Die Party (Teil 1)

Perry konnte die Stunden nicht abwarten, bis es endlich 21 Uhr war. Er versuchte sich zwar mit seiner Arbeit abzulenken, damit die Zeit schneller vergehen würde, doch gelingen wollte es ihm nicht. Auf jede Zeile Code folgten mindestens fünf Minuten, in denen er sich Gedanken um das machte, was bei einer solchen Party wohl passieren würde. Donald hingegen blieb cool. Auch er hatte sich an seinen Rechner gesetzt und arbeitete an neuen Entwürfen für Konferenzräume, so wie er sich diese vorstellte. Waldemar blieb unbeeindruckt. Sein Code war ihm heilig und sein einziges Bestreben bestand darin, seine Erzeugnisse bis auf das letzte Bit zu optimieren.

Dann endlich. 20:30 Uhr fing Perry an sich fertig zumachen. Erst duschen, sich rasieren, erneut die Zähne putzen und hinterher frisieren. Es war nun nicht so, als hätte sein Haarschnitt viele Frisuren zugelassen, dennoch verbrauchte er so viel Gel, dass es hinterher aussah wie eine Perücke. Fazit der Aktion, schnell noch einmal unter die Dusche. Schlussendlich blieb ihm nur noch genug Zeit sich zu kämmen und den Rest seinen Haaren zu überlassen. Das Outfit hatte er schon auf seinem Bett liegen und als er es anzog fühlte er sich wie ein Held. Er zog sich wirklich für eine Party an und sein Freund Donald hatte ihn hoffentlich gut beraten, was seine Kleidung betraf.

Donald hatte derweil seine gewohnte Partykleidung angelegt. Die Klamotten waren ordentlich und verfolgten den Zweck, möglichst schnell ausgezogen werden zu können. Waldemar machte gar nichts. Als es Zeit für den Aufbruch war, zog er sich lediglich seine Schuhe an und war fertig. Warum sich über etwas Gedanken machen, was ihn eh nicht interessierte?

Mit klopfendem Herz drückte Perry schliesslich die Klingel und konnte es kaum erwarten, dass endlich die Tür geöffnet wurde. Als sie sich öffnete, musste Perry nach oben schauen. Wie gross war Claudia eigentlich, die ihm geöffnet hatte? Sie war sehr attraktiv, doch neben ihr fühlte Perry sich klein.

»Hey Jungs! Cool, kommt rein. Das mit den 21 Uhr war aber nicht ganz wörtlich gemeint du Schnabeltier!«

Schon wieder diese Bezeichnung! Perry wurde das langsam lästig.

»Perry. Einfach nur Perry, wenn das okay ist!«

Claudia lachte und gab den Weg in die Wohnung frei. 21 Uhr hiess es. Doch schien da drin schon länger die Post abzugehen. Sechs Männer konnte Perry zählen, als er drinnen war und da waren auch Elena und, wie sein Herz mit einem kleinen Sprung quittierte, auch Katja. Alle drei Frauen hatten ein Kleid an. Immer der selbe Schnitt, es unterschied sich nur in der Farbe. Katjas war blau, oder lila. Elenas schwarz, was ihre Haarfarbe irgendwie noch stärker betonte und das von Claudia war rot.

»Hey, die neuen Nachbarn! Toll, dass ihr gekommen seit. Setzt euch! Getränke stehn da hinten auf der Theke. Ist Selbstbedienung. Knabberzeug fliegt hier auch überall rum. Einfach bedienen! Perry, wenn du willst, hier ist Platz!«

Platz war eigentlich überall. Das Wohnzimmer war genauso gross, wie das in ihrer Wohnung. Klar, die ganze Wohnung war die Gleiche, nur spiegelverkehrt. Die Küche grenzte offen an den Wohnbereich und wenn sie ihr ganzes Büro und noch ein Wohnzimmer bei sich unterbringen konnten, dann hatten die Mädels mehr als genug Platz für 12 Personen. Das Katja Perry aber sofort einen Platz neben sich anbot, fand Perry aufregend und er nahm ihr Angebot auch dankend an.

Donald hingegen ging zu den Getränken. Als Profi für Partys war es für ihn ein Leichtes, sich einen ansprechenden Drink zu mixen, was sofort das Interesse einiger der anwesenden Kerle erweckte. Waldemar blieb in der Nähe der Tür stehen. Es machte den Eindruck, als würde er mit einer schnellen Flucht rechnen.

»Hier sind ja nur Männer. Welcher ist dein Freund?«

Perrys Frage zielte natürlich darauf ab, den Beziehungsstatus von Katja in Erfahrung zu bringen. Er hielt sich für einen Narren, nicht in sozialen Netzwerken nach den Frauen gesucht zu haben. Katja lachte.

»Meinen was? Ich hatte seit der Schule keinen festen Freund mehr. Die nerven nur mit ihrer Eifersucht und wollen einen immer nur kontrollieren. Ne, ne, nichts für mich.«

»Und da kommen keine Freundinnen mehr, oder sind die einfach nur spät dran?«

»Freundinnen? Nee. So was haben wir gar nicht. Die sind entweder neidisch auf unser Geld, oder kommen mit unserem Lebenswandel nicht klar.«

»Ist das so? Ihr habt also Geld?«

Katja lachte erneut.

»Klar. Mein Papa ist eine grosse Nummer an der Börse. Claudis hat ein Immobilienunternehmen und Elenas ein Pharmabetrieb.«

Perry schaute verwundert.

»Und ihr?«

»Wir machen Party. Siehst du doch!«

Perry fand es verachtenswert, dass Claudia und Elena auf Kosten ihrer Eltern lebten. Bei Katja sah er da kein Problem.

Schon nach der ersten Stunde hatte Donald Anschluss gefunden. Es schien irgendwie so, als gehörte er in so eine Szene, während Perry sich ein wenig verloren vorkam. Er wusste überhaupt nicht, wie man sich verhalten sollte und während Donald schon einige Getränke intus hatte, nippte er an etwas, was Katja ihm in die Hand gedrückt hatte. Das war ja so stark! Er, der noch nie wirklich Alkohol getrunken hatte, kam damit nicht zurecht.

Claudia versuchte derweil Waldemar davon zu überzeugen, sich doch auch zu den anderen zu gesellen. Der blieb jedoch wie eine Staute in der Nähe der Tür stehen und schien auf das Ende der Zeitverschwendung zu warten.

Perry beobachtete Donald. Der redete und flirtete viel mit Elena, die dem anscheinend offen gegenüberstand. Dazwischen spielte er mit den Kerlen immer wieder irgendwelche Trinkspiele und schien ihren Respekt erlangt zu haben, da man ihn anscheinend nicht aus der Ruhe bringen konnte. Wie gerne wäre auch Perry so locker gewesen. Er merkte gar nicht, dass Katja die ganze Zeit mit ihm flirtete. Bis es ihr irgendwann zu dumm wurde.

»Sag mal Perry, was muss ein Mädel machen, um deine Aufmerksamkeit zu erlangen?«

»Keine Ahnung, wäre mir bisher noch nicht passiert!«

»Oder es ist passiert und du merkst es nicht!«

Perry fing an nachzudenken. Konnte das wirklich der Fall sein? Er merkte gar nicht, dass Katja aufgestanden war. Erst, als sie sich wieder neben ihn setzte, kam er aus seinen Gedanken zurück in die Realität um sofort ein kleines Glas mit einer durchsichtigen Flüssigkeit in die Hand gedrückt zubekommen.

»So Junge, jetzt wird getrunken. Keine Widerrede!«

»Aber, ich trinke eigentlich keinen Alkohol!«

»Ich aber und ich will mit dir trinken!«

Ungefragt schnappte sie sich seine Hand, legte das Handgelenk frei und stricht mit einer Zitronenscheibe darüber. Dann kam Salz. Perry verstand nicht. War das ein chemisches Experiment? Nachdem Katja fertig war, reichte sie ihm ihre Hand und wartete offensichtlich darauf, dass er es ihr gleichtat. Zitternd fing er an die Zitrone über die Innenseite ihres Handgelenks zu streichen und anschliessend Salz darauf zu streuen.

»Ausgezeichnet! Jetzt mach mir nach!«

Katja führte das kleine Glas an ihre sinnlichen Lippen, kippte den Inhalt herunter, leckte das Salz von Perrys Handgelenk und biss in die Zitrone. Perry war total erregt. Eine echte Frau hatte gerade seine Haut mit seiner Zunge berührt. Das erste Mal überhaupt!

Katja grinste und gab Perry das Zeichen, dass er an der Reihe war. Schon als Perry das Glas an seinen Mund hielt, wurde ihm fast schlecht. Der Geruch war grausam! Aber, nach dem Trinken sollte er ja das Salz von Katjas Handgelenk lecken. So schlimm konnte das Zeug also nicht sein! Er kippte es in seinen Mund und schluckte. Da hatte er sich aber mächtig geirrt! Das Zeug war noch viel schlimmer, als sein Geruch! Doch egal. Katja hielt ihm schon ihr Handgelenk hin, Perry nahm es und fing an, langsam das Salz ab zu lecken. Die Erregung in ihm wurde immer grösser, was sich aber nach dem Biss in die unglaublich saure Zitrone etwas relativierte.

»Und? War gar nicht so schwer, oder? Noch eine Runde?«

Perry hätte alles gemacht, um wieder so nah an ihre Haut zu gelangen und nickte deshalb.

Derweil war Donald schon einige Schritte weiter. Er stand mit Elena im Arm, was aufgrund des Grössenunterschieds wirklich komisch aussah, bei den Getränken und spielte schon mit seinem Zeigefinger an ihrem Ausschnitt. Man musste wirklich kein Genie sein um zu wissen, dass bei den Beiden noch was laufen würde und sofort wurde Perry neidisch. Handgelenk ablenken war zwar ein Fortschritt, aber so nah wie Donald kam er mit Sicherheit so schnell keiner Frau.

Waldemar blieb unterdessen wie angewurzelt in der Nähe der Tür. Keine Regung hatte sich bei ihm gezeigt und er wirkte versteinert.

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