Pascals Wette

»Halt doch einfach die Klappe Janine! Ich hatte jetzt eine ganze Woche Zeit, die Viper noch gefährlicher zu machen, während ihr in Heinzfort wart. Heute Abend gehst du unter und frag nicht wie!«

»Immer wieder die gleiche Leier. Heute gehst du unter. Was passiert? Du verprügelst wieder dein Lenkrad, weil du doch wieder verloren hast!«

»Wenn ich dich nicht so gut leiden könnte, deine grosse Schnautze würde dir noch leid tun!«

»Ach ja? Wer genau hat denn hier die grosse Schnautze? Wenn mich nicht alles täuscht sage ich nur die Wahrheit, auch wenn dein Ego es nicht zulässt, sie zu akzeptieren.«

Nun folgte etwas, was Perry und Donald richtig schockierte. Viper ballte seine Hand zur Faust und versuchte diese in Janines Gesicht zu parkten. Für einen Moment waren die beiden Jungs wie versteinert. Quasi in Zeitlupe sahen sie, wie Vipers Faust genau auf Janines Nase zueilte. Doch bevor sie traf, hatte Janine sie schon gepackt und in einer ruckartigen Bewegung Vipers Arm verdreht, so dass er in gebückter Haltung vor ihr stand.

Donald wollte gerade dazwischen gehen, als Janine wieder Vipers Arm los liess. Der richtete sich wieder auf und lachte.

»Oh Mann, ich liebe es einfach bei euch zu sein.«

»Darf ich mal ganz dumm fragen, was das gerade war?«

Überraschenderweise kam die Antwort von Waldemar.

»Mein lieber Freund Perry. Wärst du etwas versierter in der menschlichen Psyche, würdest du diese Frage nicht stellen. Viper ist ein sogenanntes Alpha-Tier. Ich nehme an, in seiner gewöhnlichen Umgebung ist er gefürchtet und ungeschlagen. Bevor sich jemand mit ihm anlegt, zieht er lieber den Schwanz ein und räumt das Feld. Ausserdem wird er sich unter normalen Umständen mit seinem Fahrzeug keinem Gegner geschlagen geben müssen. Hier ist er jedoch umgeben von Mensch und Material, was ihm überlegen ist und er kann sich selbst und seinem Ego beweisen, dass es auch jemand gibt, der mehr drauf hat als er. Für viele Alpha-Tiere ist das eine lehrreiche Lektion, um nicht abzuheben.«

Nun war Viper vom LKW angefahren.

»Wir kennen uns erst ein paar Stunden und du kannst mich so gut analysieren?«

Ausnahmsweise lachte mal Perry.

»Ja, so etwas kann er. Aber gib ihm mal einen neuen Toaster. Dann ist er verloren.«

»Aber mal im Ernst. Du provozierst ihn bis aufs Messer, er wird dann sogar gewalttätig und dich lässt das kalt? Als ob so ein Schlag was ganz normales wäre?«

»Klar provoziere ich ihn. Ausser uns traut sich das ja keiner und er darf schon mal sehen, dass er nicht die Spitze des Eisbergs ist.«

»Ausserdem, ich hab schon Leute wegen weniger ins Krankenhaus geschickt. Aber die Weiber hier kriegt man ja nicht klein!«

»Und genau da haben wir auch den Grund, warum diese Familie so unglaublich stabil ist.«

Erschrocken drehten sich alle um. Niemand hatte mitbekommen, dass Pascal gekommen war und am Rahmen des Hallentors lehnte. Natürlich musste Amy ihn sofort anspringen.

»Ja Hey! Ist das schön dich zu sehen!«

Donald fand das schon lustig. Egal wen Amy begrüsste, sie spielte immer sofort Rucksack an ihm. Wenn auch auf der falschen Seite.

»Ich freue mich auch. So eine ganze Woche ohne meine Sub war schon hart!«

»Komm, ich stell dir die Neuen vor.«

Amy kletterte wieder runter, Pascal kam näher. Erst begrüsste er die Mädels, Viper, Sarah und Mario, dann ging er zu Perry.

»Ihn kenne ich schon.«

»Ja, so ist es. Ich habe auch eine wichtige Frage an dich. Was macht einer aus Neunburg auf der Zulassungsstelle in Heinzfort?«

»Sagen wir es mal so. Gelegentlich bin ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort!«

Perry zog eine Augenbraue hoch, was Amy zu einer Reaktion animierte.

»Frag nicht Perry. Wenn du eine Antwort kriegen solltest, wirst du sie eh nicht glauben.«

Da Perry daraufhin nichts sagte, wendete sich Pascal an Donald. Sein Blick wurde sehr ernst.

»Du wirst Donald sein. Ich habe von dir gehört!«

Donald ergriff zwar Pascals Hand, verstand den Blick jedoch nicht. Pascal schaute ihn an, als wolle er seine Position bekräftigen. Nur, welche Position?

»Angenehm. Hab schon einiges von dir gehört!«

Pascal schien darauf nicht reagieren zu wollen, denn er drehte sich zu Waldemar.

»Und du bist Waldemar. Hoch erfreut dich kennen zu lernen!«

Natürlich ergriff Waldemar nicht Pascals Hand.

»Das kann ich mir vorstellen, Pascal!«

Typisch Waldemar. Er ging tatsächlich davon aus, dass Leute, auch wenn sie eigentlich gar nichts von ihm wussten, erfreut waren ihn kennen zu lernen.

»Was liegt an? Steht ihr hier nur rum, oder arbeitet auch jemand?«

»Was willst du denn arbeiten? Die Autos sind fit.«

»Ich merke schon Amy, da muss wieder jemand in meinen Raum. Nimm dir also für morgen Mittag nicht zu viel vor.«

Perry erkannte einen Blick bei Amy, den er von Katja kannte. Zumindest, wenn etwas mit Donald anstand.

»Zeigt mir jetzt mal jemand das neue Auto?«

Natürlich liess sich Katja das nicht zweimal sagen. Sie eilte schon zum Garzella, als Perry und Donald ihr nur dumm nachschauten. Runde 20 Minuten später war dann alles vom Garzella geklärt.

»Na, ich bin schon sehr gespannt, wie ihr euch damit schlagen werdet. Aber besonders gespannt bin ich auf dich Sarah!«

»Auf mich? Warum auf mich?«

»Nur so eine Vermutung. Bislang kenne ich dich nur mit deinem Lion und ich bin gespannt, ob du und das Auto eine so enge Symbiose habt, dass du mit einem anderen Fahrzeug nicht zurecht kommen wirst.«

»Also, dass kann ich dir gleich beantworten. Ich mache es dem Garzella bestimmt nicht leicht, aber mit dem Ruckzucki werde ich nicht gewinnen.«

»Das ist doch Blödsinn Baby! Du bist ein super Fahrer und nur weil du ein anderes Auto unterm Hintern hast, bist du nicht gleich schlecht!«

»Sagst du! Ich hab es doch auf der Fahrt hier her gemerkt. Der Ruckzucki liegt mir einfach nicht. Ich muss denken, wenn ich schalte, die Motorgeräusche sind nicht die, die ich kenne und auch die ganze Optik ist einfach anders.«

»Ach was.«

»Viper, ich glaube, es ist Zeit für eine Wette. Ich sage, Sarah wird gegen den Garzella verlieren.«

»Bei welchem Fahrer?«

Pascal schaute sich um. Erst Donald, dann Perry, danach Katja.

»Gegen Katja!«

»Was? Warum gegen mich?«

»Intuition. Donald wird an den Start gehen und fest daran glauben, dass er gewinnen wird. Dadurch sinkt seine Aufmerksamkeit. Perry denkt jetzt schon, er ist noch nicht fit genug, um ein Rennen zu gewinnen. Katja ist hingegen hungrig. Sie hat schon einen Sieg eingefahren und will wieder einen. Sie geht aber auch davon aus, dass Sarah einfach besser ist. Das wird sie dazu bringen, ihr ganzes Potential abzurufen. Fehler wird sie machen, aber am Ende ganz knapp gewinnen.«

Donald, Perry und Katja waren schockiert. Donald dachte wirklich, er im Garzella, mit dem seinem Leistungsüberschuss zum Ruckzucki, würden aus seinem Sieg eine sichere Sache machen. Perry hingegen war sich in der Tat absolut sicher, Sarahs Fähigkeiten waren den seinen haushoch überlegen. Aber auch Katja spürte, dass es genauso war, wie Pascal es gerade beschrieben hatte.

»Sag eine Summe!«

Pascals Blick wanderte von Katja zurück zu Viper.

»10.000.«

Viper lachte sofort.

»Ach herrje, ist sich da jemand unsicher?«

»Nein. Aber mehr habe ich nicht dabei. Wenn du vorher aber noch kurz an der Bank halten willst, gerne auch mehr.«

»Jetzt spinn nicht rum! Ich weiss genau, dass ich mein Geld kriege. Also, sag eine Summe!«

»Eigentlich hast du Recht. Ich werde die Kohle nicht einmal brauchen. Also gut, 50.000.«

»Klingt doch schon besser! Also, wenn Sarah gegen Katja gewinnt erwarte ich morgen die Kohle.«

»Und wenn Katja gewinnt, gilt das Gleiche für mich!«

Katja war schockiert. 50.000€ auf ein Rennen mit ihr als Fahrer?

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