… mit Respekt?

Da wird man sich jetzt vielleicht fragen, warum ich, obwohl ich ja schon das Thema Toleranz hatte, nun auch noch mit Respekt komme. Das hat einen einfachen Grund. Ich betreibe natürlich auch Recherche im Netz zum Thema Wifesharing. Es gibt viele Artikel auf vielen Seiten und ich versuche gerade in den Kommentaren und in Foren herauszufinden, was die Menschen an dem Thema noch interessiert, was sie nicht verstehen und bei welchen dieser Punkte ich meine Erfahrungen wiedergeben kann.

Dabei ist mir etwas aufgefallen. Neben der Tatsache, dass viele eher weniger Toleranz zu dem Thema an den Tag legen, existiert auch eine unglaubliche Respektlosigkeit! Ein paar Punkte habe ich mir notiert, die ich hier mal genauer durchleuchten will und vielleicht so dafür sorgen kann, dass zumindest die Wifesharer sich ein bisschen respektvoller verhalten, wenn sie schon toleriert werden wollen.

Wifesharer sind sexuell verkrüppelt!

In etwa solche Aussagen habe ich bereits in einigen Foren gelesen und wurde ebenfalls schon auf diese Weise angesprochen. Hier scheint es nicht nur mangelnde Toleranz zu geben, sondern entsprechende Redner scheinen die Menschen, welche eine andere sexuelle Vorliebe haben, auch angreifen zu wollen.

Worauf begründet sich nun diese Formulierung?

Wie man aus den Texten herauslesen kann, mangelt es diesen Personen nicht nur an Toleranz, sie scheinen zudem auch auf so etwas wie einem Kreuzzug zu sein. Neben den Beleidigungen den Sharern gegenüber, versuchen diese Personen auch gerne die monogame Sexualität als die einzig wahre hinzustellen! In einigen Fällen geht es auch so weit, dass einige Personen sogar propagieren, Sex gehöre in eine Ehe und hätte zuvor nichts im Alltag verloren!

Gerade in solchen Fällen stelle ich mir gerne einen älteren Herren vor, der an seinem Computer sitzt, im Internet ein Sündenbabel sieht und damit nicht zurecht kommt. Bliebe für mich nur immer wieder die Frage, wenn solche Menschen im Netz unterwegs sind, wie kommen sie auf solche Seiten? Nun, da kommen wahrscheinlich die Medien ins Spiel. Wenn ich sehe, dass einige Formate bekannter privater Fernsehsender das Thema schon gebracht haben, wundert es mich eigentlich nicht, dass sich hier und da jemand zu einem Kreuzzug berufen fühlt. Ganz ehrlich, bei einigen diese Beiträge verspüre ich selbst die Lust, bei den Sendern ein bisschen zu missionieren. Ein Thema wie Wifesharing, dass Teilen des Partners, ist so vielschichtig, dynamisch, und komplex, dass kann man in solch kurzen Beiträgen einfach nur unzureichend behandeln! Ein paar Punkte treffen zwar zu, aber allgemein wird man dazu verleitet, Wifesharing in eine Schublade zu stecken.

Ich habe auch einige Artikel namhafter Magazine und bekannter Internetseiten gelesen, die tatsächlich ein Regelwerk mit fünf bis zehn Punkten nennen, woran sich Sharer halten »müssen«. Sind wir denn bei BDSM, oder wie? Wird erst ein Vertrag geschrieben und muss von da an eingehalten werden?

Nun aber die Frage, sind Wifesharer verkrüppelt?

Was versteht man denn nun unter einem Krüppel? Genau genommen einen Menschen, der in irgendeiner Form behinder, eingeschränkt ist. Passt das nun auf einen Sharer?

Genau genommen ja nicht! Wir sind nicht eingeschränkt! Wir können genauso wundervollen Sex mit unserem Partner haben, wie jeder andere „normale“ Mensch! Wir empfinden nicht nur Lust, wenn der Partner fremdgeht! Wir sind also keineswegs eingeschränkt, oder behindert! Wir können alles das, was ein „normaler“ Mensch auch kann, ohne dass es uns in irgendeiner Form durch den Fetisch verdorben wird!

Wobei ich hier sagen muss, wenn der Fetisch über lange Zeit unbeachtet bleibt, dann kann es schon zu einer gewissen Traurigkeit, oder Trostlosigkeit kommen! Allerdings, wie ich im Beitrag »Es muss nicht immer Hummer sein« geschrieben habe, es gibt viele Möglichkeiten den Fetisch zu beachten, auch in einer monogamen Beziehung!

Nimmt man es also mal ganz genau, dann sind wir Sharer nicht eingeschränkt, oder behindert! Im Gegenteil! Wir haben die Fähigkeit, dem Liebesleben noch mehr Freiheiten einzuräumen und darüber hinaus geben wir unserem Partner sogar die Freiheit, sich selbst sexuell austoben zu können. Sind wir also Krüppel, oder eher so etwas wie Superhelden? Superheld im Sinne von, wir haben Fähigkeiten, die andere Menschen nicht haben!

Sind wir deshalb also besser und die „normalen“ Menschen die Krüppel?

Von wegen! Wir sind nicht besser, wir sind nur anders! Man sollte nicht vergessen, es geht hier nur um Sex! Wir haben unsere Vorlieben und die sind genauso viel wert, wie die jedes anderen Menschen! Ob wir nun unseren Partner teilen wollen, aus das gleiche Geschlecht stehen, oder wir monogam leben wollen. Alles hat seine Berechtigung und in einer aufgeklärten und aufgeschlossenen Zeit sollte das respektiert werden können!

Sharer sind egoistisch und stellen nur die eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund!

Auch das habe ich schon einige Male so gelesen und stelle dabei fest, wer eine solche Behauptung ausspricht, schafft es nicht über den Tellerrand zu schauen! Wer sich nur ein wenig Gedanken darum gemacht hat, der kann gar nicht zu einem solchen Schluss kommen! Wie ich im Beitrag »Wifesharing und der Partner« bereits geschrieben habe, sind wir weit weg von einem Egoisten! Wir geben unserem Partner Freiheit und wenn man mal nicht vergisst, dass es bei der ganzen Sache um Sex geht, dann sollte der Partner genauso viel Spass haben, wie der Sharer!

Es ist richtig! Im Vordergrund steht für den Sharer seinen Partner zu teilen! Doch wir wollen ja nicht, dass unser Partner dafür auf etwas verzichtet, oder ihn in irgendeiner Form einschränken! Was wir wollen, bereitet dem Partner ja selbst Vergnügen! Er hat die Möglichkeit sich sexuell auszuleben, vielleicht sogar wieder die Phase des Verliebt seins zu erfahren! Er erlebt wieder die Aufregung und Spannung bei der Eroberung, bei den ersten Berührungen und das alles. Vielleicht wird aber auch der Partner von einer anderen Person erobert und erfährt, wie anziehend und attraktiv er noch auf andere Menschen wirkt? Also, in dem Fall kann man da wirklich nicht von Egoismus sprechen!

Nimmt man es wieder ganz genau, dann sind monogame Menschen eigentlich die Egoisten, denn von diesen kommt zuweilen in etwa folgende Aussage:

Mein Partner gehört nur mir!

Sagt das ein Sharer auch? Nein! Wir können auch gerne noch einen Schritt weitergehen! Wie ich im Beitrag »Es wird ernst!« geschrieben habe, halte ich meine Frau in sexueller Hinsicht für eine absolute Bombe! Da ich nicht egoistisch bin und wenn es bei meiner Frau passt, dann gebe ich anderen Männern sogar die Möglichkeit, sich selbst ein Urteil bilden zu können!

Wir sind also auch in der Hinsicht nicht egoistisch, sondern wir teilen die Wunder, die wir selbst im Bett erleben dürfen! Da sollte man mal dran denken, bevor man uns als Egoisten betitelt! Auch in dem Fall, insofern die andere Person sexuell gut ist, wird der Partner auf seine Kosten kommen! Das darf man auch nicht vergessen!

Alleine schon, dass wir teilen, macht die Bezeichnung »Egoist« irgendwie inkorrekt, oder?

Jetzt andersherum!

Was mich wirklich zutiefst traurig macht ist die Tatsache, dass viele von uns Sharern, die oft das Recht auf Akzeptanz fordern, genauso schlimm sein können!

In ein paar Foren habe ich ziemlich wüste Formulierungen den monogamen Menschen gegenüber gelesen! Wieder scheint es eine Art Kreuzzug zu sein, der da beschritten wird. Einige Male musste ich mit schrecken Diskussionen verfolgen, in denen ein Sharer seinen Fetisch als einzig wahre Befriedigung proklamiert! Da dreht sich mir wirklich der Magen um!

Natürlich kann man die oben genannten Punkte so anführen, dass wir Sharer besser sind, als monogame Menschen! Es tut mir sehr leid, allen, die das so sehen, etwas anderes sagen zu müssen! Wir sind nicht besser! Wir sind nur anders!

Wir haben auch unsere Problem! Finde erst einmal den richtigen Partner für so etwas! Dazu kommt noch, man benötigt Geduld! Wifesharing in jungen Beziehungen kann ganz schnell zum Ende der Beziehung führen! Man braucht einen stabilen Alltag, um die Gefahren zu minimieren! Wie schnell kann es denn passieren, dass der Partner sich neu verliebt? Bei diesem Fetisch sind Gefühle im Spiel und gerade in meinem Fall, wo es mich anheizt, wenn ein anderer Mann mehr zu bieten hat, ist die Gefahr gross, dass der Partner das genauso sieht und sich dann irgendwann die Frage stellt, ob er nicht lieber die andere Person zum Partner haben will. Vielleicht eben auch, weil dieser monogam ist?

Es ist genauso falsch, Wifesharing in den Himmel zu stilisieren, wie die Monogamie! Jeder hat seine Meinung dazu und die ist Richtig! Auf jeden Fall für ihn! Da kommt dann wieder die Toleranz ins Spiel und eben auch gegenseitiger Respekt! Ich bin ein Sharer, eine andere Person nicht. Ich habe meine Daseinsberechtigung und meine sexuellen Vorlieben sind über jeden Zweifel erhaben! Gleiches gilt auch für die monogame Person!

Es verhält sich ähnlich, wie bei der Homosexualität! Auch Menschen mit dieser sexuellen Ausrichtung werden gerne angegriffen und einige, die kein Problem damit haben, wissen auch durchaus zu kontern!

Wahre Liebe gibt es nur unter Männern!

Wenn man das genau analysiert, dann ist da etwas wahres dran! Zwei Männer können die gleichen Interesse haben! Klischeehaft ausgedrückt, zwei Männer können zum Beispiel leidenschaftliche Autoschrauber sein, sich für Fussball interessieren, gerne Bier trinken und so weiter. Wenn die dabei dann auch noch emotional und sexuell glücklich sind, dann ist das eine Bindung, die zwar sehr wohl auch zwischen Mann und Frau auftreten kann, aber bei zwei Männern in aller Regel besser passt!

Es ist also tatsächlich gar nicht so falsch, dass es wahre Liebe nur unter Männern gibt, analog dazu natürlich auch nur unter Frauen!

Ist Homosexualität also wirklich besser und wir sollten uns alle dem gleichen Geschlecht zuwenden? Sicher nicht! Denn, es passt einfach nicht zu allen! Ich zum Beispiel kann mit Männern nichts anfangen! Da könnte ich einen noch so guten Kumpel haben, bei dem alles passt, er wird mich sexuell nicht erregen! Also, was bringt es dann, dass er eigentlich mein perfekter Partner wäre?

Genauso ist es eben auch beim Wifesharing! Ja, unser Fetisch hat einige gravierende Vorteile im Liebesleben und auch für den Partner, aber, man muss dafür diesen Fetisch auch haben! Wer ihn nicht hat, der wird damit nichts anfangen können und dann muss man dem auch gar nicht erzählen, wie genial es doch eigentlich ist! Er wird es nicht tun! Vor allem aber auch, er muss es nicht tun! Es ist ganz alleine seine Entscheidung, wie er glücklich wird!

Aufruf

Aus diesem Grund rufe ich alle meine Artgenossen, die wie ich den Wunsch zu teilen verspüren, auf, euch respektvoll gegenüber andere Formen der Sexualität zu verhalten! Diskussionen sind absolut in Ordnung, solange sie sachlich geführt werden! Man kann alle Vorteile unseres Fetischs darlegen und natürlich auch auf Kritik reagieren. Bleibt dabei aber bitte respektvoll! Wir sind nicht besser als andere und die sind nicht besser als wir!

Jeder Mensch hat das Recht auf seine eigene Meinung, seine eigene Sexualität und seine eigenen Fetische! Wir alle sind Individuen und jede Meinung ist über jeden Zweifel erhaben! Nur der, der sich selbst seine Meinung gebildet hat ist auch der, der das Recht dazu hat, sie zu ändern! Vielleicht hilft es ja, eine sachliche Diskussion zu führen! Vielleicht schlummert in einigen ja wirklich dieser Fetisch und aufgrund von anerzogenen Moralvorstellungen will er es einfach nicht wahr haben? Vielleicht kann eine sachliche Diskussion ja die Punkte ansprechen, welche diese Person gar nicht auf dem Schirm hatte und vielleicht bringt es ihn dazu, seine Meinung zu überdenken?

Das waren jetzt viele vielleicht. Aber, mehr kann man in dem Zusammenhang nicht machen! Wir wollen nicht respektlos behandelt werden, also sollten wir auch andere nicht so behandeln!

Bei einer sachlichen Diskussion muss man aber noch eines bedenken! Klar, man selbst sieht im Wifesharing die ganzen Vorteile und für uns ist es auch ganz normal, den Partner teilen zu wollen. Bevor man deshalb anfängt militant zu werden, weil der, oder die Diskussionspartner es nicht verstehen wollen, sollte man sich eine Frage stellen:

Könnte mich mein Diskussionspartner von Homosexualität, oder Monogamie überzeugen?

In den meisten Fällen kommt da ein klares »nein« dabei heraus. Daran muss man denken, wenn man diskutiert und auch dem Diskussionspartner das Recht einräumen, bei seiner Meinung zu bleiben!

Zum Schluss noch einmal die Bitte, bleibt respektvoll, egal welcher Sexualität, oder welchem Fetisch der Diskussionspartner angehört! Er hat das gleiche Recht auf seine Ansicht, wie ihr es habt!

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