Der Lion und Katja

Nach einer kurzen Verschnaufpause zogen Katja und Elena sich wieder an. Nun, Katja musste sich erst ein neues Top besorgen und hatte dabei irgendwie das Gefühl, sie wäre nur zu gerne jetzt bei Claudia und würde sich dort die Strecke und das Alles anschauen. Eigentlich wollte sie draussen dann auch den Vorschlag machen, doch erst setzte sie sich noch auf ihren Stuhl und bevor sie es sich versah, war sie in den Strahlen der Sonne auch schon eingeschlafen.

Zwischenzeitlich in Heinzfort. Perry und Donald waren nach dem Training sofort in die Halle gefahren, um am Garzella zu schrauben. Das war selbst für Waldemar vertretbar, da die neusten Funktionen und Verbesserungen gerade bei der Gruppe der Beta-Tester geprüft wurde und bevor die Ergebnisse nicht da waren machte es auch keinen Sinn, an der Software zu arbeiten.

Die Männer lehnten an der Werkbank und schleiften die Kanäle des Garzella. Sollte das tatsächlich irgendwie einen Leistungszuwachs bringen? Perry war sich da beim besten Willen nicht sicher. Selbst wenn, der würde nur sehr gering ausfallen. Klar, wenn die Lust ohne Verwirbelungen hindurch fliessen konnte, war das definitiv ein Vorteil, aber die Kanäle waren eigentlich schon ziemlich glatt. So viel konnte es also nicht bringen.

»Hast du mit dem Lackierer gesprochen?«

Donald war von der Frage ein wenig genervt. Perry hatte neben ihm gestanden, als er mit diesem telefoniert hatte.

»Alter, du hast direkt neben mir gestanden. Ja, ich hab mit dem geredet. Warum gehst du mir damit so auf den Sack?«

»Weil ich es cool fände, wenn am Montag der Hobel lackiert wäre. Wenn unsere Mädels zurück kommen, verstehst du?«

»Ja, ich hab es verstanden. Beim ersten, zweiten und 20. Mal! Das passt schon! Wir bringen ihn morgen hin und können ihn Montag abholen. Ist doch alles schon längst geklärt!«

Trotzdem hatte Perry seine Bedenken.

»Ich will eben nur …«

Genau in dem Moment machte sich Donalds Handy bemerkbar. Er legte alles auf den Tisch und schaute nach.

»Oh, diese Amy!«

»Echt jetzt? Was will dir von dir? Hat Claudia so von dir geschwärmt, dass sie es nicht erwarten kann?«

»Bin ich Hellseher, jetzt wart mal ab!«

Donald gab Antwort, bekam eine neue Nachricht, gab wieder Antwort und erneut kam eine neue Nachricht von Amy.

»Oh. Amy fragt mich, ob ich Katja einen Befehl geben könnte.«

»Wie schön, dass dort echt alles breit getreten wird. Was soll das für ein Befehl sein?«

»Na ja, willst du auch so ein Video sehen, wie mit Claudi und Amy?«

Perry machte grosse Augen.

»Will sie jetzt auch Katja vernaschen, oder wie?«

»Scheint fast so. Du entscheidest!«

Das war neu für Perry. Er hatte nun die Macht, seine Freundin zu einem Seitensprung zu bringen. Dazu noch mit einer Frau inklusive Video. War das so aufregend! Von daher musste er nicht lange überlegen.

»Ja klar! Mach! Will ich sehen!«

Donald tippte und grinste dabei.

Etwas später waren die Mädels in Neunburg munter. Alle, bis auf Elena und Katja, die immer noch in ihrem Sitz hingen und schliefen. Durch die Gespräche und das Gelächter wurden sie jedoch bald aus dem Schlaf gerissen.

»Och Menno, hier mal ausschlafen ist wohl nicht!«

»Nee. Haben Janine und Rebekka schon lange abgeschafft. Seit ihr fit?«

»Für?«

Katja rieb sich die Augen. Sie war eigentlich noch nicht einmal fit genug, diese offen zu halten.

»Na, wir gehen jetzt die Autos holen und fahren zu den Anderen auf die Strecke. Claudia müsste ja mittlerweile das mit dem starten drauf haben und wir können ein bisschen üben!«

Sofort erwachten die Geister in Katja.

»Dann darf ich den Lion dahin fahren?«

»Jupp! War ja so abgemacht!«

Katja war aufgeregt. Das musste sie unbedingt Perry schreiben. Sie nahm ihr Handy und schaute zuerst nach den neuen Nachrichten. Natürlich hatte Perry ihr geschrieben. Das bekannte Gesäusel der letzten Tage. Er vermisste sie, wartete sehnsüchtig auf ihre Rückkehr und so. Das waren zwar schöne Worte, wie Katja fand, doch ansprechend wurde es für sie immer erst dann, wenn er auch seinen Notstand erwähnte und was er mit ihr machen würde, wenn sie wieder da war.

Noch bevor sie bei den Nachrichten von Donald ankam, hatten Amy und Janine sie jedoch zur Bewegung animiert. Wenn sie den Lion fahren wollte, dann musste sie aufstehen. Nun gut, die Nachrichten würden ja nicht weglaufen. Sie und Elena mussten sich noch Schuhe besorgen, dann ging es auch schon los. Mit zwei Autos in Richtung Halle.

In Katja stieg die Aufregung, als erst die Viper heraus gerollt kam, dann der Lori und schliesslich Amy ihr signalisierte, sie sollte kommen. War das ein Gefühl, hinter dem Steuer dieses Autos zu sitzen. Alleine die vielen Anzeigen verwirrten Katja mächtig. Amy, welche die verwirrten Blicke von Katja sah, drückte ein paar Knöpfe und schon schalteten sich einige der Anzeigen ab. Bis nur noch Tacho und Drehzahlmesser aktiv waren. So war das schon deutlich angenehmer.

Katja startete, unter Amys Anleitung, den mächtigen Motor. Das war nicht wie gewohnt, einfach ein Schlüssel drehen, oder einen Startknopf drücken. Der Lion hatte dafür eine spezielle Prozedur. Katja spürte die Macht, die sie mit ihrem Fuss kontrollieren konnte und wartete ab, bis auch Manfred mit seinem Auto aus der Halle gefahren war.

Den Umgang mit den Schaltwippen musste Katja erst noch lernen. Erster Gang und ganz vorsichtig Gas geben. So dachte sich das Katja zumindest. Der Wagen machte einen kleinen Hopser und starb sofort ab. Amy lachte. Doch kein Grund beschämt zu sein. Amy erklärte, dass der Lion im Stadtmodus war. In dem Fall konnte Katja nur einen Bruchteil seiner Leistung abrufen und entsprechend musste sie beim anfahren auch mehr Gas geben. Siehe da, der zweite Versuch war ein Erfolg.

Als Katja auf die Strasse rollte, konnte sie das alles gar nicht fassen. Das war dieses Auto, welches sie in den Videos gesehen hatte und welches mit ihr schon so heftig über die Autobahn geschossen war. Nur mit dem Unterschied, dieses Mal sass sie am Steuer.

Während der Fahrt durch die Stadt hatte Katja Gelegenheit, sich mit der Schaltung vertraut zu machen. Wenn man es mal verinnerlicht hatte, waren solche Wippen eigentlich richtig cool! Viel angenehmer, als ein Schalthebel. Elena, die hinten sass, beobachtete Katja genau und fand, als Fahrerin war sie gar nicht mal so unattraktiv!

Dann ging es aus der Stadt auf die Landstrasse.

»So, geh mal vom Gas!«

Katja, die in dem Konvoi ganz hinten fuhr gehorchte, wodurch der Lion sofort langsamer wurde. Amy betätigte ein paar Regler und Schalter. Sofort fühlte sich die Federung härter an und das Auto schien ein Stück gesunken.

»Okay. Kannst wieder Gas geben. Aber Achtung! Ramm die da vorne nicht, wenn es geht!«

Katja warf Amy noch einen verwirrten Blick zu, konnte ihren Fuss jedoch schon bald nicht mehr unter Kontrolle halten. Immer weiter drückte sie das Gaspedal durch und konnte gar nicht fassen, was sie damit bewirkte. Es war, als wäre der Lion jeglicher Trägheit beraubt! Er schob sofort so heftig nach vorne, dass der kleine Vorsprung, den die Anderen während dem Umstellen gewonnen hatten, binnen einer Sekunde zusammenschmolz.

»Wenn frei ist überhol!«

Das liess Katja sich nicht zweimal sagen! Es war frei und Katja drückte das Gas voll durch. Was ein irres Auto! Diese Kraft, die direkte Lenkung und das einfache schalten. Katja bekam überall Gänsehaut, als sie mit irrer Geschwindigkeit an den Anderen vorbeiflog. Die blieben zurück wie lahme Schnecken, auch wenn Katja sehr genau wusste, ausser das Auto von Manfred waren alle deutlich schneller als der Lion. Egal, nun hatte sie die Nase vorn und schoss mit einer für sie unbekannten Geschwindigkeit über die Strasse.

»Da vorne musst du abbiegen!«

Katja sah die Strasse schnell näherkommen und trat, so wie sie es gewohnt war auf die Bremse. Der Lion verzögerte so heftig, dass Katja ihren Kopf nicht halten konnte und der nach vorne kippte. Elena hinten hatte ähnliche Probleme und fluchte wild. Nur Amy lachte.

Aber gut, schnell abgebogen und noch schneller wieder aufs Gas. Katja war sich bis zu diesem Moment nie darüber im Klaren gewesen, wie viel Spass es doch machen konnte, mit so einer Kiste zu heizen. Autos waren für sie immer nur Transportmittel gewesen und sie empfand nie eine solche Aufregung, eines zu steuern.

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