Sturm auf die Kirche

In den folgenden Stunden testete Natascha die Gefangenen buchstäblich auf Herz und Nieren. Von Blutproben über Gewebeproben bis hin zu einer professionellen Nutzung des Computertomographen war da alles dabei.

Das Ergebnis war bemerkenswert. Im Blut konnte sie keine Erreger feststellen. Leber, Herz, Nieren, eigentlich alle Organe arbeiteten mit perfekten Werten. Tatsächlich behauptete Natascha sogar, solch gesunde Menschen gäbe es eigentlich nur in der Theorie.

Natürlich konnte auch sie die Schatten nicht übersehen. Mit dem Rot des Blutes ergaben sie sogar eine beeindruckende Kombination, doch auch sie war nicht dazu in der Lage, bei den dunklen Proben irgendetwas zu finden, was nicht auch im normalen Blut vorhanden war. Es schien, als wäre das Schwarze gar nicht da. Damit bestätigte sie die Untersuchungsergebnisse von Waldemar und Mario.

Nachdem alle Untersuchungen abgeschlossen waren, ging es zurück zum Flugzeug. Die Neuankömmlinge hingegen flogen mit ihrem Hubschrauber ganz woanders hin, um dort die Nacht zu verbringen. Das war den Freunden eigentlich egal, die hatten nach dem Essen ohnehin wieder mehr als genug Spass.

Am kommenden Morgen trafen sich dann alle wieder im Krankenhaus und schnell wurde das Team zusammengestellt. Kim bekam ein Jetpack geliehen und gemeinsam mit Amy und Katja ging es zurück zur Kirche. Der Plan sah vor, dass dieses Monster an Hubschrauber Kim, Amy und Katja absetzen würde und dann auf Höhe in Warteposition ging, während die Mädels der Kirche zu Leibe rücken sollten. Im Gegensatz zum Vortag, schien das mit dem Flammenwerfer jedoch kein Problem mehr zu sein. Kim hatte ein handliches Gerät dabei, dessen Tank sie nicht umschnallen musste. Jedoch sei die Einsatzdauer von dem Teil begrenzt, aber sicher sei sicher.

Der Hubschrauber landete, die Mädels stiegen auf und schon war dieses fantastische Gerät wieder in der Luft. Amy schaute hinterher.

»Das ist schon ein brutales Teil!«

»Wem sagst du das? Als wir den bekamen, war es ein Schrotthaufen. Mühevolle Kleinarbeit war erforderlich, um die Kiste wieder in den Zustand zu bringen. Ich kann dir sagen, billig war das nicht. Aber jetzt ist es wohl das beste Stück Technik, was fliegen kann!«

Amy verschränkte die Arme.

»Von unserem Supervogel wohl mal abgesehen!«

»Ach ja? Kann der in der Luft stehenbleiben? Oder senkrecht starten und landen?«

Amy blieb unbeeindruckt.

»Dann euer Hubschrauber mit fünffacher Schallgeschwindigkeit fliegen?«

Kim schwieg und Katja wurde es zu blöd.

»Hallo? Kontrolliert nachher, wer hier die dickeren Eier hat. Lasst uns jetzt da reingehen, wir essen zeitig!«

Kim und Amy schauten ein wenig beschämt zu Katja, nickten dann aber im Gleichklang.

Die Kirche war wieder so, wie am Tag zuvor. Leer, aber verwüstet. Kein Käfer war zu sehen und es war wieder alles still. Trotzdem hatte Kim den Flammenwerfer im Anschlag.

»Siehst du irgendwelche Kellergewölbe Natascha?«

Einen Moment war alles still, dann meldete sich Natascha über Funk.

»Frag nicht. Auf mindestens drei Etagen erstrecken sich hier ganze Dungeons!«

»Dungeons? Hat hier jemand Dungeons gesagt?«

»Waldi, halt dich da mal jetzt raus! Wenn wir die Sache geregelt haben, kannst du spielen gehen!«

»Wie kann Natascha den Boden hier durchleuchten? Röntgenstrahlen?«

Kim lachte.

»Nein Amy! Elf-Wellen. Keine Angst, wir verstrahlen dich nicht. Natascha, wie kommen wir da runter?«

Natascha lotste die Gruppe in einen hinteren Raum und dort zu einer Falltür. Eine dunkle Treppe führte nach unten. Alles war still und eben unglaublich dunkel.

»Mario, du hast nicht zufälligerweise Taschenlampen in den Rucksäcken verstaut?«

»Nö. Aber die Brillen haben eine sehr gute Nachtsichtfunktion!«

In der Tat. Als die Mädels eine Taste an ihren Schutzbrillen drückten, wurde die Treppe und der Raum dahinter sofort sehr gut sichtbar. Kim setzte sich sofort in Bewegung.

»Hast du es eilig?«

»Klar. Katja hat doch gesagt, wir essen zeitig, oder?«

Amy ging hinterher, gefolgt von Katja. Der war die Sache langsam immer unheimlicher. Irgendwie wünschte sie sich, Rebekka, oder Janine wären mitgegangen und sie im Krankenhaus geblieben. Als sie dann unten angekommen waren, staunten sie nicht schlecht.

»Was zur Hölle ist das hier?«

»Riesig Kim, Riesig!«

Antwortete Amy. In der Tat waren sie in einem Gewölbe angekommen, in dem auch bequem Kims Hubschrauber reingepasst hätte.

»Waldi, kannst du irgendwas über die Gewölbe hier in Erfahrung bringen?«

»Ich kann es versuchen, meine liebe Katja.«

»Okay. Dann schauen wir uns hier mal um, würde ich sagen.«

Kims Plan wurde zugestimmt. Immer grösser wurde die Verwunderung der Mädels. Nicht jeder Raum war so gross, wie der Erste. Doch alle waren beeindruckend. Einige hatten Nischen in den Wänden, als wollte man hier etwas lagern. Wein vielleicht? Ein anderer Raum hatte eine Art Altar. Wieder ein anderer ebenfalls so eine Konstruktion, die jedoch anscheinend einen anderen Zweck erfüllte, als darauf Gegenstände zur Durchführung einer Messe zu platzieren.

»Warum erinnert mich das an die Operationstische im Krankenhaus?«

Fragte Katja.

»Na ja. Ich bin da jetzt kein Experte, aber ich hab irgendwie das Gefühl, hier wurde nicht operiert!«

»Was dann Kim?«

Fragte Katja naiv.

»Menschenopfer Katja. Oder Kim?«

»Würde ich mal so annehmen. Macht für mich mehr Sinn, als ein Operationssaal. Steril ist anders.«

»Meine Damen, mein guter Freund Mario und ich habe Informationen für euch gefunden. Doch möchte ich zu bedenken geben …«

»Schon klar Waldi, du kannst keine Garantie für die Echtheit geben. Erzähl also!«

»Ungeduldig wie immer, meine liebe Katja. Zu den Informationen. Es heisst, Zabrovst wäre auf einer okkulten Städte erbaut worden. Zu Beginn noch um schwarze Magie zu betreiben, doch nach und nach entwickelte sich die zuerst überschaubare Gemeinschaft immer mehr zu einer Ortschaft, die mit schwarzer Magie nichts zu tun hatte. Doch wie es scheint, haben die Einwohner diese Gewölbe genutzt, um Touristen anzulocken.«

»Hmm. Meinst du, die haben hier irgendwas beschworen und diese Schatten sind deshalb hier aufgetaucht?«

Pascal meldete sich.

»Mach dich nicht lächerlich Katja. Da haben irgendwelche Leute diese Gewölbe entdeckt, dann angefangen hier irgendwelche Messen abzuhalten und dann ist eben eine Stadt entstanden. Mehr ist das nicht!«

»Was macht dich da so sicher Pascal?«

»Ich kenne mich in der Thematik aus Kim. Ihr befindet euch mit Sicherheit an einem sehr alten Ort. Aber hier wurden keine Rituale in der Neuzeit durchgeführt, womit man die Schatten hätte rufen können.«

»Hey! Scheisse, schaut euch das an!«

Das Amy sich schon alleine in den nächsten Raum aufgemacht hatte, war von Katja und Kim unbemerkt geblieben. Die Beiden eilten zu ihr.

»Lass diese Scheisse! Niemand verlässt die Gruppe!«

»Hallo? Wer hat dich denn zum Anführer gemacht?«

»Niemand, sie hat aber Recht Amy! Bleibt zusammen!«

Pascal hatte einen Befehlston drauf, irgendwie wollte Amy wieder in seinen Raum.

»Was zur Hölle ist das hier?«

Dieser Raum hatte wieder Nischen. Diese waren jedoch nicht leer. In ihnen befanden sich transparente Boxen, die mit Insekten gefüllt waren. Die Ölkäfer waren dabei, aber auch Spinnen und was sonst noch alles in dieser Gegend zu finden war. Katja schaute sich das alles an und riss dann die Augen auf.

»Waldi, diese Käfer, die haben sich deiner Meinung nach manifestiert, richtig? Das sind keine irdischen?«

»Korrekt!«

»Na herrlich. Warum habe ich nur so das Gefühl, dass wir hier im Archiv für Insekten sind? Ich verwette meinen Arsch darauf, dass diese Schatten hier die Muster für ihre Manifestation gelagert haben. Was sie brauchen können sie hier einfach als Vorlage nehmen!«

Print Friendly, PDF & Email

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.