Jagd auf Elena

»Okay Waldi. Also nur noch wir zwei gegen Elena. Das müssten wir doch hinkriegen, oder?«

»Ich stimme dir zu Perry. Doch möchte ich die Bitte an dich richten, mir den ersten Schuss einzuräumen. Du kannst bereits zwei Treffer verbuchen, ich stehe zur Zeit mit leeren Händen da.«

»Soll mir Recht sein Waldi. Also, wie gehen wir vor?«

»Nun, zunächst einmal müssen wir unbemerkt aus der Hütte heraus. Elena wird hier keinen Angriff riskieren. Aufspüren wird unser vordringlichstes Ziel sein. Dann in eine Falle drängen und schliesslich terminieren.«

Perry musste grinsen. Terminieren. So konnte auch nur Waldemar reden.

»Okay. Ich geb dir Deckung. Mach du die Tür auf aber achte darauf, dass du nicht im Schussfeld stehst. Falls Elena das nicht erwartet, geh raus und dann links hinter die Hütte. Elena muss rechts von der Tür gestanden haben, um Donald zu erwischen.«

»Einverstanden!«

Perry kletterte wieder auf die Erhöhung und schaute nach draussen. Keine Elena zu sehen. Aber, die war auch zuvor nicht sichtbar gewesen und hatte dennoch Donald erwischt. Es war also nicht unmöglich, dass sie sich in der Nähe versteckt hielt und die Tür im Auge hatte.

Perry gab Waldemar ein Zeichen. Der öffnete die Tür und achtete sorgsam darauf, dass man ihn von draussen nicht ins Visier nehmen konnte. Doch nein, es wurde nicht gefeuert. Perry suchte angestrengt die Umgebung ab, doch da bewegte sich nichts. Theoretisch konnte Elena aber dennoch auf der Lauer liegen. Das half aber alles nichts. Von daher gab er Waldemar wieder ein Zeichen.

Der setzte sich in einer eigentümlich gebückten Haltung in Bewegung. Kein Schuss. Offensichtlich war Elena doch nicht mehr in der Nähe.

Nachdem Waldemar seine Position ungehindert erreicht hatte, ging auch Perry nach draussen. Bei Waldemar angekommen ging die Planung weiter.

»Okay. Was jetzt Waldi?«

»Ich nehme an, Elena ist tiefer in den Wald. Von der Position aus, von welcher sie auf Donald geschossen hat, ergeben sich ein paar Möglichkeiten, wo sie Deckung suchen könnte.«

Perry dachte nach. Sie waren doch da an einem Hochstand vorbeigekommen. Der lag in etwa in dieser Richtung. Wenn auch Elena den gesehen haben sollte, dann wäre das für sie eigentlich eine der wenigen Möglichkeiten, wie sie herannahende Jungs frühzeitig erkennen und unter Beschuss nehmen konnte.

»Vielleicht der Hochstand? Was meinst du?«

»Daran habe ich auch schon gedacht Perry. Doch Elena ist schlau! Sie wird sich ausrechnen können, dass wir dort nach ihr suchen und wenn sie uns nicht rechtzeitig erwischt, sitzt sie in der Falle. Also nein, ich glaube nicht, dass sie dort drin ist.«

»Okay. Dein Vorschlag?«

»Sie ist beim Hochstand!«

»Willst du mich jetzt verarschen Waldi? Du hast doch gerade gesagt, dort geht sie nicht rein!«

»Präzise, mein lieber Perry. Rein geht sie nicht, aber sie wird davon ausgehen, dass wir dort suchen werden. Daraus folgere ich, sie wird sich in der Nähe aufhalten und den Hochstand im Blick behalten. Aus einer Position, von der aus sie uns unter Feuer nehmen kann.«

Perry dachte nach. War das nun eine von diesen Situationen, wo man die Gedanken des Gegners erraten wollte und dabei davon ausging, dass der Gegner genauso vor ging? Wenn ich das mache, dann macht der das. Das heisst, ich mache es doch anders, aber er könnte das vermuten. Bleibe ich also doch bei meiner ersten Entscheidung. Es bliebe nur die Frage, wie dachte Elena? Doch Perry musste zugeben, wie Waldemar Elena einschätzte, war durchaus logisch.

»Okay. Dein Vorschlag also?«

»Wir nähern uns dem Hochstand von der Seite.«

Perry nickte und die Männer setzten sich in Bewegung. Es war gar nicht einfach, ein ausreichendes Tempo an den Tag zu legen, dabei aber auch auf alle Stolperfallen zu achten und auf alle Gegebenheiten, die Geräusche verursachen konnten.

Nach einigen Minuten erreichten sie schliesslich den Hochstand. Wie Waldemar es vorausgesagt hatte, schien der leer zu sein. Zumindest war keine Elena zu sehen, welche die Umgebung beobachtete. Gut, sie konnte auch in Deckung gewesen sein und darauf warten, dass entweder jemand zu ihr hoch kam, oder sonst irgendwie verräterische Geräusche verursachte. Doch das wäre nahezu sinnlos gewesen. So wie der Hochstand angelegt war, konnte man vom Boden aus kaum Treffer erzielen. Elena hätte sich also eine Chance vertan, wenn sie nicht beobachtet hätte.

Doch, wo war sie? Perry suchte die Umgebung ab. Es gab unzählige Möglichkeiten, wo sich die kleine Elena problemlos hätte verstecken können. Da das Richtige zu finden, war wie Lotto spielen.

Waldemar hingegen konnte seinen kombinatorischen Verstand einsetzen. Ja, es gab sehr viele Verstecke, doch waren die Meisten davon unbrauchbar. Verstecken konnte man sich dort, aber hatte man keinen Vorteil davon. Für ihn gab es nur wenige potentielle Aufenthaltsorte für Elena. Auch die konnte er eingrenzen und schlussendlich ein Versteck identifizieren, wo er Elena mit hoher Wahrscheinlichkeit vermutete.

»Wir sollten uns trennen Perry. Ich bewege mich in diese Richtung, du gehst in 45 Grad. Damit werden wir Elena nötigen, zwei Richtungen im Auge behalten zu müssen und sie wird einen Fehler machen!«

Perry nickte und setzte sich in Bewegung. Waldemar wartete noch einen Moment. Auch wenn er es so angegeben hatte, verfolgte er mit seinem Plan ein anderes Ziel. Perry war der Köder und wenn er mit seiner Vermutung richtig lag, dann würde er genau in ihr Schussfeld laufen.

Auch Waldemar setzte sich schliesslich in Bewegung, nachdem er Perry etwas Vorsprung gegeben hatte. Das Versteck von Elena war bereits zum greifen nah und wenn er nicht irgendein verräterisches Geräusch machen würde, musste er gleich hinter ihr sein. Ein wenig plagte ihn das schlechte Gewissen. Wenn sein Plan aufgehen würde, dann konnte er Elena erreichen, bevor sie auf Perry schoss. Er hatte ihm aber einen Vorsprung gegeben, wodurch er früher in ihrer Schusslinie sein würde, als Waldemar sie erreichen konnte.

Es fiel ein Schuss und kurz darauf erklangen die Schmerzlaute von Perry im Wald. Ein wenig klang es so, als würde eine Giraffe verenden, solch merkwürdige Geräusche drangen aus Perry. Für Waldemar die perfekte Gelegenheit. Noch ein Schritt und er war hinter der Deckung. Elena lag vor ihm auf dem Boden, die Beine in seine Richtung gestreckt und immer noch in die Richtung zielend, wo sie Perry gerade abgeschossen hatte. Waldemar zielte und drückte ab. Aus der kurzen Distanz schlug die Farbpatrone wie eine Granate in Elenas Rücken ein. Die keuchte, während Waldemar zu jubeln begann.

Sogar Perry verstummte und dachte nicht mehr an seinen Schmerz, als er den Jubel von Waldemar hörte. Ein Gefühlsausbruch von diesem Mann? Das hatte er noch nie erlebt! Auch Elena war verwundert und rappelte sich unter Schmerzen auf. Perry kam neben sie und gemeinsam beobachteten sie mit Staunen in den Augen, wie Waldemar einen Siegestanz aufführte.

Gut, damit war die Sache erledigt. Gemeinsam gingen die Drei zurück zur Hütte, während Perry sich an einer Tour bei Waldemar beklagte, dass der ihn einfach so geopfert hatte. Waldemar hingegen, der wieder zu seiner gewohnt sachlichen und emotionslosen Art gewechselt hatte, sah in seinem Verhalten keinen Verrat. Er hatte durch seine Tat den Sieg für die Jungs eingefahren und schliesslich ging es nur darum.

Nun gut. Perry war nicht wirklich böse auf Waldemar. Letzten Endes war es nur ein Spiel und auch der Schmerz in seinem Arm, wo Elena ihn erwischt hatte, ebbte langsam ab. Sie erreichten die Hütte, Elena öffnete die Tür und Perry blieb das Herz stehen. Mit allem hatte er gerechnet, doch nicht mit dem, was er da sah.

Donald hockte auf einer Erhöhung, während Katja, Claudia und Veronika vor ihm knieten und ihn gerade mit ihren Händen und Mündern am befriedigen waren.

»Hmm. Also ich hatte ja gedacht, du hättest Katja und Veronika erwischt Perry.«

Katja, die gerade nur mit der Hand an Donald zugange war, drehte ihren Kopf zur Tür.

»Stimmt schon. Aber ihr könnte uns doch nicht mit Donald hier alleine lassen und davon ausgehen, dass wir den nicht benutzen, oder?«

Donald grinste.

»Keine Panik Perry. Hat nichts mit dem Spiel zu tun. Die machen das freiwillig!«

Perry war wie erstarrt. An seinen Arm dachte er nicht mehr. Sein ganzes Denkvermögen war in seine Hose gerutscht und er konnte nur sehen, wie seine Freundin da gerade ihren Spass hatte.

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