[Nadine] Mein Lebensmodell

Es gibt eine Sache, die ich in den letzten acht Jahren und nun auch schon in E-Mails gefragt wurde:

Wie kann ich mit meinem Lebensmodell glücklich sein?

Das bezieht sich auf die Tatsache, dass ich keinerlei romantische Gefühle habe und keine Sehnsucht nach einer festen Partnerschaft. Die Frage wundert mich auch überhaupt nicht und gerade am Anfang hatte ich meine liebe Not, dass dem Fragesteller zu erklären. Hier muss man aber bedenken, ich war, gerade im ersten Jahr mit Max, noch in einem persönlichen Tief, was Beziehungen anbelangt. Mein letzter Ex hatte mir da mit seiner Art voll den Rest gegeben und ich war damals auf dem Trip: „Nie wieder eine Beziehung!“.

Damals jemandem zu erklären, dass ich ohne Beziehung glücklicher bin, war nicht immer einfach. Ich wusste damals ja selbst noch nicht was passiert, wenn ich den doch tief sitzende Schmerz über eine erneut gescheiterte Beziehung überwunden habe. Von daher war jede Antwort immer so ein wenig mit dem Selbstzweifel behaftet, ob ich mein Lebensmodell über eine längere Zeit durchziehen kann oder doch irgendwann den Wunsch nach einer festen Bindung verspüre. Nach über acht Jahren ohne diesen Wunsch fällt es mir dann doch um vieles leichter, auf diese Frage zu antworten.

Wie kam es denn nun dazu, dass ich Beziehungen den Rücken gekehrt hatte? Nun, es war keine Entscheidung von jetzt auf gleich. Ich war auch mal ein typisches Mädchen, dass vom Ritter auf weißem Pferd geträumt hat. Der angeritten kommt, mich aus meiner Einsamkeit rettet und ich bis ans Ende meiner Tage mit ihm glücklich lebe. Ich denke, in unserer Gesellschaft ist eine solche Vorstellung ganz normal. Man bekommt sie, zumindest früher, aus dem Elternhaus vorgelebt, sieht es überall um sich herum, sieht es in Filmen und Serien, man wird quasi darauf indoktriniert. Man kann sich ja nicht einmal mit einer KI wie Gemini über Seitensprünge unterhalten, da man damit gegen die Richtlinien verstößt. So tief sitzt dieses Ideal.

Ich machte also einen großen Teil meines Lebens genau das. Ich suchte den Mann fürs Leben. Klar, in meiner Teeny-Zeit war weniger davon auszugehen, dass ich da schon den Traumprinzen finden würde, den ich den Rest meines Lebens behalten würde. Damals war ich selbst ja in allem noch eher unerfahren und das muss man alles erst einmal lernen und da merkt man dann auch, vieles von dem, was man eigentlich will, wird von diesen Beziehungen einfach nicht erfüllt oder nach einer Zeit nicht mehr erfüllt. Auch die Jungs entwickeln sich schließlich und das heißt, die müssen nach einiger Zeit nicht mehr der Mensch sein, welcher sie zu Beginn der Beziehung waren.

So über die Jahre zeichnete sich bei mir jedoch immer wieder das gleiche Muster ab. Zuerst war ich verliebt und der Mann, in den ich verliebt war, war einfach nur perfekt. Nach Möglichkeit wollte ich jede Sekunde des Tages mit diesem Mann verbringen und ganz wichtig war, Nachts neben ihm einzuschlafen.

Doch immer wieder kam, so etwa nach einem Jahr, dann die Ernüchterung. Mir fielen bei jedem irgendwelche Kleinigkeiten auf, die mich störten. Die waren natürlich schon vorher da, aber durch die ganzen Hormone, die das Gehirn in der Phase der Verliebtheit ausschüttet, merkt man das eben einfach nicht. Doch dann kommen sie zum tragen und stellenweise sind es wirklich nur Kleinigkeiten, wie eine nicht zugedrehte Zahnpasta Tube, die einem auf einmal tierisch auf die Nerven gehen.

Umgekehrt ist es natürlich das gleiche Spiel und dann kommt die Zeit, in der es kritisch wird. Kann man diese Punkte akzeptieren oder fängt man an zu kritisieren. Die Regel ist, man fängt an zu kritisieren und ab da wird es wirklich heikel. Bei solchen Dingen wie der Zahnpasta ist die Kritik nicht nennenswert. Man kann aber davon ausgehen, sie wird gehört, aber ignoriert. Vielleicht kommt der Partner der Kritik eine Zeit lang nach, fällt dann aber wieder ins alte Muster.

Dabei bleibt es aber leider nicht. Anfangs mögen es nur Kleinigkeiten sein, es ufert dann aber in der Regel aus. Einem meiner Ex zum Beispiel war ich zu dick, zu unsportlich. Er hingegen verbrachte jeden Tag mehrere Stunden im Gym. Er nörgelte ständig an mir rum und meinte, es wäre ihm sehr lieb, wenn auch ich mit ins Gym kommen würde. So wegen Gesundheit und eben um ein paar Kilo zu verlieren. Dann meine Leidenschaft für Softdrinks. Ein absolutes No-Go. Dauernd Kritik und ich solle lieber Mineralwasser und Protein-Shakes trinken.

Oder ein anderes Beispiel. Ich mag Klamotten, insbesondere Schuhe. Demnach kommt es vor, dass ich mir etwas kaufe, was ich aber eigentlich nicht brauche. Ich war da aber auch in einer Beziehung, wo ich, im Hinblick auf Geld, dafür stark kritisiert wurde. Dazu sei gesagt, sowohl ich als auch mein damaliger Freund verdienten genug, da wir eine wirklich große Wohnung für kleines Geld gefunden hatten. Während man seine Kritik noch als vernünftig ansehen könnte ändert sich das wenn man weiß, dass der Unsummen an Teile für sein Auto gekauft hatte. Der war wirklich jedes Wochenende in einer Werkstatt und hat irgendwas an seinem Auto verändert, während sich in unserem Keller die Teile gestapelt hatten. Schon ist die Kritik im Arsch. Denn genauso wenig, wie ich noch ein Paar Schuhe brauchte, brachte der neue Scheinwerfer für sein Auto.

Noch schlimmer fand ich es aber, dass ich für meinen Kleidungsstil beim außer Haus Aktivitäten kritisiert wurde. Rock zu kurz, Ausschnitt zu tief, Bauchfrei geht gar nicht. Das bin aber eben ich. Ich kleide mich gerne weiblich und sexy und dazu gehört eben auch ein Rock und Ausschnitt in meiner Welt. Das mache ich nicht, um irgendwen zu verführen und wenn ich damals damit jemand aufreizen wollte, dann meinen Freund. Aber nein, so durfte ich nicht vor die Tür. Mit ihm nicht und ohne ihn schon gar nicht. Die Begründung dafür war auch immer geil. Ich würde damit ja andere Kerle aufgeilen und was da dann passieren konnte. Ja? Was? Denn zu diesem Spiel gehören immer noch zwei und wenn ich nein sage, egal welches Outfit ich trage, dann heißt es nein. Würde etwas passieren, wäre es eine Vergewaltigung und ich kann euch garantieren, ich würde jeden Übergriff zur Anzeige bringen. Im Umkehrschluss heißt das für mich aber, mein Freund hatte nicht genug Vertrauen zu mir. Denn wenn er das gehabt hätte, hätte er sich ja keine Sorgen gemacht.

Der absolute SuperGau war aber, als mir mein damaliger Freund damals meinen besten Freund verboten hatte. Ja, ich hatte einen platonischen, besten Freund, seit dem Sandkasten. Platonisch aus dem Grund, ich hatte absolut kein sexuelles Interesse an ihm. Wobei ich auch sagen muss, er an mir schon. Man muss sich nur einmal überlege, über die Jahre bekam ich Brüste, mehr Hintern und weibliche Formen. Er war eben ein Mann und natürlich gefiel ihm das. Er hatte das auch schon gesagt, wenn ich wollen würde, er wäre nicht abgeneigt. Aber das spielt überhaupt keine Rolle, denn ich wollte nicht und wie gesagt, zu dem Spiel gehören zwei, wenn es nicht in einer Vergewaltigung enden soll.

Mein damaliger Freund war aber höchst abgeneigt von der Tatsache, dass ich eben einen besten Freund hatte, mit dem ich sehr gerne eine Zeit verbrachte und mit dem ich über alles reden konnte. Für mein Freund war klar, dieser beste Freund wollte nur Sex von mir und das ging eben gar nicht. Mich mit dem zu treffen wäre immer eine Gefahr. Was ein Schwachsinn! Ich hätte ja schließlich schon vor meinem Freund mit meinem besten Freund schlafen können, wenn ich das gewollt hätte. Tat ich aber nie und warum sollte sich das gerade in der Beziehung ändern?

Allgemein könnte man nun sagen, nur weil meine jeweiligen Freunde an etwas Anstoß genommen hatten, hätte ich darauf ja nicht reagieren müssen. Das ist korrekt. Aber, in einer Beziehung gibt es ja diesen Mist von Wegen Kompromissen. Man soll ja gemeinsam wachsen und ein gemeinsames Leben aufbauen. Kompromisse gehören dazu und es ist ja schließlich der Partner fürs Leben. Man geht ja keine Beziehung ein um zu sagen, ach mal schauen, für ein paar Jahre vielleicht. Nein. Bei jedem Partner ist ja das erklärte Ziel, Heiraten, Kinder kriegen usw. Zumindest war das damals bei mir so.

Ende vom Lied? Ich war im Gym angemeldet und quälte mich dort dauernd hin, gab meine Softdrinks für Mineralwasser auf, tat so, als hätte ich Interesse an Autos usw. Viel schlimmer aber, ich ging in Kleidung aus dem Haus, in denen ich mich einfach nicht wohl fühlte. Ja, ich trage auch mal Jogginghosen und so, aber im allgemeinen mag ich es weiblich. Röcke, Kleider usw. Damit fühle ich mich, wenn ich weggehe, einfach deutlich wohler. Aber nein, Ich pimpte meinen Kleiderschrank mit Hosen in diversen Ausführungen und quälte mich mit denen nach draußen. Zum guten Schluss beendete ich auch die Freundschaft zu meinem besten Freund und das tut mir bis heute weh.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Ich hatte da einen Freund, der mich in allen Belangen so akzeptierte, wie ich war. Eben auch, dass ich Sex mit Männern hatte, aber nie mit ihm. Ich konnte mit ihm über alles reden, er wusste alles von mir und umgekehrt. Ich musste bei ihm nur seufzen und schon wusste er, wo der Schuh drückt. So ein Freund war das und dem erklärte ich bei unserem letzten Treffen, dass ich zu Gunsten meines Partners den Kontakt beenden würde. Ich war ja so dumm! Dazu kommt dann auch noch, nach der Trennung habe ich wieder Kontakt aufgenommen und mich in aller Form entschuldigt. Ich bot ihm sogar Sex an, wenn er mir noch eine Chance geben würde. Doch keine Chance. Er sagte mir damals, ich hätte ihn massiv verletzt und sein Vertrauen in mich sei komplett weg. Denn er konnte ja schließlich nicht davon ausgehen, dass ich bei meinem nächsten Freund nicht wieder so handeln würde. Was mir da am Meisten wehtat war die Tatsache, ich konnte das auch nicht sicher sagen. Für den Mann meines Lebens war ich schon bereit, sehr viel zu opfern. Fazit, eine der besten Freundschaften meines Lebens getötet für was? Nichts!

Die Frage ist aber nun, wenn ich das doch alles wusste, warum ging dann trotzdem immer wieder eine neue Beziehung ein? Die Antwort ist Simpel. Weil das das erklärte Ziel ist. Einsamkeit ist Scheiße, man braucht einen Partner, um komplett zu sein. So kriegt man es in unserer Gesellschaft ja von allen Seiten eingetrichtert. Demzufolge war ich, auch wenn ich noch um meine vergangene Beziehung trauerte, ganz schnell wieder auf der Suche und ging sogar Beziehungen mit Männern ein, die ich gar nicht mal so toll fand. Sie mich aber und das hieß, ich war nicht mehr alleine und alles andere würde sich bestimmt ergeben.

Doch schon vor meiner letzten Beziehung hatte ich eine Erkenntnis. Mein Ex-Ex-Freund hatte mich damals total toll abserviert. Wir hatten Pläne fürs Wochenende, hatten Sex, er erzählte mir, er würde mich lieben, kam dann aber eines schönen Tages nachhause, meinte, es sei vorbei, packte seine Sachen und verabschiedete sich mit den tollen Worten: „Man sieht sich.“.

Ich saß da. Wohnung zu groß für einen Alleinverdiener, besonders bei meinem Gehalt, war weit ab von der Arbeit, da wir nur dort eine Wohnung gefunden hatten und im Endeffekt hieß das, alleine die Fahrt zur Arbeit und zurück, nebst Arbeit selbst, kostete mich fast den ganzen Tag. Dabei dann noch eine neue Wohnung und Nachmieter finden fraß den Rest. Ich hatte also überhaupt keine Zeit, mich um eine neue Liebschaft zu kümmern.

Das hieß dann auch, ich hatte einiges an Zeit, in der ich mich der Einsamkeit stellen musste. Am Anfang war das grausam. Ich schlief sogar oft auf dem Sofa, damit ich nicht ins leere Bett musste. Bis mir dann irgendwann in der Nacht auffiel, so schlecht ist das Leben alleine eigentlich gar nicht!

Man kommt nachhause, die Bude ist noch so, wie man es sich vorstellt. Die Zahnpasta-Tube ist zu gedreht, es stehen Softdrinks im Kühlschrank und keiner nörgelt über meine Figur. Ich konnte auch mit meiner damals besten Freunden so lange und frech schreiben, wie es mir in den Kram passte, ohne dafür kritisiert zu werden. Ja, eigentlich war das Leben alleine doch gar nicht so schlecht!

Doch natürlich, kaum hatte ich eine neue Wohnung und Nachmieter gefunden und den Umzug geregelt, hatte ich wieder etwas Zeit für mich und ging wieder aus. Da lernte ich dann wieder einen Mann kennen, verliebte mich, kam mit ihm zusammen, wir bezogen bald wieder eine Wohnung, die für einen alleine zu teuer war und da er bei Vermietern offensichtlich nicht gut ankam und ich ja so verliebt war, nahm ich die Wohnung alleine auf mich. Dann kam wieder die Zeit, wo mein Gehirn keine Hormone mehr bereit stellte und ich die kleinen Dinge wahrnahm, es kam wieder zu Kompromissen und die ganze Geschichte eben. Wie das Endete und was danach geschah, könnt ihr in meiner Geschichte Wie alles begann nachlesen.

Okay. Ich schwor damals Beziehungen einfach konsequent ab. Lieber alleine und glücklich, als in Beziehung und unglücklich. Da lernte ich dann Max und mein neues Leben kennen. Was ist jetzt? Über acht Jahre später? Habe ich es bereut? Fehlt mir etwas?

Nach über acht Jahren kann ich nur sagen, nein, mir fehlt überhaupt nichts!

Wie ist denn mein Leben mittlerweile? In einem Wort zusammengefasst: Frei! Anders kann ich es nicht beschreiben. Das will ich aber nicht einfach so stehen lassen, denn es könnte ja alles Mögliche bedeuten. Deshalb führen wir das mal etwas näher aus.

Ein Teil meiner Freiheit konnte ich nur damit erlangen, dass Max eben Geld hat und das gerne ausgibt. Das wohl auch ein Knackpunkt, warum mein Modell vielleicht nicht immer funktioniert. Teile davon aber wahrscheinlich schon. Auf jeden Fall, ich muss nicht arbeiten. Wenn wir mal den Arbeitsvertrag mit Max nicht dazu zählen. Im Prinzip ist das aber auch nur ein Stück Papier und eine monatliche Geldtransaktion. Max Mittwochs Oral unter dem Schreibtisch zu befriedigen, sehe ich nicht als Arbeit an. Den Rest der Woche machen wir noch ganz andere Dinge zusammen. Es war damals ja auch nur eine Möglichkeit für mich, Max nicht die Macht über meine Wohnung zu geben, in die ich mich im Bedarfsfall hätte zurückziehen können. Das ist mittlerweile eigentlich hinfällig, aber warum an der Situation etwas ändern?

Das ist auf jeden Fall ein massiver Teil meiner Freiheit. Ich muss nicht arbeiten, mich nicht für einen Mindestlohn jeden Tag acht Stunden abstrampeln um dann doch nicht gewürdigt zu werden. Ich habe quasi jeden Tag Wochenende und demzufolge fangen meine Tage selten vor elf Uhr an. Das ist auf jeden Fall eine wirklich tolle Freiheit.

Doch trotzdem kann ich nur sagen, es ist nicht die Art von Freiheit, von der ich eigentlich spreche. Nein! Diese Freiheit kommt von der Tatsache, dass ich tun und lassen kann was ich will. Wir wohnen ja mittlerweile zu viert in der WG und es gibt keine Regeln, keine Kompromisse, kein Grund für Veränderung. Ich bin einfach ich und lebe ganz exakt so und nicht anders.

Das heißt, ob ich nun um acht, um elf oder um 15 Uhr aufstehe spielt keine Rolle. Ob ich vom Bett an meinen PC stürze, interessiert niemanden. Ob ich weggehe ist allein meine Sache und wenn ich mich dafür anziehe wie eine Nutte gibt es auch keine Kritik. Selbst wenn ich einen Kerl niedlich finde oder mich sonst wie der Hafer sticht kann ich Sex haben und niemand nimmt Anstoß daran. Ich kann nackt durchs Haus laufen oder wie ein Penner oder voll aufgehübscht. Es gibt keine Kritik. Ob ich nun ein bisschen zu viel auf den Rippen habe und mich trotzdem mit Softdrinks und Süßigkeiten voll stopfe kritisiert niemand. Das ist Freiheit! Ich werde genauso akzeptiert wie ich bin obwohl ich genau weiß, es gibt Dinge, die Max zum Beispiel nicht mag.

So zum Beispiel meine Faulheit. Es kommt gelegentlich vor, dass wir Pizza bestellen und die kommt ungeschnitten bei uns an. Alle anderen gehen dann in die Küche und schneiden sie. Ich rolle sie einfach zusammen und esse sie wie ein Wrap. Max findet das grausam und hat das auch schon gesagt. Dabei bleibt es dann auch auch. Er gibt mir seine Meinung, mehr nicht. Kein Wort, dass ich etwas ändern soll und das ist der springende Punkt. Jeder darf seine Meinung haben, aber muss auch akzeptieren, dass ich eine andere habe.

Auch ein Punkt von Freiheit ist, es gibt keine Eifersucht. Wenn Max geil ist, ich aber lieber mit Natalie schlafe, dann ist das eben so. Vielleicht empfindet er dann etwas Neid, aber darin sehe ich keine Probleme. Ich bin hin und wieder auch neidisch, wenn Natalie oder Nina Sex mit ihm haben und ich leer ausgehe. Aber eben, es ist mein Problem, ich drehe da keinem einen Strick draus sondern freue mich für die Mädels. Schließlich heißt das ja nicht, dass ich mit nicht die nächste Runde gönnen kann. Genau wie Max weiß, nur weil ich in dieser Nacht nicht bei ihm bin ist das kein Dauerzustand.

Da ist auch das mit der Eifersucht. Wie heißt es so schön: „Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.“. Besser kann man es eigentlich nicht beschreiben. Ach, was war ich schon eifersüchtig in meinem Leben. Auf das Gym, das Auto, irgendwelche best Buddys oder was weiß ich. Eifersucht war eine lange Zeit ein starker Bestandteil meines Lebens und wofür? Leider weiß ich das eigentlich gar nicht.

Bei uns ist aber Eifersucht überhaupt kein Thema. Wie gesagt, ich kann mit Natalie ins Bett gehen, ohne dass Max eifersüchtig wird. Natalie kann mit Max ins Bett gehen, ohne dass ich eifersüchtig werde und für Natalie gilt das auch. Darüber hinaus, es wird auch niemand eifersüchtig, wenn ich etwas mit einem anderen Mann habe. Max schon gar nicht, der feiert das ja.

Was dann auch wieder ein Punkt von Freiheit darstellt. Max liebt es, mich zu teilen. Auch wenn wir ja gar nicht zusammen sind. Wenn ich Sex mit einem anderen Mann habe und ihm davon erzähle, geht er ab wie nichts anderes. Aber davon könnt ihr euch ja in meinen Geschichten überzeugen.

Das ist auch so ein irrwitziger Punkt. Wenn ein Mann seine Frau teilen will, ist das gesellschaftlich schon negativ behaftet. Es geht ja gegen das Heiligtum Monogamie. Dazu kommunizieren die das dann auch in aller Regel so mies, dass die Frau sich wie ein Sextoy vorkommt, anstatt darin den Zugewinn von Freiheit zu sehen. Die tollen Beiträge im Internet zu dem Thema tun ihr übriges. Alles zusammen sorgt also dafür, dass statt die Frauen neue Freiheit gewinnen, sie sich davon eher herabgewürdigt sehen. Was ich wirklich traurig finde.

Ich habe durch die WG aber noch eine Art von Freiheit erlangt. Die Freiheit von gesellschaftlichen Normen. Anfangs hatte ich es immer schwer damit, wenn mich jemand für meine Lebensart kritisiert hat. Von mir kamen dann immer nur Rechtfertigungen. Heute läuft das Spiel hingegen anders. Werde ich angegriffen, gehe ich sofort zum Gegenangriff über.

Ein schönes Beispiel hier ist, dass mit jemand mein wildes Leben vorwirft und behauptet, es sei nicht normal. Früher hätte ich dann versucht mit Beispielen zu rechtfertigen, warum es für mich der bessere Weg ist. Heute schlage ich hingegen einfach zurück und frage, ob es denn besser sei, dauernd Streit zu haben, dass der Sex in den Keller geht, dass man sich eingeengt fühlt und seinen Partner beschwindelt, um mal etwas Zeit für sich zu haben. Tja, da fehlt es dann an Antworten. Ich habe die Erfahrung gemacht, solche Kritik folgt ebenfalls einem gesellschaftlichen Muster. Man wird kritisiert, also hat man sich zu rechtfertigen. Wenn man dies aber nicht tut, also das Gesellschaftsspiel einfach nicht mitspielt, dann zieht man den Kritikern jeden Boden unter den Füßen weg. Denn die Gesellschaft lehrt einen ja nicht, wie man damit umgehen muss.

Zudem habe ich noch etwas für mich gelernt. Freiheit heißt, sich nur mit den Menschen zu umgeben, die einen akzeptieren. Früher habe ich oft Rücksicht auf das genommen, was „Freunde“ von mir erwartet haben. Beim weggehen vielleicht nicht dauernd flirten, im Kino nicht das größte Popcorn kaufen und es schon vor Beginn des Films zu leeren oder nicht zu viel zu trinken. Es gab da viele Punkte.

Heute sehe ich das so. Wer nur mit mir sozialen Kontakt pflegen will, für den ich mich in irgendeiner Form verbiegen soll, den brauche ich nicht. Genau so einfach ist das. Ich bin an den Punkt gelangt, an dem mir völlig egal ist, was die Menschen in meiner Umgebung über mich denken. Sollen sie mich doch für eine Schlampe halten oder das ich nur bei Max bin, weil der Geld hat. Wenn sie damit glücklich sind. Nur mir sollen sie damit nicht auf die Nerven gehen.

Das ist tatsächlich auch eine Form der Freiheit, die ich erst in der WG gelernt habe. Wenn du einmal Menschen um dich herum hast, die sich einfach exakt so akzeptieren wie du bist und dennoch gerne Zeit mit dir verbringen wollen, dann verändert das deine ganze Sichtweise.

Hier ist zum Beispiel Nina ein riesiger Kontrast zu Natalie und mir. Natalie und ich achten auf unser äußeres und wollen gerne sexy wirken. Auch daheim. Nina ist das egal. Die sitzt entweder in ihrem Kapuzenpulli oder einem T-Shirt und Jogginghose oder Hotpants am PC. Natalie und ich sind arbeitslos, Nina arbeitet weiterhin selbstständig, auch wenn sie von Max ebenfalls alles bezahlt bekommt. Für sie ist das so etwas wie Zeitvertreib. Oder auch Max. Wenn sich eine Gelegenheit hier in der Gegend ergibt, zieht der los und kauft ein Haus oder eine Wohnung. Der hat super viel Spaß daran, zu verhandeln und aus einem neuen Eigentum dann etwas tolles zu machen. Da er nicht aufs Geld achten muss, sind seine Mietobjekte sehr begehrt, da seine Preise wirklich niedrig sind. Wobei er zuerst alles komplett renoviert und auf den neusten Stand bringt.

Das ist auch so ein Punkt von Freiheit. Max macht das eben alles genauso, wie er es für richtig hält. Obwohl ihm das gerne mal böses Blut anderer Vermieter einbringt.

Hier mal ein kleines Beispiel. Ein paar Orte weiter gibt es drei „Hochhäuser“. Die haben bis zu elf Stockwerke, was für unsere Umgebung wirklich viel ist. Dort hat Max mittlerweile vier Wohnungen. Die hat er gekauft und quasi kernsaniert. Nicht, weil er es musste, sondern weil er es wollte. Er sagt immer, nur wenn du genau weißt, was wo wie verbaut wurde, weißt du auch etwas über die Qualität. Wobei ihm da in solchen Mehrfamilienhäuser auch Grenzen gesetzt sind. Auf jeden Fall, wenn da Mieter einziehen, ist alles ganz neu. Da Max daran aber nichts verdienen muss, kalkuliert er den Mietpreis so, dass er noch ein ganz klein Wenig Gewinn dabei macht. Er meinte, alles andere würde sein Ego nicht zulassen. Trotzdem liegt er mit den Preisen mindestens 200€ unter den anderen Wohnungen.

Wie gesagt, so etwas gibt gerne böses Blut und er musste sich von anderen Vermietern schon so einiges anhören. Aber, es ist sein Weg und den geht er. Da gibt es nichts dran zu rütteln.

Wenn man so etwas einmal erlebt hat, ist das schon prägend. Mir hat es auf jeden Fall beigebracht, dass niemand etwas sagen kann, was mich von meinem Weg abbringt. Ja gut, wenn ich mit 200 durch die 30er Zone fliege und die Polizei hält mich an, dann können die mir natürlich schon sagen, dass das keine gute Idee war. Davon aber abgesehen, niemand sagt mir, wie ich mein Leben zu leben habe.

Das ist aber auch witzig. Es zeigt mir oft, wie gleichberechtigt wir Frauen eigentlich sind. Wenn ich aufreizend in einer Kneipe aufschlage, bin ich eine schlampe, leicht zu haben und was weiß ich nicht noch alles. Kommt da aber ein Kerl rein mit engen Jeans und Muskelshirt, ist das völlig okay. Kerle können auch unter durch die Gegend vögeln und sind dann Macher, Player, Hengste oder was auch immer. Mache ich das bin ich eine Schlampe. Voll witzig.

Aber, was mache ich denn? Ich lebe mein Leben und dazu gehört eben auch Sex. Dabei habe ich nie Sex, wenn ich es nicht will. So viel zum Thema ich sei leicht zu haben. Denn nur, weil ich viel Sex habe und den auch mit unterschiedlichen Männern, bin alleine ich es die entscheidet, wer in mein Bett kommt und wer nicht. Okay, Max hat da eine gewisse Macht, mir einen Mann quasi vorzuschreiben, aber das tue ich dann trotzdem aus freiem Willen. Nicht, weil Max das will, sondern weil ich hinterher Max will. Mit seinen tollen Reaktionen beim erzählen. Darüber hinaus, Max ist nicht irgendwer. Er ist mein aller bester Freund überhaupt auf der Welt. Der hat gewisse Sonderprivilegien.

Was ist aber nun mit Geborgenheit, Nähe und dem, was man sich in einer Beziehung wünscht? Fehlt mir das nicht? Nein! Das ist auch sehr einfach erklärt. Liege ich Nachts im Bett und fühle mich irgendwie einsam, was hin und wieder vor kommt, krabble ich zu Max, Natalie oder Nina ins Bett. Ja, stellt euch vor. Auch mit Freunden kann man kuscheln und die können einem auch das Gefühl der Geborgenheit geben. Nina ist da keine Ausnahme, denn es geht ja nicht um Sex. Es kommt auch immer mal wieder vor, dass eines der Mädels zu mir kommt. Eher selten aber es ist auch schon vorgekommen, da waren beide bei mir.

Es hat etwas gedauert, bis ich mir dieser Tatsache bewusst geworden bin. Sicherheit und Geborgenheit, dafür braucht man diese mystische Liebe aus Film, Serie und Gesellschaft nicht. Nein! Wenn ich zu Max ins Bett krabble und der nimmt mich in den Arm, dann habe ich dieses Gefühl der Geborgenheit ohne ihn dafür lieben zu müssen. Er ist mein bester Freund, ich vertraue ihm zu 100% und ich weiß ganz genau, er würde niemals zulassen, dass mir etwas passiert.

Auch wenn wir unterwegs sind. Ich brauche da nicht den großen, starken Mann an meiner Seite, mit dem ich zusammen bin und der mich beschützt. Nein. Ich habe dafür eine Natalie und wenn ich eines genau weiß, dann das ich in ihrer Nähe absolut sicher bin. Es gab mal eine Begebenheit, wo so ein Typ in der Kneipe mein nein nicht akzeptieren wollte. Ich drehte mich um und wollte gehen, hat er mich am Arm gepackt und wurde laut. Einen Augenblick später kam eine Natalie mit einem Satz über die Bank geflogen und der Typ hatte ihren Fuß am Kopf. Fall erledigt.

Und mal etwas zum Thema gemeinsam wachsen. In einer Beziehung ist das ja in der Regel mit Bedingungen und Kompromissen behaftet. Bei uns nicht. Auch wenn es irgendwie widersprüchlich wirkt, da ich Max ja in einer Kneipe kennengelernt habe, er war früher nie der Typ, der gerne in die Kneipe ging. Zu teuer, zu laut, keine Ahnung. Ich bin aber gerne in solchen Lokalitäten. Max ist dann hin und wieder mit und heute ist er begeisterter Kneipengänger. Er hat sogar unsere Stammkneipe gekauft, ist aber im Endeffekt nur stiller Teilhaber. Der Laden war damals kurz vor dem Aus und Max ist eingesprungen. Der ursprüngliche Besitzer hält immer noch die Zügel in der Hand, konnte aber durch Max die Preise für die Getränke stark reduzieren. Max hat da ein Händchen für gute Lieferverträge und so, wodurch die Einkaufskosten stark gesunken sind. Außerdem muss der Typ an Max keine Miete oder Strom bezahlen und wenn es mal Events gibt, ist Max wieder als Sponsor mit dabei. Seither brummt der Laden ohne Ende.

Generell muss man es sich einfach so vorstellen. Am Anfang habe ich noch viel alleine unternommen. Auch Natalie hatte zu Beginn noch einige Aktivitäten ohne uns. Mittlerweile ist es aber so, dass wir eigentlich alles zusammen machen. Nicht, weil es dafür irgendwelche Bedingungen gibt oder wir einen Kompromiss eingegangen sind. Nein, es hat sich so entwickelt. Wir sind ganz organisch miteinander gewachsen. Das geht also auch ohne Kompromisse, Regeln oder Zwänge.

Hat sich da dann nicht doch Lieben entwickelt? Doch, natürlich hat sie das. Ich liebe Max, Natalie, Nina und auch Tony und das bedingungslos aus vollem Herzen. Aber nicht diese romantische Liebe. Vor einigen Jahren habe ich mich da mit Tony drüber unterhalten. Dieses Gefühl, meine Freunde wirklich zu lieben und ob das etwas mit der Liebe zu tun hat und wenn ja, warum mit vier Personen und nicht mit einer. Tony hatte dafür eine ganz simple Antwort. Man kann ja auch zwei Hunde von ganzem Herzen lieben. Soll ich euch was sagen? Damit hat Recht! Max hat zwei Hunde und die liebe ich mittlerweile auch über alles. Da habe ich mir aber nie diese Frage gestellt und warum? Die Gesellschaft zwingt einen nicht, nur einen Hund zu lieben. Da dürfen es auch gerne zwei oder fünf sein. Das ist völlig okay. Aber, man bekommt ja immer eingeimpft, man kann nur einen Menschen lieben und das ist einfach Schwachsinn. Ich liebe vier und auch wenn ich nie in einen von denen verliebt war, sind sie meine Familie. Jetzt komm mir aber keiner mit Inzest, ihr wisst wie ich das meine. Sie gehören zu mir und ich zu ihnen. Ich muss mit keinem von denen zusammen sein. Trotzdem liebe ich sie mit allem was ich kann. Ohne Kompromisse, Regeln, Vorschriften, Zwänge.

Bliebe noch der Punkt Familienplanung. Ja, natürlich habe ich mir da auch schon meine Gedanken drüber gemacht, was ich auch schon in einer anderen Geschichte geschrieben habe, wenn ich mich nicht irre.

Zuerst einmal, auch wenn ich den großen Wunsch habe geschwängert zu werden und in sehr vielen Gelegenheiten mit dem Feuer spiele, Nachwuchs steht eigentlich nicht mehr auf dem Plan. Ich bin über 40 und auch mein Frauenarzt hat in der Hinsicht schon gesagt, es sei gesundheitlich keine gute Idee. Also von daher ist das Thema für mich eigentlich durch.

Aber, wäre denn Nachwuchs in so einer Konstellation möglich? Gesellschaftlich natürlich nicht und das Kind hätte spätestens am dem Kindergarten auch so seine Probleme. Ich meine, es wäre mit Sicherheit eher ein Außenseiter. Wer hat denn schon einen Vater und drei Mütter? Davon aber abgesehen bin ich der Meinung, wir könnten einem Kind ein super Zuhause bieten. Dabei rede ich gar nicht vom Geld, obwohl das natürlich auch ein Punkt ist. Aber ich meine das eher so. Erstens, ich würde nie und nimmer stillen. Ich selbst bin auch mit der Flasche aufgezogen worden und gut geraten, würde ich mal sagen. Das heißt, wenn der Nachwuchs in der Nacht ein Fläschchen will, wären vier Personen da, die sich darum kümmern könnten. Nicht nur eine oder zwei. Folglich, es wäre immer einer da, der ausgeruht und frisch für den Nachwuchs ist. Über Tag wäre da auch noch Tony. Also sogar fünf Menschen, die den Nachwuchs bespaßen könnten. Dann noch die Vielfalt an Wissen, die man dem Kleinen mitgeben könnte. Wobei ich da wohl raus falle, ich hab irgendwie keine besonderen Fähigkeiten. Aber Max zum Beispiel könnte dem Kleinen die besten Tricks in der Geschäftswelt beibringen. Natalie könnte den Nachwuchs in ihren Kampfkünsten unterweisen, Nina ihm programmieren und Elektronik beibringen. Tony wäre der Mann, der dem Kind Selbstständigkeit im Haushalt beibringen könnte, wie man effizient einkauft und den Garten geschickt im Zaum behält. Das geht alles in einer zweier Beziehung einfach nicht.

Mein Fazit ist also, für mich ist dieses Modell definitiv die bessere Wahl. In acht Jahren mit drei Personen nie Streit gehabt zu haben, spricht deutlich dafür. In jeder meiner Beziehungen begann der Streit spätestens nach dem ersten Jahr. Zudem diese Freiheit. Ich stehe morgens auf und der Tag läuft genauso, wie ich es haben will. Das ist unglaublich. Zum guten Schluss dann der Moment im Bett, wo noch ein paar Gedanken kreisen. Die kreisen seit acht Jahren nur um schöne Dinge. Ich schlafe nie ein und habe das Gefühl, ich könnte etwas verpasst haben und frage mich auch nie, ob ich irgendwo die falsche Entscheidung getroffen habe. Auch frage ich mich nie, ob ich bei irgendwem einen Fehler gemacht habe. Man könnte sagen, ich schlafe jede Nacht glücklich und zufrieden ein und genau das ist ein Segen, wenn ihr mich fragt.

Das heißt nun aber nicht, dass dieses Standard-Monogamie-Familien-Modell falsch ist. Keines Wegs. Ich denke nur, die Art, wie es die Meisten leben ist nicht richtig. Ich bin der Meinung, wenn man sich für ewig an jemand bindet, dann sollte das auch jemand sein, den man bedingungslos akzeptiert und er einen selbst bedingungslos akzeptiert. Jeder kann ja seine eigenen Interessen und Vorstellungen haben. Die können über die Zeit auch zusammenwachsen, ganz klar. Aber sobald Kompromisse, Regeln aber besonders Zwang und Vorschriften ins Spiel kommen, ist es nicht mehr richtig.

Habt ihr auch eine Meinung dazu? Dann hopp! Mein Postfach und die Kommentare warten.

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