Markus

»Ich freue mich auf jeden Fall sehr, euch kennenzulernen. Wenn ich von meiner Amy eines weiss, dann dass sie ihre Freunde mit Bedacht auswählt.«

»Das glaube ich sofort. Was ich bisher an ihren Freunden kennengelernt habe, hat mich auf jeden Fall sehr angesprochen.«

Amy musste wegen Katjas Bemerkung grinsen.

»Sei mal lieber froh, dass wir morgen schon wieder weg sind!«

»Warum denn das? Gibt es hier noch mehr Überraschungen?«

Amy schaute mit einem eigentümlichen Blick zu Markus.

»Vielleicht. Ich sehe doch die Blicke von meinem Schatz. Dich hätte er gerne in seinem Spielzimmer.«

»Amy!«

Der Tonfall von Markus war harsch. Doch Amy kümmerte das nicht.

»Spielzimmer?«

Katja hatte zwar einen Verdacht, wollte aber nichts falsches denken. Markus kam einen Schritt auf sie zu.

»Auch wenn ich es nicht so gut finde, dass Amy es so offen anspricht, leugnen kann ich es nicht. Ich bin stark der Meinung, du würdest die Rolle der Sub gut ausfüllen!«

Elena sah an Katjas Blick, dass sie total irritiert war. Klar, Katja stand auf so etwas. Aber von einem Mann, den sie nur wenige Minuten kannte, direkt so überfahren zu werden, schien ihr nicht ganz zu gefallen.

»Wenn ich mal fragen darf, was steht jetzt auf dem Programm?«

Markus drehte sich zu Elena.

»Nun. Ich muss in etwa drei Stunden bei meinem Vortrag sein. Es ist also noch etwas Zeit. Wenn es für euch in Ordnung ist, würde ich euch gerne zum Essen einladen.«

»Klingt gut Schatz. Wo gehen wir hin?«

»Nun, ich dachte eher, wir bleiben hier. Wenn ihr mir sagt, was ihr gerne essen würdet, lasse ich es kommen.«

Sofort ging Markus zu seinem Schreibtisch und kam mit einer grossen, in Leder gebundenen Speisekarte eines offensichtlich noblen Restaurant zurück und reichte sie Elena. Die schaute rein und wurde bleich. Waren das Preise, oder die Distanz zwischen Erde und Sonne? Klar, auch sie hätte sich das leisten können, aber so viel Geld nur für Essen?

»Wow. Was für Preise!«

Amy musste wieder lachen.

»Kein falscher Scham! Wenn mein Schatz euch das anbietet, dann ist das auch okay.«

»Hat nichts mit Scham zu tun Amy. Aber wie kommen die Preise zustande? Rohstoffe plus Arbeitszeit mal Datum?«

Markus lachte.

»Man könnte es wirklich annehmen. Aber ich garantiere euch, dass Essen ist sehr gut und die Portionen wirklich ansprechend. Ausserdem ist es ein besonderer Anlass für mich. Deshalb, sucht euch einfach etwas aus und macht euch um den Rest keine Gedanken.«

Nun gut. Die Bestellung wurde abgegeben. Während Elena sich wirklich etwas aussuchte, was preislich nicht so heftig war, schlug Katja direkt heftig zu. Aber auch die Anderen liessen sich von den Zahlen nicht beeindrucken. Markus gab die Bestellung an seine Sekretärin durch, dann lud er seine Besucher ein, ihn in den Konferenzraum zu folgen.

Claudia konnte sich eines Verdachtes nicht erwehren. Hier sah alles sehr ähnlich dem aus, was sie in einem Film gesehen hatte. Da ging es um eine junge Frau, die von einem schwerreichen Mann erobert und ebenfalls in die Welt des BDSM eingeführt wurde. Die Ähnlichkeiten waren einfach zu gross, als dass Claudia sie übersehen konnte. Als schliesslich alle an dem grossen Tisch Platz genommen hatten, musste sie einfach fragen.

»Markus, darf ich dir eine Frage stellen?«

Markus lehnte sich zurück und drückte seine Fingerspitzen mit gespreizten Fingern aneinander.

»Ja, gerne. Claudia, richtig?«

»Ja, genau. Also. Wenn ich mich hier so umschaue, dann fällt mir einfach auf …«

Markus unterbrach.

»Das es dich an eine Filmreihe erinnert?«

Claudia wurde rot. War es so offensichtlich?

»Öhm ja, genau.«

Markus grinste.

»Bevor ich Amy kennengelernt habe, hätte ich das nun abgestritten. Sie hat mir jedoch vor Augen geführt, dass das Leben kein Film ist. Deshalb. Ja, es ist richtig. Man könnte eigentlich sagen, ohne diese Filme wäre ich nicht da, wo ich heute bin. Ich habe mich damals in die Rolle dieses Mannes versetzt und alles darangesetzt, diese Rolle zu erfüllen. Nicht ganz so, wie es in den Filmen und Büchern ist, aber ich komme nah dran. Dann kam Amy und hat mein ganzes Weltbild auf den Kopf gestellt. Zwar will ich nicht behaupten, dass ich gänzlich diese Rolle abgelegt habe, ich benutze die Filme aber nicht mehr als Drehbuch.«

Das brachte Katja auf den Plan.

»Soll das heissen, du hast in Amy den Gegenpart zu deiner Rolle gesehen?«

Amy schmunzelte. Markus hingegen schaute sehr ernst.

»Das habe ich! Amy schien perfekt dafür zu sein. Erstens, sie gefiel mir ab der ersten Sekunde. Sie war auch ähnlich tolpatschig, wie ihre Pendant aus dem Film. Auch war sie mittellos. Die Entscheidung fiel in einer Sekunde. Bis ich dann herausfinden musste, wer Amy wirklich war.«

Katja schaute zu Amy.

»Was soll das denn heissen?«

Amy verschränkte die Arme. Das war offensichtlich nicht ihr Thema.

»Ganz einfach. Ich war das eine Jahr hier in Amerika. Weil ich gegen Pascal beim Pokern verloren hatte. Wohnung und ein kleines Auto bekam ich gestellt. Alles andere musste ich mir selbst erarbeiten und durfte weder an mein Geld, noch durfte ich irgendwem sagen, wer ich eigentlich war. Eben auch meinem Schatz nicht. Na ja, während das zwischen uns alles super lief, hat er es dann rausgefunden und schon hat er mich abgeschossen.«

»Abgeschossen? Warum denn das?«

Elena konnte das nicht ganz nachvollziehen.

»Sehr einfach. Stell dir mal vor, du lernst einen Menschen kennen. Er entwickelt sich zu der Person, die genau das ist, was du in deinem Leben brauchst. Dann erfährst du aber, dass dieser Mensch nicht das ist, was er vorgibt zu sein. Vor allem aber, dass dieser Mensch schon ein komplettes Leben inklusive Lebensgefährten hat. 5.000 Kilometer von dir entfernt.«

»Autsch. Das war wirklich nicht fair Amy!«

»Na stell dir vor! Denkst du, mir hat das gefallen? Markus wollte mich immer beeindrucken. Hubschrauber, Autos, Haus und was weiss ich. Ich hätte ihm so gerne gesagt, dass er damit keinen Eindruck schinden kann und lieber einfach er selbst sein soll. Ging aber nicht!«

Claudia musste lachen.

»Ich stelle mir das total witzig vor. Kriegst Dinge gezeigt, die dich beeindrucken sollen und in Wahrheit kannst du dir das alles selbst leisten!«

»Es ist nicht lustig, wenn du der bist, der hinters Licht geführt wird. Morgens dachte ich noch, meiner Amy mit meinem Reichtum ein besseres Leben ermöglichen zu können. Mittags musste ich dann erfahren, dass sie finanziell weit über mir steht. Ich wollte sie mit meinem Raudi beeindrucken. Hab die Kiste über die Strassen gescheucht, Amy aber nur daneben gesessen und nicht einmal nach einem Griff geschnappt, oder so. Da kommt man sich hinterher lächerlich vor.«

»Aber, ihr habt dann doch wieder zueinander gefunden?«

Amy lachte laut auf. Markus hingegen blieb ernst.

»Haben wir Katja. Wenngleich ich auch sagen muss, Amy hat uns wieder zusammengeführt. Wie ich ihr damals schon sagte. Sie stand schon immer in allen Belangen weit über mir. Zum Glück, muss ich zugeben. Es ist nicht das Leben, was ich mir damals erhofft hatte, aber ich würde es nicht mehr anders haben wollen. Zwar sehen wir uns nicht so oft, aber alleine die Zeit, die wir zusammen verbringen, erfüllt mich mit so viel Glück!«

»Und du kommst damit klar, dass sie einen Freund in Deutschland hat?«

»Anfangs war es schwer. Gerade, als ich Phillip kennenlernen musste. Aber die Distanz ist schon ein Vorteil. Wenn Amy hier bei mir ist, gehört sie alleine mir. Das spüre ich.«

»Glaub mir Katja, es sind zwei verschiedene Welten. Bin ich hier, dann will ich nur Markus. In Deutschland nur Phillip. Der grosse Teich dazwischen ist wie ein Portal. Bin ich hier, wohne ich hier, lebe hier, liebe hier. In Deutschland das Selbe. Selbst wenn Phillip mit kommt, oder Markus in Deutschland ist. Hier bin ich Markus Freundin, auch wenn Phillip dabei ist. Genau wie umgekehrt. Schwer zu erklären, muss man wohl selbst erleben.«

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