dass ihr eigentlich keine Götter seit. Wir haben sie geprüft und sie haben geantwortet!«

Krieger bekam ein wenig Panik. Okay, er wurde geprüft, aber hatte er nun bestanden, oder nicht? Gerade wollte er eine Frage stellen, als wieder der Älteste sprach.

»Vielleicht seit ihr keine Götter im mythologischen Sinne. So waren ihre Worte. Auch verweisen sie auf ihre Taten und entsprechen damit dem, was die Prophezeiung vorhergesagt hat. Ihr seit nicht die falschen Götter. Wahrscheinlich seit ihr überhaupt keine Götter, aber ihr versucht es uns auch nicht zu beweisen. Wir haben beraten und sind einstimmig dazu übergegangen, euch als die anzusehen, von denen in der Vorhersehung gesprochen wird. Vielleicht seit ihr keine Götter, aber ihr seit jene, die uns ins Licht führen werden!«

Nun wollte Krieger aber etwas wissen.

»Verzeihen sie Ältester, wenn ich abschweife, aber sie sagen, sie haben sich beraten. Wie? Wann?«

»Nach ihrer Antwort Kapitän. Aber sie fragen sich wahrscheinlich, wie wir uns beraten konnten, ohne zu sprechen. Das ist das Privileg der Ältesten. Jene, die berufen sind, verbinden sich untereinander.«

»Telepathie?«

»Nein. Es ist vielmehr, als verbindet sich unser Geist. Wir können zwar nicht hören, was wir denken, doch wir wissen, wie wir uns entscheiden.«

Das verstand Krieger natürlich nicht. Doch irgendwie war er der Meinung, er sollte es genau so akzeptieren.

»Also kommen wir überein, dass wir nicht die Rolle echter Götter einzunehmen haben, um die Vorhersehung zu erfüllen?«

»Einer der Götter wird fragen, ob er ein Gott sein muss, um die Vorhersehung zu erfüllen. Folge ihm, er führt das Volk ins Licht!«

Nun war selbst Krieger platt. Er hatte genau die Frage gestellt, welche schon in der Vorhersehung nachzulesen war. Zufall?

Print Friendly, PDF & Email

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.