Humpelnd in die Werft

Die letzten beiden Worte waren für Krieger das Wichtigste, an der ganzen Unterhaltung mit Tiffany. Sie nannte ihn Kapitän Krieger und bezeugte damit ihren Respekt, bevor sie ging. Krieger blieb zurück. Die Emotionen kamen in ihm hoch, die durch den nahen Verlust des Schiffen in ihm tobten. Doch lange hatte er nicht die Zeit, sich damit zu befassen. Die Sprechanlage meldete sich.

»Krieger, die Brass bitten uns darum, dass Feld zu räumen. Sie sind sich nicht ganz sicher, wann die Aufklärer hier auftauchen.«

»Kapitän Krieger Barry. Lassen sie Pamela einen Kurs auf die nächstgelegene Werft setzen und dann volle Kraft, was die Megaclite eben noch hergibt!«

Kurz darauf war das Schiff unterwegs. Deutlich langsamer, als man es eigentlich gewohnt war, aber mehr gab der Antrieb nicht mehr her. Krieger ging zurück auf die Brücke.

»Darf ich kurz das Wort an euch richten? Ich weiss, die Megaclite sieht im Moment anders aus, als man sich einen Sieger vorstellt, doch überseht dabei eine wichtige Tatsache nicht! Wir mögen im Moment nicht gerade in Form sein, aber im Vergleich zu den beiden Flotten der Thori geht es uns noch ziemlich gut! Wir haben bewiesen, dass Schiff und Crew eine ganz gewaltige Macht in dieser Galaxie darstellen und ich möchte jeden Einzelnen von euch beglückwünschen! In der Tat hatte ich schon viele Crews und es ist kein Geheimnis, dass ich in euch nicht gerade ein Aushängeschild sehe. Eure Art, euer Verhalten, in unserer Galaxie hätte ich schon um einen Austausch gebeten.«

Eine dramatische Pause.

»Damit hätte ich euch jedoch Unrecht getan! Auch wenn euer Verhalten nicht dem Standard der GemSpa entspricht, im Ernstfall wart ihr besser, als so manche Crew, die schon unter mir gedient hat! Keiner bekam Panik, jeder Befehl wurde ausgeführt, ihr habt euren Job sehr gut gemacht! Tatsächlich glaube ich, dass wir noch aus eigener Kraft zur Werft fliegen können, ist alleine euch zu verdanken. Besonders sie Tiffany. Sie haben sogar schneller als ich erkannt, dass die Thori uns eine Falle gestellt haben! Hätte Pamela schneller auf sie gehört. Wären viele Schäden wahrscheinlich nicht entstanden.«

»Moment mal! Ist das jetzt meine Schuld?«

»Aber nein Pamela! Ich dachte im ersten Moment auch, Tiffany wäre nur panisch geworden. Dabei hätte ich, als Kapitän, die Falle früher erkennen müssen. Sie haben ausgezeichnet reagiert!«

Barry stand auf.

»Krieger, wenn wir schon ganz offen reden, auch wenn wir eine Macht darstellen, wir müssen die Megaclite aufrüsten!«

»Ich stimme ihnen zu. Dummerweise sind die Brass da keine Hilfe für uns. Sie mögen uns in einigen Belangen ja überlegen sein, aber was Waffen und Schilde angeht, na, sie haben es ja gesehen.«

»Krieger, dass klingt ja fast so, als wollten sie gar nicht nachhause?«

»Pamela, ich bin Realist. Ja, vielleicht haben wir das Glück und finden bei diesem Volk die nötige Hilfe, um unseren Antrieb voll kontrollieren zu können. Ich werde mich aber nicht auf ein Vielleicht verlassen. Solange wir nicht sicher den Weg nachhause gefunden haben, werde ich alles in meiner Macht stehende tun, um unseren Aufenthalt hier sicher zu machen und Barry hat schon Recht. Wir mögen eine Macht sein, aber schauen sie sich um. Den Thori ist es zwar schlimmer ergangen, aber noch so eine Welle und wir wären obdachlos. Vielleicht sogar tot. Solange ich ihnen also nicht den Befehl geben kann, Kurs auf die Heimart zu setzen und zu beschleunigen, werden wir alles an Technologie in unser Schiff stecken, um hier sicher zu sein.«

Nun stand Pamela auf.

»Dazu möchte ich ihnen etwas sagen, Kapitän Krieger. Solange wir für unsere Sicherheit sorgen, betrachte ich dieses Raumschiff als mein Zuhause. Ich versichere ihnen meine uneingeschränkte Zusammenarbeit, auch wenn wir nicht direkten Kurs auf die Heimat nehmen!«

Krieger wurde emotional. Wieder wurde er mit Kapitän angesprochen.

»Ich danke ihnen Pamela. Was ist mit euch? Auf Biegen und Brechen nachhause, oder doch lieber Sicherheit?«

»Also, ich bin dabei Krieger. Daheim hab ich eh nichts, weshalb ich möglichst schnell dorthin zurück möchte. Also, auch wenn der Ausflug länger dauert, ich bin dabei!«

»Danke, Tiffany. Barry?«

»Krieger, mal ganz im Ernst. Ich bin Waffenoffizier. Meine Ausbildung sieht vor, dass ich Schlachten schlagen kann und Siege davontrage. Wie gross sind meine Chancen in der Milchstrasse, wirklich mal in echte Gefechte verwickelt zu werden? Das sind nur kleine Raufereien. Kommen dann die Weltraumrussen, kriegen wir nur auf die Mütze. Die Altair sind auch keine Gefahr mehr. Wenn es nach mir geht und wir das Schiff wirklich aufrüsten, dann bleibe ich gerne hier! Zählen sie auf mich!«

Die Megaclite war schon ein paar Stunden unterwegs, als zum wiederholten Male der Antrieb ausfiel.

»Ray, was ist da unten schon wieder los?«

»Tut mir leid Kapitän. Ich sagte ja, mich wundert es sowieso, dass der Antrieb noch läuft. Hier sind einige Leitungen durchgebrannt. Wahrscheinlich Kurzschluss. Wir sind dran!«

»Okay. Bitte etwas Beeilung. Können sie mir eine Mannschaft hoch schicken, die sich um Caspers Station kümmert? Ich würde ganz gerne sehen, in welchem Zustand das Schiff ist!«

»Klar, kommt sofort!«

Tatsächlich traf kurz darauf eine Mannschaft auf der Brücke ein und hatte auch schon jede Menge Ersatzteile dabei. Dennoch dauerte die Reparatur lange. Als die Megaclite schon wieder unterwegs war, wurden die Arbeiten jedoch abgeschlossen und die Jungs verschwanden wieder. Krieger selbst ging zu der Station und setzte sich davor. Nach ein paar Minuten lehnte er sich zurück.

»Eins muss man den Ingenieuren lassen. Sie haben die Megaclite echt stabil gebaut!«

Neugierig kam Tiffany zu ihm.

»Heilige Scheisse! Das Rote sind die Schäden?«

»Das Rote sind Hüllenbrüche! Das Weisse die ganzen Schäden.«

»Ja leck mich doch! Das ist ja ein Schweizer-Käse mit Triebwerk!«

»Sag ich doch. Meine letzten Schiffe hätten das nicht überstanden.«

»Tja Krieger, die Megaclite beruht ja eben auf den Schiffen von damals. Da hat man noch verstanden zu bauen. Nicht wie heute, wo an jedem Eck gespart wird.«

»Da muss ich ihnen zustimmen Barry. Aber was ist das? Ray?«

Krieger zeigte auf rote Stellen am Heck des Schiffes.

»Ja Kapitän?«

»Wie viel vom Antrieb ist noch da?«

»Da ist noch alles. Aktiv aber nur noch zwei Gondeln.«

»Warum sind wir dann nicht explodiert?«

»Higgs-Antrieb Kapitän. Der wichtigste Teil ist der Feldgenerator, der uns vom Higgs-Feld abschirmt. Die Gondeln sind quasi nichts anderes als aufgebohrte Steuerdüsen.«

Das gefiel Krieger und er nannte sich selbst wieder einen Trottel, dass er immer noch nicht die Spezifikationen seines Schiffes vollständig gelesen hatte.

»Was denken sie, wie lange werden die Reparaturen dauern?«

»Na ja, in einer Werft der GemSpa gerne sechs Monate. Keine Ahnung, wie gut die Brass sind.«

Da bekam es Krieger in den Magen. Sechs Monate? Na hoffentlich waren die Brass besser, als die GemSpa.

Auf der Krankenstation hatten Casper und Baki alle Hände voll zu tun. Gut dreiviertel der Besatzung war verletzt. Einiges nur leicht, es gab aber einige Schwerverletzte. Für Casper grenzte es an ein Wunder, dass niemand gestorben war.

»Baki, können sie den zumachen?«

»Natürlich Casper. Wie viele kommen noch?«

»Jetzt nur noch die leichten Verletzungen. Das Schlimmste haben wir überstanden.«

Casper schaute zu, wie Baki mit dem blauen Strahl den Schnitt schloss, in dem er eben noch operiert hatte. Die Haut zog sich einfach zusammen und verband sich so, als wäre gar nichts gewesen.

»Krankenstation! Wie ist die Lage bei euch?«

Casper ging zur Sprechanlage.

»Alles unter Kontrolle. Die Schwerverletzten sind versorgt und dank Bakis Gerät in Kürze wieder auf dem Damm.«

»War es sehr schlimm?«

»In der Hauptsache offene Frakturen.«

»Gab es Verluste?«

»Nein. Mannschaft ist vollzählig.«

»Das sind gute Nachrichten. Wie macht sich Baki?«

»Der ist grossartig! Wenn ich könnte würde ich ihn adoptieren!«

»Ausgezeichnet. Halten sie mich auf dem Laufenden. Krieger Ende!«

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