Ich werde gelegentlich gefragt, was ich tue, wenn ich mich mal verliebe. Ja, ich bin nicht immun gegen Gefühle und mein Kopf fällt eben doch immer mal wieder in den Modus, wo bei einem gewissen Mann die ganzen Hormone freigesetzt werden und ich mich in seiner Gegenwart, trotz Max, trotz Natalie, trotz Tony, einfach sicher, geborgen und glücklich fühle.
Da will ich euch dann von einem Mann erzählen, den ich nach dem Urlaub kennengelernt hatte.
Wir waren noch keine Woche aus dem Urlaub zurück, als Nina, Natalie und ich eine Shopping-Tour einlegen wollten. Max blieb zuhause, da er sich von unseren neuen Errungenschaften überraschen lassen wollte. Er drückte uns also seine Kreditkarte in die Hand und man konnte ihm schon anmerken, dass er unsere Rückkehr sehnsüchtig erwartete, obwohl wir noch gar nicht weg waren.
Bevor wir jedoch wirklich Richtung Centro starteten, musste Nina noch in ihre Wohnung, da sie einen Termin mit einem neuen Kunden hatte. Das war so weit kein Problem, da sie uns gerne dabei hat. Wir lenken schließlich die Kundschaft ganz gut ab und die denken dann weniger über den Preis nach, wodurch Nina eben diese etwas anziehen kann, ohne dass der Kunde es wirklich bemerkt.
Okay. Wir waren also in ihrer Wohnung, die ja eigentlich nur noch ein großes Büro darstellt, und warteten. Normalerweise sind diese Gespräche für mich extrem langweilig. Es klingt so, als würde Nina mit ihrem Kunden eine Sprache sprechen, die eine Mischung aus Klingonisch und Schlaganfall darstellt. Natalie und ich reizen den Kunden mit unseren Ausschnitten, dann wird ein Vertrag unterzeichnet und alles ist gut.
Was jedoch dieses Mal auf mich zukam, konnte ich nicht einmal erahnen. In Ninas Büro gibt es einen großen Schreibtisch mit fettem PC, hinter dem Nina sitzt, und davor stehen zwei bequeme Sitzgelegenheiten für die Kundschaft. Natalie und ich sitzen rechts und links neben Nina und tun so, als hätten wir Ahnung von der Sache.
Die Tür öffnete sich absolut pünktlich. Das ist so eine Sache, die ich wirklich schätze. Ich selbst habe zwar mit Pünktlichkeit so viel gemeinsam wie offene Haare mit einem sexy Look, ich mag es aber, wenn jemand in der Hinsicht konsequent ist. Das heißt, der Termin war 14 Uhr und exakt 14 Uhr öffnete sich die Tür. Nicht 13:55. Nein, exakt 14 Uhr!
Da muss ich kurz gesträtert. Pünktlichkeit heißt bei mir wirklich Punkt zum Termin. Nicht später, aber auch nicht vorher! Ich finde es äußerst inkonsequent, wenn jemand zu früh erscheint. Das ist in meinen Augen das Gleiche wie zu spät. Wenn man einen Termin ausmacht, dann hat dieser Termin eine Uhrzeit und keine Uhrzeit minus. Viele regen sich auf, wenn ein Termin zu spät kommt. Ich rege mich aber auch auf, wenn er zu früh kommt. Pünktlichkeit heißt für mich wirklich exakt zur vereinbarten Zeit.
Auf jeden Fall ging die Tür auf und da kam ein Mann rein, bei dem ich nur dachte: Jetzt ist alles zu spät. Vielleicht 1,80 groß, sportliche Figur, in einem schwarzen Anzug ohne Schlips. Alleine letzterer Punkt finde ich ja großartig. Aber diese Augen! Nein, nicht stechend blau. Ein tiefes Braun. Glatt rasiert, gepflegte, aber männliche Haare, große Hände und ein Lächeln, meine Güte.
Ich sah ihn und wusste sofort, er triggert nicht meine Spalte, sondern die Gefühle sind in der Region, mit der ich ihn eigentlich ablenken wollte. Ach du Himmel! Ich konnte meine Augen nicht von ihm lassen und vergaß völlig, warum ich eigentlich da war. Auch merkte ich nicht, dass Natalie sich echte Mühe gab, ihn von ihrer Oberweite zu begeistern. Er schaute wohl aber wirklich fast nur zu mir. Meine Wangen wurden warm, ich wurde verlegen und irgendwie war die Zeit viel zu kurz, die er da mit Nina über den Auftrag redete. Auch was die da redeten, bekam ich überhaupt nicht mit. Ich war keine Sekunde gelangweilt, hatte aber die Hoffnung, es würde ewig dauern.
Tat es aber nicht. Er stand irgendwann auf, schüttelte Nina die Hand und redete irgendwas von guter Zusammenarbeit. Ich erntete noch einen Blick, durch den ich fast dahingeschmolzen wäre, und schon war er weg. Aus meiner Sicht, aber nicht aus meinen Gedanken.
Da blieb er auch den ganzen Tag. Beim Shoppen war ich gar nicht bei der Sache und auf dem Rückweg fragte ich mich, was ich da jetzt eigentlich alles gekauft hatte. Zum Glück hatte ich ja Natalie. Offensichtlich kaufte ich alles wie sie, was mich dann trotzdem ziemlich sexy aussehen ließ, wie Max später bei der Modenschau bestätigte.
Mein Problem war jedoch, ich lief den Rest des Tages auf Autopilot. Irgendwann lag ich dann zusammen mit Natalie bei Max im Bett und wir vögelten, obwohl meine Gedanken nach wie vor bei dem Mann waren. Was genau ich da in meinen Gedanken hatte, weiß ich gar nicht mehr, er war auf jeden Fall vorrangiges Thema.
Wisst ihr aber, was das Gute ist, wenn man echte Freunde hat? Sie wissen genau, was mit einem los ist, auch wenn man nichts sagt. Natürlich hatten Nina und Natalie mein Verhalten erkannt und auch Max wusste, dass bei mir etwas anders war. Da wir aber keine Beziehung haben, war das für ihn kein Problem. Im Gegenteil. Die Drei schmiedeten einen Plan, wie ich diesen Mann wiedersehen konnte, ohne dass ich merkte, was sie da vorhatten.
Kurz nach dem darauffolgenden Wochenende meinte Nina schließlich, sie müsse sich noch einmal mit dem Mann treffen, um noch ein paar Dinge zu klären. Mir hätte auffallen müssen, dass da was im Busch war. In der Regel hält Nina Kundschaft und Privates strikt auseinander, wollte in diesem Fall aber, dass der Kunde sich bei uns mit ihr treffen würde. Ich hörte also, dass er kommen würde und war sofort aufgeregt wie ein Teenie. Als besagter Termin näher rückte, machte ich mir durchgehend Gedanken, was ich dafür anziehen wollte. Normalerweise wäre das kein Problem gewesen. Möglichst heiß, damit der mich auch ja beachtet.
In diesem Fall jedoch fragte ich mich bei unzähligen Outfits, wie ich auf ihn wirken würde. Ich wollte gut aussehen, aber nicht zu aufreizend. Eigentlich hätte mir da schon klar sein sollen, dass bei mir etwas anders war. Aber diese Gefühle hatte ich lange nicht mehr und von daher schien ich sie vergessen zu haben.
Es war ja noch warm, also sollte das Treffen im Garten stattfinden. Nina hat ja genug Laptops für so etwas. Ich entschied mich also für ein schönes, aber dezentes Kleid. Nur, wie sollte ich mir die Haare machen? Pferdeschwanz wäre meine eigentliche Idee gewesen. Sommer, warm, lange Haare, da ist so etwas ja das Mindeste. Ich fragte mich aber, ob er auch zu den Männern zählte, die offene Haare bevorzugen. Aber was, wenn der ein wirklicher Geschäftsmann war? Wäre dann seriös vielleicht angebrachter? Kurz gesagt, ich ließ Natalie antreten und die machte mir eine Banane.
Der Moment kam. Das Gartentor öffnete sich, ich hatte Ameisen unter der Haut. Nina stellte Max und Tony vor, dann ging es auch schon an die Arbeit. Während die redeten, stapfte ich die ganze Zeit vor ihm rum. Immer bemüht, mit irgendwas beschäftigt zu wirken. Ich wollte ihm einfach auffallen.
Es näherte sich aber der Moment, wo die beiden das Geschäftliche geregelt hatten und ich stand da und hatte Panik, er würde gleich verschwinden. Noch ein Punkt, wo mir mein Verhalten hätte auffallen müssen. Es war lange her, dass ich auf den ersten Schritt bei einem Mann wartete. Normalerweise, wenn ich einen will, dann nehme ich ihn mir. Hier wollte ich aber, dass er mich sieht, mich wahrnimmt und irgendetwas tut, was er aber nicht tat.
Die bösen Worte kamen schließlich. Nina sagte, damit sei alles geklärt. Das hieß, er würde gleich verschwinden und ich verfiel wirklich in eine Panik zusammen mit einer Schockstarre. Er sollte nicht gehen, ich war aber auch nicht dazu in der Lage, irgendetwas zu tun.
Wie gut, dass ich einen Max habe. Ninas Kunde benötigte eine Software für sein Unternehmen und Max ist oder war ja Unternehmer. Anstatt den Kunden einfach ziehen zu lassen, verwickelte Max ihn in ein Gespräch. Max ist da wirklich super drin, da ihm die Geschäftswelt nach wie vor sehr am Herzen liegt und siehe da, er blieb. Ich war ja so happy, konnte aber dennoch nichts unternehmen, womit ich ihn vielleicht hätte für mich gewinnen können.
Ihr hättet meine Freude erleben müssen, als Max den Mann einlud, doch gleich bei uns zu essen. Nina war übrigens mittlerweile schon wieder im Keller und arbeitete. Natalie sonnte sich auf einer Liege und ich hatte echt Sorge, dass er ihr dadurch mehr Aufmerksamkeit hätte schenken können als mir. Dagegen unternehmen hätte ich kaum etwas können, denn wenn Nina in einem Bikini auf der Liege liegt, sehe ich kein Land.
Aber nein, er schien sich für Natalie nicht sonderlich zu interessieren. Für mich aber irgendwie auch nicht. Nie kam es zu einem Gespräch zwischen uns. Er redete fast nur mit Max und hin und wieder mit Tony. Von Max schien er wahrlich begeistert gewesen zu sein, denn er fragte ihm richtig Löcher in den Bauch.
Wieder kann ich nur sagen, wahre Freunde sind einfach das Beste, was man im Leben haben kann. Irgendwann forderte Max Natalie auf, ihm drinnen etwas zu helfen. Kaum waren die weg, wollte Tony Zeug fürs Essen holen gehen. Ergo, ich war alleine mit dem Mann und endlich richtete er auch seine Worte an mich.
Manuel hieß er. Der schönste Name, den ich je gehört hatte. Über was wir geredet haben, weiß ich auch gar nicht mehr, aber jeder Satz war für mich wie Poesie. Auch als die Anderen wieder da waren, gingen unsere Gespräche weiter und ich weiß noch, dass ich über wirklich jeden Schwachsinn herzhaft gelacht habe. Auch beim Essen und der Zeit danach fühlte ich mich einfach so gut. Er redete so viel mit mir. Auch mit den Anderen, aber am meisten eben mit mir und da konnte auch eine Natalie nichts dran ändern. Selbst mit Nina redete er kaum. Ich bekam den Löwenanteil, dann weit dahinter Max und die restlichen Sätze verteilten sich auf Nina und Natalie.
Aber auch so ein schöner Abend hat ein Ende und als das kam, war ich wirklich traurig. Bis zu dem Moment, wo er mir seine Visitenkarte gab. Ich sollte auf der Rückseite schauen, da wäre seine private Nummer und er würde sich freuen, wenn ich anrufen oder schreiben würde. Boah, gab es etwas Schöneres auf der Welt? Für mich in dem Moment definitiv nicht.
Er war noch keine Stunde weg, da schrieb ich ihm schon. Dass mir der Abend gut gefallen hätte, seine Gegenwart sehr schön für mich war usw. Also, ich schrieb das nicht in einem Rutsch. Ich schrieb und löschte wieder. Schrieb neu, las es, löschte und schrieb neu. Bis ich dann aus Versehen auf Senden kam.
Die Antwort dauerte keine Minute. Auch ihm hatte der Abend gut gefallen und dann kamen die schönsten Worte der Welt. Er wollte es wiederholen. Oh Mann. Wie sollte ich reagieren? Ihm direkt sagen, dass ich Zeit hätte? Oder hätte das zu bedürftig geklungen? Nach vielen Versuchen hatte ich dann eine Nachricht zusammen, die für mich ganz gut klang und in der ich zu Protokoll gab, dass ich für eine Wiederholung zur Verfügung stand und mich nach ihm richten konnte.
Mein Gott, ich hatte fast einen Herzinfarkt, als er fragte, ob wir am darauffolgenden Freitag etwas essen gehen oder vielleicht ins Kino gehen wollten. Alter! Wie geil! Ich schlug Kino vor, da ich mir nicht sicher war, ob ich im Restaurant den richtigen Eindruck vermitteln würde. Er war einverstanden, schlug einen Film vor und die Sache war geritzt. Fragt mich nicht, welcher Film es war, mir war das komplett egal. Hauptsache Zeit mit ihm. Mir fiel auch gar nicht auf, dass wir in die 20-Uhr-Vorstellung gehen wollten, er sich aber schon um 18 Uhr mit mir verabredete.
Mensch Meier. Die Tage bis dahin waren qualvoll. Wir schrieben zwar viel, es wirkte aber so ewig hin. Unser Schreiben gefiel mir auch so unglaublich gut, auch wenn wir fast nur banale Alltagsthemen besprachen. Keine Anspielung, kein einziges Mal das Thema Sex. Sehr untypisch für mich. In der Zeit hatte ich auch überhaupt keine Lust auf Sex, weder mit Max noch mit Natalie. Ich wollte nur, dass es endlich Freitag war.
Dann war es Freitag. Von etwa 14 Uhr ab machte ich mich fertig und durchwühlte dafür meinen kompletten Kleiderschrank. Aber ich fand einfach nichts. Entweder war es mir zu aufreizend, zu banal oder zu langweilig. Schließlich kam um 17 Uhr Tony in mein Zimmer, sah meine missliche Lage, griff sich ein paar Teile und meinte, genau so sollte ich gehen. Ein bauchfreies Oberteil, ein knielanger, weiter Rock und darunter Pumps mit etwas Absatz. Er drückte mir auch ein Haargummi in die Hand und meinte, wenn ich duschen war, sei das Pflicht. Ich sollte zeigen, wer ich bin und was mir gefällt und da ich meine Haare offen überhaupt nicht mag, war mindestens ein Pferdeschwanz angeraten.
Okay. Ich sprang unter die Dusche, rasierte mich noch und zog mich an. Vor dem Spiegel musste ich zugeben, Tony war echt mein Obi-Wan. Es wirkte sexy, aber nicht aufreizend. Elegant, aber nicht wie ein Spießer. Ach, was würde ich nur ohne Tony machen? Ding Dong, Manuel war da.
Schnell war klar, warum er mich so früh abgeholt hatte. Er parkte auf einem der großen Parkplätze und wir gingen spazieren. Schön am Fluss entlang, mit der warmen Sonne auf der Haut und dem Gefühl im Bauch, die schönsten Momente meines Lebens zu erleben. Wir redeten über Gott und die Welt, er spendierte mir ein Eis und ich fühlte mich so wohl bei ihm. Wir hätten bis zum Mond laufen können, ich wäre freudig dabei gewesen.
Schließlich landeten wir im Kino. Geld hatte ich dabei, schließlich wollte ich ja nicht falsch wirken, benutzen musste ich es aber nicht. Manuel bestand darauf, mich einzuladen und auch das Popcorn und mein Getränk übernahm er. War ich so aufgeregt, als er dazu noch eine Kuschelbank für uns reservierte. Besser konnte es doch gar nicht werden.
Es lief noch die Werbung, als er sich schließlich zu mir drehte und sagte, er sei keiner, der auf solche zufälligen Berührungen abzielte oder die Masche mit dem Gähnen drauf hatte. Er würde jetzt etwas tun und wenn ich das nicht mochte, sollte ich es einfach sagen. Schon legte er seinen Arm um mich. Also, es nicht wollen kam gar nicht in Frage. Sofort kuschelte ich mich in seinen Arm und war ja so glücklich.
Es setzte aber auch wieder etwas Eigenwillen in mir frei. Nein, es setzte in mir wieder die aktive Seite frei. Der Vorspann lief noch, da schlang ich meine Finger in seine. Der Vorspann war noch nicht zu Ende, da küssten wir uns schon und so blieb es den kompletten Film über. Ich habe wirklich nicht eine Minute davon mitbekommen und das war mir auch herzlich egal.
Wir saßen da, waren uns zueinander gedreht, küssten uns und seine Hand glitt auch immer wieder über meinen Bauch und meinen Arm. Nie über meine Brüste. Normalerweise würde mich das kränken, in dem Moment war es aber einfach nur wunderschön. Ich streichelte über seine Wange, wuschelte ihm durch die Haare, es war einfach perfekt.
Dummerweise enden solche Filme. Wir bekamen das aber erst mit, als das Licht wieder anging. Zeit für den Rückweg, was ich sehr bedauerte. Aber fertig waren wir noch lange nicht. Im Gegenteil, es fing gerade erst an!
Wieder am Fluss entlang hielten wir Händchen oder uns gegenseitig im Arm. Es war mittlerweile fast dunkel, die Lichter der Stadt spiegelten sich im Wasser und an einer Bank machte er halt. Wir setzten uns und führten das Spiel aus dem Kino fort. Küssen, streicheln, es war ja so herrlich.
Leider endete der Abend dann trotzdem irgendwann, wo er mich vor meiner Haustür absetzte, mich zum Abschied küsste, aber auch gleich ein Date für den nächsten Abend klarmachte. Ach, ich war im siebten Himmel.
Jetzt kommt das Verrückte. Ich hatte ab da keinen Sex! Wir trafen uns am nächsten Abend, dann sonntags, wieder dienstags und mittwochs. Wobei ich sagen muss, meinen Job machte ich natürlich. Also mittwochs abends bei Max unterm Schreibtisch blasen. Das war meine Arbeit und der kam ich nach, auch wenn meine Lust dabei absolut gegen Null ging. Aber wenn ich eine Verpflichtung eingehe, komme ich der auch nach. Max meinte zwar, er hätte kein Problem damit, wenn ich für eine Zeit aussetzen würde, aber so bin ich einfach nicht.
Das Ganze ging zwei Wochen lang. Treffen, reden, spazieren, Kino, Essen. Jedes Mal aufs Neue war ich so aufgeregt, wenn er mich abholte. Bis dann die Frage kam, ob ich vielleicht das Wochenende mit ihm verbringen wollte. Lange nachdenken musste ich da nicht und stimmte schließlich zu.
Es war wieder Freitag, wir waren wieder im Kino und ich glaube, es war wieder der gleiche Film und wieder bekam ich davon nichts mit. Dieses Mal endete der Abend aber bei ihm. Wir redeten noch bis in die Nacht, bis er schließlich meinte, er würde gerne ins Bett. Ich auch, wobei ich auch hier wieder keinen Gedanken an Sex hatte. Schon komisch, wie ich finde. Bei allen meinen Ex konnte ich es nicht erwarten, mit ihnen das erste Mal zu schlafen. Manuel aber, ich weiß nicht. Mittlerweile gehe ich davon aus, dass ich, da ich so ein massives, aktives Sexleben führte, mein Körper einfach die Dinge wollte, die ich sonst eigentlich nicht hatte. Wobei ich auch sagen muss, die fehlen mir auch nicht und wenn doch, ich hab ja Max und Natalie. Dennoch, anscheinend wollte mein Kopf bei Manuel einfach dieses Glücksgefühl und kein Sex.
Es kam auch nicht zum Sex. Zwar schlief ich nur in seinem Shirt und Slip und er in einer Boxer, aber ich dachte gar nicht daran, irgendwie intim mit ihm zu werden. Da zu liegen, in seinem Arm, seinen Atem zu spüren und seinen Herzschlag war alles, was ich in dem Moment brauchte und ich schlief ja so friedlich ein.
Der nächste Morgen stellte dann eine Überraschung für mich dar. Ich wachte auf und die Uhr stand auf etwas nach acht Uhr. Eine Zeit, wo ich gelegentlich eigentlich erst ins Bett gehe. Aber ich war wach, ausgeruht, fühlte mich zufrieden und voller Tatendrang, während Manuel noch schlief.
Wer jetzt denkt, ich würde eine Szene aus „Fifty Shades of Grey“ beschreiben, nein, tue ich nicht. Außerdem würde ich es eher mit einer Folge aus „The Big Bang Theory“ bezeichnen. Auf jeden Fall, ich ging in die Küche und machte Toast. Ja, ich! Er hatte in der Küche unter einem Schrank ein Radio hängen. Das machte ich an und fing an zu tanzen. Oder eben das, was ich als tanzen bezeichne. Ich nahm alles an Marmelade und Wurst aus dem Kühlschrank, was ich finden konnte, dazu zwei Teller, Messer und wunderte mich über mich selbst.
Während ich darauf wartete, dass die nächsten Toastscheiben fertig waren, spürte ich auf einmal zwei Arme um meinen Bauch gleiten und ich hatte sofort dieses warme Gefühl in der Brust. Manuel fragte mich, ob ich noch irgendwelche Leute eingeladen hätte, denn ich hatte fast den kompletten Pack Toast getoastet und mehr Zeug auf dem Tisch, als wir hätten verputzen können.
Na, egal. Wir frühstückten, redeten, es war einfach nur perfekt. Auch seine Wohnung wirkte irgendwie wie ein Zuhause. Das kann ich nicht anders beschreiben. Allerdings konnte ich nicht aus meiner Haut und während er schon längst mit dem Frühstück fertig war, futterte ich munter weiter. Er fand es süß, wie er sagte. Dadurch hätte ich eine weibliche Figur und würde nicht so künstlich wirken wie meine Freundin Natalie.
Wow! Ein Mann sagte, dass ich ihm besser gefiel als Natalie? Das ich das noch erleben durfte. Einen Moment war ich etwas eingeschnappt, da ich natürlich sofort im Kopf hatte, ich sei fett. Aber wirklich nur einen Moment. Ich witzelte aber, er fand Natalie künstlich, sah aber selbst aus wie ein Modell für Unterwäsche. Er gab zu, es sei gar nicht seine Absicht. Er könne essen, was er wolle, er würde nicht zunehmen und für die zart definierten Muskeln überall könne er auch nichts. Was ein Arsch! Ich hasse es, wenn mir jemand sagt, dass er essen kann, was er will. Aber er durfte das.
Es folgten Stunden auf dem Sofa. Er auf dem Rücken, ich auf ihm. Reden, streicheln, kein Gedanke an Sex. Zumindest von meiner Seite aus. Dass sich bei ihm da was regte, war aber deutlich zu spüren.
Es folgte ein wirklich, wirklich schöner Tag, der im Schlafzimmer endete. Ich sagte, wir sollen konsequent sein. Erste Nacht Shirt und Slip, zweite Nacht nur Slip, dieses Mal also nackt. Da musste ich ihn nicht lange überreden.
So lagen wir da. Aneinander gekuschelt, intensiv küssend und seine Hand wanderte zum ersten Mal an meinen Hintern. Meine bald an seinen kleinen Freund. Irgendwann lag er dann auf dem Rücken, ich spielte an seinem kleinen Freund, er an meinen Brüsten und wir küssten uns so intensiv dabei. Ich hatte mehr Erregung in meiner Brust als in meiner Spalte, aber die spielte dieses Mal dann doch aktiv mit.
Nach einer Ewigkeit rollte er sich dann auf mich, ich spreizte meine Beine und sein bestes Stück fand geschmeidig seinen Weg in mich. Keine Ahnung, wann ich Sex das letzte Mal auf diese Art erlebt hatte. Auch das Erlebnis mit dem Kerl, den Natalie und ich uns da geteilt hatten, konnte nicht mithalten. Wir liebten uns und das tatsächlich mit dieser romantischen Liebe, die ich sehr lange nicht gespürt hatte. Es dauerte auch nicht lange, war aber unglaublich intensiv. Dabei war es weder wild noch hart oder so. Dennoch kam ich und zwar genau in dem Moment, wo er in mir kam. Ich hatte keinen Gedanken an eine Schwangerschaft, ich war nur einfach glücklich ohne Ende.
Damit war das Wochenende beendet und ich erwartete, dass ich einen Verlust spüren würde, wenn er mich zuhause absetzte. Aber nein. Ja, doch, ein bisschen, aber ich freute mich einfach so stark, meine Leute wiederzusehen und daheim zu sein. Ja, ich würde das nicht aufgeben. Nie im Leben.
Wie entwickelte sich das aber nun weiter? Nun, genauso, wie es zu erwarten war. Wir verbrachten einige wirklich schöne Monate miteinander. Unter der Woche trafen wir uns abends und er setzte mich danach wieder daheim ab, wobei wir eine wundervolle Zeit auch mit Sex hatten. Am Wochenende war ich dann ganz bei ihm. Gefickt hat er mich nie. Unser Sex wurde zwar aktiver, er blieb aber immer sehr romantisch und das tat mir wirklich sehr gut.
Auch Weihnachten war ein echter Hit. Das verbrachten wir in der WG. Manuel hatte mittlerweile auch Freundschaft mit meinen Leuten geschlossen und es war ein herrliches Weihnachten. Max ging natürlich nicht leer aus. Der wurde von Natalie reich beschert und sie gönnte auch Tony ein Geschenk. Mit Manuel die Tage bei uns zu verbringen war für mich richtig toll. Die große Badewanne, mein Bett, ich hatte es echt geliebt.
Es dürften so acht Monate gewesen sein, während einfach alles richtig gut lief und wir sogar schon darüber redeten, ob er wirklich in die WG ziehen würde. Max war das egal. Er verstand sich gut mit Manuel und da auch Nina und Natalie keine Einwände hatten, wäre das durchaus im Rahmen der Möglichkeiten gewesen.
Aber dann. Nach diesen Monaten fing es an. Ich war an einem Wochenende bei ihm und er war mir gar nicht mehr so zugetan wie die ganze Zeit. Wir schauten Filme, gingen essen, aber irgendwie, es war anders. Im Restaurant zum Beispiel. Erst mähte er jede Menge Brot mit fetter Knoblauchbutter weg. Danach bestellte er sein Essen mit einer extra Ladung Knoblauch. So sollte ich ihn dann noch küssen? Während er so eine Fahne hatte? Die ganze Zeit hatte mich das nicht gestört, ab da fand ich es aber irgendwie grausam. Manuel kritisierte dabei, dass viele meiner Kleider zu tiefen Ausschnitt hatten und ich meine tollen Haare nie offen trug. Das war quasi der Anfang vom Ende.
Es kam so, wie es kommen musste. Ich hatte Lust und das nicht auf Manuel. Natalie schien mir auf einmal so reizvoll und der Gedanke, Max mit einer Frisur um den Verstand zu bringen, reizte mich sehr. Ich gab dem irgendwann nach und vernaschte Natalie. Manuel hatte ich versprochen, wenn ich denn Sex mit jemand anderem haben würde, sollte ich es ihm auf jeden Fall sagen. Nicht erzählen, aber eben sagen, dass es passiert war. Bei Natalie sollte ich dann aber doch erzählen und das machte ihn auch sichtlich geil. Typisch Mann eben. Doch als es dann mit Max passierte, fand Manuel es überhaupt nicht mehr witzig.
Ich muss ihm zugutehalten, es gab keine Szene. Aber es war ihm deutlich anzumerken, dass er frustriert und sauer war. Das läutete schließlich das Finale ein. Wir verbrachten das Wochenende noch miteinander, doch sonntags sagte er mir dann, dass er so nicht leben könne. Wenn ich die Zeit mit ihm verbringen wolle, dann ohne Sex mit anderen Männern. Ich hingegen sagte das Gleiche, nur eben mit dem Sex mit anderen Männern. Also von meiner Seite aus. Da wir keinen Konsens fanden, war die Sache klar. Die Sache war zu Ende.
Das eigentlich Interessante daran ist, auch wenn ich wehmütig an die schöne Zeit zurückdachte, ich hatte keinen Schmerz in der Hinsicht, dass es vorbei war. Ich kehrte zurück in die WG, nahm mein normales Leben wieder auf und hatte nie das Gefühl, irgendwie einen Fehler gemacht zu haben. Selbstverständlich hatte ich da aber unglaublich viele Geschichten, die ich Max erzählen konnte und da ich Manuel in der Zeit ja wirklich geliebt hatte, fielen meine Erzählungen auch entsprechend aus, was Max komplett fertig machte und der spritzte wie ein Hydrant. Jedes einzelne Mal. Sauer oder so war er nie. Warum auch? Ich war ja nicht mit ihm zusammen und die Gefühle zu ihm hatten sich nie geändert. Nur das sexuelle Interesse in der Zeit. Davon aber ab, die Gefühle zu ihm waren auch nie nur ein minimales Stück gesunken.
Auch interessant fand ich, Manuel wusste, dass ich jeden Mittwoch Oralsex mit Max hatte. Demnach hatte ich ihn da nie drauf hingewiesen. Das schien ihn nicht zu stören. Aber richtiger Sex war ihm dann doch zu viel.
Mir hat es meine Meinung zum Thema Liebe aber bestätigt. Liebe ist nur diese Phase, wo das Gehirn alles mit Hormonen flutet und sobald sie weg sind, geht es in den Alltag. Mit all seinen Fehlern. Kurz gesagt, Liebe ist nichts anderes als eine Reaktion des Körpers, um die Fortpflanzung zu pushen. Es ist nichts, was auf Dauer ausgelegt ist, was biologisch ja vollkommen Sinn ergibt.
Man muss sich aber mal ausmalen, was hätte sein können, wenn Manuel nicht so sehr den gesellschaftlichen Regeln wie Monogamie unterlegen gewesen wäre. Er hatte ja auch guten Kontakt zu meinen Leuten, wir hätten in der WG mit Sicherheit noch eine tolle Zeit verbringen können. Vielleicht ja sogar bis heute. Vielleicht hätte er ja dann auch irgendwann mal Natalie gevögelt oder sogar beide. Man weiß es nicht. Es ist aber schade, dass es durch die Gesellschaft nie dazu kam.
Tatsächlich ist mir so etwas danach noch zweimal passiert. Dieses Mal aber sofort mit dem Hintergedanken, es wird eine Zeit lang laufen und dann enden und genauso kam es dann auch. Mittlerweile bin ich an dem Punkt, wenn es passiert, dann genieße ich es. Ich mache mir aber keine Illusionen, dass es von Dauer sein wird und die WG bleibt unangetastet. Die werde ich nicht aufgeben, für keinen Mann der Welt.
Und? Was sagt ihr zu der Geschichte? Ich wäre an eurer Meinung sehr interessiert.
