[Nadine] Eifersucht und Kontrolle

Dienstag Nachmittag war bei uns ganz schön die Hölle los. Wir sind in der Nacht von Sonntag auf Montag aus Spanien zurück gekommen und als Max seine Meldung darüber abgab, meldeten sich gleich viele unserer Bekannten an, um unsere Urlaubserlebnisse zu hören. Das ist relativ normal bei uns und gehört auch nicht zur Geschichte an sich.

Wichtiger war, dass ein Pärchen dabei war. Max kennt die schon lange und sie sind seit über zehn Jahren verheiratet. Sie tolerieren unser Lebensmodell, sehen für sich darin jedoch nichts erstrebenswertes. Für sie ist die Ehe und die Monogamie nach wie vor etwas heiliges. Das ist kein Problem für uns, jeder soll schließlich so leben, wie er das für richtig hält.

Aber auch darum soll es nicht direkt gehen. Es war viel mehr die Tatsache, wie die Frau hier bei uns ankam. Draußen waren es 28° Celsius und sie kam mit einem langärmligen Rollkragenpullover. Ein dünner, aber für diese Temperaturen in meinen Augen auffällig. Zumal sie normalerweise bei dem Wetter auch eher in kurzer Kleidung unterwegs ist.

Als ich sie alleine in der Küche traf stellte ich die Frage, warum sie denn so angezogen sei. Die Antwort war erschütternd. Es war ihr Mann, der ihr das quasi aufgezwungen hatte. In jüngster Vergangenheit war bei den Beiden etwas passiert. Sie war, so ihre Erzählung, mit einer Freundin Kaffee trinken und hatte dabei von einem unbekannten eine Nummer zugesteckt bekommen. Sie sagt, sie hätte davon nichts mitbekommen, der hätte den Zettel einfach in ihre Handtasche gesteckt, ohne ihre Kenntnis.

Hier mag man jetzt bemängeln, dass man seine Handtasche nicht unbedingt so unbeobachtet stehen lassen sollte, aber das ist dann wieder ein anderes Thema.

Auf jeden Fall musste sie dann Abends etwas in ihrer Tasche suchen, diese Teilweise dafür ausgeräumt haben und dabei kam auch der Zettel zum Vorschein. Ihr Mann sah ihn, schaute ihn sich an und die Ehekrise war da.

Da ich ja auch den größten Teil meines Lebens in monogamen Beziehungen unterwegs war, kenne ich solche Situationen. Nicht 100% die Gleichen, aber ähnliche. Verdächtiges Verhalten des Partners. Ich für meinen Teil habe dann zuerst die Frage gestellt, was ist das, wie ist das zustande gekommen und ich war gewillt den Worten meines Partners hier Glauben zu schenken. Zugegeben, da wurde ich auch schon ordentlich enttäuscht, so war ich aber eingestellt. Zu einer Beziehung gehört ja Vertrauen und wenn ich die Worte meines Partners grundlos anzweifle, zeige ich ja mein Misstrauen. Ja, grundlos mal hier in vielen Fällen nicht zutreffen, aber verurteilen für etwas, was nicht bewiesen ist, ist ja auch nicht gerade toll.

Gut. Bei diesem Paar ging das also gleich ganz anders los. Ihr Mann fand den Zettel, sah die Nummer und sofort unterstellte er ihr, sie würde flirten, nach etwas Neuem suchen, ihn nicht mehr lieben und hast du nicht gesehen. So ihre Aussage.

Sie hingegen beteuerte anscheinend, dass sie überhaupt keine Kenntnis von dem Zettel hätte und auch nicht, wer ihr den zugesteckt hätte. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass er ihr kein Wort geglaubt hat. Für ihn war ganz klar, seine Frau war ohne ihn unterwegs, hatte keinen Ehering am Finger und hatte wohl mit einem anderen Mann geflirtet.

Dabei sei auch gesagt, die Ehering-Diskussion hatten die Beiden schon oft, auch in unserem Beisein. Sie selbst ist kein Freund von Schmuck, also überhaupt nicht und trägt diesen deshalb nicht. Nie. Ich kann das durchaus nachvollziehen. Auch ich bin kein Freund von Ringen und den Einzigen, den ich wirklich gerne trage, ist der von Max. In allen Beziehungen, wo mein Partner auf so etwas bestanden hatte, um unsere Zusammengehörigkeit zu symbolisieren, fühlte ich mich immer dazu genötigt. Ich habe nie einen solchen Ring mit Stolz oder Freude getragen, sondern eigentlich eher nur, weil mein Partner das so wollte.

Nachdem sie das erzählt hatte, viel mir dann auch auf, dass sie nun tatsächlich mit diesem Stück Gold am Finger unterwegs war.

Gut. Das Ende von diesem Lied war also, er unterstellte ihr potentielle Untreue und um ihn nicht zu verlieren, hatte sie Zugeständnisse gemacht. Ehering am Finger, auch bei hohen Temperaturen keine aufreizende Kleidung mehr, wozu auch Tops mit Ausschnitt oder ärmellos und ähnliches zählen und, was ich brutal finde, keine Alleingänge mehr. Also wenn sie weggeht, dann nur mit ihrem Mann.

Das führt mich dann zum eigentlichen Thema. Eifersucht und Kontrolle.

Ich will da jetzt überhaupt nicht auf das Thema Monogamie eingehen, darum geht es hier jetzt nicht. Es geht mir in erster Linie um das Thema Vertrauen.

Eifersucht selbst mag ja noch irgendwo romantisch sein. Wenn der Partner eifersüchtig wird, weil der Partner bei anderen Menschen Chancen hat. So weit okay. Wenn daraus aber Kontrollzwang wird, hört der Spaß in meinen Augen auf.

Warum mich das so beschäftigt ist die Tatsache, dass ich es selbst schon mehrfach erlebt habe. Der eine potentielle Mann fürs Leben wollte nicht, dass ich einen besten Freund habe. Denn beste Freunde wollen ja immer Sex. Okay, er hatte damit sogar Recht, aber das galt schon vor unserer Beziehung und auch da, wo ich gekonnt hätte, war ich mit meinem besten Freund nie sexuell aktiv. Warum nicht? Weil man das mit dem besten Freund nicht macht, um die Freundschaft nicht zu gefährden. Aus heutiger Sicht totaler Schwachsinn, damals sah ich das aber eben so. Trotzdem beendete ich diese Freundschaft, was ich bis heute zu tiefst bereue.

Andere meiner Männer fürs Leben, was den Irrsinn dieser Philosophie ja eigentlich unterstreicht, wollten ebenfalls, dass ich nicht zu freizügig unterwegs war, wenn sie nicht dabei waren. Also, Hose statt Rock, T-Shirt oder Pullover statt Top mit Ausschnitt.

Ich fand das damals nicht toll aber ich liebte ja meinen Partner und wollte ihn nicht verlieren. So kam ich diesen Forderungen immer nach, egal wie unangenehm es mir war. Ich bin zum Beispiel kein Mensch, der gerne Hosen trägt. Das habe ich ja in einem anderen Beitrag schon beleuchtet. Es ist einfach nicht meine Welt. Das heißt also, ich habe meine Art meinem jeweiligen Freund angepasst.

Die Frage ist nur, warum sollte ich das eigentlich machen? Aus einem simplen Grund. Mein jeweiliger Partner hatte nicht das nötige Vertrauen zu mir. Im Nachhinein betrachtet, auch im Hinblick auf dieses Paar, sagt es nur eins aus. Die Partnerin ist potentiell untreu.

Seien wir mal ganz ehrlich. Das Einzige, was den Partner davon abhält, mit anderen Menschen ins Bett zu gehen ist der persönliche Wille. Natürlich kommt es vor, sowohl beim Mann also auch bei der Frau, dass man da jemand sieht, der einem gefällt. Vielleicht sogar den Sexualtrieb triggert. Da gibt es dann nun zwei Möglichkeiten. Man gibt dem nach oder nicht. Das ist aber eine bewusste Entscheidung und nicht an Kleidung oder Symbole gekoppelt.

Gut, bei Männern ist das nun etwas schwieriger als bei Frauen, aber auch ein Mann kann es darauf anlegen, mit einer anderen Frau intim zu werden. Die Erfolgschancen sind bei vielen wohl kleiner, aber es geht ja um den Punkt, wo man es in Betracht zieht.

Drücken wir das mal anders aus. Natürlich schauen mehr Männer nach mir, wenn ich viel Haut zeige. Das heißt aber nicht, dass niemand nach mir schaut, wenn ich nur das Allernötigste zeige. Es gibt sogar Männer, die darauf stehen. Oder Max zum Beispiel. Der würde mich sehen und da ich ja kein Freund von offenen Haaren bin würde ich ihn triggern. Selbst wenn ich in einer Schutzausrüstung aus der Antarktis vor ihm stehe.

Okay, zugeknöpft reduziert die Gefahr angesprochen zu werden, aber, es hilft nicht. Wenn ich im Kopf nicht dazu bereit bin, mich sexuell einzig an einen Mann zu binden, dann wird es früher oder später zu einem intimen Kontakt kommen. Das ist einfach Fakt. Da helfen keine dicken Klamotten und kein Ring am Finger. Wenn ich dazu bereit bin, dann wird es passieren.

Das gilt aber nicht nur für mich. In meinen Augen und meiner Erfahrung nach ist das ganz natürliches, menschliches Verhalten. Es gibt nur einen Schutz davor, einen Seitensprung zu begehen und das ist der eigene Kopf.

Und genau hier ist nun das Problem. Wenn der Partner verlangt, dass man sich möglichst unerotisch kleidet, nicht alleine weggeht oder eben einen Ring trägt, dann ist da einfach kein Vertrauen. Ganz genau so einfach ist das.

Natürlich kann man hier argumentieren, es würde gar nicht um fremdgehen gehen sondern um die Tatsache, dass der Partner einfach nicht will, dass man von anderen Menschen angeglotzt wird. Das ist dann aber wieder ein Einschnitt in die persönliche Entfaltung. Ich trage zum Beispiel Röcke, weil mir das viel, viel besser gefällt und ich mich in Hosen unwohl fühle. Auch trage ich gerne Ausschnitt, weil ich mir persönlich darin gut gefalle.

Um das zu verdeutlichen. In der Zeit, wo ich zwischen zwei Beziehungen Single war, habe ich mich genauso angezogen. Ausschnitt, Rock, gerne mal hohe Schuhe. Das hieß aber nicht, dass ich deshalb auf der Suche war. Nach dem nächsten Mann fürs Leben ja, aber nicht für ein schnelles Abenteuer. Damals war das für mich quasi undenkbar, ohne Beziehung Sex zu haben. Also. Ich ziehe mich so an, weil es mir gefällt. Heute mache ich das natürlich, um Jungs abzuschleppen, damals war es jedoch einzig mein Wunsch, mich in meiner Kleidung wohlzufühlen.

Ich habe ja schon erwähnt, dass ich meinen Partnern immer mein Vertrauen geschenkt habe. Wenn er sagte, es war so und so, dann habe ich ihm das geglaubt, auch wenn es vielleicht Anzeichen gab, es hätte anders sein können. Ich sagte auch, dass ich damit aber auch ordentlich auf die Nase gefallen bin.

Hätte es mir denn aber etwas gebracht, wenn ich ihm im Vorfeld schon die Hölle heiß gemacht hätte? Nein! Warum nicht? Weil, selbst wenn ich damit einen Seitensprung verhindert hätte, wo wären wir geendet? In einer aufblühenden, glücklichen Beziehung? Er hätte das Interesse trotzdem weiter gehabt und wäre auch willig gewesen, dem nachzukommen. Vielleicht hätte er es wirklich unterdrückt, aber dann wäre etwas anderes passiert. Ich hätte ihn eingeengt und auch das kann zum Ende der Beziehung führen. Entweder das oder er wird unglücklich, bekommt Depressionen, kennt man ja alles.

Ich kann es ja von mir bestätigen. Ich hab mir eben Hosen angezogen, bin mit Ring herum gelaufen und was war der Effekt? Mir ging es nicht gut. Meine Güte, in der einen Beziehung bin ich sogar, wenn ich zuhause war und mein Partner nicht, dann schnell ins Schlafzimmer und hab mich so gekleidet, wie ich mich wohlgefühlt habe. Nur für mich, ohne das Haus zu verlassen oder Gäste zu erwarten. Nur, weil ich mich da endlich wohlfühlen konnte. Dann aber immer mit wachsamem Auge auf die Uhr, um mich schnell wieder umziehen zu gehen, bevor mein Partner zurück war. Vor allem aber, war ich zuhause und mein Partner nicht, war der Ring sofort weg und es war jedes Mal ein super befreiendes Gefühl, dass Ding nicht am Finger haben zu müssen. Es war also quasi wirklich der Ring mich zu knechten.

Wozu hat das dann geführt? Zu psychischen Problemen. Zum einen fühlte ich mich von meinem Partner nicht mehr angezogen sondern es fühlte sich mehr an, als wäre er mein Herr oder so. Zudem wurde ich nach und nach immer unglücklicher. Es kam so oft vor, dass ich im Auto saß und ohne Grund heulte wie ein Schlosshund. Ich fing an Dinge an mir zu suchen, die ich falsch machte, auch wenn es dafür überhaupt keinen Grund gab. Egal wann ich das Haus verließ, ich suchte meinen Körper akribisch nach Dingen ab, die meinem Partner missfallen könnten.

Kurz gesagt, ich verlor mich selbst, jedes einzelne Mal.

Ist das der Sinn der Sache? Meine Partner brachten mich dazu, mein Wesen zu verändern aufgrund der Annahme, ich könnte sonst einen Seitensprung riskieren. Dabei war das absolut unnötig, denn ich hätte ja alles gemacht, nur nie meinen Partner in der Hinsicht betrogen. Ganz einfach, weil das mit meinem Kopf nicht vereinbar war. Jeder meiner Partner konnte mir absolut vertrauen, weil ich eben so eingestellt war. Wer meine letzte Geschichte mit der Theke gelesen hat weiß, selbst wenn ich Single war, hatte ich gar kein Interesse, mit einem Mann ins Bett zu gehen. Okay, ich habe es dann doch getan, aber, ich betrog damit niemanden. Ich hätte mich in einer Beziehung nicht benutzen lassen, da war mein Kopf einfach zu sehr im Weg und der Gedanke, ich könnte den Menschen, den ich liebe verletzten.

Das ich da nicht einfach nur labere kann ich sogar beweisen. Denn, man stelle sich vor, wenn ich alleine unterwegs war gab es durchaus Männer, die mich angesprochen hatten und die mir eindeutige Angebote machten. Da lag es nicht an meiner Kleidung oder einem Ring, dass ich es nicht getan hatte. Ich wolle es einfach nicht. Ich hatte einen Freund und damit war das Thema für mich absolut uninteressant.

Was soll das also? Heißt es nicht, fremdgehen sei der Bruch des Vertrauens? Was ist dann Kontrolle? Wenn in einer Partnerschaft solche Kontrolle eingeführt wird, ist das nicht schon ein Vertrauensbruch?

Ich kann mir jetzt schon das Gegenargument denken. Es geht ja nicht darum, dem Partner zu vertrauen, sondern den anderen Menschen zu misstrauen. Das habe ich schon mehr als einmal gehört. Gerade meine Partner kamen sehr gerne mit dem Argument. Als ich damals fragte, ob mein Freund mich nicht vertrauen würde wegen meinem besten Freund, kam sofort dieses Argument. Mir würde er vertrauen, aber meinem besten Freund nicht. Wenn ich fragte, ob mein Freund mich nicht vertrauen würde, weil ich mich wie ein Mauerblümchen anziehen sollte, was das selbe Argument. Mir würde er vertrauen, aber den Männern nicht.

Das ist doch Schwachsinn! Es gibt nur eine einzige Person die entscheidet, ob ich Sex habe oder nicht und das bin ich und nur ich alleine! Wenn ich rumlaufe wie eine Nutte und von zehn Männern angebaggert werde, dann kriegen zehn einen Korb, wenn ich nicht mit denen ins Bett will. Das war damals so und gilt auch heute noch. Ich alleine entscheide, mit wem ich Sex habe! Auch wenn ich heute mit vielen Männern Sex habe, bin ich trotzdem nicht leicht zu haben. Ein Mann kann sich im Kreis drehen und dabei eine Pizza backen. Wenn ich ihn nicht will, dann will ich ihn nicht. So einfach ist die Sache.

Von daher. Eifersucht mag irgendwo okay sein oder sogar romantisch wirken. Kontrolle geht aber gar nicht. Wer anfängt, seinen Partner zu kontrollieren, der spricht ihm sein Misstrauen aus. Also genau das, was er ja eigentlich verhindern will. Es führt nur Depressionen, einem unglücklichen Partner und wenn es schlecht läuft zu einer Trennung.

Ist das der Sinn der Sache?

Schreibt mir mal eure Meinung dazu. Gerne hier in den Kommentaren, per Mail oder gerne auch per Google Chat. Das würde mich echt interessieren.

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