Ich wurde darauf hingewiesen, dass ich doch mal einen Text bezüglich meiner Erfahrungen zu den Vorteilen und Risiken von Wifesharing schreiben könnte. Ich habe das zwar schon in einzelnen Geschichten beleuchtet, aber nie als direkter Text. Dem komme ich jetzt nach.
Was genau ist Wifesharing eigentlich? Nun, der Name sagt es ja schon. (Ehe)Frau teilen. Natürlich in sexuellem Kontext. Wobei ich den Namen persönlich überholt finde. Denn, warum sollte eine Frau keine Lust verspüren, ihren Ehemann teilen zu wollen? Das mag weit seltener vorkommen, aber ausschließen kann man es ja eigentlich nicht. Eigentlich wäre deshalb Partnersharing die wohl bessere Bezeichnung. Aber, wie das ja so ist, so etwas zu etablieren kann man fast vergessen. Zudem verstehen die meisten in Wifesharing ohnehin Cuckold, was nach meiner Erfahrung auch nicht immer zutrifft.
Aber gut. Es geht also um den Fetisch oder die Neigung, je nachdem, wie man das definiert, seinen Partner zu teilen. Das geht nämlich auch, wenn man nicht verheiratet ist. Das heißt also, man gibt dem Partner die Freiheit, sexuelle Befriedigung auch bei anderen Personen zu suchen und empfindet dabei selbst Lust.
Allgemein ist das aber ein Tabu-Thema. Man kriegt ja schließlich von Kindesbeinen an vorgelebt, egal ob um sich herum oder in Film und Fernsehen, dass eine Beziehung ein heiliger Bund zwischen exakt zwei Menschen ist. Nach Möglichkeit Mann und Frau. Wobei sich heute ja auch vermehrt homosexuelle Partnerschaften zeigen.
Aber gut, darum soll es ja hier nicht gehen. Kleiner Sträter von meiner Seite.
Man hat auf jeden Fall das Problem auf seiner Seite, dass man mit diesem Fetisch aneckt. Das geht von einfachem Unverständnis bis dahin, dass man als krank bezeichnet wird.
Interessant hierbei ist, so meine Erfahrung, wenn man gesagt bekommt, dass diese Einstellung falsch ist und man dann die Frage stellt warum Monogamie denn der richtige Weg sei, bekommt man keine befriedigende Antwort. In aller Regel bekommt man Aussagen, die sich auf einen gemeinsamen Kern herunterbrechen lassen. „Das macht man einfach so!“. Für mich ist das fernab jeglichen Arguments.
Warum kommen hier keine Antworten wie: „Es wird mit der Zeit immer intensiver und schöner?“ oder: „Die Beziehung wird dadurch besser?“. Irgend so etwas müsste doch kommen, wenn Monogamie einen Vorteil bieten würde. Das kommt aber nicht, weil es schlicht nicht meiner Erfahrung entspricht. Meine eigene Erfahrung über alle meine Beziehungen spricht eigentlich genau für das Gegenteil. Das Interesse sinkt, die Lust wird weniger, der Sex verkommt zu einer Randnotiz.
Beeindruckend an dem Umstand ist, die Partner werden zunehmend gestresst, frustriert und unausgeglichen. Dann werden Anstrengungen unternommen, den Stresslevel abzubauen. Sport, Entspannungsübungen, andere Ernährung, ausgeglicheneres Umfeld und was weiß ich nicht noch alles. Dabei liegt die Antwort so nah und ist wissenschaftlich bestätigt. Sex! Während dem Sex und beim Orgasmus baut der Körper aktiv Stress ab. Das kann man zum Beispiel von Stuart Brody (Psychologe an der University of the West of Scotland, ehemals University of Paisley) in der Studie „Sex is the best stress buster“ nachlesen.
Was eben definitiv meiner eigenen Erfahrung entspricht ist, niemand kann mir einen plausiblen, logischen Grund für Monogamie nennen. In den 9 Jahren, die ich nun in der WG lebe, habe ich diese Frage schon sehr vielen Menschen gestellt, die mich darauf hingewiesen haben, dass meine Lebensart falsch ist. Nicht einer von denen hatte auch nur ein halbwegs plausibles Argument für die Monogamie. Es ist schlicht anerzogen, es wird vorgelebt und man macht es eben so. Das sind aber keine Argumente!
Spricht denn was gegen Monogamie? Ja, tut es – zumindest aus meiner Sicht und Erfahrung! Eifersucht, Besitzansprüche, Misstrauen, Sorge, Stress, Langeweile (wenn auch unterbewusste), abbauendes Interesse usw. Auch das kann ich aus eigener Erfahrung und Gesprächen mit meinen Mitmenschen genau so behaupten.
Dieses Verhalten lässt sich übrigens auch auf andere Bereiche des Lebens übertragen. Nehmen wir als Beispiel mal essen. Sagen wir, die liebste Speise ist der Döner. Der schmeckt einfach so lecker und stillt den Hunger vorzüglich. Was passiert denn nun, wenn man einen Monat lang zu den Mahlzeiten, also Mittag und Abendessen (Frühstück lassen wir mal weg), immer Döner isst und nichts anderes? Wie lange dauert es, bis man keinen Döner mehr sehen kann?
Warum ist das so? Es ist doch das Leibgericht? Der Döner verändert ja auch nicht seinen Geschmack oder wird irgendwie weniger sättigend. Es ist das gleiche Produkt, man kann es aber auf einmal nicht mehr sehen. Warum?
Nun, der Kopf stellt sich irgendwann darauf ein. Er weiß genau, was beim Essen kommt. Der Geschmack, die Konsistenz, der Geruch, das Gefühl. Es wird schlicht und ergreifend langweilig. Wenn das beim Essen passiert, warum dann nicht auch beim Sex? Ach ja, man liebt ja den Partner. Aber, wie viele sagen denn: „Ich liebe Döner?“. Wobei man Döner hier mit jeder Lieblingsspeise gleichsetzen kann.
Ich weiß genau, dass der ein oder andere Leser jetzt bemängeln wird, ich würde Äpfel mit Birnen vergleichen. Das ist ganz normal und passiert mir immer wieder, wenn ich diesen Vergleich ziehe. Aber, ich kann auch anders!
Was passiert denn, wenn man mit seinem Partner im Auto über eine längere Strecke Händchen hält? Insofern das Fahrzeug das zulässt, also Automatik oder Elektro. Sagen wir einfach mal, man fährt in Urlaub und ist mehrere Stunden unterwegs. Auf der Autobahn schnappt man sich also die Hand des Partners. Das ist schön, tut gut und fühlt sich toll an. Was ist aber zehn Kilometer später? Richtig! Man spürt die Hand eigentlich gar nicht mehr.
Warum ist das so? Eigentlich müsste es doch, da man seinen Partner ja liebt, die ganze Zeit über toll und schön sein. Ist es aber nicht. Nina vergleicht das gerne mit Windows. Auch das menschliche Gehirn hat nur eine begrenzte Rechenleistung bzw. Arbeitsspeicher. Man nimmt also die Hand des Partners und das ist im Kopf präsent. Genau wie, wenn man unter Windows ein Programm startet. Es landet im Arbeitsspeicher und wird durch das Multitasking verarbeitet. Was aber, wenn man es einige Zeit nicht nutzt? Nun, dann fliegt es in den Auslagerungsspeicher und wird inaktiv. Warum? Um Ressourcen zu schonen.
Genau das macht der Kopf auch. Da ist eine neue Situation, das Gefühl der Hand des Partners. Dieses Gefühl bleibt konstant. Warum sollte der Kopf das also aktiv registrieren, wenn sich nichts ändert? Also, da auch der Kopf nicht ohne Ende Leistung hat, wird eben das, was jetzt bekannt ist und sich nicht ändert nicht mehr aktiv behandelt. Man hört auf, die Berührung der Hand zu spüren.
Ich kann das an noch einem Beispiel festmachen. Ich liebe ja meine großen Creolen. Die können mir ja fast nicht groß genug sein. Größe heißt aber auch mehr Gewicht, was an den kleinen Löchern in meinen Ohren zieht. Wenn ich mir die Creolen anziehe, spüre ich ihr Gewicht, wie sie schwingen und ich finde das toll. Aber, nach ein paar Minuten registriere ich das Gewicht nicht mehr. Es wird ausgeblendet.
Dazu kann ich noch auf meinen Beitrag mit den ferngesteuerten Sexspielzeugen verweisen. Wenn man mit Liebeskugeln rumläuft, merkt man die auf einmal nicht mehr. Außer, man macht eine spontane Bewegung. Dann sind sie für einen Moment wieder präsent.
Wenn das auf alle diese Fälle analog anwendbar ist, warum also nicht auch auf Sex? Man kann machen was man will, irgendwann kennt man seinen Partner. Es ist der gleiche Geruch, die gleiche Optik, die gleiche Wortwahl, die gleiche Haut, die gleichen Bewegungen und der gleiche Schwanz. Warum sollte der Kopf da also noch groß darauf reagieren? Es ist doch alles bekannt, es kommt, wenn der Partner es bewusst macht, trotzdem nur wenig anderes. Der ganze Partner ist, wie Nina es ausdrückt, im Cache gespeichert. Es ist da nichts mehr Neues, nichts mehr Aufregendes, nichts mehr, worauf der Kopf Rechenleistung verschwenden müsste.
Zudem ist der Mensch ja auch nicht direkt monogam veranlagt. Die wahre Monogamie des Menschen zeigt sich in der Phase der rosa Brille. Auch hier kann ich auf eine Geschichte von mir verweisen. Ich hatte mich verliebt und wollte nur mit diesem Mann intim sein. Nicht, weil er besser war als alle anderen, nicht, weil ich mein ganzes Leben mit ihm verbringen wollte, sondern schlicht aus meiner Biologie heraus. Mein Kopf schüttete bei ihm die besten Cocktails an Hormonen aus. Aber, auch wenn viele das nicht akzeptieren wollen, nach einer gewissen Zeit verschwinden diese Hormone einfach. Ich merke das immer daran, dass ich auf einmal wieder an Max, Tony oder Natalie denke und mein Wunsch immer größer wird, wieder mit ihnen aktiv zu sein, während meine Lust auf den Mann, den ich eben noch ganz alleine wollte, weniger wird.
Okay. Damit habe ich die Grundlage für meine Argumentation geschaffen, jetzt geht es ans Teilen.
Zuerst einmal die potentiellen Risiken.
Geht man denn kein Risiko ein, dass der Partner mit einer neuen Person dann glücklicher oder befriedigter sein könnte und zu dem will? Also die Beziehung beenden will?
Klar, kann so etwas passieren. Wenn wir aber mal realistisch sind, dann kann das bei allem passieren. Ich kenne mehr als genug Beziehungen, die getrennt wurden, weil der eine Partner auf einmal mehr Glück bei einer anderen Person fand. Ich kann davon ein Lied singen. Einer hat mich verlassen, weil seine neue Flamme einen Audi selbst restauriert und aufgemotzt hat. Ja, genau das war seine Begründung. Sie würde einfach mehr auf seiner Linie schwimmen als ich. Ein anderer fand sein neues Glück im Gym. Mich musste er quasi dort hin prügeln, sie hingegen verfolgte einen ähnlichen Körperkult wie er. Also, ich musste weichen.
Ich habe aber auch schon andere Beispiele erlebt. Die eine trennte sich von ihrem langjährigen Partner, weil der Neue ja so viel aufregender war und ihr Kontra gab. In einem anderen Fall trennte sich die Frau von ihrem Partner, weil sie mit dem neuen beim Kochen und Backen mehr Spaß hatte.
Anders ausgedrückt, man läuft beim Teilen in die gleichen Risiken, wie in allen anderen Begegnungen. Es ist dann eben Sex statt Backen oder Autos oder Gym. Das Risiko ist immer das Gleiche.
Wie hoch ist aber das Risiko wirklich? Nun, ich sehe das Risiko nicht im Akt selbst. Es ist viel mehr die Frage, wie stabil ist die Beziehung? Wenn die Frau zum Beispiel generell sehr unglücklich in ihrer Beziehung ist, nicht nur im Bett, dann ist das Risiko natürlich sehr hoch. Aber eben, nicht nur beim Sex, sondern generell. Man geht also kein höheres Risiko ein, wie das, was ohnehin vorherrscht.
Ist die Beziehung aber allgemein gut und erfüllend, warum sollte dann eine neue Partnerschaft in Betracht gezogen werden? Der Mensch, gerade wir Frauen, sind da oft sehr rational, was auch wieder in der Biologie begründet ist. Wir haben einen Partner, auf den wir uns verlassen können, der uns Sicherheit bietet, mit dem wir schon viel Scheiße erlebt haben und daraus gewachsen sind. Wenn das alles passt und es lediglich im Bett nicht mehr spannend ist, dann wollen wir in aller Regel auch keinen neuen Partner. Denn hier stellt sich die Frage, kann der mir das alles auch bieten, was ich bei meinem Partner schon sicher weiß?
Ich nehme mich mal wieder als Beispiel. Ich habe über die Jahre sehr viele Männer kennengelernt, mit denen ich auch intim war. Ja, mein Bodycount ist wirklich hoch! Aber, keiner von denen hatte auch nur die Hauch einer Chance, mich aus der WG zu treiben. Selbst die nicht, für die ich Gefühle entwickelt hatte.
Der Grund ist genau der, den ich angeführt habe. Bei Max weiß ich, wo ich dran bin. Ich weiß, er ist immer ehrlich zu mir, auch wenn das bedeutet, er könnte meine Gefühle verletzen. Was er sagt, meint er auch genau so. Zudem weiß ich, wenn ich Max sage, dass ich seine Hilfe brauche, aber nicht sagen kann warum und es durchaus hässlich und ungesetzlich sein könnte, wird Max mich ganz einfach fragen, wann es losgeht. Wenn mir irgendwo die Scheiße um die Ohren fliegt weiß ich, Max steht hinter mir bis zum bitteren Ende. Bis irgendein anderer Mann diesen Status erreichen könnte, würde viel Zeit vergehen und folglich ist es absolut unwahrscheinlich, dass ich für irgendwen die WG verlassen würde.
Genauso ist das in einer Ehe oder einer Beziehung doch auch. Wenn der Partner eine stabile Lebenssituation bietet, warum sollte man ihn dann verlassen?
Natürlich gibt es auch Menschen, die sehr sprunghaft sind. Die einmal einen schönen Abend mit einer anderen Person verbracht haben und sofort alles stehen und liegen lassen, um bei dem zu sein. Aber eben, das muss nicht Sex sein. Das kann ein Kinobesuch gewesen sein, ein tolles Essen oder was auch immer.
Und wie ist es nun mit dem Sex selbst? Läuft man nicht Gefahr, dass der Partner, wenn der Sex mit dieser neuen Person besser war, nur noch mit dem intim sein will? Hier verweise ich auf das Beispiel vom Essen. Man liebt Döner, aber nach längerer Zeit eine geile Pizza kann so viel besser schmecken. Die Frage ist dann aber, warum sollte man deshalb keinen Döner mehr essen? Okay, am Anfang liegt es durchaus im Bereich des Möglichen, dass man eine Zeit lang lieber die Pizza isst. Aber, dann kommt definitiv wieder der Moment, wo man Bock auf Döner hat.
Was man hier nicht unterschätzen darf, in einer längeren Beziehung hat man in der Regel ja auch ein gemeinsames Zuhause. Auf einmal hat der Döner den Vorteil, er ist sofort verfügbar. Man muss ihn nicht erst kaufen oder bestellen. Ist die Pizza also wirklich so überragend, dass man den Aufwand auf sich nimmt oder nimmt man den Döner, den man sofort haben kann?
Bevor jetzt jemand dieses Beispiel nicht versteht. Der Sex mit einer neuen Person wird im ersten Moment definitiv besser sein. Der ist neu, der Kopf muss alles intensiv verarbeiten, weil er eben nichts im Cache hat. Das macht es eben aufregender und besser. Aber, diese neue Person ist nicht immer sofort verfügbar. Vielleicht Arbeit? Freunde? Vielleicht etwas weiter weg? In der Regel sollte der Sex mit dem eigenen Partner ja nicht schlecht sein. Wenn man also geil ist, will man dann wirklich den Aufwand auf sich nehmen, mit der neuen Person oder nimmt man sich den Partner, der ja sofort verfügbar ist und der einen auch gut befriedigt?
Das große Problem, was hier viele haben ist schlicht und ergreifend zu enges Denken. Ja, der Sex wird die ersten Male besser und intensiver sein. Aber eben, der Sex ist keine Selbstverständlichkeit. Beim eigenen Partner eben schon. Mit der neuen Person muss man Aufwand betreiben. Wann hat diese Person Zeit, wo trifft man sich, wie weit ist der Weg dahin. Das unterschätzen sehr viele.
Im Gegensatz zu einer Trennung, was viele ja irgendwie mit so einem Seitensprung gleichsetzen, ist der Partner ja nicht aus der Welt. Nein, er bleibt ja vorhanden und nutzbar, wenn ich das mal so nennen darf. Also, warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?
Außerdem gibt es da noch etwas, was die meisten nicht bedenken. Diese neue Person ist keine Selbstverständlichkeit. Sie ist etwas Besonderes und genau das macht auch den Kick dahinter oft aus. Dass man sich eben etwas mehr anstrengen muss, um mit dieser Person intim werden zu können. Diese Person ist nicht als Ersatz gedacht, sondern als Ergänzung! Als Abwechslung und von daher ist es eher unwahrscheinlich, dass man auf einmal keinen Sex mehr mit dem Partner will.
Das ist jetzt eine gute Gelegenheit, auf die Vorteile einzugehen.
Da ich ja Ninas Beispiel mit dem Cache verwende, bleibe ich auch gleich dabei. Wieso kann es denn nun ein Vorteil sein, wenn man Sex mit einer neuen Person hat? Ganz einfach! Die Erfahrung, die man mit dieser Person gemacht hat, steht nun ganz oben im Cache und der Sex mit dem eigenen Partner wird auf einmal wieder intensiver, weil der Kopf ihn bewusster wahrnehmen muss und nicht aus dem Cache laden kann.
Jetzt kommt natürlich sofort die Frage, ob das so schnell gehen kann. Ja! Es geht verdammt schnell! Viele von euch haben das mit Sicherheit sogar schon erlebt. Nehmen wir wieder mich als Beispiel. Mein Ex, der mich wegen der mit dem Audi verlassen hatte, ließ mich tatsächlich hin und wieder sein Auto fahren. Meistens dann, wenn wir bei einem Clubtreffen waren. Da es ein Autoclub war, wollte er logischerweise mit seinem Auto vor Ort sein. Er wollte aber was trinken, demzufolge bin ich auf dem Rückweg die Schüssel gefahren.
Sein Auto hatte aber einen gravierenden Unterschied zu meinem. Bei ihm musste ich die Bremse nur leicht antippen. Bei meinem Auto fest drauf treten. Sind wir also vom Treffen zurück gefahren, hat er regelmäßig neben mir genickt, weil ich wie gewohnt auf die Bremse gelatscht bin und sein Auto fast sofort stehengeblieben ist. Die Fahrt zu den Treffen dauerte immer so 20 Minuten. Nach diesen 20 Minuten und einer Nacht später, brachte ich im ersten Moment mein Auto kaum zum Stehen, weil ich die Bremse nur angetippt habe. Genau da sieht man, wie schnell der Kopf sich umstellen kann und genauso ist es auch beim Sex.
Bleiben wir wieder bei mir als Beispiel. Wenn ich eine längere Zeit nur Sex mit Max habe merke ich deutlich, wie mein Interesse sinkt. Max ist noch der gleiche Mann, der Sex nach wie vor toll. Aber, es reizt mich immer weniger. Gleiches Verhalten wie in jeder Beziehung, die ich in meinem Leben hatte. Das kann sogar so weit gehen, dass ich gar kein sexuelles Interesse mehr an Max habe.
Habe ich dann nur ein einziges sexuelles Erlebnis mit einem anderen Mann, ist auch Max auf einmal wieder ganz hoch im Kurs bei mir und ich will ihn dauernd. Über die Jahre konnte ich das immer wieder verifizieren. Dazu kommt noch die Zeit, wenn ich verliebt bin und nur mit dem Sex habe. Sobald sich meine Monogamie dann abgebaut hat und ich wieder Sex mit Max habe, ist der ja mit einem Mal so unglaublich gut! Es kommt dann nicht selten vor, dass ich nach einer Nummer noch nicht genug habe und gleich Runde Zwei hinterher schiebe. Obwohl Max ja der Gleiche geblieben ist. Aber, mein Kopf hat ihn quasi aus dem Cache verdrängt und alles wirkt wieder so neu und aufregend, obwohl ich es ja eigentlich schon kenne.
Es kann sich aber noch ein Vorteil ergeben, allerdings ist der relativ individuell und ich kann ihn nicht verallgemeinern. Das Berichten hinterher.
Viele stellen sich darunter vor, dass sie eben das Erlebnis runterbeten und der Partner danach befriedigt ist, während man selbst eher eine Pflicht erfüllt hat. Es mag auch Fälle geben, wo es sich genau so verhält.
Bei mir ist das aber anders, obwohl es nach Schema F abläuft. Max und ich liegen nackt im Bett, ich wichse und erzähle. Er greift mir vielleicht mal an die Titten, den Po oder streichelt über meinen Rücken, aber direkt befriedigen tut er mich nicht.
Dennoch hat das einen extrem intensiven Effekt auf mich. Der Sex mit anderen Männern ist ja, zumindest wenn ich sie frisch kennengelernt habe, neu für mich. Es gibt dann Dinge, die mich extrem geil gemacht haben und andere, die okay waren. Max will dabei immer meine eigenen Emotionen erfahren. Beim Erzählen ergibt sich das auch von selbst. Wenn ich etwas aufregend fand, rede ich oft schneller, aufgeregter. Ich wichse ihn anders und strahle aus den Augen, wie er immer sagt. Darauf reagiert Max, nicht auf den anderen Mann. Seine Geilheit entsteht durch meine Geilheit bei dem Abenteuer.
Das heißt, auch wenn das Erzählen immer nach dem gleichen Muster abläuft weiß ich nie wie Max wann reagieren wird. Ich kann mir ein grobes Bild machen, aber diese Vorhersage ist sehr oft unzutreffend. Das heißt, ich muss jeden Bericht aktiv miterleben da ich seine Reaktionen darauf nicht sicher vorhersagen kann und deshalb bleibt jede Berichterstattung aufregend, neu und entsprechend spannend. Das ist so intensiv, dass ich nicht selten hart komme, obwohl weder Max noch ich mich intim berühren. So brutal kann das wirken. Zumindest eben bei mir und auch bei Natalie. Ich nehme aber an, wer sich darauf wirklich einlässt, wird ähnliche Erfahrungen machen.
Allgemein betrachten ist Teilen also eher etwas, was das Liebesleben aufpeppen kann. Der Partner bekommt sexuelle Freiheit, die Beziehung leidet nicht an Gewohnheit und Eifersucht und der Partner wird wieder interessanter. Der Sex wird wieder intensiver, man kann den Partner durch das Berichten förmlich um den Verstand bringen und alles, was eben noch gewohnt und abgestanden war, ist auf einmal wieder intensiv und aufregend.
Das Interessante hier ist, ich bin damals ja auf diesen Blog, indem ich meine Geschichten veröffentliche gestolpert, weil ich mehr Informationen über Wifesharing gesucht habe. Vieles von dem, was in diesem Blog beschrieben wird habe ich mehr oder weniger als Wunschdenken abgestempelt. Dennoch gab es Punkte, die ich ausprobieren wollte.
Wenn ich jetzt aber diesen Text betrachte, dann wiederhole ich vieles von dem, was auch im Blog beschrieben wird und was ich als Wunschdenken in die Schublade gesteckt habe. Erst war es für mich nur die überzogene Fantasie des Autors und ich war mir in vielen Fällen sicher, er schreibt da an der wirklichen Realität vorbei. Meine Erfahrung hat mich aber eines Besseren belehrt, sonst hätte ich es nicht mit meinen Erfahrungen hier wiedergegeben.
Wifesharing, zumindest die Version, wie ich sie betreibe, ist so viel mehr, als ein Fetisch. Es ist eine Lebenseinstellung die sehr viele Probleme von langen Beziehungen lösen kann.
Ich selbst kann von mir behaupten, so entspannt und emotional ausgeglichen war ich nicht mehr seit meiner Kindheit, bevor Sex und Beziehung zu einem Thema von mir wurde. In den letzten 9 Jahren bin ich so ausgeglichen, dass man wirklich aktiv an mir kämpfen muss, bis man mich wirklich provozieren kann. Früher, in meinen Beziehungen, gab es oft schon ganz kleine, unsinnige Auslöser, dass ich brutal Puls hatte. Mittlerweile, wenn mich jemand versucht zu provozieren, prallt das einfach an mir ab. Ich gehe nachts ins Bett und denke an die schönen Dinge, die ich an dem Tag erlebt hatte oder freue mich darauf, was am nächsten Tag passiert. Meine Gedanken halten mich nicht mehr wach, weil sie mir auf den Magen schlagen. Ich habe keine Alpträume mehr und Depressionen kenne ich nur noch aus dem Bereich Mythen und Legenden.
Ihr dürft mich jetzt aber nicht falsch verstehen. Das ist keine Predigt, keine Missionierung. Ich rühre auch nicht die Werbetrommel sondern gehe auf Fragen ein, die mir zu dem Thema immer wieder gestellt werden. Was ich geschrieben habe spiegelt meine Meinung wieder, meine Erfahrung.
Wer in der Monogamie seine Erfüllung findet, dem gönne ich das und wünsche ihm auch, dass er und sein Partner damit glücklich ist und bleibt. Niemand soll der Monogamie den Rücken kehren, nur weil ich anderer Meinung bin. Das muss jeder für sich selbst entscheiden und ich weiß nur zu gut, wie tief die Erziehung und die gesellschaftliche Denkweise in einem verwurzelt sein kann.
Von daher. Jeder so, wie er will.
