Fütterungen (Teil 1)

Die Gruppe wurde aus dem Schlachthaus gebracht und zu einem wirklich grossen, ansprechenden Haus geführt. Ihr Führer klingelte an der Tür, die kurz darauf von einer jungen, sehr attraktiven Frau geöffnet wurde. Hier bestätigte sich schon etwas von dem, was Baki gesagt hatte. Niemand war hier eingesperrt. Wenn die Frau die Tür öffnen konnte, konnte sie es ja immer und folglich konnte sie auch gehen, wenn sie es gewollt hätte.

Der Grund für den Besuch wurde genannt, die Frau schien sich daran überhaupt nicht zu stören und bat die Gruppe herein. Tiffany erschauderte. Da waren noch mehr Frauen. Eine attraktiver als die Andere und die Stimmung war super. Als wären die Damen im Urlaub und hätten einfach nur Spass. Die Frau, welche die Gruppe hereingelassen hatte, klatschte ein paar Mal in die Hände.

»Hey Mädels! Ihr habt doch bestimmt schon einmal von der Megaclite gehört. Darf ich euch einen Teil der Besatzung vorstellen? Kapitän Krieger hier hat ein paar Fragen an uns. Wie es aussieht, versteht er nicht das Konzept unseres Hierseins. Beantwortet ihm einfach seine Fragen bitte.«

Krieger war verwundert. Die Mädels schienen offensichtlich Freude daran zu haben, solche Fragen zu beantworten. Sie kamen auf jeden Fall sofort herbei.

»Danke. Ja, es ist richtig. Warum ihr hier seit wäre in meiner Zivilisation undenkbar. Menschen, die sich freiwillig opfern? Um Tiere mit ihrem Körper zu füttern? Nein, so etwas würde nicht in unsere Kultur passen.«

Eine der Frauen schien nun ihrerseits etwas nicht zu verstehen.

»Sie nehmen ihren Frauen also die Chance, diese Ehre zu erlangen?«

»Wenn ich fragen darf, was ist es für eine Ehre, Selbstmord zu begehen?«

»Kapitän, sie verstehen etwas offensichtlich wirklich falsch! Wir begehen keinen Selbstmord! Wir opfern uns, um unserem Volk Nahrung und Wohlstand zu geben! So wie wir die Nahrung gekostet und genossen haben, sorgen wir dafür, dass auch Andere die Möglichkeit dafür erlangen. Das würde ich nicht Selbstmord nennen! Für mich ist es eine erstrebenswerte Ehre!«

»Und was haben sie davon?«

Das beantwortete eine andere Frau.

»Da möchte ich ihnen eine Frage stellen. Sie sind Kapitän auf einem Raumschiff. Sie waren mit Sicherheit schon in gefährlichen Situationen und haben Leben verloren. War es für diese Personen erstrebenswert, so zu enden?«

»Jetzt vergleichen sie aber Äpfel mit Birnen! Die Leute, die unter meinem Kommando gefallen sind, gingen ja nicht mit mir auf die Reise, um dabei zu sterben!«

»Sehen sie? Ich bin auch nicht hier, um zu sterben. Ich bin hier um mein Volk zu ernähren! Das ich dabei mein Leben verliere ist nur eine Nebenerscheinung, genauso wie Personen unter ihrem Kommando bei einem Einsatz ihr Leben verlieren können.«

Dummerweise fing Krieger an zu verstehen. Tiffany war schon einen Schritt weiter. Sie fing an Hochachtung vor diesen Frauen zu entwickeln. Definitiv war eines klar. Die Damen schienen keines Wegs aus einem Zwang hier zu sein. Sie wollten es so und waren stolz auf das, was sie da taten.

»Nun gut. Aber wie kamen sie zu der Entscheidung, sich opfern zu wollen?«

»Also ich will es schon, seit bei mir eine Fehlbildung in meinen Fortpflanzungsorganen festgestellt wurde.«

Eine andere Frau meldete sich.

»Ich habe mir dazu entschieden, als mein Partner mich verlassen hat. Ich hatte schon viele Beziehungen und bin eigentlich der Meinung, es ist alles so unnötig. Ich sehe wirklich den meisten Sinn in meinem Leben, wenn ich mein Volk Nahrung bringe.«

Und eine weitere meldete sich. Die schien eine ganze andere Sicht zu haben.

»Ich will es schon, seit sich meine Sexualität entwickelt hat. Der Gedanke, lebendig gefressen zu werden ist einfach unglaublich heiss für mich. Ich werde es zwar nur einmal erleben dürfen, aber der Reiz ist so gross, dass ich es tun will.«

»Okay. Ich möchte das aber absolut unmissverständlich haben. Sie sind alle freiwillig hier? Keiner wird gezwungen, bestochen, oder sonst irgendwie hier festgehalten?«

Jede der Frauen zog eine kleine Karte irgendwo hervor.

»Das sind unsere Rückflugtickets. Die bekommt jede Frau ausgehändigt, die hier ankommt. Damit kann man jedes abfliegende Schiff besteigen. Insofern man es sich anders überlegt hat.«

Das war absolut deutlich. Hier gab es keinen Zwang. Es war in der Tat freiwillig und wie hatte Baki bereits gefragt? Hatten die Menschen das Recht eine andere Zivilisation zu verurteilen? Wahrscheinlich nicht, aber es gab noch etwas, wovon sich Krieger überzeugen wollte. Es mochte wohl so sein, dass die Frauen hier noch cool und entschlossen waren. Aber, wie war es bei der Fütterung? Viel mehr, falls die Frauen es sich irgendwann überlegten, dann doch sicher in dem Moment, wo es wirklich Ernst wurde. Krieger wollte es erleben um ausschliessen zu können, dass dann unter Zwang gehandelt wurde.

»Nun gut. Wenn ich fragen darf, wie genau gehen diese Fütterungen vonstatten?«

Das Mädel, welches sexuelles Interesse an solch einer Tat hatte, schien das sofort beantworten zu müssen.

»Es gibt da verschiedene Arten. Die Einen wollen lebendig gefressen werden, so wie ich. Dann gibt es aber noch jene, die Angst vor Schmerzen haben. Die werden dann entweder geköpft, oder gehängt. Je nachdem, mit was sie sich besser anfreunden können. Im Anschluss werden ihre Körper dann verfüttert. Meistens an die, die schon nah an der Starre sind. Da es bei denen vorkommen kann, dass sie beim fressen in die Starre fallen und es ist nicht so schön, wenn man erst halb gefressen wurde und dann erlöst werden muss, weil das Tier verendet ist.«

Krieger und Tiffany lief es kalt den Rücken runter.

»Okay. Wie häufig sind diese Fütterungen? Könnten wir den verschiedenen Arten beiwohnen?«

Die Mädels lachten.

»Fütterungen sind dauernd! Wer an der Reihe ist bestimmt der Computer. Wir werden die ganze Zeit auf körperliche Veränderungen hin geprüft. Sobald der Computer Angst, oder Zweifel registriert, wird die Frau ausgemustert und nachhause geschickt.«

»Okay, interessant. Wann wäre denn die nächste Fütterung und welche Art wäre es?«

Eine andere Frau ging zu einem Kontrollfeld an der Wand und drückte ein paar Knöpfe.

»15 Minute, Köpfen. Die Dame da hinten!«

Die Frau, auf die da gezeigt wurde, schien sofort nervös zu werden. Aber nicht panisch, oder ähnliches. Sie schien einfach aufgeregt zu sein.

»Echt? In 15 Minuten? Warum sagt mir keiner was?«

Sie eilte sofort los. Tiffany fand das eigenartig.

»Wo ist sie jetzt hin?«

»Sich waschen, denke ich mal. Das machen die aber auch vor der Fütterung, wenn ein gewisser Grad der Reinlichkeit nicht erreicht wurde. Aber dann eher auf die schnelle Art. Einmal mit Desinfektionsmittel abspritzen und fertig. Deshalb machen wir uns normalerweise selbst sauber, bevor wir zur Fütterung gehen. Weil es einfach gründlicher ist!«

Tiffany war schockiert. Die machten sich freiwillig sauber, damit es auch gründlich war? Freuten die sich wirklich und wahrhaftig auf ihr Ende? Das konnte doch nicht wahr sein! Sie musste jetzt etwas wissen.

»Ich will euch was fragen und bitte seht meine Wortwahl nach. Aber seit ihr nicht ganz dicht? Ihr seit uns technisch in vieler Hinsicht weit überlegen, aber bringt es nicht fertig einen Nahrungsmittelgenerator zu bauen? Der sämtliche Opfer überflüssig machen würde?«

Empörung bei den Frauen. Eine versuchte den Tumult zu reduzieren und dann eine Antwort zu geben.

»Es gibt diese Technologie! Sie wird auf unseren grossen Raumschiffen eingesetzt, um Platz zu sparen. Aber, würden wir sie überall einsetzen, währen Millionen von uns ohne Arbeit und ohne Einkommen. Die Fleischgewinnung und Verteilung ist einer der grössten Industriezweige in unserem Volk. Sollten wir das einfach so untergehen lassen? Wofür? Du nennst es Opfer, wir nennen es Ehre! Sollen wir uns die nehmen lassen?«

Tiffany hatte irgendwie das Gefühl, sich entschuldigen zu müssen. Doch Krieger sprach.

»Verzeiht meinen ersten Offizier. Sie hat eine Frage gestellt, die auch mir im Kopf herumging. Es ist richtig. Wir können in eurer Tat nur ein vermeidbares Opfer sehen. Auch richtig ist, wir sind nicht hier um zu urteilen. Es ist eure Kultur und wenn die sich so entwickelt hat, ist es euer Recht sie auszuüben!«

Print Friendly, PDF & Email

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.