Da war was mit einem Vorstand!

»Ich, also, nun, ich, ist okay!«

Claudia bekam ein Leuchten in die Augen.

»Was heisst, ist okay Schatz?«

»Das es okay ist! Aber bitte, tu das nicht zuhause, okay?«

Claudia war happy. Ob sie es zuhause auch tun würde, war ihr jetzt zwar noch nicht ganz klar, dort musste es Donald aber dann nicht unbedingt wissen.

»Super, wenn das ja geklärt ist würde ich sagen, wir machen uns auf den Weg, oder? Je früher wir anfangen, desto mehr kriegen wir an Spenden, oder?«

»Wie genau soll das eigentlich ablaufen Alexis? Miete wir Zimmer, oder wo soll das steigen?«

Da wurde Alexis dann etwas verlegen.

»Na ja, so genau hab ich mir das noch gar nicht überlegt. Wir könnten in den Park gehen, es dort Leuten anbieten und was weiss ich, im Bus, oder so?«

Waldemar schaute zu Elena. Er war überhaupt nicht glücklich darüber, dass sie wieder ihren Körper für solch ein schmutziges Spiel opfern wollte. Doch gleichzeitig dachte er auch daran, dass Elena dadurch auch so etwas wie eine Heldin war. Das schaltete wieder etwas in ihm um.

»Ich bin ein wenig erschüttert! Eine solch verwegene Idee und dann keine Planung? Alexis, ich hätte mehr von dir erwartet!«

Alle waren schockiert und starrten Waldemar nach diesen Worten an. Niemand hätte damit gerechnet, dass ausgerechnet er diesen Einwand erhob.

»Ach ja? Dann, Herr Oberschlau, was wäre denn deine Idee?«

Waldemar verzog keine Mine.

»Die liebe Katja hat doch eine hervorragende Methode genannt! Ein Raum, oder eine kleine Halle, oder wie auch immer, da Holzverschläge rein, wo nur eure untere Hälfte zum Vorschein kommt, ihr legt euch rein, wir stellen uns davor und kassieren, wenn jemand in euch will. Simpel!«

Von Katja abgesehen waren Alle über diesen Vorschlag freudig überrascht. Katja deshalb nicht, sie hatte die gleiche Idee, Waldemar war lediglich schneller gewesen.

»Wir könnten ja schauen, ob wir diese Örtlichkeit mieten können, oder so!«

»Nee Katja. Lass mich nur machen!«

Markus hatte schon sein Hand in der hat, gibt etwas von den Leuten weg und telefonierte ein paar Minuten. Perry ging zu Waldemar.

»Was ist denn auf einmal los mit dir? So eine Idee von dir? Wie war das mit dem, Sex seit Zeitverschwendung, wenn es nicht um die Fortpflanzung geht?«

»Mein lieber Freund Perry. Du übersiehst eine Tatsache! Hier geht es um das sammeln von Spenden! In dem Fall hat selbst so eine niedere Tätigkeit ihre Berechtigung!«

Perry war beeindruckt. Das hätte er von einem seiner ältesten Freunde nicht erwartet. Vielleicht wurde er doch mal lockerer.

»Okay Leute, ist geregelt! Bis wir in New Apple sind, sollten meine Leute eine meiner kleinen Lagerhallen umgebaut haben. Das heisst, wohl nicht ganz. Aber, der Vorstand ist heute vollständig im Haus. Perry, Donald, Waldemar, es wird Zeit, den Vorstand wegen eurer Software zu befragen! Das gibt meinen Leuten auch etwas Zeit, ein wenig die Werbetrommel zu rühren!«

Gesagt, getan. Mit dem Bus ging es zurück nach New Apple. Dort war das erste Ziel die Firma von Markus, wo es direkt oben ins Konferenzzimmer ging. Alle, die an der Sache nicht beteiligt waren, mussten sich hinten an die Wand stellen, still sein und abwarten. Perry, Waldemar und Donald hingegen wurden quasi sofort von den Mitgliedern des Vorstandes in ein massives Kreuzfeuer genommen. Nie war klar, wer da jetzt eine bestimmte Frage gestellt bekam. Erst stellte einer der Vorstandsmitglieder die Frage, dann erst nannte er die Person, welche sie zu beantworten hatte.

Katja machte sich Sorgen. Perry stolperte immer wieder über seine eigenen Worte, da er oft zu Themen vom Design befragt wurde, wovon er ja aber doch gar keine Ahnung hatte! Aber auch Waldemar verknotete sich ganz gerne die Zunge, wenn er eine Frage bezüglich der Technik beantworten sollte, oder Donald wegen den Protokollen. Die ganzen Fragen waren, so zumindest die Meinung der Zuschauer, komplett unfair. Bis es Perry dann zu bunt wurde.

»Meine Herren! Ich bin es hier langsam leid, Fragen zu einem Gebiet zu beantworten, mit dem ich mich gar nicht befasst habe! Ich bin für die grundlegende Technik der Software verantwortlich, mein Kollege Waldemar hat sich um Komprimierung und die Protokolle gekümmert, während Donald das Design unter sich hat. Mir ist durchaus klar, dass sie darüber bestens informiert sind und deshalb würde ich jetzt gerne wissen, ob sie und verarschen wollen! Denn um es mal ganz ehrlich zu sagen, keine ihrer Fragen war in irgendeiner Form ausschlaggebend für die Funktionsweise, oder die Qualität unserer Software und das sie diese Fragen dann auch noch an immer die falschen Personen gestellt haben dürfte klar sein, dass wir hier keinen professionellen Eindruck hinterlassen. Deshalb bitte ich sie, nun echte Fragen an die entsprechend richtigen Personen zu stellen, oder dieses Treffen hier und jetzt abzubrechen!«

Auch wenn sie sich sicher war, dass Perry damit der ganzen Angelegenheit den Todesstoss versetzt hatte, war sie doch unglaublich stolz auf ihren Mann. Er hatte mittlerweile die Eier, auch diesen gestandenen und offensichtlich wenig nachgiebigen Vorstandsmitglieder die Stirn zu bieten und das machte ihn unglaublich sexy!

Einer der Vorstandsmitglieder, der Markus gegenüber am anderen Kopfende der langen Tafel sass, lehnte sich zurück, fing an die Fingerspitzen gegeneinander zu tippen und Perry zu mustern. Dann überprüfte sein Blick Donald und schliesslich Waldemar. Nachdem die Musterung abgeschlossen war, suchte er Markus Blick, der cool auf seinem Stuhl sass und wartete.

»Markus, als du mit dieser Idee gekommen bist war ich sehr skeptisch! Ein so junges Unternehmen mit drei so jungen und unerfahrenen Geschäftsführern war mir ehrlich gesagt suspekt. Aber du weisst ja, ich habe mir die Software nun ausgiebig angeschaut und bin, wie ich in meinem Bericht abgegeben habe, hoch zufrieden damit. Das deine Kameraden nun aber auch den Schneid haben, uns hier direkt und ohne Furcht die Stirn zu bieten, ist für mich ausschlaggebend! Ich will diese Software, mit den entsprechenden Modifikationen!«

Perry wusste gar nicht, was er davon halten sollte. Also fragte er einfach nach.

»Moment! Es geht her gar nicht um unser Programm? Sie haben uns nur getestet?«

»Aber ja, mein junger Freund! Ihre Software ist einmalig und mit den von Markus angeregten Änderungen für uns ein wahrer Glücksfall. Doch was bringt sie uns, wenn die Köpfe dahinter keine eigene Meinung haben? Wenn Kunde A kommt und etwas verlangt, was von vorne herein aussichtslos ist, sie aber nicht den Mut haben es ihm zu sagen? Sie sind die Macht hinter dem Code und nur sie entscheiden, was durchführbar ist und was nicht! Demzufolge sind auch sie es die das letzte Wort haben und nicht irgendein Kunde, uns eingeschlossen. Also braucht so ein Programm auch Personen dahinter, die sich durchsetzen können. Die den Kunden klipp und klar sagen, was funktioniert und was nicht. Alles Andere ist Zeitverschwendung. Für euch als Entwickler und für die Kunden, da die Software damit schnell kaputt geht. Von daher, ja, wir haben euch getestet und ja, ihr habt den Test bestanden. Markus?«

Markus stand auf und ging zu Perry, der schaute, als wäre er gerade vom Bus angefahren worden. Als er die Hand ausstreckte, griff Perry fast mechanisch danach.

»Glückwunsch Perry! Ihr kriegt noch eine schriftliche Ausführung des Vertrages, aber hiermit seit ihr an Board! Glückwunsch mein Freund und auf eine gute Zusammenarbeit!«

Perry konnte gar nichts sagen und Katja war froh, dass sei unter das Kleid doch einen Slip gezogen hatte, sonst hätte sie in dem Moment zu tropfen begonnen. Auch Donald bekam die Hand gereicht und schliesslich Waldemar. Der war natürlich so emotionslos, dass er als Einziger auch etwas sagen konnte.

»Danke Markus! Wir werden uns, sobald wir wieder zuhause sind, umgehend an die Modifikationen machen, Server mieten und was für die Vertragserfüllung noch erforderlich ist. Ihr werdet nicht enttäuscht sein!«

Der Mann, der eben zu Perry gesprochen hatte, wollte das kommentieren.

»Davon gehe ich aus! Ich habe eine ganz gute Menschenkenntnis und bin der Meinung, ihr Drei seit ein wirklich hervorragendes Team! Jeder hat seinen Arbeitsbereich, jeder versteht sich hervorragend auf diesem Gebiet und keiner kommt dem Anderen in die Quere. Das sind sehr gute Voraussetzungen! Ich bin mir sicher, in einem Jahr werden wir euer Produkt nicht mehr aus der Firma wegdenken können und fragen uns, wie wir vorher überhaupt funktionieren konnten!«

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